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Die deutsche Antwort an den Papst.
Die Antwort der Kaiserlich deutschen Regierung aus die Friedenskundgebung e-. H. des Papstes lautet wie folgt:
, Berlin, 19. September 1917.
Herr Kardinal!
Eurere Eminenz haben die Geneigtheit gehabt, Seiner Masestät dem Kaiser und König, meinem Aller- gnädigsten Herrn, mit Schreiben vom 2. v. M. eine Kundgebung Seiner Heiligkeit des Papstes zu über- Mitteln, worin Seine Heiligkeit voll Kummer über die Verheerungen des Weltkrieges einen eindringlichen Friedensappell an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker richtet.
Seine Majestät der Kaiser und König hat geruht, mir von dem Schreiben Euerer Eminenz Kenntnis zu geben und mir die Beantwortung aufzutrayen.
Seit geraumer Zeit verfolgt Seine Majestät init hoher Achtung und aufrichtiger Dankbarkeit die Bemühungen Seiner Heiligkeit, im Geiste U> ahre r Unparteilichkeit die Leiden des Krieges nach Kräften zu lindern und das Ende der Feindseligkeiten zu beschleunigen. Der Kaiser erblickt in dem jüngsten Schritte Seiner Heiligkeit einen neuen Beweis edler und menschenfreundlicher Gesinnung und hegt den lebhaften Wunsch, daß zum Heile der ganzen Welt dem päpstlichen Ruf Erfolg beschieden sein möge. _
Das Bestreben des Papstes Benedikt XV., eme Verständigung unter den Völkern anzubahnen, konnte um so sicherer auf sympathische Aufnahme und über- jeugungsvolle Unterstützung durch Seine Majestät rechnen, als der Kaiser von der Übernahme der siegieruikg an seine vornehmste und heiligste Aufgabe darin gesehen hat. dem deutschen Volke und der Welt die Segnung des Friedens zu erhalten'. In der ersten Thronrede bei Eröffnung des deutschen Reichstags am 25. Juni 1888 gelobte der Kaiser, daß die Liebe zum deutschen Heere und seine Stellung zu demselben ihn niemals in Versuchung führen würden, dem Lande die Wohltaten des Friedens zu verkümmern.
. oenn der Krieg nicht eine durch den Angriff auf das Reich oder dessen Verbündete uns aufgedrungene Notwendigkeit würde. Das deutsche Heer solle uns den Frieden sichern und, wenn er dennoch gebrochen würde, imstande sein, ihn mit Ehren zu erkämpfen Der Kaiser hat das Gelöbnis, das er damals ablegte, in 2 6 Jahren segensreicher Regierung, aller Anfeindungen und Versuchungen ungeachtet, durch Taten erhärtet. Auch in der Krisis, me zu dein gegenwärtigen Weltbrand führte, ist das Bestreben Seiner Majestät bis zum letzten Augenblick dahin ge- gangen, den Streit durch friedliche Mittel zu schlichten; nachdem der Krieg gegen seinen Wunsch und Willen ausgebrochen war, hat der Kaiser in: Verein mit seinen hohen Verbündeten z u e r st die Bereitwilligkeit zum Eintritt in Frieden Sver- Handlungen feierlich kundgegeben.
Hinter Seiner Majestät stand in werktätigem Willen zum" Frieden das deutsche Volk. Deutschland suchte innerhalb der nationalen Grenzen freie Entwickelung seiner geistigen und materiellen Gäter, außerhalb des Reichsgebietes ungehinderten Wettbewerb mit gleichberechtigten und gleichgerichteten Nationen. Ein ungehemmtes Spiel der friedlich in der Welt initeinander ringenden Kräfte hätte zur höchsten Vervollkommnung der edelsten Menschheitsgüter geführt. Eine unheilvolle Verkettung von Ereignissen hat im Jahre 1914 einen hoffnungsreichen Entwicklungsgang jäh unterbrochen und Europa in einen blutigen Kampfplatz um- gewandelt.
