Verlag Langsasse 21
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Montag» 24. September 7917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 486. * 68. Jahrgang.
weitere Verfolgung der Buffen!
Umfangreiches Kriegsgerät im Brückenkopf von Jakob» stadt erbeutet.
Starke englische Teilangriffe in Flandern zurückgefchlagen.
Der Tagesbericht vom 23. September.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Sept.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Lin englischer Monitor beschoß bei Flieger- beobachtuug gestern morgen Ostende. Einige Granate« trafen die Kathedrale, in der die Frühmesse gehalten wurde. 7 Belgier wurde» getötet, 24 schwer verwundet. Der Monitor wurde durch Fcner unserer Küstenbattcricu Vertrieben.
An der flandrischen Landfront blieb das Ar- tiLeriefcuer nach Abschluß der örtlufteii Frühkämpfc wechselnd ffrrf. Gegen Abend verdichtete sich die feindliche Wirkung wieder nördlich von Wern zum Tramme l f cn r. Es folgten starke Teilangrisfe der Engländer fürstlich St. Julien. Der Feind wurde znrück- geworsnk.
Nachts bei nachlassendem Feuer keine Infanterie- tätigkeit.
Eine bei M o n ch y südöstlich von Arras nach heftigem Feuerstoß in unsere Gräben dringende englische Kompagnie wurde im Nahkampf vertrieben.
Bei Vorseldgefcchten südlich der Straße C a m b r a i- B a p a u m e sowie an der Somme und Oise blieben Gefangene in unserer! Hand.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Längs der A i s n e, am Brimont und in einigen Abschnitten der Champagne kam es zeitweilig zu lebhafterer Kampftätigkeit der Artillerie.
Bei zahlreichen Erkundungsvorstößen, die vielfach unsere Sturmtruppen bis in die hintere Linie der französischen Kampfanlagcn führten, konnten Gefangene gemacht werden, obwohl der Feind fast überall flüchtete. Unsere Grabenbesatznngen wiesen an einigen Stellen französische Aufklärer ab.
Bor Verdun schwoll nachmittags das Feuer zu größerer Stärke an._
Die Gegner verloren gestern 14 Flugzeuge und 1 FcMballo«.
Oberleutnant Berthold errang den 23. Luftsieg, BjAefeldwebel T h o m schoß wiederum zwei feindliche Flieger im Luftkampf ab.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heerrssront des Generalfeldmarichalls Prinz Leopold von Bavern.
Im Brückenkopf von Jakob stadt wurde i« den hastig verlassenen russischen Stellungen umfang, reiches Kriegsgerat vorgefuuden. Unsere Truppen haben die Düna vom Liwenhof bis Stockmannshof überall erreicht.
In Pinsk entstanden durch russische Beschießung Brände.
Mazedonische Front.
Bei großer H i tz e — in der Sonne bis zu 65 Grad - fanden Gefechtshandlungen nur westöck. des Qhrida- htä statt. Dort wurde den Franzosen eine Höhe von Kreova durch deutsche und österreichisch-ungarische Truppen im Sturm entrisse».
Der Erste Generalquartiermeisier: Ludendorff. x
*
Cer deutsch eKbendbericht vom28. September.
W. T.-B. Berlin, 23 Sept.. abends, (Amtlich. Drahtbericht.) Außer lebhaftem Artilleriekampf in Flandern ist bisher nichts Besonderes von den Fronten gemeldet. _
Nach dem Kriegsschauplatz an der Düua.
XV. T.-B. Berlin, 23. Sept. (Drachtibericht.) Die Militärattaches der neutralen' Staaten haben sich auf 'den Kriegsschauplatz an der Düna 'begeben.
Die russischen Truppen an der Wcstsront zurückgezogen.
Br. Zürich, 23. Sept. (Eig. Drcchtbcricht. zo.) Die .Neue Züricher Ztg." meldet: Die russischen Truppen an der französischen Front sind nach einem A u f r u y r, der unter ihnen ausgebrochen ist. zurückgezogen und nach Saloniki gesandt worden.
