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L-rlm-r Abteilung des Wiesbadener Tagblatts:
13 Ausgaben
Ferurufr
„Tagblatthaus" Rr. ««50-51. Bon 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend«, »utzer
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Sonntag, 23. September 1917.
Kür die Aufnahme von Anzeigen an vorgelchrtedeneu
Berlin^.. P,tsba«erStr.121L. Fernspr.: Amt Lütz-w 6202 u. 6203. Lg-n und Plätzen wird l-in- Ge währ llber»-«u-m
Nr. 483. . 63. Iahrgang.
Morgen'Kusgabe.
6 303000 Tonnen seit 1. Zebruar versenkt.
W. T.-B. Berlin, 23. Sept. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Monat August sind an feindlichem Handelsschiffsraum insgesamt 80800» Brutto-Registertonnen durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte versenkt worden. Seit Beginn des uneingeschränkten U-Bootskriegs sind somit 6 303 000 Brntto-Registertrnnen des für unsere Feinde nutzbaren HandclSschifssraums vernichtet worden.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die englische U-Bootsabwehr.
Sr. Rotterdam. 22. Sept. Reuter macht aus Grund von Angaben eines böheren Flottenosfiziers Einzelheiten über die" englische Unterseebootsabwehr bekannt. Ziemlich bescheiden beißt es in der Einleitung, es handle sich um keine sensationellen Erfindungen, die man setzt verwende, und so dürfe man auch keine aufsehenerregende Erfolge erwarten. Immerhin seren schon Dutzende von Scklffen durch die Benutzung der neuen Verte,drgungsgerate vor dem Versenken bewahrt geblieben. Es handelt sich, rme man aus der weiteren Darlegung ersieht, um die E n t w r ck - lung großer Qualmmengen, die das gefährdete Schiff eiuzu hüllen haben. Der Qualm wird sowohl an Bord erzeugt turefy besondere Essenanlagen ober ducch Rauchmasken ansstrßende Behälter, die über Bord geworfen werden und so das Schiff dermaßen in Qualm hüllen, daß dre Tauchboote kein festes Ziel mehr haben. Reuter fügt hinzu, die Vereinigten Staaten hätten die Apparate für so gut erkannt, daß sie sie auch für ihre Schiffe verwenden würden.
„Trübe Zwischenfälle aus dem Meere".
W. i._b. Berlin, 22. Sept. (Drahtbericht.) „Journal" vom 9 Sept. schreibt in einem Aussatz über die Zuckerver- sorgvng: Vcn amtlicher Stelle wird uns geschrieben, daß wrr von einer Zuckernoi bedroht werden. Violette hat uns wissen lassen, daß verschiedene trübe Ereignisse auf dem Meere ib„ einer solchen Menge von Zucker beraubt haben, daß sein ganzer Verteilungsplan über den Haufen geworfen ist.
Das Zriedensproblem.
vie veriSiarfung der vlockade Hegen uns.
W. T.-B. Bern, 21. Sept. Ter .Temps" meldet aus Petersburg, man hoffe, daß die rnjfitche Regierung sich den Dispositionen aller übrigen Alliierten hinsichtlich der Kon- solidierung und Verschärfung' der Blockade gegen die M,ttelmächte anschliehen und rn der diesbezüglichen Organisation vertreten sein werde. Man erwartet, 02 H Terestschenko die Vertretung Rußlands übernehmen werde.
Eine Meuterei auf amerikanischen Kriegsschiffen?
Kr. Bern, 22. Sept. (Sig. Drahtbericht. zb.) Wie die sozialistische „Sentinelle" mitteilt, habe ein amerikanischer Journalist vor der Überfahrt gewarnt, da ,ast sämtliche Schiffe Gefahr liefen, torpediert zu werdwi. Drefe Warnung hatte eine bedenkliche Meuterei an Bord mehrerer Kriegsschiffe zur Folge, die aber unterdrückt wurde. Den Zeitungen ist es verbeten worden, hierüber zu berichten.
Eine Explosion auf einem japanischen Schlachtschiff.
8. Stcckhilm, 22. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Auf dem japanischen Schlachtschiff „Eikisima" entstand laut „Borsen- ztg.', als es in Nagasaki lag, eine Explosion, welche den Schifssrumpf schwer beschädigte. 34 Mann wurden getötet. Mehrere Amerikaner wurden als verdächtig verhaftet.
vie belgische Krage.