In Würdigung der Bedeutung, iiie der Kundgebung Seiner Heiligkeit zukommt, hat die Kaiserliche Regierung nicht verfehlt, die darin enthaltenen Anregungen ernster und gewissenhafter 'Prüfung zu unterziehen; die besonderen Maßnahmen, die sie in e n g st e r F ü h l u n g mit der Ve r t r e l u n g des deutschen Volkes kür die Beratung und Beantwortung der aufgeworfenen Fragen getroffen hat, fegen davon Zeugnis ab. wie sehr es ihr am Herzen liegt, im Einklang mit den Wünschen Seiner Heiligkeit und der Friedenskundgebung des Reichstags vom 19. Juli d. I. brauchbare Grundlagen für einen gerechten und dauerhaften Frieden zu finden.
Mit besonderer Sympathie begrüßt die Kaiserliche Regierung den führenden Gedanken des Friedensrufs, worin sich Seine Heiligkeit in klarer Weise zu der Überzeugung bekennt, daß künftig an die Stelle der materiellen Macht der Waffen die moralische Macht des Rechtes treten muß. Auch wir sind davon durchdrungen, daß der kra/Äe Körper der menschlichen Gejellickatt nür durch eure Stärkuua der
sittlichen Kraft des Rechtes gesunden kann. Hieraus würde nach Ansicht Seiner Heiligkeit die gleichzeitige H e r a b m i n d e r u n g der Streit- kräfte aller Staaten und die Einrichtung eines verbindlichen Schi»dsv erfahrenS für internationale Streitfragen folgen. Wir teilen dre Auffassung Seiner Heiligkeit, daß bestimmte Regeln und gewisse Sicherheiten für eine gleichzeitige und gegenseitige Begrenzung der Rüstu n- g e n zu Lande und zu Wasser und in der Luft sowie für die w a h r e Freiheit und G e m e i n s a m k e t1 der hohen See diejenigen Gegenstände darsiellen, bei deren Behandlung der neue Geist, der künftig im Verhältnis der Staaten zueinander herrschen 'oll, den ersten verheißungsvollen Ausdruck finden müßte. Es würde sich sodann ohne weiteres die Aufgabe ergeben, auftauchende internationale Meinungsverschiedenheiten nicht durch das Aufgebot der Streitkräfte, sondern durch friedliche Mittel, insbesondere auch auf dem Wege des Schiedsverfahrens, entscheiden zu lassen, dessen hohe frredensstiftende Wirkung wir mit Seiner Heiligkeit voll anerkennen. Die Kaiserliche Regierung wird dabei jeden Vorschlag u n t e r st ü tz e n, der mit den L e b e n s i n t e r e s s e n des Deutsches Reiches und Volkes vereinbar ist. Deutschland ist durch seine geographische Lage und seine wirlfchaftlichen Bedürfnisse auf den friedlichen Verkehr mit den Nachbarn und mit dem fernen Ausland angewiesen. Kein Volk hat daher mehr als das deutsche Anlaß zu wünschen, daß an die Stelle des allgemeinen Hasses und Kampfes ein versöhnlicher und brüderlicher Geist zwischen den Nationen zur Geltung kommt.
Wenn die Völker, von diesem Geist geleitet, zu ihrem Heile erkannt haben werden, daß es gilt, mehr das Einigende als das Trennende in ihren Beziehungen zu betonen, wird es ihnen gelingen, auch die c i n- zelnen noch offenen Streitpunkte so zu regeln, daß je den: Volk befriedigende Dass i n s b e d i n g n n g e n geschaffen werden und damit eine Wiederkehr de>' großen Völkerkatastropbc ausgeschlossen erscheint. Nur unter dieser Voraussetzung kann ein dauernder Friede begründet werden, der die geistige Wiederannäherung und das wirtschaftliche W i e d e r a u fb lühcn der menschlichen Gesellschaft begünstiat.