Die englischen Offensivabsichten in Flandern.
17. Rotterdam, 23. Sept. (Erg Drcchtberlcht. zb.) Die „Times" schreibt: Die Schlacht iu Flandern vom
Donnerstag ist nur ein Bruchteil der jetzigen Operationen. Die jetzige Offensive bezweckt, die Deutschen aus der belgischen K i'i st e n z o n e. welche der Schlüssel des ganzen VerteidigiingIitzstems bildet, abzudrängen. Der Hauptstützpunkt ihres Widerstandes sei nur eine Reihe von Hügeln, jenseits von Aperu, welche von Norden nach Süden verlaufen. Die Engländer machten einen guten Schritt vorwärts zur späteren Säuberung dieser Hügel.
Die Umwälzung in Rußland.
Ein Tagesbefehl der Regierung.
W. T.-B. Petersburg, 22. Sept. (Petersburger Telegra- phenagentur.) In -einem henitiMn Tagesbefehl an das Heer und die Flotte -erklärt die «-uftweÄige Regierung: Der Aufstand KornilowS ließ bei dem Soldaten und Matrosen ein Mißtrauen gegen die Führer entstehen, welches den Zusammenhalt des Heeres gefährdet. Die gdegi-erung erklärt laut, daß die Mehrheit -der Offiziere der Republik treu ist. ausge- nam-m-en eine kleine Gruppe, welche das W-entrauen der Regierung getäuscht hat. Infolgedessen zerstört jedes weitere Bemüh«!, Mißtrauen gegen das Personal -des Kommandos zu säen, die Kampfkraft der Armee. Die Urheber einer solchen Stimmungsmache sind in den Augen der Republik Verbrecher, da sie die einzige Grundlage zerstören, die Rußland retten kann. Die einstweilige Regierung -erklärt: 1. Alle
Führer, die nicht fähig sind, Truppen zu führen zugleich mit der Arbeit an der Befesrigung der vepublikanischen Staatsform m Rußland, -werden a -b -g -e lö st. 2. Die höheren Offiziere des Großen Generalstabs werden, so weit sie in -den Aufstand Konnilows verwickelt sind, äbgelöst. 3. Die Truppen, die an dein Aufstand teilnahmen, werden vom Quartier des Großen Generalstabs entfernt und durch treue Truppen erfetzt. 4. Alle Schuldigen, die während 'des Ausstands von Äornrlow ihrer: bösen Willen 'bewiesen, werden vor das G e r i ch t g e st e I l t. 5. Die Regierung verlangt vom Heer und von -der Flotte die RüÄehr zum regelmäßigen Leben, die volle Handlungsfreiheit der Führer in allem Fraa-en -der Kriegscperatirmen und der Ausbildung des Heeres und der Flotte. 6. Die Regierung befiehlt, daß jede -während der letzten Krisis verhaftete Person den Behörden übergeben und -eine str-enge Untersuchung wegen aller Fälle vom Ermordung Vorgesetzter «ngeieit-et -werde. 7. Leute, welche ihre Offiziere auf einen Verdacht hin töteten, sind verhaftet worden und werden vor Gericht gestellt. Die Regierung macht aus die Gefahr für die Republik aufmerksam, die solche Willkürakte herdcffchren können.
Der neue russische Genrralstabschef.
XV. T.-B. Petersburg, 23. Sept. (Drahtbericht.) Die Abendblätter melden: General Dukbonin, der Chef des Generalstabes der Wcstfronr, ist zum Generalstabschef des Höchstkoinmandierenden ernannt worden.
Der neue Minister des Innern.
XV. T.-B. Petersburg, 22. Sept. (Petersburger Dckegra- phenagentur.) Der Minister für Posten und Delsgrophe.a Nikitin ist unter Beibehaltung seines Amts züm Mimiuster des Innern ernannt worden.
Ein Schreckensregiment in Petersburg.
