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Verlag Langgasse 21

„Teztlatthaiis".

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„TagblatthauS" Nr. 6SL0-5Z.

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Donnerstag, 4. Oktober 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. SOS. . 6S. Jahrgang.

Das Zriedensproblem.

Ein direktes Vermittlungsangebot des Papstes an die Entente? >

Sr. Amsterdam, 3. Okt. (Erg. Dcahtbericht. zb.) Wie Reuter aus Rom hört, bringt das Organ des Ministers des Äußern die Mitteilung, der Papst habe den Ententemächten ein direktes Vermittlungsangeboi unterbreitet. Dgs Blatt fügt folgendes hinzu: Die deutschen Absichten seien dem Papst aus Gesprächen, die die Nuntien von München rmld Wien mit der deutschen und österreichischen Regierung gehabt haben, bekannt, auch ohne daß die Note ausgehän­digt wurde. Die Information, welche den Papst in den Stand setzte, den Alliierten zu versichern, daß Deutschland bereit sei, Belgien und die besetzten Gebiete Frankreichs zu räumen, wurde dem Papst in den Berichten der beiden genannten Nnntien gemacht. In dem einen dieser Berschte wurde die Absicht bezüglich Belgiens anseincmderoesetzt, nicht ails absolutes Zugeständnis, sondern aW Vorschlag, über den in den hinterher folgenden diplomatischen Verhandlungen ge­sprochen werden' könnte. Der Bericht des Wiener Nuntius setzt Österreichs Vorschläge hinsichtlich Italiens auseinander. In seiner zweiten Note an die Entente gibt der Papst seine Abrüstungsborschläge genau an. Diese umfassen die Abschaffung der militärischen Dienstpflicht und die Ein­richtung eines Handels bohkotts gegen Friedens­störer. Dieser Boykott solle durch ein nationales Gericht verhängt werden, dessen Ausgabe es sei, seitzustellen, daß eine solche Friedensschändnng stattgesunden habe.

Br. Lugano, 3. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.)

„Giornale d'Jtalia" meldet noch über die Grundfrage, auf die der Papst sich in seiner neuen Note stützt, datz ein Bericht des Wiener Nuntius die österreichischen Be­dingungen gegenüber Italien angibt.

Br. Lugano, 3. Okt, (Eig. Drahtbericht, zb.)

„Tribuna" bezeichstet die Nachricht des „Giornale d'Jtalia" als verfrüht. Die italienische Regierung habe noch keine solche Papstnote erhalten. Indessen sei es Tatsache, datz nach der Dechiffrierung der Nuntia­tur-Berichte aus München und Wien im Vatikan wieder eine optimistische Sttntmung einge- zogen sei und datz man dort von klareren Verhandlun­gen spreche. „Corriere della Sera" stellt fest, datz man in italienischen Regierungskreisen mitztrauisch sei, auch weil die Deutschland zu geschriebenen Ab­sichten zu den jüngsten kategorischen Erklärungen der dem scheu Staatsmänner im absoluten Widerspruch stäv den.

| Eine feierliche Kriegsjielerklärnng der Entente?

Sn. Lugano, 3. Okt.. (Ctg. Drahtbericht, zb.) Rach der „Agenziä Volta" werden die Verbandsregierungen die Frie- denrncte des Papstes nicht auf diplomatischem Wege beant­worten, sondern eine feierliche Erklärung über die Kriegs­ziele abgeben.

Haltlose Sonderfriedensgernchte.

W. T.-B. Petersburg, 3. Okt. (Drahtbericht. Peters- , burger Telegraphen-Agentur.) Infolge der in der Presse umgehenden Gerüchte über einen Friedens- , schlutz auf Kosten Rußlands wurde eine An­frage an den Arbeiter- und Solüatenrad'gerichtet, welche Matznahmen gegen einen solchen Frieden die Sozia­listen im Auslande vorschlügen. Ter Arbeiter- und Soldatenrat hat geantwortet, daß jene Gerüchte jeder Begründung entbehrten.

3tt 24 Stunden 60000 Kilogramm Bomben auf feindliche Siele.

Ganz Dünkirchen in Flammen.

