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Zrettag. 5. Oktober 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 508. ♦ KS. Jahrgang.
Ein selten schwerer Schlachttag in ziandern!
ver neue Gewaltstotz Zufammengebrochen!
>V. T.-B«. Gr vH es Hauptquartier, 8, OL (Amtlich^
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Ein Schlachttag von seltener Schwere liegt hinter Führung und Truppen der vierten Armee. Er wurde b c. standen.
Bom frühenMvrgen bis in die Nacht dauerte das Rrngen, das durch wiederholte englische Angriffe aus der Gegend nordwestlich von L a n g e m a r k bis südlich der Straße Menin-Ypern (15 Kilometer) immervonneuem entfesselt wurde. Ununterbrochen wirkten die Artillcrie- maffen mit ä u ß e r st c r Leistung von Mann und Geschütz in das Gelände, in dem sich die erbitterten, hin- und herwogend-,, Kämpfe der Infanterie abspielten.
Brennpunkte der Schlacht waren Poelkapelle, die einzelnen Hofe drei Kilometer westlich von Passchen- dale, die Wegekreuze östlich und südöstlich von Zonne- beeke, die Waldstücke westlich von Becelaere und das Dorf Gheluvelt. über diese Linien hinaus konnte der Femd zwar vorübrrgehend Vorgehen, sich unter der Wucht unserer Gegenangriffe aber nicht behaupten, obwohl er bis zum späten Abend dauernd frische Kräfte ms Feuer führte. Der Gewinn der Engländer beschränkte sich somit auf einen 1 bis iy 2 - Kilometer tiefe» Streife r von Poelkapelle über die östlichen Ausläufer von Zonnebeeke und längs der von dort nach Beeelaere führenden Straße. Das Dorf ist ebenso wie das heißumkämpfte Gheluvelt voll in unserem Besitz.
Die blutigen Verluste der englischen Divisionen — mindestens 11 waren allein beim Frühangriff in der Schlachtfront angesetzt — werden übereinstimmend als sehr hoch gemeldet.
Das gute Zusammenwirken aller unserer Waffen brache auch dresen gewaltigen Stoß der Engländer zum Zusammenbrechen vor dem Ziel, das diesmal nicht, wie behauptet werden wird, eng, sondern unzweifelhaft recht weit gestellt war.
Das Heldentum der deutschen Truppen in Flandern wird durch nichts übertroffen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Auf dem Ostufcr der Maas führten di- Fr an. zosen abends einen neuen starken Angriff — den 12. binnen drei Tagen — am Nordhang der Höhe 344 östlich von Samogneux. Tagsüber bereitete heftiges Feuer, vor dem Borbrechen zum Trommelfeuer gesteigert, den Sturm der französischen Kräfte vor, die von den kampfbcwährten Württembergern fast überall zurückgcschlagen wurden. An einzelnen Stellen wnrden Gegenstöße erforderlich; sie brachten zahlreiche Gefangene in unse,
Auf dem
östlichen Kriegsschauplatz
keine großen Kampfhandlungen.
Mazedonische Front.
Im Becken von Monastir und im Cernabogen war die GefichtStätigkeit lebhafter als an den Vortagen.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
Me Lldmiralstabsmeldung.
W. T.-B» Berlin, 4. OL (Amtlich.) Ain der portugiesischen Küsste und vor der Straße von Gibraltar halben unsere U-Boote neuerdings dreizehn feindliche TranZ- porier und HandMfahrzeuge mit einem Gesamtraum gehakt tum rund
29 000 Bruttoregistertonnen
vernichtet. Unter den versenkten Schilffen befanden sich die bewaffneten englischen Dampfer „Kalar Prirwe" (8(3:1 Tonnen) mit 5601 Tonnen Kohlen nach Gibraltar, „Emble- hm" (5377 Tonnen) mit Kohlen für Italien, und „Avenidol" (1387 Tonnen) mit Chemikalien für Frankreich, der be- »vaffnete italienische Dampfer „Goffvedo Mameli" mit 6000 Tonnen Erz für England, der mit zwei 10-Zentimeter-Ge- sch ätzen bewaffnete muerÄanissche Tcmkdampfer „Platuria" (3445 Tonnen), ferner ein durch Hochsoöschlepper geschlepptes Fahrzeug mit nach Mesopotamien "bestimmten Eismaschinen und Kühlanlagen.
Der Chef des AdmiralftaLs der Marine.
Lin englischer Panzerkreuzer torpediert.