W. T.-B. Amsterdam, 22. Sept. Das „Algemeen Handelsblad" n-eldet aus London: „Daily Expreß ' wird aus Petersburg telegraphiert, daß dort ein Schreckensregiment herrsche. Die Bclschewrki verlangt«! das Leben MiljukowS, Rodziankos und 26 anderer Dumamitglieder, denen sie vorwerfeu, daß sie Kcrnilcw unterstützt haben. Kerenski sei den Bolschewiki gegenüber ebenso machtlos wie Kornilo« gegenüber, den er nicht mit dem Tode zu bestrafen wage- Man könne seden Ll-gai,blick in Petersburg und Moskau bewaffnete Kund- gedungen der Bolschewiki für den Frieden eatmeten.
Sozialistisches Mißtrauen gegen Kerenski.
W. T.-B. Bern, 22. Sept. Der „TernpS" meldet aus Petersburg: Der Arbeiter- und Soldatenrat hat beschlossen, daß der Untersuchungsffusschutz in der Kornilow- Affäre vom Arbeiter- und «oldatrnrrt gewählt werden soll. „Nowoje Jizin" erklärt die Mißnahrne damit, daß die Regie- runaskreise »ersuchten, den Zwischenfall Korarlow zu vertuschen. Die maximalfftischen Organe beginnen einen Feldzug gegen Kerenski, dem die Antirevolutionäre eine allzu persönliche Pclitik vorwerfen.
Ein rein sozialistisches Ministerium?
XV. T.-B. Rotterdam, 22. Sept. „Daily News" wird aus Petersburg berichtet, daß die Montag zusammentretende demokratische Konferenz, »senn sie sich gegen ein Koalitionskabinett cnffcheide, ein sozialistisches Ministerium be intragen werde, für das schon eine Ministerlist« besteht. Kerenski werde in diesem Falle zurücktreten.
Die Wahlen zur konstituierenden Versammlung.
W. T.-B» Petersburg, 23. -Sept. (Drahtbericht. Petersburger Tel-c-graphm-ag-entua.) Der Minister des Innern erklärte, die Gesamtzahl der Wähler für die konstituierende Versammlung betrage etwa 90 Millionen Menschen. Die Kosten .der Wahlem aürite» ää «Jtf WO MiLi««n Rudel belaufen. ' - ^ ^ "*■
Vom Suchomlinow-Prozeß.
W. T.-B. Petersburg, 23. Sept. (Dvahtbericht. Petersburger Tclegrap-henag-evtur.) Im w-eiteven Verlaust seiner Anklagerede (vLrgl. SonntagSa-usgabe) sagte der Staatsanwalt: Trotz der lebhaften -Besorgnisse, die die Reichsduma und die öffentliche Meinung äußerten, -die nicht aur- hörten, laut am die gesährl'chen Mängel an Schießbedar! hinzuweisen, blieb der frühere Kri-egsminvster taub. Durch seine verbrecherische Nackiläfssigkeit billigte und ermntitzte ei die Untätigkeit der Ober'lmtung des Artill-eri-swesens. Sucham- l:now log jedesmal, sobald es sich um die Rüstungen Rußlands handelte. Aber sein-e Lügen -waren für Rußland besonders verhängnisvoll nrid verletzend m seiner Antwort an -den Gen» ralffsimns Jossre. In dieser -erklärte er, daß die Lag« Rußlands zwar unheilvoll, aber nicht verzweifelt sei, und daß Rußland aus eigener Kraff sich aller seiner Schwierigkeiten -erwehren würde. In den Augenblicken, die für Rußland die schrecklichsten waren, dachte der frühere KriegsministLr mcht daran, die Macht in seinen Händen zu behalten. Znm Schluß erklärte -der Staatsanwalt, daß er die gegen Suchomltnöw -erhobenen Anklagen voll auffecht erhalten und auf ein« str-enae Verurteilung aller Handlungm des Angeklagten beklebe, die in der Kriegszeit begang«! worden seien und unberechenbare, unhei'lvolle Folgen g-ehaib^ hätten.
Die Antwort rer Zentralmächte an den Papst.
Preffcstimmen aus England.