W. Berlin, 3. Okt. Unsere Bombengeschwa­der leisteten in den letzten Tagen — und vor allem während der Nacht- und Tagesstnnden des 1. Oktober — Außerordent­liches. Ihre Angriffe galten, wie gewöhnlich, den militäri­schen Anlagen nnd Truppcnunterknnften hinter den Hauvt- kampffronten. Die feindlichen Flughäfen bei V e r d u n , die schon vor drei Tagen mit solchem Erfolg heimgesucht wur­den, daß auf drei Häfen langandauernde und weithin ächtbare Brände ausbrachen, wurden neuerdings mit 14 40V Kilo­gran,m Sprengstoff beworfen. Die Flughäfen, Stapelplätze nnd Trirppenunterkünfte vor der flandrischen Front erhielten in Tag nnd Nacht fortgesetzten Flügen über 40 000 Kilogramm Bomben. In St. Omer und Boulvgne ent­standen starke Brände. Gleichzeitig wurden militärisch wich­tige Anlegen in London und in verschiedenen Orten der englischen Küste erneut mit Bomben angegriffen. In London zeugten mehrere Brände von ihrer Wirkung. In der Festung Dünkirchen riefen besonders gute Würfe in der Nacht znm 26. September ein Feuer hervor, das an den riesen­haften Vorräten, die hier aufgehäuft sind, reichste Nahrung fand. Nach 24 Stunden stellten unsere Flieger fest, daß der Brand nicht gelöscht war, sondern weiter um sich gegriffen hatte. 48 Stunden später beobachteten gie, daß die Fcuers- h.runst sich über einen ganzen Stadtteil ausgebreitet hatte. Heute Nacht kannten sic melden, datz ganz Dünkirchen ein de^Ftamm en geworden war. Damit ist ein

Hauptstapelplatz des belgisch-englischen Heeres und riner der größten Umschlaghäfen für den Verkehr zwischen England und Frai.kreich vernichtet.

Erfolglose feindliche Fliegerangriffe auf badisches Gebiet.

W. T.-B. Karlsruhe, 3. Okt. Gestern abend und im Laufe der Nacht waren, zahlreiche feindliche Flieger über badischem Gebiet. Nach den bisherigen Meldungen hatten sie als Ergebnis ihrer Unternehmungen nur einige Bomben­abwürfe ohne Mensuln- oder Sachschaden auf. freiem Ge­lände bei Ä ch e r n, Rastatt und Baden-Baden. Fm übrigen hatten sie dank der tatkräftigen Abwehr keinerlei Erfolge.

ver deutsche KAendbericht vorn 2. Oktober.

IV. T.-B. Berlin, 3. Okt., abends. (Amtlich. Draht- bericht.) .Im Westen bei wechselnder Feuertätigkeit keine größeren Kampfhandlungen.

Im Osten nichts von Bedeutung.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 3. Okt. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 3. Oktober, mittags:

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz und in Albanien keine Ereignisse von Belang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Jpj Gabriele-Abschnitt flammten gestern die Jnfanteriekämpfe neuerlich auf. Stacke feindliche Kräfte stürmten gegen unsere Stellungen. Der Ge­winn eines schmalen Grabenstücks am Westhang des Berges bildete für die Italiener das einzige Ergebnis ihrer verlustreichen Angriffe.

Der Chef des Generalstabs.

Die Rede de; Grafen Lzernin.

IV. T.-B. Budapest, 2. Okt. In Fortsetzung seiner in der Hauptsache bereits mitgeteilten Rede sagte Graf Czernin:

Auch Deutschland hat sich ja in seiner Antwort auf die Papstnote nachdrücklich zu der Idee der allgemeinen Ab­rüstung bekannt, und auch unsere heutigen Gegner haben sich diese Prinzipien wenigstens zum Teil schon zu eigen ge­macht. Ich bin in den meisten Punkten anderer Ansicht als Lloüd George, aber darin, daß es keinen Re­vanchskrieg mehr geben sollte, darin finden wir uns.