Diese ernste und aufrichtige Überzeugung ermutigt uns zu der Zuversicht, daß a n ch unsere Gegner in den von Seiner Heiligkeit zur Erwägung nnlcrbrei- tetcn Gedanken eine geeignete 'Unterlage sehen möchten, um unter Bedingungen, die dem Geiste der Billigkeit und der Lage Europas entsprechen, der Vorbereitung eines künftigen Friedens näher zu treten.
Genehmigen Euere Eminenz uiw.
(Name des Reichskanzlers.)
Seiner Eminenz dem Staatssekretär Seiner Heiligkeit des Papstes Benedikt XV. Herrn Kardinal Gaspari
Rom.
Die allgemeine Fassung der Kntwsrt.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 21. Sept. (Gig. Meldung, zb.) Dir Note der kaiserlichen Regierung als Antwort auf die Papstnote ist dem Nuntius übergeben worden und dürfte jetzt in die Hände des Papstes gelangt sein. Sie ist ein vorbereitendes Dokument und mehr als eine große t Höflichkeitsbezeigung für den katholischen Kirckeufürsten. Da wir von der Tatsache ausgehen müssen, daß dieser Krieg ein Koalitionsckrieg ist, mußten wir bei der Vorbereitung dieser Note Hand in Hand mit unseren drei Verbündeten gehen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, unsere Antwort allgemein zu halten und aus Einzelheiten noch nicht einzugehen. Wir müssen uns aua- Vorsteven, daß man im Vatikan solche Einzelheiten nicht erwartet hat, da man dort zunächst vor allem eine Atmosphäre vorzubereiten wünscht, in der greifbare A n n ü h e r u n g s b e d i n g u n g e n mehr Eiftlgsarssichr haben werden. Der Papst wünscht als Voraussetzung für einen zukünftigen Danecfrirden die Eigenschaft des Rechts in einer durch Schiedsgerichte gewährleisteten Gesellschaft der Nationen. Das soll ja auch in Wilsons Wünschen liegen und die Entente spricht in diesen Tor en. Man wird nicht behaupten können, daß die deutsche Regierung hier kern Entgegenkommen gezeigt hätte. — Ganz neu ist zum erstenmal, daß eine amtliche deutsche Note den AbrüstungSgedanken aufgreift. Ob jetzt die Feinde hinter all dem deutsche Falschheit vermuten oder ob andere Vorv'ände gekraucht werden, um abermals die Anbahnung von Verhandlungen mit den Mittelmächten abzulehnen: kein Gutgläubiger kann mehr bezweifeln, daß der Kaiser und die deutsche Volksvertretung zu einem Frieden ehrlicher Verständigung bereit find — selbstverständlich zu einem Frieden, der auch für uns nicht eine Enttäuschung oder gar eine Gefahr darftellt, sondern zu einem Frieden, der uns die Sicherheit für zukünftige freie Entwicklung garantiert. Möge mancher draußen und drinnen darüber enttäuscht fein, daß keine EinzelHciten in der Note
aufgeführt werden, und z. B. B e lg ie n. unerwähnt bleibt, dann müssen diese Ungeduldigen auf die folgende Stelle besonders verwiesen werden:
In Würdigung der Bedeutung, lie der Kundgebung Seiner Heiligkeit zukommt, hat die Kaiserliche Regierung nicht verfehlt, die darin enthaltenen Anregungen ernster und g e»t ssenh after Prüfung zu unterziehen: die besonderen Maßnahmen, me sw m engster Füblung mit der Vertretung des deutschen Volkes sür die Beratung und Beantwortung der aufgeworfenen Fragen getroffen hat. legen davon Zeugnis ab, wie sehr es ihr am Herzen liegt, cm Einklang mit den Wünschen Letner Heiligkeit und der Friedenskundgebung des Reichstags vom 13. Nun v. brauchbare Grundlagen für emen gerechten und. dauerhaften Frieden zu finden
Hier wird der Papst antnüpfen können, hier wird er anknüpfen zu weiteren Verhandlungen. JnAwi- fchen aber wird der Reichskanzler, wenn wir recht unterrichtet sind, schon im Reichstag über unfeine KriegÄMe in West und Ost, über Belgien, Polen und Estland Auskünfte geben und Klarheit schaffen, ohne uns von dem Frieden zu entfernen. _
Ein deutscher Durchbruch bei Zakobftadt.
