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Montag, 8. Oktober 1917.

Morgen-slusgabe-

Nr. 512. ♦ 65. Jahrgang.

ver Tagesbericht vom 7. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Okt. l Amt!ich.) ., , .

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei Regrnfällen und Wind blieb di- Gefechtstätig- kcit bei fast allen Armeen gering.

In Flandern lag starkes Störnnqsfeucr, durch­setzt mit einzelnen heftigen Feuerstößen, auf dem Kampffclde zwischen Poelkapelle und Handvoorde.

Vor Verdun lebte auf dem Ostufer der M-as dre Fruertätigkcit zcitweillg auf.

Erkundungsgescchte riesen dort und in mehreren anderen Abschnitten eine Steigerung des beidersetttgen Feuers hervor _

Die Auswertung von Lichtbildaufnahmen unserer Flieger bestätigt, daß unsere Bombenangriffe auf dre Festung Dünkirchen starke Zerstörungen ln tr.iftmnt Stadtvierteln, besonders an den Hasen-, Speicher- und Bahnanlagen verursacht haben. Emp- kindliche Hemmungen des englischen Nachschubs wer- den dadurch erreicht worden sein

östlicher Kriegsschauplatz.

Front deS Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Nordöstlich von R i g a, bei D n n a b u r g und am Z b r u c z bekämpften sich mehrfach die Artillerien lebhaft.

Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.

In der Bukowina griffen die Puffen unter Ein­satz von Panzcrkrastwagen unsere Stellungen bei St. Onufry und Waschkouh an/ Der Feind wurde durch Feuer abgewicsen, aus Waschkoutz durch Gegenstoß dcut- scher und österreichisch-ungarischer Gruppen vertrieben.

Gefangene blieben in unserer Hand.

Bei der

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen lebte am unteren Sercth und bei Tulcea die Kampf- tätigkcit der Artillerien auf.

Mazedonische Front.

Nichts Wesentliches.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

SP

ver deutle Kbenlberlcht vom 7. Oktober.

W. T.-B. Berlin, 7. Okt.. abends. <Amtlich. Drobt- kerickt/ In Flandern am Abend -ich sieigernder Feuerkan'pf zwischen Langemarck und Zor.nebecke.

An den übrige» Fronten nichts WeseutlickcS.

Die ungeheuren blutigen Verluste der

Engländer.

W. T.-B. Berlin, 6. Okt. Die ungeheuren blutigen Verluste der Engländer bei ihrem ergebnislosen Ent- scheidungskampf vom 4. Oktober bestätigen, sich. In die dichten Massen der tief gegliederten englischen Sturnckruppen — aller» beim FrllhangnZ wurden rund 100 000 Mann auf einer Breite von 1k Kilometer ein­gesetzt — schlug unser vernichtendes Sperr- und Ab­wehrfeuer, von dem auch die dichtnnffolgenden semd- lichen Reserven erfaßt wurden. Im späteren Verlauf des Kampfes räumte unser von vielen Stellen einsetzen- des Maschinengewehrfeuer furchtbar unter den engli­schen Sturmkolonnen auf. Dasselbe Schicksal erlitten bei dem zweimaligen abendlichen Anstürmen westirch Pasfchendaele und beiderseits der Chaussee Nvern-Menin. die erneut in den Kampf geworfe­nen frischen Truppen des FeindeS. Tis englischen Be­richte versuchen dem eigenen Volk die Verluste als „un­glaublich gering" darznstellen. wie die „Daily Mail" sich ausdrückt. Die Berichte über die englischen Ver­luste sind allerdings unglaublich. Ten stereotypen Be­hauptungen dieser Berichte steht die öffentliche Zu­sammenstellung der englischen Verluste gegenüber, nach der die Verluste der großen Kämpfe im August und September über die Maßen hoch gewesen sein niüssen. So betrug die Zahl gefangener, verwundeter und ver­mißter Offiziere an einem Tage 511, am anderen Tage ül«r 100. Diese Zahlen bedeuten die größten Offiziers- velluste. die während des ganzen Krieges an einzelnen Tagen gemeldet wurden.

Tod eines französische« Admirals.

W. T.-B. Bern, 6. Oft. „Petit Parisien" meidet mi? Toulon: Konteradmiral Biard ist am 26. September an dem Folgen ton Brandwunden, die er sich auf einem Kriegs- «chiff zugezogen hatte, gestorben. Biard befehligte eine Divi- ston der Mittelmeerflotte.

