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Zvettag, 12. Oktober 1917.

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Kücktrittsabsicht des Staatssekretärs v. Capelle?

£ Bciliir, 11. 011 (Gig. Drahtbericht, zb.) DieBoss. Ztg." meldet in fettestem Sperrdruck: Wir glauben zu wissen, daß Staatssekretär v. Capelle die Konsequenzen aus dem Widerspruch seiner Darlegungen zur Auffassung des Reichs­kanzlers ziehen wird. Das Blatt meldet weiter: Wie wir zirrerlässig erfahren, stehen die Beschuldigungen, die Staatssekretär v. Capelle in der vorgestrigen Reichstags- sitzung gegen drei Mitglieder der unabhängigen sozialdemo­kratischen Fraktion erhoben hat, im Gegensatz zu der dem Staatssekretär wohlbekannten Auffassung des Reichs­kanzlers. Diese Beschuldigungen mutzten die drei Reichs- tagSabgeordneten als strafbare Mitwisser oder Beteiligte an dem Verbrechen einzelner Marinesoldaten erscheinen lassen, während der Reichskanzler lediglich auf di« persönlichen Beziehungen dieser Mannschaften zu der Organisation der unabhängigen Sozialdemokratie und den im Reichstag genannten leitenden Persönlichkeiten dieser Partei, sowie ans deren Unterstützung der Soldaten mit Werbematerial Hin­weisen wollte, um hierdurch die schweren Bedenken zu recht­fertigen. dre ihn zwangen, diese Agitation von der Marine , und Beamtenschaft fernzuhalten.

j Diese Darstellung derVoss. Ztg." ist nur bedingt richtig Nach unserer Kenntnis hat in der Tat Staats­sekretär v. Capelle sich überrascht gezeigt, daß gegen Schluß der Dienstagdebatte Dr. Michaelis, was die Mit­schuld der drei unabhängigen Sozialdemokraten an dem Ver­brechen mehrerer Marinesoldaten betrifft, so ab- schwächende Erklärungen abgab und ihn sozusagen iin Stiche ließ. Insofern besteht zweifellos ein ernster Gegen­satz. Aber wenn Exzellenz v. Capelle die Konsequenzen voll- kcmmen logisch ziehen will, kann er sich in erster Linie, so wird uns gesagt, nur an die übliche Praxis gehalten heben, die. wie unter Bismarck, bei scharfem Gegensatz eines Staats­sekretärs oder Staatsministers zum Parlament zur Ein­reicharg eines Rücktrittsgesuchs führten, um der Krone die sofortige freie Entschließung zu ermöglichen. Die Kritik innerhalb der Fraktionen, die heute früh fast sämtlich zu Beratungen zusammentraten, war dem Staatssekretär v. Capelle gegenüber, was offenkundig ist, sehr scharf, aber man bat vergessen, daß der Reichskanzler persönlich die Ent­hüllungen angekündlgt und die Unabhängigen von vornherein außerh-alb des Paritätsrechtes gestellt hatte. Die Aktion des Staatssekretärs v. Capelle war ohne Zweifel vom Kanzler gebilligt, wenn nicht gewünscht worden. Hat er nachber den Staatssekretär allein gelassen, so bleibt die Mit­verantwortung auf ihm haften. Abg. v. P a h c r, der gestern abend vcn Dr. Michaelis empfangen wurde, dürfte dem Reichs­kanzler in seiner Darstellung der parlamentarischen Lage hierüber keinen Zweifel gelassen haben. Der gegenwärtige Augenblick erscheint für die Lösung der latenten Krise nicht geeignet. . Man nimmt aber als sicher an, daß der Kaiser nach dem Weggang des Reichstags bedeutende Verände­rungen in den höchsten Reichsstellen vornehmen wird. Vielleicht ist der Abschied des Staatssekretärs v. Capelle der Anfang. DieBoss. Ztg." ist ihrer Sache so sicher, daß sie über die ganze Seite als Hanptüberschriff die Worte trägt: Bevcrftehender Rücktritt des Staatssekretärs v. Capelle!"

ver deutle Kbendbericht vom N. Oktober.

W. T B. Berlin, 11.0kl, abends, (Amtlich. Drahtbe-richl)

Keine größeren Kampfharchlungen.

Tagesberichte unserer Verbündeten.

W. T.-B. Wien, II. Qkt. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 11. Oktober, mittags: Auf keinem Kriegsschauplatz größere

Kampfhandlungen.

Der Chef des Generalstabs.