W- T.-B. London, 5. OL (Docchtbericht.) Die Admi- ralttät meldet: Das Kriegsschiff „Drak e" wurde Dienstag- morgen an der Nordküste Irlands torpediert, erreichte einen Hafen und sank in seichtem Wasser. Die EM-sion tötete einen Offizier' und 18 Mann, die übrigen wurden gerettet „Träte" ist ei« Pauzerkreuz-r von 14 300 Tonnen.
Berlin, 5. Okt. (Gig. Drahtbericht. zb.) Der Ponzec- keuaex „Sfccffie", der einem deutschen U-Boot zum Opfer fiel, ch 160» Ypm jtztzmsk-gelaufem .Er hatte t&ic WaHemerdran-
Hung von 14 300 Tonnen, eine Schnelligkeit von 24,6 Seemeilen und eine Friedsnsbesatzung von 900 Köpfen. „Drake'' war ein Schwester schiff des Panzerkreuzers „Good Hope", der zugleich mit den: Panzerkreuzer „Monmouth" am 1. November 1914 in der Seeschlacht bei Coronel an der chilenischen Küste von dem deutschen Kren zergeschw aber des Grafen Spee vernichtet wurde.
Weitere Versenkungen.
W.T.-B. Rotterdam, 5. Ott. «Drahtbericht ) Der „Maasboüe" meldet: Der amerikanische Segler „Hilda N. Horton", der englische Dampfer „Ravensworth" (801 Tonnen) unv die Schleppdampfer „Esburg" und „JanieS Raid" stad gesunken. Der amerikanische Schoner „Emma Briggs" (294 Tonnen) wurde verlassen. Der Schleppdampfer „Arion" ist gescheitert. Ferner stnd gesunken vezw. gestrandet: der
Segler „Cyrene V der englische Dampfer „On Sang" (2802 Tonnen), der -schleppdamvfer „Nyora", der französische Dampfer „Loia" und der griechische Dampfer „Engenie S. Embiricos" (4139 Tonnen), der norwegische Dampfer „Montana" (7020 Tonnen), die englische Bark ..Colonial Empire" (2436 Tonnen) nnd der Schleppdampfer „Murray".
I Die französischen Luftangriffe auf offene deutsche Städte.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Der Funkspruch Paris vom ,1. Oktober, 4 Uhr nachmittags, meldet: Als Vergeltung für die deutschen Fliegerangriffe auf die offene Stadt Bar- le-Duc warfen zwei französische Flugzeuge in der Nacht vom 30. Sexten,ber zum 1. Oktober auf die befestigte Stadt Stuttgart Bombe n ab. Dieser «saß stellt in seinen beiden wichtigen Punkten die Wahrheit auf den Kopf. Erstens ist Bar-le-Duc ein berechtigtes Fiel militärischer Angriffe, da es Truppen in Rahe As llnteekunffsort dient und eine Hauptetappe für die französische Armee darstellt. Zweitens ist Stuttgart keine befestigte, sondern eine offene Stadt ohne fedc militärische Bedeutung. Der Fliegerangriff gegen Stuttgart kann also nichts anderes als die Schädigung friedlicher Bürger und bürgerlichen Eigentums bezwecken.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Die neuen Fliegerangriffe auf fn l e ?e'he offener Städte Westdeutschlands haben zwar keinen militärischen Schcrden hervocgernfen, beweisen aber von neueni, wie stack die Notwendigkeit für Deutschland war, die B a s i s der feindlichen Flieger möglichst weit z u rü ck z u d r ä n g e n. Hätten die Flieger der Entente die Dkaaslinie oder Belgien als Basis fiir ihre Angriffe, so mutzte damit gerechnet werden, daß nicht nur Westdeutschland, sondern auch das.Herz des Landes den Bomben der feindlichen Aereplane ausgesetzt wäre. Wie groß bas Bewußtsein für die Notwendigkeit einer ähnlich gelegenen Basts auch ber dem Gegner ist, beweist die „Daily Mail" vom 26. September. Das Matt schreibt über den Lu stau- griff auf Landc^l am 2>. Sept.: Was die geforderten Vergeltungsmaßnahmen anüeteifft, so können Gründe für diesen Vorschlag, den jeder ansti.rdig denkende Mensch vcn sich weisen wird, nicht beigebracht werden. Man muß sich damit abfinden, daß es unfehlbare Mittel gegen Luftangriffe augenblicklich nicht gibt. Die e i n z i g e Möglichkeit für eine wirkt rme Verteidigung liegt tn denr Übergang der belgisch e n K ü st e in unseren Besitz. — Aus deinselben Grund, aus dem England die flandrische Küste zu .oesttzen zu müssen glaubt, ,st für Deutschland eine unabw'eisliche Forderung der nationalen Selbstverteidigung, daß Belgien in Zukunft nicht mehr in die politische und militärische Unabhängigkeit der Ententemächte gecär.