O Berlin, 20. September.
Der „Manchester Guardian" schreibt zu den Gerüchten von einem Ent g e g ento mmen Deutschlands in der belgischen Frage: „Die Gerüchte sind vorläufig unbestätigt, aber dre lite
rale Partei Englands ist der Überzeugung, daß
außer Belgien kein ernstliches Hrnder-
nis eines Friedens gibt. Wenn Deutschland über Belgien andere Ansichten hat, als wrr angenommen haben, so erwarten wir die Erklärung Deutschlands". D'ese Bemerkung des e r n f l u ß r e t a) c n englischen Blattes will, e r n st genommen lem. Sie bedeutet fiir uns, daß die Wichtigkeit Belg te für Deutschland in demselben Maße wachst, wie sie m England für die Lebensinteressen Großbmtaimienscm erkannt und betont wird. Wenn man rm ^nselrerche der Meinung ist, daß es außer Belgien kein ernstliche, Hindernis eines Friedens' gibt, dann wlgt daraus, daß uns ein ungeheures Opfer der Z -
mutung auferlegt werden soll, uns °ris Bergt zurückzuziehen. Spricht man, es m England offen aus, daß in dieser Frage da» einzige Äinder nis eines Friedens beruht., dann gibt man zu gleich zu, daß kein einziges der anderen AiMcgen oo>,r Mitgliedern des feindlichen Mnchteverbcmdes für Großbritannien die Fortsetzung des Kriegs verlohnen
verhelfen beabsichtigt, daß es den 'ftalrenern die Sehnsucht nach österreichischem Gebiete nicht erfüllen wird, daß es sich vollends nicht bemühen wird, Ruß- l a n d in den Besitz von K o n st a n t l n o p e l zu setzen, wofern in Petersburg und Moskau solche Forderungen überhaupt noch erhoben werden. Es ist gleMeitiq ausgesprochen, daß England wegen unserer ofrikam- scheu Kolonien oder wegen eines A u s t a u s cy s unserer früheren Besitzungen mit günstiger gelegenen mit sich reden lassen würde, und mich über Bagdad würde man in London wohl eme Unterhaltung eröffnen und sich nickst auf den Standpunkt .stellen, daß ganz Mesopotamien in den britischen Machtbereich fallen müsse. Wird doch auch in beachtensiverter Weise davon gesprochen, daß England, m's es cmen Fühler in bezug auf die belgische Frage ausstreckte, iuchr bloß den Austarisch des belgischen Fanstprandes gegen unsere afrikanischen Kolonien, sondern gleichzeitig den Ersatz von Deutsch-Slldwestnfrika durch Teile des Kongogebietes anqeboten habe! Ob das wahr ist oder was davon wahr ist, entzieh: sich unserer
Kenntnis, aber von solchen Anregungen sprechen Per- onen, die nicht ans dem hohlen Faß zu reden gewohnt ind. Jedenfalls wird in London gar Nicht Verhehlt, daß es für die englische Politik nichts Wichtigeres gibt, als die Wiederherstellung Belgiens, und daß die britischen Staatsmänner, wenn sie dies Ziel erreichen könnten, für die Ziele ihrer Verbünd e t e n nickt weiter kämpfen würoen.' Zur selbstverständlichen Der- vollständigunk! der englischen Fühlungnahme g^yort e^ ober auch, daß England ersichtlich bereit Ware, auf den angekündiaten Wirtschaftskrieg M'M'u uns zu verzichten und das im Friedensvectcage nicht bloß aur>- zusprechen, sondern den Verzicht durch bindende Ab- machungen zu sichern. Wir müssen uns, nach alledem fragen,'was uns selber Belgien wert ist, und ob es unseren Interessen entsprechen kann. ,die offenen wre die verhüllten englischen Zugeständnisse durch eme egenleistung zu gewinnen, deren Wert für unseren H a u p t f e i n d so groß ist, daß er um ihretwillen hinter seine bis dahin festgehaltenen Kriegsziele beträchtlich zurückgeht. Kämpft England um Belgien, so sollte die natürlicheFolgerung daraus sein, daß auch wir um Belgien zu kämpfen haben. Fällt die Zukunft dieses Landes für