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Wiesbadener TagliM.

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W„ Potsdamer Str.121 K. Feruspr.: Amt Lützow 6202 u. 6203. Tagen und guten wird «ein-Gewähr übernommen,

Samstag» 6. Oktober 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 510. . SS. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom 6. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Olt. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Im Kampfgelände der flandrischen Front ver­stärkte sich das tagsüber heftige Störungsfcuer am Abend zu einzelnen Tro>nmelfruerwellen zwischen Poel- kapelle und G h c l n v e l t.

Englische Angriffe erfolgten nicht; vorstoßrude Er- knndungsabteilungcn wurden zurückgeworfen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nordöstlich von S o i f s o n s nahm abends die Artil­lerietätigkeit an Stärke und Planmäßigkeit zu.

Nordöstlich von Reims scheiterte ein französischer Borstotz.

Ans beiden Maasufern brachen nnsere Sturm­trupps bsi Malanconrt» Bethincsnrt, Forgcs, Samogneux und Brconvaux in die feindlichen Stellungen ein und kehrten überall mit Gefangenen zurück.

Stürmische Witterung schränkte die Fliegertätig- krit ein; fünf Flugzeuge wurden abgeschoffen. Leutnant Müller errang den 29. Lpftsieg.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine grötzeren Kampfhandlungen.

Mazedonische Krönt.

Mehrfach bekämpften sich die Artillerien lebhafter alS säest.

Westlich des Doiransees wurde der Angriff eines englischen Bataillons durch bulgarische Sicherungen ab ge- wirsen.

Der Erste Geueralqnartivrmeister: Ludendorff.

*

Dos N!n-sn bei Ypern.

W. T.-B. Berlin, 5. Okt. An der Flandern-Front suchte am 4. Oktober oer Engländer in gewaltigen Großkampf unter Einsatz stärkster Kräfte mit allen Mitieln die Entschei­dung im Kampfe um tie Unterseebootsoasts. Ein großer Teil der englischen Armeen wurde hier gegen einen Bruchteil der deutschen Armee eingesetzt. Vom frühen Morgen bis späten Abend tobte die erbitterte Schlacht. Hatte die Artil­lerievorbereitung der letzten Tage schon alles bisher Dagewesene übertroffen — nach den Feststellun­gen Churchills vonl 3. Oktober sind allein in der letzten Woche in Flandern viermal so viel Granaten verschossen worden als 1916 an der Somme — so war auch die Fortsetzung des Artilleviekampfes während der Schlacht selbst von bisher nie gekannter Stärke.

Im ersten Morgengrauen warf der Gegner gegen die Abschnitte Bahn Boesinghe-Staden vis zum Kanal von Hclle- beke gewaltige, tief gegliederte Jnfanteriemassen englischer, australischer, neuseeländische: Divisionen unv Schotten zum Angriff vor, denen starke Reserven dichtauf folgten. Alles, was die mc^erne Kciegstechnik an Angriffsmitteln erfunden und geschaffen h-at, begleitete diesen Anprall. Durch unsere wuchtigen und kraftvoll geführten Gegenstöße wurde das er­bitterte Ringen bis zum äußersten gesteigert. Ten ganzen Tag über wogte der Kampf mit unverminderter Stärke hin und her. Unablässig warf der Feind neue Verstärlungm in die Schlacht und versuchte durch rücksichtslosesten Menschencjnsatz die ersten Anfangserfolge zu erweitern. Poelkrpelle, Zonnebeke und Gheluvelt steiften sich bald als Brennpunkte des erbitterten Kampfts heraus. Am späten Abend Vers lichte abermals der Gegner, den eitoa 1 Kilometer tiefen Einbruch in unsere Abwehr^one zu erweitern. Um 6.30 Uhr abends warf der Engländer gegen die Front unseres Trichterftldes westlich 'ßasschendaele-Becelacre frische Jnsan- teriemafsen zum Angriff vor. Desgleichen erfolgte um 7 Uhr abends beiderseits der Chaussee Vpern-Meain ein neuer An­griff, der von starken und frischen feindlichen Kräften ausge­führt wurde. Wiederum entspann sich ein Ringen höchster Erbitterung, ohne daß es dem Gegner gelang, irgmdwelche Vorteile zu erringen. Erst nach 10 Uhr abends flaute die In­fanterieschlacht ab. Die weitgesteckte,u Ziele der Engländer wurden nicht im entferntesten erreicht. In der Abwehrzone unser es Trichterfeldes ist auch dieser neue Großangriff des GegncrS abermals unt-:r allerschve-sten Verlusten blutig zu- sammengebro>chen. Die Leistung und der Heldenmut unserer Truppen, die hier in Flnnder.a in wochenlangem schwerstem Ringen einem vielfach überlegenen Feind gegen­überstehen, der noch vor Jahresschluss die Entscheidung er- zwingen will oder mutz, ist unvergleichlich. Der Versuch englischer Berichte, die weitgesteckten Ziele, die die Ent­scheidung bringen sollen, nbzuleagnen, ist eine bewußte Ü n w a h r k e' t und nichts weiter als eine Borsichtsmaß. regel, die durch die Erfahrung ftühecer Beurteilung der Flandernschlachten geboten scheint.