Die Frage der Entschädigung,

welche die Entente immer wieder auswirst, gewinnt einen merkwürdigen Charakter, wenn man die Verwüstungen bedenkt, welche ihte Arnreen in Galizien, der Bukowina, Tirol, am Jscnzo, in Ostpreußen, in den türkischen Gebieten und den deutschen Kolonien angerichtrt haben. Hat die Entente ihrerseits die Absicht, uns sür alles das schadlos zu halten? Irr: sie so vollkommen in der Beurteilung unserer Psvche, daß. sie eine einseitige Vergütung erhofft? Fast könnte ich letzteres glauben, nach manchen Reden zu schließen, die wir gehört haben.

Tie Entente liebt es ja bekanntlich, ihr« programmati­schen Ausführungen mit starken Worten zu zieren. Ich bin darin etwas anderer Ansicht.

Ich glnnbe, die Stärke eines Staates liegt nicht in den starken Worten seiner führenden Männer, sie steht im Gegenteil gewöhnlich im umgekehrten Verhältnis zu denselben.

Nicht mit hochtönenden Phrasen wird dieser Krieg entschieden werden. Was haben wir nicht schon alles gehört in diesen Kriegsjahren. Wir haben gehört, daß Deutschland vernichtet und die Monarchie zerstückelt werden würde, dann gab man es billiger. Man wollte sich damit begnügen, unsere internen Verhältnisse umzugestalten. Jetzt scheinen sich unsere Gegner in einer dritten Phase zu befinden, indem sie weder unsere Existenz noch unser staatliches Selbstbestim­mungsrecht als Bedingungen verlangen, sondern mehr oder weniger große Grenzrektifikationen fordern. Es werden dem noch andere Phasen folgen, obwohl die Majorität der Bevölkerungen in allen feindlichen Ländern heute be­stimmt bereits auf der Basis jenes Vecständigungsscirdens steht, den wir in der österreichisch-ungarischen Monarchie als erste und bereits vor einem halben Jahre vorgrschlagen haben und Lessen Grundprinzipien auch schon neuellich erörtert wurden.

Wir suchen unsere Stärke nicht in großen Worten, wir suchen und finden sie in der Kraft unserer glorreichen Armeen, in der Festigkeit unserer Bündniffe, in der Stand- baftigkeit unseres Hinterlandes und in der Vernunft unserer Kriegsziele. Und weil mir keine Utopien fordern, und weil ein jeder Bürger der Monarchie, ob im Felde oder daheim, weiß, wofiir er kämpft, deshalb sind wir auch sicher, unser Ziel zu erreichet!. Wir sind nicht zu beugen, wir sind nicht zu vernichten. In dem Bewußtsein unserer Kraft und in völliger Klarheit darüber, was wir erreichen wichen, aber auch erreichen müssen, gehen wir unseren Weg weite;: in der östztPeichisch - ungarischen

Monarchie Wir haben jene rückläufige Linie, welche von der Vernichtung unserer Feinde über verschiedene Phasen .hinüber schließlich zu weit Geringerem gelangt, nicht zu durchlaufen gebraucht. Wir haben von Anfang an unser Ziel erklärt und wir sind bis heute dabei geblieben. Auf welcher Seite dabei die Kraft und auf welcher die Schwäche liegt, überlasse ich getrost dem Urteil der Welt. "Aber niemand möge sich darüber täuschen, daß dieses unser so friedfertig moderiertes Programm nicht für ewige Zeiten gilt und gelten kann.

Wenn unsere Feinde uns zwingen, den Krieg fortzusetzen, dann werden wir gezwungen sein, unser Programm zu revrdieren und unsererseits einen Ersatz zu verlangen. t

Ich spreche jetzt für den jetzigen Augeirbltck, weil ich die Überzeugung habe, daß jetzt auf der ent­wickelten Basis ^ der, Weltfrieden zustande kommen kann.