Eine Holländerin in Paris standrechtlich erschaffen.

W. T.-B. Berlin, 6. Oft Kata Hary, die holländische Tänzerin, ist m Paris unter dem Verdacht der Spionage «wihrettfy ikft arschojssn worder». S« tzt getütet worden, ab»

wohl das gerichtliche Verfahren ihre Schuld nicht hat erweisen können, und obgleich sogar Pariser Blätter für sie gesprochen halben. Sie :st getötet worden vom de-selben Regierung, dre einist Miß Carell, die englische Spiomin, die ihr Vergehen ein- gestanden hat. zur Märchrerin stempelte und ihre Hinrich- lung der deutschen Ration äls einen Mt unerhörtester Bar­barei zum Vorwurf gemacht hat.

vie Lebensmiltetkrise in Frankreich.

Br. Lugano, 7. Okt. (Eiy. Drahtbericht, zb.l Der Lebens- mittelkcmmisiar C a n e p a hat seine Entlassung ge­geben. Alle Bemühungen m den fast ununterbrochenen täg­lichen Minister raissitzungen und besonderen Zusammen­künften, die Krise in der Organisation der Lebensmittelver­sorgung zu bi schwüren, sind fehlgeschlag-n.

\V. T.-B. Bern, 6. Okt. Lyoner Blätter melden aus PariS: Tie Kammer erörterte gestern verschiedene Jnter- pellatiinen über die Verproviantierung Frank­reichs. Dubais bestritt die Richtigkeit der vom Berpro- viantierunpöminister angegebenen Zahlen über den Getoeide- tedarf, der in Wriklichkeit viel größer sei. Das jetzige Brot gebe Anlaß zu großer Verschleuderung; es wäre bester, die Nation auf 400 Gramm gute? Brot herabzusetzen als 500 Gramm schlechtes abzugeben. Der Vecproviantierungs- minrstrr gab zu, daß in Paris daS Brot besonders schlecht sei. Er werde nunmehr einheitlich die Ausbeutung des Mehls in ganz Frankieich veranlassen und nötigenfalls die Mühlen in Staatsbetrieb übernehmen. Abgeordneter Bosnier kriti­sierte die Maßnabmen bezüglich des Scklachwiehs; besonders würben viele Pferde unnütz geschlachtet. Der Ackerbau­minister wurde ersucht, anstatt vier Millionen Doppelzentner Sa stnetreide mindestens acht Millionen zur Verfügung zu stellen._

Die Kdiniralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 6. Okt. Nelie U-BootSerfolge auf dem nördlichen Kriegssckpuplatz:

17 080 Bruttoreqistertonnen.

Unter den versenkten Schiffen befanden sich der bewaff­nete englische Dampfer „S a m t a r e n" mit 4000 Tonnen Gaskoks für Archangel und der cnglisckie Dampfer „St. M argaret h" Von dem bewaffneten englischen Dampfer „Sanitären" wurden der Kapitän und der Erste Offizier gefangen genommen.

Weitere Versenkungen.

W. T.-B. Bern. 6. Okt. „Dtpeche de Lyon" meldet aus Paris: Die beiden französischem Vierrnaster „Made- lei ne" <9709 Bruttovogliertonnen) und „Marthe" (8119 Pruttcwegifbertonnen), die am 26. Juli aus einem franzöfi. schen Hrfen auLgcfahren waren, werden als von deutschen Tauchbooten versenkt gemeldet.

W. T.-B. Bern, 6. Okt. „Tvmps" meldet aus Rio de Janeiro: An Bord des französischen Dreimasters ,J8 i fl r r i tz", von Leich nach Montevideo mit Kohlen unter­wegs, brach ein Feuer aus, so daß di« „Biarritz" 250 See­meilen von der brasilianischen Küste vsrlaffen werden mußte und sank. Die Besatzung ilft gerettet.

*

Der Zwischenfall in der Scheldemündung am 25. September.