In der Nacht setzte der Feind lein ZerftörungSfeuer auf unsere Linien fort, das sich in den Morgenstunden des ö. Okt. stellenweise wieder verdichtete.

Während an der Arrasfront und in der Gegend St. Ouentin nur stellenweise die beiderseitige Artillerie- täiipkeit lebhafter wurde, erfolgte aus dem Ostufer 4>er Maas hei Einbruch der Mmtzlheit nach starker Feuersteigeruna der

erwartete französische Angriff beiderseits der Höhe 344. Mit starten Kräften in etwa 2 Kilometer Breite rannte hier der Feind znm zwölften Male innerhalb drei Tagen vergeblich gegen unsere neugewonnenen Stellungen an. Jeder Ge- ländeaewinn blieb ihm versagt. Der neue Mißerfolg kostete wieder die Franzosen hohe blutige Verluste und Einbuße von Gefangenen._

Hindenburg a la snite der lvldenburger 91et

W. T.-B. Berlin, 5. Okt. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser an Generalfeldmarschall v. Hindenburg:

Mein lieber Generalfeldmarschall!

Zu dem heutigen Tage, an welchem Sie das 70. Lebens» fahr vollenden, spreche ich Ihnen meine wärmsten und herz­lichsten Glückwünsche ans. Möchten Sie mir, der Armee und dem Vaterlande noch viele Jahre in voller Frische und Ge­sundheit erhalten bleiben! Es ist mein Wunsch, Ihnen, mein lieber Feldmarschall, noch eine persönliche Freude zu bereiten. Ich weiß, daß treue kameradschaftliche Beziehun­gen Sie mit dem oldenburgischen Infanterie- Regiment Nr. 91 verknüpfen, dessen ausgezeichneter Kommandeur Sie gewesen sind und dessen Ausbildung für den Krieg, die sich jetzt so glänzend bewährt, auch Sie Ihre Kräfte gewidmet haben. Ich stelle Sie daher auch ä la suite dieses tapferen Regiments.

\ Großes Hauptquartier, 2. Oktober 1917.

(Gez.) Wilhelm R.

Die Sdmiralstabsmel-ung.

XV. T.-B. Berlin, 5. Okt. (Amtlich.) Durch die Tätig­keit unserer Unterseeboote im Sperrgebiet um England wur­den neuerdings

17 000 Bruttoregistertonnen

versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich drei bewaffnete Dampfer, von denen zwei englischer Nationalität sind, ferner der englische Fischkutter „P. M. 206 Ronald".

Der Chef des Admiralstabes bet Marine.

*

Ein Kriegsmaterialtransporter zum Stranden gebracht.

Br. Bergen, 5. Okt. (Erg. Drahtbericht, zb.) Ein neues Diesel-Motorschiff von 6000 Tonnen, das mit Kriegsmaterial von England nach Archangel unterwegs war, strandete bei Bodö, als es versuchte, einem, deutschen Unterseeboot zu entrinnen. Das Schiff ist schwer be­schädigt, die Ladung mußte gelöscht werden.

Versenkt.