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W. T.-B. Sofia, 10. Oft. MazedonischeFront- Mehrere »eu eToil ottc nördlich Lcr. Titelt a. Etwas lebhafteres Ar- Eerreseuer im Cernadogcn und westlich des Wardar. Südlich der ® h o ° * 1 a n SewWte heftiges Artilleriefeuer des Feindes, das ° m £ftotet begann und wahrend der Nachr und auch am Margen , ? .Z 1 ** embiclt. Nach längerem Trommelfeuer griff die feindliche ^nfanteric unfere Stellung an zwei Punkten an. Der Angriff des Feindes wurde durch unser Artillerie, und In- mntcriefeuer g e b r r «t e n. Nur einer kleinen Anzahl feindlicher Soldaten gelang es vorübergehend, in einem vorgeschobenen Graben ,a,1en ' ober durch ein schweres Handgemenge wurden sie vernichtet. In, allgemeinen sind die feindlichen Verluste nemlrck schwer und die unseren äußerst gering. Rumänische tf t o n t; Geringe Fcuertätigkcit, die westlich von Tulcea etwas leb­hafter war.

Das Programm bos neuen russischen Kabinetts.

W.T-B. Petersburg, io. Okt. Meldung der Petersburger Telegrapbenagentur Die Regierung wird zur Entwicklung und Einrichtung der Arbciterbörsen und 'der gewerblichen Schiedsgerichte beitragen und Maßnabmei: zur allmählichen wirtschaftlichen Ab­rüstung vorbereiten, un, einen: unvermeidlichen Stillstand der Arbeit vorzubeugen. Was die Agrarfrage anbclmgt, so ist die Regie- rung der Ansicht, daß die Beziehungen der Grundeigentünier und Bauern hinsichtlich des Lcs;tzes der Ländereien von landwirtschaft­lichen Ausschüssen geregelt werden können, di-, ohne die gegen- wartrgen Beßtzvechältnisse auzutaste», sich mit der Ausbeutung der

MorgemKusgabe.

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Ländereien befassen können, um sie zmii Anbau tauglicher zu machen. Auf dem Gebiet der Finanzen plant die Negierung eine Erb­schaftssteuer, eine stufenweise Steuer auf Gewinne, eme Steuer für Luxusioaren, eine besondere Steuer sür Immobilien, eine Ver­mehrung aller indirelten Steuern, die Einführung mehrerer Mono­pole und schließlich eine strenge Sparsamkeit in allen Ausgaben des Staates. Die Regierung wird weiter die Entwicklung der demo­kratischen Einrichtungen auf der Grundlage örtlicher Selbstverwal­tung und unter Aufficht von Regierungskommissarrn fortsetzen. Die Regierung »ird allen Rationalitäten das Recht zugestehen, auf den Grundlagen, die die verfassunggebende Lersanrmlung cius- crrbeiten wird, über ihre Zukunft zu bestimmen, und wird sogleich einen besonderen Rat sür natirvale Angelegenheiten wählen, um deren Losung durch die verfassunggebende Versammlung zu erleichtern. Die Erklärung schließt mit einem Aufruf an die ganze Nation, sich eng um die Regierung zu scharen, un: mit ihr an der Verwirklichung der gegenwärtigen Grundproblenre mitzuwirken, nämlich der Verteidigung des Landes, di« Wiederherstellung oer Ordnung und die Einberujung der verfaffunxgebenden Versammlung.

Ein japanischer Vorschuß an Rußland.

W. T.-B. New York, 10. Oft. (Drahtbericht. Reuter.) Den hiesigen amtlichen japanischen Kreisen ist zur Kenntnis - gebracht worden, daß Japan der russischen Regierung 66 667 Rubel zu 6 Prozent Zinsen vorge­schossen hat.

Die Zarin-Witwe im Sterben. f Stockholm, 10. Okt. (zb.) Den russ,schien Blättsrn wird aus Aalta auf der Krim gemeldet, daß mit dem Ableben der Kaiserin-Witwe Maria Feodorowira stündlich gerechnet wird. Me Kaiserin-Witwe, die schon seit einigen Tagen das Be- wugtfcin verloren hat, liegt in Agonie. Die Großfürstinnen Olga und Xema weilen am Sterbelager.

Der Bruch Uruguays mit Tenffchland.

W. T.-B. Berlin, 11. Okt. (Dcahtbericht.) Der (Ae- schäststräger der Republik Uruguay teilt dem Aus­wärtigen Amt auftragsgemäß das Dekret seiner Re­gierung mit, in dem die Beziehungen zum Deutschen Reich ohne Angabe von Gründen :ils abge­brochen erklärt werden. Zugleich bat er urn Aus­händigung seiner P ä s s e.