England so stark ins Gewicht, w ist damit gesagt, daß sie die entsprechende, Bedeutung auch für uns hat. Je mehr England sozusagen drauflegen will, desto wachsamer müssen wir selber *ein und demgemäß prüfen, ob nicht gerade die starken englischen Angebote beweisen, wie notwendig es für uns ist irgendwie die Hand auf Belgien zu legen oder vielmehr zil behalten. Diese Frage mündet in die andere ein, was geschehen würde, wenn wir das englische Anerbieten ablehnten oder nur teilweise annähmen. und zwar so, daß wir uns Belgien zwar nicht analiedern (was ja auch niemals beabsichtigt war), es aber durch noch zu findende Formen militärisch, politisch und w i r t« schaftlich behaupten. Das englische Angebot, an dem nicht länger zu zweffeln ist, beweist doch Wohl, daß in London die Erkenntnis von der Unmöglichkeit durchgedrungen ist, den Krieg zu gewinnen. Kann es nun unseren Interessen entsprechen, unserem Haupffeinde das W i ch t i g st e, was er begehrt, zu g e- währen, wenn dies Wichtigste auch kür uns eine Lebensfrage ohnegleichen ist? Wir können uns sehr gut vorstellen, daß sich mancher znnl Rate ausgeforderte, an verantwortungsvoller Stelle stehende Mann im letzten Kronrat dahin geäußert hat, gerade die englische Anfrage müsse für uns ein A n- spornmehrsein, dem Kriege keinen Lauf, zu lassen, bis sich für unseren Hauvtfeind die Notwendigkeit weiteren Nachgebens genügend heransktellt, bis er also auch in der belgischen Frage siner Neuordnung zuzu- stimmen hat, die uns zwar nicht in den Besitz Belgien?- bringen würde, den wir überdies nicht wollen, die uns jedoch davor sicherte, daß Belgien zuni englischen Em- fallstor wird. Wir können uns ferner vorstellen, daß entsprechende Ratschläge werden befolgt werden,, und wir fürchten deshalb auch nicht, daß die hauptung eines glatten Verzichts auf Belgien, von dem in manchen Blättern immer wieder die Rede ist, zittreffen sollte. Weiin in London sodann versucht wird, uns zur Entschädigung für das. was wir im Westen aufgeben sollen, auf dm Osten zu verweilen und uns wohl gar einen Freibrief zur Einverleibung rusiischen Gebiets auszustellen, so wird auch diese Lockung hoffentlich umsonst sein. Das könnte den Engländern freilich gut passen. w-mn sie uns im nächsten Bereiche ihrer eigenen Interessen, in Belgien und Nordfrankreich, zum Z u r ii ck g e h e n brächten urid uns dafür in ein unheilbares Zer- w ü r f n i s mit Riißland hin.eintrieben, mit dem wir doch nach dem Kriege in ein geordnetes nachbarliches Verhältnis zu kommen wünschem Wvm -ie JEi»er es Öte mehr at& WatejchstaLch er
klärt, daß Deuffchland bereit sei. im Westen Zugeständ- nisse zu machen, weil es im Osten und Süden neue Aussicht auf Eroberungen habe, die eine Folge der Schwäche Rußlands seien, so merkt man, dieser vorg-e- spiegelten Besorgnis deutlich genug an. wie sehr gerade das gewünscht wird, was angeblich ern Gegenstand der Befürchtung ist. Wir werden auf diese,Machenfcha,ten nicht reinfallen, und es müßte wohl eme .^veklagen^ werte kurzsichtige Staatsknnst sein, die nicht endlich begriffen hätte, daß wir eine Politik der Zusammenfassung der Festlaudsintereksen gegen die verstiegenen Weltherrschaftsbest r e b u n- gen Großbritanniens treiben müssen, daß wir uns also zuvorderst davor zu h ü t e n haben, die Feindschaft mit Rußland zu v e r e w i g e n und zu vertiefen. Um ober auf den Ausgangspunkt znruckzukeh'.en: ^si Belgien für England der Angelpunkt stiner Politik,- so ist es solcher auchfüruns.
Die belgische Frage in englischer Beleuchtung.