Thurchills neue Rede.
IV. T.-B. London, 4. OL Churchill fugte in der Rede, deren Anfang bereits mitgeteilt «wurde, noch weiter: Es wäre ein furchtbarer Fehler, Frieden zu schließen, bevor unsere Ziele erreicht sind. Wenn «die Deutschen eine entscheidende Niederlage erleiden, so daß sie den Glauben an ihr «Regierungssystem verlieren, wenn sie begreifen, daß es sie zum Elend führt und -es sie zu Feinden der Menschheit macht, daß sie das Erbe Bismarcks vergeudet haben, indem sie S^i-smarcks Prinzipien bis zum äußersten durchführen wollten, wenn sie dazu gebracht werden können, «diese Wahrheit durch Selbswefveiung zu begreifeu, und wenn sie zu -eiuer Nation mit den Freiheiten der Demokraten wiederyebaren würden, wenn dies das Resultat der harten Lehre dieses Kriegs und die Ereignisse, die sein Ende begleiten, sein wird, dann gl«aube ich, daß der Fri«eden kommen wird, ein wirklicher Friede auf dauernd>ec Grundlage, der uns die Möz- l/chkeit bieten wird, wenn auch vielleicht nicht in unserer Lebenszeit, die furchtbaren Wunden M heilen, die uns im Laus des Kampfes geschlagen sind, kein Friede, der n u r e i n Z w i s ch e n s p i e l sein wird. Wenn dieser Krieg mit einem unbefriedigenden Frieden endigt, wird England unter den dann herrschenden Umstän-den niemals ruhig sein, dann wird niemals^ der gute Wille bestcheu, durch «den die verwüstete Welt wieder ausgebaut werden kann. Auch Amerika wird nicht ruhen, ehe die entgültige Enffcheildung erreicht ist. So tirchtbar die Fortsetzung des Kriegs auch ist, wir zaudeui nicht bei unserer Wahl. Ihr wißt niemals «wie nahe ihr dem Sieg seid, ehe er kimimt. Ihr würdet in der Stunde der Schwäche die in drei hauten Jahren errungenen Rchüliate aufgedeu. wahrend ihr noch dem Siegespvsis nur zu greife.! haibt. Es lieA kein Grund -vor. weshM, wir die Gefahren
und Entbehrungen ni«cht sollten überwinden können, wemi wir zu einer energischen Offensive sch«uittea. Wir müssen unsere S«chwi-eriykeit-en nicht übertreiben und ebensouenig die des Feindes unterschätzen. Wir sind noch imstande, jede Schwierigkeit zu überwi-ndeu und über Me Gefahre» zu triumphieren, die uns umringen. Das Ereignis der letzten fünf und sechs Wochen ist die erfolgreiche Bekämpfung der U-Bootkampagne. Es ist zu früh, zu sagen, daß «der U-Bootsfeldgug übevwunden isst. Wir wissen nicht, in welcher neuen Ferm er etwa erneuert wird, oder wie balü die Gegenmaßregeln wegen solcher neuen Formen wirksam iverden können. Wer es ist nicht zu früh, zu sagen, daß der zweite große U-Wootsseldzug gegen diese Inseln in Schach gehalten oder sogar abgeschlagen würde Unsere Vorräte an Lebensmitteln sind jetzt größer als zu Anfang des Kriegs. Unlser Produktionsvermögen nahm zu. Im nächsten Jahre werden unsere Heere, falls der Krieg sortdauert, was Gott verhüte, stärker und besser ausgerüstet sein wie je. -Wir sind voller Vertrauen, aber auch die Deutschen sind es. Sie machen ihre verzweifelten Anstrengungen nicht ohne Grund, denn sie wissen, die Briten sind der Hauptfaktor im Krieg, sie wissen, daß unsere Macht nicht gebrechen werden kann, und daß sie nuv wachsen kann.
Tatsächlich ein offizielles Vermittelungsangebot des Papstes?
17. Rotterdam, 5. OL (Eig. Drahtbericht. zb.) „Daily Telegraph" erfährt aus Rom, daß der Papst der Entente forniell feine Vermittlung onbat und ihre Antwort erwarte.
Ramadie in Feindeshand.
Englischer Bericht aus Mesopotamien vom 1. Oktober.