W. T.-B. Bern, 5. Okt. (Drahtbecicht.) Die beiden französischen Viermaster „M a d e l a i n e" (2709 Bruttoregistertonnen) und „M a r g u e" (3119 Brutto­registertonnen), die am 26. Juli aus einem französischen Hasen ausgefahren waren, werden als von einem deut­schen U-Boot versenkt aemeldet.

Br. Rotterdam, 6. Okt. Lloyds berichten aus Malta, daß der 7020 Tonnendampfer „Montan a" nach dem Auslaufen aus Tunis infolge übermäßiger Belastung sich zur Seite neigte und gesunken ist.

Die Neugestaltung Clsatz-Lothringens.

Br Berlin, 5. Okt. «£ig. Drabtbericht. zb.) Wie in Paria- mentarischen Kreisen nach dein „2 -21." verlautet, wird d:r Reichs- kanzlcr morgen den elsaß-lothringischen Abgeordneten die Fraze über die zukünftige politische Gestaltung der Rcichslande beantworten. Die Slntwort wird jedoch nicht in der Plenarsitzung des Reichstags, sondern in besonderer Zusammenkunft erfolgen.

Oer Krieg gegen Rußland.

Die demokratische Konferenz.

W. T.-B. Petersburg, 5. Okt. lDrahtbericht. Peters­burger Telegraphcn-Agentur.) Die demokratische Kon­ferenz beschloß mit 331 gegen 24l Stimmen die Wahl von 305 Mitgliedern des Vorparlainents.

Kerenski gegen ein rein sozialistisches Ministerium.

W. T.-B. Petersburg, 5. Okt. (Dcahtbericht. Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Wahrend der Be- spr«hung des Blireaus der demokratischen Konferenz er­schien gestern abend Kerenski und wies in einer Rede auf die Gefahren hin, die von einem rein sozialistischen Ministerium für die innere wie für die äußere Politik drohen würden. Er erklärte, daß nur eine Koalitionsregierung das Land ret­ten könnte. Wenn ein anderer Beschluß gefaßt würde, werde er sich ihm unterwerfen, aber seine Entlassung verlangen, um die Regierungskrise nicht zu verlängern.

Der Druck der KInerlen auf Rußland.

W. 1 .-B. Amsterdam, 5. Okt. Einem hiesigen Blatte zu­folge meldet die „Time?" aus Odessa- Nach einem Tele­gramm aus Jcsiy haben die Regierungen der Entente kräftige Schritte unternommen, um sich von den Absichten der russi­schen Regierung und der revolutionären Komitees in Peters­burg zu überzeugen, ferner um Klarheit zu gewinnen, wie Rußlcurd eigentlich gegenüber den Wiierten sicht und welche Maßnahmen es gegen die drohende Demoralisierung

der Armee zu treffen gedenkt. Die Alliierten sind geneigt, für die Reorganisierung und die Neuausrüstung der russischen Armee noch schwere Opfer zu bringen, aber nur unter der Bedingung, daß in Zukunft zwischen Rußland und den Alliierten Einheit des Handelns herrscht.

vrr Mezrzuftanr mit Amern».

Amerikanischer Druck aus die Neutralen.

W. T.-B. Amsterdam, 5. Oft. Das „Algemeen Handels- blad" meldet aus London: Die amerikanische Regierung hat angeordnet, daß rn Zuftmst jedes Schiff, das auf der Aus- reise nach einen: außerhalb Eur-rp rs gelegenen Hafen in einem amerikanischen Hafen bunkert, sich verpflichten mutz, nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren, um seine Ladung, wenn sie für ein an die Mittelmächte grenzen­des neutrales Land bestimmt ist, untersachen zu lassen.

Deutscher Reichstag.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I-. Berlin, 6. Oft. (Eiig. Drahtbericht. zb.) Am Bundes- ratstffch: Dr. Helfferich und Dr. Schwandet.

Präsidenit Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11,12 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst eine Interpellation der Sozialdemokraten, die folgen dermaßen lautet: „Ist dem R«chsLamzl«r bekannt daß im Heer von Vorgesetzten eine eifrige Agitation zuguuster alldeutscher Politik, und namentlich auch gegen Beschlüsse des Reichstags getrieben wird? WaS gedenkt der Reichskanzler zu tun, um diesem Mißbrauch der Dvenstgewalt durch Vorgesetzte Einhalt zu tun?" ML dieser Interpellation wird verbunden eine weitere Jntenpellathm der Sozialdemokraten, die Hautet: „Ist dem Reichskanzler be­kannt, daß von stellvevtretendeu Geuevalkommaudos Verord­nungen erlassen worden sind, durch die das Vereins» und Vers« m ml u nysrecht einseitig zugunsten alldeut- scher Propaganda yehandhabt werden?"