W. T.-B. Berlin, 6. Okt. über den Zwischenfall in der Scheid«. Mündung am 25 September, in besten Berlins zwei deutsche Flugzeuge von holländischen Seestreitkrästen f e st g e h i l t e n und zur Internierung eingeschlrppt, außerdem ein deutscher Flteger schwer verwundet worden war, erfahren wir oou zuständiger Seite solgendes:

Am 25. September, nachmittags, mußte ein von einem Flug- mcister geführter Marineflugzeug der einer Unternehmung in See infolge Motorschadens umlehren und passierte vor der Schelde- münduug mit Kurs aus Zeedrügge. Dieser Kurs führte ftei ron der „ach holländischem Anspruch gezogenen Grenze der niederländischen Hoheitögewässer. Bor der Scheldemüudung wurde da? Flugzeug, da der Motor ansmg zu brennen, zu einer Rotlandung ge- zwungen, und zwar außerhalb der von der holländlschen Regierung beanspruchten HohcitSgewösser. Beim Niebergehen aufs Master mußte des Flugzeug aber gegen den östlichen Blind beidrehen und ist ans der Wasierobcrsläche noch ein Stück vorwärts gefchostsn, wo er gelang, zu ankern. Der Anker ist dann iitnerhalb der von der hollän­dischen Regierung beanspruchten Seegrenze gefallen. Da§ Flugzeug wurde bald voit den L a n d b a t t e r i e n aus beschossen uitü schließlich von einem holländische» Wachtsahrzeug angerufen und als interniert erklärt. Der Flugzcngführer hat der Inter- nierung widersprochen und icrlangt, daß eine Entschetoung der vor- gesetzten holländischen Behörde cinzuholen wäre Dir ruf ist au« Blisiingen ein Toroedoboot gekommen, da» die Entscheidung brachte, da» Fabrzeug müste zunächst cingcschlevpt werden. Dieser Enlscher- düng haben sich die deutschen Flieger vorbehaltlich der Erledigung ron Regierung zu Regierung gefügt. Das Flugzeug war inzwischen in Zeebrügge vermißt und es wurden weitere Flugzeuge zum Suchen aukgeschickt. Diese ,ind stets außerhalb der von Holland beanspruchten Seegrenze geblieben, aber dennoch vom holländischen Land aus de- schossen worden. Der Führer einer dieser Flugzeug- ist dann aus dar Master niedergegangen, um mit dem holländischen Torpedoboot in Verbindung ,u treten. Beim Versuch, in Richtung Zeebrügge aus- zustetgen, wobei ebenfalls holländisches Seegebiet nicht berührt wor- den rst, wurde das Flugzeug von, Torpedoboot verfolgt und von besten Mannschaft aus kurze Enisernung mit Gewehren beschosten. Hierbei wurde ei» vi^slugweitzer getresjeu. der schwer verwundet

zusammenbrach. Das Flugzeug, das vom führenden Offizier zum Stoppen geörachi wurde, wurde von dem holländischen Tor­pedoboot gerammt. Der Tcrptdckommandant sagte tu dem. flügzeugführende Offizier, daß er interniert sei, wogegen dieser protestierte. Er bentühte sich dann an Bord des holländischen Tor­pedoboots, unt einwandfrei den Schisfsort feststellen zu lassen, doch wurden hierzu keine Anstalten getroffen.

Entgegen den bisher vctliegenden holländischen Blättrrst'.mmen, die den Vorfall zuni Teil wesentlich anders schildern, ergibt sich dem­nach so!get:deS: 1 Die holländischen Landbattcrten haben deutsche Flugzeuge über der Scheldemündung beschosten, ohne daß diese das von der holländischen Reqicinng beaitspruchte Seeterritorium berührt l-abeit. 2. Eines der Flugzeuge, dos angeblich Innerhalb der von Holland beanspruchten Grenze gelandet lein soll, ist in Wirklichkeit außerhalb derselben gelandet unt vurch höhere Ge­walt über die Grenze getrieben worden. Ein Grund zu drsten Inter­nierung lag dentnach nicht vor. 3. Außerhalb ver holländischen Hoheitsgewäster Hit ein holländisches Torpedoboot ein deutsches Flugzeug beschosten, den Flugmeister schwer verwundet und das Flug­zeug selbst mit dein ftikrenben Offizier widerrechtlich aufgebracht.

Wie wir von zuständiger Stelle crsah-en, find dir nötigen tiplomatischea Schritte zwischen der deutschen und hollä»» t ischen Regierung in bieder Angelegenheit inzwischen eingeleitet worden.

Oer Krieg gegen Rutzland.

Ein Friedensappell an die vemokratien der ganzen Welt.