Der Rückgang der englischen Einfuhr.

W. T-B. Berlin, 11. Oft (Drahtbeeichl) Die englische Einfuhr schrunwft zusammen. Die neuesten eng­lischen Eiufuhrzifferu weisen weiteren starken Rückgang auf. Vergleicht man die ersten acht Monate 1915 mit dem qleicken Zeitraum 1917, so ergibt sich zürn Beispiel bei Holz ein Rückgang der Einftlhr von 2 500 000 Lasten auf 850 000 Lasten, der Eisen- und Stahleinsuhr von 766 000 Tonnen auf 817 000 Tonnen, der Einfuhr von Rohglyzerm von 84 500 auf 5700 englische Zentner, der Einfuhr von Phesphatdüngemitteln von 286 u00 auf 116 000 Tonnen; die Einftlhr von Flachs, Hanf und Jute zeigt einen Rückgang von 428 000 auf 242 000 Tonnen.

Eine sehr sorgenvolle Rede des englischen Landwirtschaftsministers.

Nach englischen Blättern hat Landwirtschaftsminister P r o t h e r o am 6. Oktober in ausführlicher Rede vor der Landwirtschaftliche i Vereinigung in Darlington über die Pflicht der Landwirte zur Vermehrung des Ackerlandes um 8 Millionen Acres und zur Lieferung von Milch und Schlrcht- vich gesprochen. Das neue Landwictschastsjahr, sagte er, be­ginnt mit lauter und eindringlicher Mahnung zu gesteigerter Anstrengung und erhöhter Aufopferung. Bon der Vorbe­reitung und Bestellung der Felder und der Fütterung des Viehs in den nächsten Monaten ivürdeu die inländischen Brot- und Fleischvorrüte für 1913 rrbhängen. Unsere Nation kämpft auf Leben und Tod. Aiannschastsersatz, Munition, Geld und Zeit kämpfen auf unserer Seite. Das ist keine Frage! Nur die Lebensmittelfrage ist zweifel- bafl Vergegenwärtigt euch, was Mangel bedeutet! Hunger tut weh! Wenn der Krieg fortdauern sollte, könnte der Hunger uns zur Unterwerfung oder zur Ovserung unserer Freiheit und eines dauernden Friedens zwingen, die ein doller Sieg uns sichern würde. Nach dem Kriege konnte der Hrvaer uns die ,-u besonnener Handlungsweise notwendige Geduld und Mäßigung rauben, und die Aufgaben, die der Friede allenthalben mit sich bringt, hoffnungslos verbittern. Aber gleichviel, ob der Herbst 1918 uns im Kriege oder im Friedei: findet, die Deckung des Lebrnsmittelbedarfes ist eine Lebe ns trage, deren Entscheidung Niederlage oder Sieg, geordneten Fortschritt oder Revolution bedeutet, denn wir können uns für den täglichen Unterhalt nicht länger auf fremde Märkte verlassen, sondern nur des BroteL und Fleisches ficqer sein, das wir im Inland hervorbringen.

Die VersorgungZsLwierigkriten in Frankreich.

W. T-B. Bern, 10. Okt. Nach Lyoner Blättern setzte die französische Kammer gestern die Besprechung der Jnter- pwllationen über die Versorgung fort. Tissier griff die Regie­rung wegen ihrer Haltung gegenüber der Landwirtschaft an. Cs feile an Maschinen, Arbeitern und Düngemitteln. Der LandwirtschaftSnttnister David erwiderte, die Einfuhr «rache Schwierigkeiten. Deshalb sei ein gemeinsames Ankauf, und Frachtamt der Müert-en gebildet war-

Nr. 520. 65. Iahrgsns.

den. Man strebe danach, die wirtschaftlichen und kriegerischen Leistungen gegeneinander auszugleichen. Frankreich, das schon aus den Schlachtfeldern mehr leiste, dürfte nicht auch die größten wirtschaftlichen Anstrengungen zugemutet werden. -Ferry ersuchte die Regierung, die Lösung dieser Frage nicht ü.:m Großen Hauptquartier zu überlassen, worauf der Ver­so r g u n gs m i n i st e c erwiderte, die Regierung sei der­selben Ansicht und werde alles tun, um sie durchzusetzen. Sie rechne auf die Presse, um dem Lande die Notwendigkeit von Einschränkungen begvcfflich zu machen. Der Krieg werde nur Erfolg haben, wenn das ganze Volk seine Willenskraft zu- sanrnreuraffe.

Nach dem Sizialistcnkongreß in Bordeaux.