Wir f.rissen am Freitag eine vorgeschobene Stellung bei Nuschard, vier Meilen östlich Namadie, an. Nach Besetzung des Rückens Musckaid griffen wir die Hauprstellunxen in der Geqend R a m y von Südosten an. Gleichzeitig bewegte sich unsere Kavallerie tu weiten, Bogen westlich uni die Stadt. Nach schwerem Kampfe, der den ganzen' Tag dauerte, wurden die H a u p t st e l l u n g c n rrngsulu Ramadie östlich, südöstlich und südlich einge- n o m ni e n. Zwei Nieilen von der Stadt schloß, die Kavallerie die Tiuppenkerte zu Lande. In dei Nacht versuchte der Feind einen Au s f a l l nach Westen, aber die Kavallerie trat ihm entgegen. Bei Tagesanbruch wurde der Angriff wieder ausgenommen. Am Smns- cag um 9 Uhr vormittag? ergab sich der Feind überall. Wir erbeuteten Geschütze, Waffen und Munition, viel Kriegsg-rät und mehrere tausend Gefangene, darunter Ackn«ed Bei mit seinem Stabe. Der Feind wurde vollkommen überrascht. So out wie die ganze Besatzung von Ramadie fiel in unsere Hand. Unsere Truppen legten große Tapferkeit, Entschlossenheit nnd Ausdauer unter den schwierigsten Bedingungen au den Tag. Eine andere Abteilung aus Bagdad begegnete am Tomierstagnacht Kavallerie. Es kani zu einem scharfen Handgemenge, in dem wir denk Feinde Verluste zusügten, vier Mann gefangen nahmen und 300 Kamele erbeuteten. Wegen der großen Ausdehnung des Gebiets von Ramadie ist es zur. zeit noch nicht möglich, cme endgültige vollständige Liste unserer Beute zu geben. Wir nahmen indessen 13 Geschütze, 12 Maschinengewehre; etwa 200 getötet-: Türken sind beerdigt worden, ungefähr 300 Verwundete und 3200 Unverwundete wurden gefangen genommen, darunter 200 Offiziere. (Die Meldung ist nach dem amtlichen türkischen Berichten stark übertrieben.)
Beilegung des k)elfferichskonflikts im ReichstatzsauslSjih.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 5. OL (Eig. Drahtbericht. zb.) Fm Hcmpt- «russchuß ist heute der Helfferich-Konflikk «begraben worden. Der Vertreter der farffchrittlichen Vvlkspawtei als erster Redner der Mehrheitspavteien stellte sich auf den Standpunkt, daß in der jetzigen Zeit wegen einer Kreditfrage eine ernste Krisis in «der Reichsregierung ni«chk herbei- gefühvt werden dürfe. Dian müsse sich an hohe politische Fragen halten. Natirnalliberale und Zentrum schlossen sich schließlich dieser Ansicht an mit der Einschränkung, «daß der Kredit für den Vizekanzler nur äls Provisorium zu betrachten fei. Hinter den Kulissen ,mö«gen auch andere. Dinge vorgegangen fein, die der Mehrheit Genugtunng in inneren Fragen brachten. Über die Zusicherung hinaus, daß dem Vizekanzler die -einzelnen Renhsämter nicht unterstellt seien. Reichskanzl-e' Dr. Michaelis -war persönlich im Haupt- ausschuß erschienen; er brauchte aber Las Wort nicht zu er- gveifen, La die Entschlüsse der Parteien bereiits gefaßt waren.
L. Berlin, 5. Oft. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Hauptausschuß des Reichstags unterzog heute den Nachtragsetat über die neuen Stellen in der Reichsregierung der zweiten Lesung. Abg. Erzoerger (Zentr.) begründete den Antrag, im ReichshanShrst die Stelle des Stellvertreters des Reichskanzlers als mit dem 31. März 1919 weg- ' a l l e n d zu bezeichnen, mit den Bedenken, die seine Partei gegen die Einsch mg des Vizekanzlers hat. Sie werde aber die Stelle belvilligen mit Rücksicht auf die Lage urld unter Bezugilahme auf d:e Erklärung deS ReichSschutzsekretärs in der ersten Lesung. — Abg. Ledebour (Unabh. Soz.): Die Zeitbegrenzung m-rcht die Eiasetz-mg des Vizekanzlers nicht annehnrbarer. — Darauf loird der Zentrumsantrag angenommen sowie die enffp:eche-rden Ziffern des Nachtragsetats. — Abg. Westarp (konf.jr Weite Kreffq wünschten, daß das