U. Rotterdam, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Ehronirle" hebt in seiner Besprechung der deutschen Antwort an den Papst hervor, daß die Zentralmächte versöhnlicher als je seit Kriegsbeginn gestimmt sind und daß der Appell des Papstes nicht vergeblich gewesen sei. Das Blatt rühmt besonders den Ernst der Antwort Österreich- Ungarns und betont, die Entente solle jetzt nicht länger zögern, ihrerseits dem Papst zu antworten. — Die „Mor- ning Post" sieht in der Antwortnote den Beweis dafür, datz die Zentralmöchte einsehen, von einem Verftändigungsfrleden größere Vorteile Haben zu können als von der Fortsetzung deS Krieges. Diese Ansicht sei für die Entente der hefte Grund, ihrerseits einen Verständigungsfrieden abzulehnen.
Die Aufnahme in der neutralen Presse.
W. T.-B. Amsterdam, 22. Sept. „Algemeen Handelsblad" schreibt über die Antworttwten Deutschlands und Österrmch- Ungarns Mi den Papst, es werde darin eine Grundlage für weitere Verhandlungen gesehen. Es bestehe aber wenig Aussicht, daß die Alliierten dazu bereit sein werken.
kl. Rotterdam, 23. Sept. (Gig. Drahtbericht, zb.) Der „Rieuwe Rottevdamsche Courant" fürchtet, die Antwort der Zentralmächte werde den Frieden nicht bringen, weil sie sich wiederum auf Allgemeinheiten beschränke. Die Zustimmung zu den Vorschlägen einer Einschränkung der Rüstungen und der Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts sei allerdings sehr wichtig, doch diese Dinge lägen hinter dem Frieden und könnten kaum zu dessen Herbeiführung dienen. Dagegen vermeide die Antwortnote die Besprechung aller anderen vom Papst angedeuteten konkreten Pur-ktc. Hotte Deutschland seine Absichten hinsichtlich Belgiens und Österreich die seinen hinsichtlich Serbiens bekanntgegeben, dann wären die Friedensaussichten noch w e i t g ü n st i g e r als jetzt.
XV. T.-B. Kopenhagen, 22. Sept. Zu der deuffchen Antwort auf die Note des Papstes schreibt „Politiken" u. a.: Der Jnbalt kann in dem bedeutungsvollen Worte „Verstän- digungsfrieken" zuiammeugefaßt werden, aber eine unmittelbare Aufklärung, wie die Lösung der konkreten Streitfragen gedacht ist. enthält die Antwort nicht. Besonders wird die Kritik der Alliierten hervorheben, datz Belgien nicht genannt wurde. Indessen kann das deuffche Schweigen hierüber nicht als eine Zurückweisung betrachtet werden. ES wird ja ausdrücklich betont, daß die Note in innigster Fühlung mit der Vertretung des deutschen Volkes und in Übereinstimmung mit der Friedensresolution vom 19. Juli zustandegekommen sei. Tie Reichsregiernng sah es nicht als opportun an, im gegenwärtigen Augenblick an Einzelheiten zu rühren. DaS Hauptgewicht muß daher auf den warmen und vorbehaltlosen Anschluß an die leitenden Friedensgrundsätze gelegt werken. Klar und bestimmt wird auch ffstgestellt, datz Deutschland an den umfassenden internationalen Ein- swräulungen der Rüstungen und an der Durchführung deS obligaterifchen Schiedsgerichts teilnehmen will.
XV. T.-B. Bern, 23. Sept. (Drahtbericht.) Die schweizerische Presse bespricht die Antwort auf die Papstnote wohl- wcllend, aber zurückhaltend. Nur die „Berner Tagwacht" verhält sich ablehnend, weil Deutschland einen Schacherfrieden statt eines VerständignngsffiedenS machen wolle. — DaS „Berner Intelligenzblatt" betont, daß die Antwort den Fan- farenten des militärischen Siegers vermeide. '— Auch das „Berner Togblatt" erkennt das Fernbleiben vön- dem hohlen Propligondapathos und die Ehrlichkeit der deutschen Absichten an. Durch die Wendung von der Verkettung der Umstände werke die Schuld dem Gegner nicht einfach aufgehalst.