Abg. Landsberg (Scz.): In Friedensseiten ist das Eindringen einer politischen Prapagalntda in das Heer nicht geduldet worden. Dicher Grundsatz scheint jetzt im Krieg aufgegeben zu sein. Allerdings nicht völlig. Ein Zirkular der Sogialdemckvaien Groß-Berlins an die „Vor- wäMts"-Leser im Wasfenrock, ebenso eine Buoschüve des Abg. Stücklen wurden verboten. Der alldeutschen Agitation ab« steht man freundlich gegenüber.

Die alldeutschen Bestrebungen werden durch unzählige Kanäle in das Heer geleitet,

und zwar unter hervorragender Mitwirkung derselben Behörden» die stets die Notwendigkeit'der politischen Un­antastbarkeit des HeereS betont haben. Man weiß, daß die Vaterlandspartei mit dem schönen Namen eine all­deutsche Gründung ist. Der Alldeutsche Verband, der Wehr- verein, der Flottemuaein, der Kolcmialverein, der Ostmarken- verein, die nnabhämgigen Ausschüsse für ein«n deutschen Frieden — es sind immer dieselben Männer, nur die Firma wechsett. (Schr richtig! links und im Zentrum.) Wüßte man nicht, daß der Alldeutsche Verband hinter dieser Parteiströ­mung stebt, man würde es an der Anmaßung merken, die im Namen dieser Partei liegt. Er erinnert an die unangenehme Gepflogenheit, die ja vor dem Krieg oft von jener Seite ge­übt worden ist, die Gegner der eigenen verstiegenen Idee als Vaterlandsftinde zu bezeichnen. Sie behaupten, die Alldeut­schen häkten allein das Recht, zu bestimmen, was deutsch, was vaterländisch ist. Und an der Spitze -dieser Partei stehen Männer, die bisber, ich will parlamentarisch bleiben, unter dem Krieg noch nicht zu leiden gehabt haben. (Zustimmung links und im Zentrum.) Ich behaupte nicht, daß die Vater- landspartei eine Partei von Kriegsinteressenten ist. Auch sehr viele Idealisten sind auf den Leim dieser Partei ge­krochen. Sie fragt, sollen die gebrachten Opfer nutzlos ge­wesen sein? Welch merkwürdige Auffassung! Die Opfer sind gebracht worden für die Rettung DeuffchlandS, und das soll' nutzlos lein? Kann man sein Mut für einen edleren Zweck hinyeben, als für die Rettung des Landes. Wir lassen uns die Liebe zu Deuffchland von niemand nehmen. Unsere Liebe zu unserem Vaterland geht so weit, daß wir Kurland und Lrngwy-Brieg nicht nachjagen wollen, ans die Gefahr hin, Deutschland zu verlieren. (Beifall links und im. Zentrum.) Sie müßten sich darüber klar sein, daß Deutschland, so groß seine Kraft auch ist, ohne Bundesgenossen — so muß die Frage gestellt werden (Sehr richtig links und im Zentrum.) — nicht der ganzen Welt den Frieden diftieren kann. Jn mer wieder ist der Termin, an dem bestimmte Hoffnungen sich verwirklichen sollten, hinauS- geschoben worden. Genau so wie ein zcchlungsunsähiysr Schuldner einen Wechsel prolongieist, den er nicht bezahlen kann. (Große Unrulhe rechts. Zröstimmurrg links und im Zentrum.) Mau spricht von Leben snotwend ig­let ten unseres Volkes. Sie bestehen in ganz an­deren Dingen, als im Erzbeckeu von Longwy-Brieg und von Kurland. (Sehr richtig links.) Wenn man die Bilder­bogen sieht, ivas Deutschland alles haben müsse, um -bestes« zu können, so wundert man sich, daß es uns 4L JMe jo gut