W. T.-B. Petersburg, 6. Okt. (Petersburger DÄsgra- plhenogentur.) Awf der letzten Sitzung der demokratischen Konferenz erklärte der Abgeordnete Ticvhm, daß dte Konferenz nicht schließen könne, obne sich übsr den Krieg auszusprechen. Deswegen schlage er tm Namen der minimaltstischcn Sogtu» lilstenpactei und der Demokraten vor, einen Appell an die Demokratien der ganzen Wett zu richten. Dieser Appell fängt mit der Feststellung an, daß Rußland gezwungen sei, Krieg gegen zivei Fronten zu fuhren, näntlich gegen den äußeren Feind und gegen den inneren Feind, d. h. gegen die Gegen- revolutiom, die da? Unglück des Vaterlands ausznbeuten sucht. Vor 6 Monaten habe die russische Demokratie eine Kund­gebung erlassen, wonach die Notwendigkeit eines Frieden! ohne Annexionen und Entschädigungen aus der Grundlage des Rechts der Völker, ihr Los selbst zu bestimmen, vorltege. An biefctm Zeitpunkt, heißt es weiter, war die mili» tärrsche Lage Rußlands vebhältnismäßig günstig und di« gegnerischen Mächte suchten mit ihm einen ehrenvollen Fris- den zu schließen. Alber Rußland wie! den Gedanten einer Sonderfciedens niit dem deutschen Imperialismus ab uns hoffte, daß die Völker der beiden Koolftionen sich erheben uns :hre Regierungen zu einem allgeu einen demokratischen Frieden zwingen würden. Indessen kam dieser Friede nicht zustande, und seitdem hat sich ine militärische Lage Rußland! beträchtlich veischleckidert. Ti« Deutschen benutzten Rußland! Desorganisation und drangen in das Innere dos Landes eim Sie ermutigten dadurch di« militaristisch« Gegenrevolution. Der Appell gM d.rnn über zu dem beunruhigenden Gerüchten, tte das russische Volk Bewegen. Die Gerüchte behaupten, es bestehe die Absicht intcrnatienatisiischer Elemente, einen Frieden auf Kosten von Rußland zu verwirkliclren. Die russische Demokratie erklärt tu, dem Appc«» daß sie mit allen Kräften doni Eindringen fremder Armeen in das Vater­land Widerstand leisten wende. Sie werde nicht dulden, daß man fein Gebiet an sich reißt oder Hand an seine Unab­hängigkeit legt. Aber die Sache der Verteidigung des revo- lutirmäven Rußland sei auch die einer jeden Demokratie der Welt. Die Unterdrückung der russischen Revolution würde den Frieden bedeuten auf Kosten der Beraubung eines der kriegführenden Länder und würde die Welt vor eine neu« Rachsdrohung und vor neue Rüstungen stellen. Deshrlb richte die demokratische Konfvrenz, mdem sie den Gedanken einer internationalen sozialistischen Konferenz begrüßt, einen Appell an die Demokatien der ganzen Welt, zu dem FrtvdenS- anstvengungen der russischen Revolution beizuitvagen. D>rS Bureau der Konserenz beratschlagte über den Appell dann. Nachber gab dsr Präsident folgende Erklärung ab: Di« demo­kratische Konferei^ bestätigt den festen Willen der ganzen russischen Demokvitte, für die Derwirrklichung eines Friedens ohne Annexionen und Entschädigung zu kämpfen, und drückt den Wunsch aus, daß dieser Wille in einem Manifest auSge- drückt wird, dessen Wortlaut vom Präsidium der Konferenz festzusetzen ist, daS zu diesem Zweck durch Vertreter aller an der Konferenz beteiligten Parteien ergänzt werden soll. Die Konferenz nahm mit aller Stimmen gegen eine den Vorschlrg an unter dem Ruf: „ES lebe der internationale

Friede". Die erste Schung des Vorparlcnr.ent! wird am 6. Oktober im Rathaussaal stattftndem.

Ein Beruhigungsversuch des englischen Botschafter­in Petersburg.

S Stockholm, 7. Oft. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Die Ag't-'tion gegen die Verbündeten sowie die Erbitterung der Bevölkentng gegen England ist in der letzten Woche in Petersburg wiederüm so angewachsen, daß der englische Bi tschafter B u ch a n a n einen Beruhigungsschcitt für an­gebracht hielt. Er versicherte in einer Verbalnote dem Minister de» Äußern, daß die in Petersburg wieder um- laufend«» Gerüchte über Gelüste Englands, eine«