Br. Berlin, 11. Oki. (zb.) Nach Schluß des Kongresses von Bordeaux herrscht, wie oerL.-A." berichtet, der Eindruck vor, daß Thomas und Compere Morel Portffriilles erhalten werden, übrigens wurde in der Dienstagfitzung des Kon­gresses beschlossen, in derHurnanite' »einen Artikel Wetterlös aus dem Iah jt 1903 ibzwracken, der das Vorrecht Deutschlands an Elsaß-Lothringen aner­kannt haben soll.

Br«rd französischer LebenSmfttrllager.

W. T.-B. Bern, 10. Okt. Dar LyonerRmMelkiste" mel­det «us Dole, daß in den dortigen Lagerh«i.r»s«DN ein Brand auslbrach, der infolge des heftigen Sturmes einen großen Umsang annolhui. Der Schaden wird bereits auf meh­rere Millionen Franken geschätzt. Me ganzen Mehlbestände und sehr viele Lebensmittel sür di« Um­gebung wurden vernicht«!

Die Kabinettsbildung in Schweden.

W. T.-B. St»cklj«lm, 11. Okt. (Drahtbericht.) Der König hat Landeshauptmann Wide n, Präsident der Zweiten Kammer der seiner politischen Anschauung nach den gemäßigten Liberalen ang«hört, mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Deutsch« Reich.

Eine Anfrage im Reichstag über die neuerliche Papier­preiserhöhung. I-. Berlin, 11. Okt. (®ig. Drahtbe-icht. z!b) Dr« Abgeordneten Dr. Junck, Dr. Marcour und Gewsten- berger haben im Reichstag folgende kleine Anfrage gestellt: Me der Zeitungsverlqg Nr. 40 tom 5. Oktober meldet, droht dem Zeiiungsgenerbe am 1. November wieder eine Erhöhung der Pvpierpreife, und zwar um 11.65 bezw. 13.65 M. für 100 Kilogramm. Tas bedeutet den Zusammenbruch vieler, insbesondere kleinerer und mittlerer Zeitungen. Es scheint unmöglich, die Abwälzung dieser stetigen Steigerung des Papierpreises immer wieder auf die Be­zieher, zumal die Minderbemittelten, abzmoäl.zen. Was gedenkt der Herr Reichskanzlers zu tun, um den gerade in der gegenwärtigen Zeit zur Erhaltung eines gesunden vaterländi­schen Geistes doppelt notwendigen Fortbestind, besonders der mittleren und kleineren Press«, zu sichern. Ist er gewillt, endlich Höchstpreise für Zellstoff- und Druckpapier einAu- fühvcn?

Deutscher Reichstag.

(Eigener Drahtbericht des «Wiesbadener Tagblatt»".)

# Berlin, i I. Oktober. ^

Am Bundesratsrisch: Dr. Helfferich, Graf v. Rocdern, Wallraf.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 10,32 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung des Gesetzes über die

wiederffersteSung der deutschen ksandelsflottk.^

,A5g. Bell (Zentr.) empfiehlt einen Antrag auf ander­weitige Staffelung der Beihilfen an die Reedereien.

Abg. Herzfeld (Unabh. Soz): Wir können dieser Liebes­gabe an'die Unternehmerschaft nicht zusttmmen, da sie auf Kosten der Arbeiterschaft geschieht, auf Kosten des vom Reichskanzler geächteten Proletariats.

Avg. Emmel (Soz.): Mit dem angestrebten Zweck des Gesetzes sind wir einverstanden, den W e g aber halten wir für f a l s -h. So lange nicht die Entschädigung der sonst durch den Krieg Geschädigten feststeht, können wir einem so weit­gehenden Gesetzentwurf nicht zustimmen, sofern nicht unser Antrag angenommen wird, den Fciedenswett der verlorenen Sckifse zu ersetzen und das übrige als Darlehen zu ge- wäbren.

Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt und das Gesetz sodann mit dem Antrag Bell gegen die Stimmen der beiden sczialdemokrattschen Fraktionen angenommen.

Staatssekretär Dr. Helfferich: Mit dem soeben verab­schiedeten Gesetz ist ein starker Grundstein für Deuffchlsmds Wiederaufbau nach dem Krieg gelegt worden. Das Gesetz soll nicht ziw! Vorteil einzelner Klassen, sondern z u m W o h le des ganzen Volke s, auch der breitesten Schicht unserer arbeitendenBevolkerung dienen. Ss groß auch die unmtttelbare materielle Bedeutung der Vorlage ist, so ist sie jedoch ein Symbol, daß bas Volk im Getöse der furchtbarsten Schlacht daran denkt, sich das freie Meer zu sicherst