Wiesbadener Tagblatts.
1Rr. 10. IS. Jahrgang. 1017.
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Der Bischof von Börglum und seine Wannen.
von Ij. L. Andersen.
)tr befinden uns oben im nördlichen .Jütland nordwärts, im sogenannten Wildmoors wir vernehmen den sogenannten „Westerwowwow" — das Brausen der sich an der jütischen Westküste brechenden Nordsee; es rollt und donnert, daß es meilenweit ins Land hineinschallt, und wir sind ganz in der Nähe dieses Gebrauses, vor uns erhebt sich ein großes Sandjoch, ein Berg, den wir lange gesehen haben, und nach welchem wir noch immer hinlenken, langsam fahren wir dahin in dem tiefen Sande. Auf diesem Sandberge liegt ein großes altes Gebäude, das Al oster Börglum; in einem Flügel desselben und zwar dem größten, befindet sich die Airche. Und nach diesem Aloster gelangen wir jetzt in später Abendstunde; aber das Wetter ist klar in der Hellen Juninacht, die uns leuchtet; weil, weit schaut oas Auge umher, über Feld und Moor, bis an den Aalborger Meerbusen, über bjaide und Wiese und weit über das dunkelblaue Meer hinaus.
Jetzt sind wir dort und rollen zwischen Scheunen und anderen Wirtschaftsgebäuden dahin, lenken, links vom Tore, auf dem alten Burghöfe um, da wo die Linden in Reihen längs der Mauer stehen, und Schutz haben vor Wind und Weiter und so üppig wachsen, daß Zweige und Blätter fast die Fenster verdecken
wir steigen die steinerne Wendeltreppe hinan, schreiten die langen Gänge unter der Balkendecke dahin; hier saust der wind gar sonderbar, sowohl innen als außen — man weiß eigentlich nicht recht wo, und dabei erzählt man sich, — ja man erzählt gar vieles, man sieht gar vieles, wenn es einem graust, oder in Anderen Grausen erregen will. Die alten verstorbenen Chorherren, so sagt man, gleiten still an uns vorüber, in die Airche, wo die Messe gesungen wird; man kann es in dein Sausen des Windes vernehmen und eine wunderbare Stimmung bemächtigt sich unser dabei; man denkt an die alten Zeiten, man versenkt sich ganz und gar in die alten Zeiten!
An der Aüste ist ein Schiff gestrandet, die Leute des Bischofs sind dort, sie schonen die nicht, welche das Meer schonte; die See spült das rote Blut hinweg, das von zerschmetterten lsirnschädeln floß. Die gestrandeten Güter gehören dem Bischof, und hier ist viel Geld und Gut. Die See wirft hinauf Fässer und Tonnen, gefüllt mit köstlichem wein für den Aeller des Alosters, und im Aloster ist schon alles vollauf von Bier und Met; vollauf gibt es in der Aüche: erlegtes wildpret, Geflügel, Schinken und Würste; in den Fischteichen draußen schwimmt der fette Barsch und die leckere Aarausche.
Der Bischof von Börglum ist ein mächtiger Herr, große Ländereien besitzt er, und doch gelüstet ihm noch nach Mehrcrem. Alles muß sich dem mächtigen Gluf
Glob beugen. Jm Thyland ist sein reicher Vetter gestorben; die Witwe muß sein reiches Lrbe bekommen. Wie kommt's doch, daß ein reicher Blutsverwandter dem ändern immer härter zusetzt, als selbst Fremde tun würden? Ihr Gemahl gebot über ganz Thyland, die Airchengüter ausgenommen. Ihr Sohn ist nicht daheim. Schon als Anabe ging er auf Reisen, um fremde Länder und Völker zu sehen, wonach sein Sinn stand. Seit Jahren fehlte jede Aunde von ihm; vielleicht ist er längst zu Grabe getragen, und wird nie in die Heimat zurückkehren, um da zu gebieten, wo jetzt seine Mutter gebietet.
„Li, was hat ein Weib zu gebieten!" sagte der Bischof. Lr ließ die Witwe vor Gericht bescheiden — doch was erreichte er dadurch? Die Witwe war nie dem Gesetz ungehorsam gewesen und stark durch ihre gerechte Sache.
„Bischof Gluf zu Börglum, was sinnest du? was schreibst du nieder aufs glatte Pergament? was verschließest du da unter Siegel und Band und übergibst es dem Reiter und Anappen, die von dannen reiten, zum Lande hinaus, weit hin nach des Papstes Stadt?"
Ls ist Laubfallzeit, Strandungszeit, bald tritt der eisige Winter ein!
Zweimal kam er wieder, bevor der Bischof den Reiter und den Anaxpen willkommen in der Heimat hieß. Sie kehrten zurück aus Rom mit päpstlichem Schreiben, mit der Bannbulle über die Witwe, die es gewagt hatte, den frommen Bischof zu beleidigen: „verflucht sei sie und alles, was ihr gehört! Ausgestoßen fei sie aus Airche und Gemeinde! Niemand reiche ihr die helfende Sand; Freunde und Anverwandte mögen sie meiden wie Pest und Aussatz!"
„was nicht biegen will, wuß brechen!" sagt? der Bischof von Börglum.
Alle ließen von der Witwe ab, allein sie läßt von ihrem Gott nicht ab, er ist ihr Schutz und wehr.
Lin einziger Dienstbote, eine alte Magd, bleibt ihr treu; mit der alten Dienerin geht die Witwe selbst hinter dem Pfluge einher — und das Getreide wächst, wenngleich der Boden von Papst und Bischof verflucht ist.
„Du Aind der Hölle! Ich werde doch meinen willen durchsetzen!" ruft der Bischof von Börglum. „Jetzt lege ich die Hand des Papstes auf dich zur Bescheidung vor das Tribunal und zur Verurteilung!"
Da spannt die Witwe die letzten zwei Gchsen, die ihr gehören, vor den wagen, setzt sich mit der alten Dienerin in denselben und fährt über die Haide dahin, hinaus aus dem dänischen Lande. Lin Fremdling kommt sie in fremdes Land, wo man fremde Sprache spricht, wo fremde Sitten herrschen — weit und immer weiter