Br. Haag, 22. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „West- minster Gazette" sagt recht deutlich, daß ihrer Ansicht nach Belgien eine Sonderstellung bei den Friedensverhand- lungen einnekmen müsse. Sie beruft sich, wie Reuter meldet, auf Jc-gows Anweisung an den Fürsten LichnowSki vom 4. August 1914, alles Mißtrauen der englischen Regierung durch möglichst formelle und positive Wiederholung der Ber- sicheruug aufzuheben, daß Deutschlaird auch im Falle eines bewaffneten Konflikts mit Belgien unter keinen Umständen belgisches Gebiet annektieren wird. Die „Westminster Gazette" fügt hinzu, inan habe damit wohl zweifellos England vom Kriege fernhalten wollen. Daß dieses Ziel nicht erreicht wurde, mache aber die einmal gestellte Garantie n i ch t u n w i r k k a m. Die „Westminster Gazette" will nicht behaupten, daß, wenn der Friede komme, sich nicht die Gelegeubeit ergeben werde, daß es zu gegenseitigem Geben und Nehmen komme, aber Belgien dürfe dabei keine Rolle s p i e l e ii. __________
Cine papstlicheSonderiniMon nach England?
Sr. Bakel, 22. Seht. (Eig. Drahtbericht, zb.) Auf einem spanischen Skiffe wird sich Nach der Madrider „Debatte" Ende September eine päpstliche Sondecmission nach England begeben. * .
Die Antworten der Türkei und Bulgariens.
Sr. Wien, 22. Sept. (Eig. Dralstbericht. zb.) Die Antwort der Türkei, die die Wahrung der vollen Souveränität über türkisches Gebiet -als Grundsatz auf- stellt, und die Antwort Bulgariens, die das Nationali- tätenprinzip nachdrücklich betont, werden am Sonntag übermittelt worden.
Der Eindruck in der nciltralen Presse.
Ag. Genf, 22. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Eindruck, den man aus den neutralen Pcessestimmen über di? Auffassung der Antwort Deutschlands an den Papst erhält, ist zunächst zwar ein unklarer, doch vermeiden die Kommentare aller Blätter eine ablehnende Stellungnahme. Sensation erregt die deutsche Bekundung des Willens zur Abrüstung sowie auch der Hinweis auf die Möglichkeit künftiger Schiedsgerichte. Allgemein heißt es, die Antwcrt bringe die Entente in große Verlegenheit, besonders weil sie bezüglich der Forderung nach dem freien Meer Antwort geben mutz. Nur „La Suisse" erklärt, die Note sage nichts, was den Frieden beschleunigen könnte
Eine holländische Auslassung über das Friedensproblem.
s»-. Haag, 22. Sept. (Eig. DrrWbsricht. zb.) In bez „TM" wird die Meinung ausgesprochen, daß der MveÄie Ab- schniii: der diplomatischen Friedensbemülhungen bereits «r- re«ht sei, indem beide Parteien sich bemuhten>, die Absichten des 'anderen kennen zu lernen. Inzwischen sei aber noch ein langer, langer Weg zum Frieden. Wegen der nahen Beziehungen, chie das Blatt zum Vatikan unterhält, sind seine Äußerungen über Ernzelhei-ten des künftigen Friedens sehr berneckenswewt. Es heißt da: Im übrigen gebe man zu, daß die Welt nicht so bleiben kann, wie sie ist, Triest wird der besitzen, der es mit bew^affnöter Hand behält oder >erolbert, und über S ü d t i r o l wird bestimmt eine Verständigung mit dem Erbfeind stattfinden. Angesichts des dringenden Wunsches Deutschlands nach kolonialem Gel iet, wird es Kwc»r niemals das Elsaß, wohl über ein großes Stück Lothringens für ein willkommenes Angebot in diefent Sinne austauschen, dauernde -Versöhnung mit Frankreich vorausgesetzt, ufw.
Der bevorstehende Bruch Argcutinirns mit Deutschland.
Sr. Haag, 22. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Times" berichtet aus Buenos Aires, man erwarte, daß der Präsident der Republik unmittelbar dem Beschluß des Senats Folge leisten wird, ohne die Abstimmung des Abgeordnetenhauses abzuwarten, und den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland vollziehen wird. Di« Regierung hat alle Telegramme, die vcn der schwedischen Gesandtschaft in Buenos Aires in den letzten Monaten abgesandt oder empfangen wurden, nach Waysittgw« Maridt, um sie dort enchiffern zu lassen.