Bei Fortsetzung des Krieges aber behalten wir un­freie H«nd vor.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß wir nach einem Jahr noch unvergleichlich günstiger dastehen werden als heute. Aber ich würde es für ein Verbrechen halten, wegen irgendwelcher materieller oder territorialer Vorteile diesen Krieg auch nur einen Tag länger foctzuführen, als es die Integrität der Monarchie und die Sicherhaft der Zukunft er­fordert. Aus diesem Grunde allein bin ich stür einen Ver- siändigungsfrieden gewesen und bin auch heute stur denselben. Wenn ober unsere Feinde nicht hören wollen, wenn sie uns zwingen, dieses Morden fortzusetzen, dann behalten wir uns die Revision unseres Programms und die Freiheit unserer Bedingungen vor. Ich bin nicht sehr optimiftisch be­treffs der Geneigtheit der Entente, jetzt einen Berständigungs- frieden auf obiger Basis zu schließen. Die erdrückende Mehc- hrit der ganzen Welt will diesen unseren Berstäudiguügs- frieden. aber kinige wenige verhindern rhu. Mit kaltem Blut und ruhigen Nerven werden wir in diesem Falle unseren Weg weitcrgehen. Wir wissen, daß wir durchhalten können, duichhalten im Felde und durchhalten im Hinter­lande. Wir waren niemals klein in den vergangenen schweren Stunden und niemals übermütig im Sieze. Unsere Stunde wird kommen und mit ihr die sichere Gewähr einer freien friedlichen Entwicklung Österreich-Ungarns.

Deutscher Reichstag.

(Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblafts".)

# Berlin, 3. Oktober.

Ani Bundesr.ftstisch: Dc. Helfferich, Dr. Wallras uuv Dr. v. Krause.

Präsident Dr. Kaemps eröffnet die Sitzung um 3,15 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Ergänzung der Beisitzer der Ge­werbe-, Kaufmanns- und I n n u n g s s ch i e d § g e - richte während des Krieges.

Abg. Giebel (Soz.): In der gegenwärtigen Zeit sind

N c u w a l l e n für diese Gerichte nicht a n g e z e i g t. Ten Gemeindeparlamentcn allein darf es aber nicht überlassen sein, diese Gerichte mit Beisitzern zu besetzen. Die Besetzung mtißte zvni mindesten entsprechend den Ergebnissen der letzten Wahlen verteilt werden.

Ministerialdirektor Caspar: Daß den Gemeinden die Besetzung dieser.Gerichte überlassen wird, ist nichts Neues. Diese Bestimmung steht schon in dem bestehenden Gesetz. Die geforderte Wählbarkeit der Frauen jetzt in das Gcstetz aufzunehmen, ist nicht möglich.

Nach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Marquardt (uatl.), Giebel (Soz.), Giesberts (Zentr.), Stadthageu (Unobh. Soz.). Schiele (kons.) beteiligen, wird die Vorlage aus sozialdemokratischen Antrag einer 2Igliedrigen Kommission überwiesen. , ,

Es folgen Petitionen. Bei einer Petition, betr. die Freigabe von Sohlenleder für das Schuhmacherband­werk, tritt der Abg. Brühne (Soz.) für die B e s ch l a g n a h me der in den Familien der Wohlhabenden befindlichen über­flüssigen Schuhwacen ein. Die Ledernot ist groß bei ans wie bei unseren Feinden. Den.Schuhmachern inuß aber das erforderliche Material zur' Verfügung gestellt werden, und das ist möglich, wenn alle Vorräte erfaßt werden. Die Petition wird für erledigt erklärt.

Die übrigen Petitionen werden ohne Aussprache erledigt.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Ge­setzentwurfs zur

Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte.

Ahg. Dr. Bel! (Zentr.): Die Kosten für diese Vorlage werden eine Milliarde überschreiten. Wir haben nicht nur nmgelernt, sondern auch nmrechiien gelernt. An die Stelle der Millionenvorlagen sind die Milliardenvorlogcn getreten.

Wir dürfen nicht kleinlich in dieser Frage sein.

Es handelt sich um keine Entschädigung, sondern um Bei­hilfe. Die Frage der Entschädigung der Reedereien wird erst nach dem Kriege zu erledigen sein. Seinen gewerblichen wirtschaftlichen Aufschwung verdankt Deutschland in erheb- licheni Maße der Tüchtigkeit seiner Schiffahrt. Bet der Rege­lung der Rückvergütung darf aber nicht anieru M>oul>oPa^l gedacht werden. Dieses würde dann der 'Schifahrt.besonders

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