Der deutsche L^bendbericht von: 21.September.
W. T.-B. Berlin, 21. Sept., abends. (Amtlich. Drahtbe- richt.) In Flandern nachmittags sich steigernder Artillerie- kampf; abends örtliche Jnfanteriegefechte.
Auf dem linken Dünaufer durchbrachen unsere Truppen die russischen Stellungen nordwestlich von Jakobstadt. Bisher sind über Ivv» Gefangene und mehrere Geschütze als Beute gemeldet.
Westlich des Ochridasees scheiterte ein französischer An. griff. __
Oie Lage Im westen»
Englischer Heeresbericht vom 20. September.
- Wir griffen heute morgen auf breiter Front östlich Dpern an. Es werden befriedigende Fortschritte^ gemeldet. Unsere Truppen nahmen bereits wich- tige Stellungen.
II Uhr abends. Unser Angriff von von heute ftuh östlich v«t Wern entwickelte sich auf einer Front von etwa 13 Ktlometw zwischen dem Kanal Ypern-Comines und dein Eisenbahngeieise nach Stad«. Unser Erfolg war beträchtlich. Stellungen von großer militärischer Bedcutniig wurden erober.t und den- Feinde schwere Verluste zugefügt. 2k Bereitstellung der Truppen, dir an den Ope- rationen leilnel'men" sollten, vollzog sich ungestört trotz des dre ganze Nacht unaufhörlich nieterströwenden Regens. Unsere ersten Ziele wurden frühzeitig erreicht. Sie »mfasten eme Anzahl betonierter Stützpuntte und befestigter Geh oste, „m deren Besitz in irühiren Angriffen heftig gekanipfr worden war. Tie Regimenter des Nordens nahmen den I non netz-Wald, dr« Australier nahmen im Simm den Gloencorse-Wald und den Sommewald Die schottischen und südafrikanischen Brigaden bemächtigten sich der Gehöfte Potsdam. Vampyr und Borrh, dre Territorial, truppen von Lancashire-West. nahmen das Gehost Liberia und den Stützpunkt Gallipoli. Tic Truppen gingen dann zum Sturm auf ibre letzten Ziele vor Auf den, rechten Flügel erreichten die Truppen der englischen Grafschaften die letzten Ziellinien nach einem heftigen Kampfe in einem Walde nördlich des Kanals Upern-Commes und ,n der Umgebung von Cower-Haminet. Im Zentrunl „drangen die Bataillone des Nordens und Australier 1500 Meter nördlich m dw deutschen Stellungen ein und erreichten alle ihre Zule einschließlich des Waldes Veldhoek und des Westteils des Polygon-Waldes. Werter nördlich wurde auch Zevenect genommen. Die Terrrtorcaltrnppen von London und die Hochländer bemächtigten sich einer zweiten Lime von Gehöften mit dem Gehöfte Rose, Quebec und Wurst auf ihrer
^^^^as'iin^Laufe des Vormittags aushellende Wetter gestattete Miseren Fliegern, an der Schlacht tätigen Anteil zu nehmen. Sic -eiaten die neu von unsere,: Truppen kesehten. Stellungen an und signalisierten unserer Artillerie die feindlichen Truppenansamm- iünaen Dank unserer Flieger konnten einige deutschen Gegenan- ortffe gebrochen werden. Alle feindlichen Gegenangriffe wurden durch unser Maschinengewehr- und Gewehrfener zurückgeschlagen. Es ist noch nickt möglich, die genaue Zahl der tagsüber eingebrachtut Gefangenen o.nzugeben; sicher ist iedock, daß deren Zahl 2000 überschreitet. Wir haben außerdem auch eine Anzahl Geschütze erbeutet.
Tatsächlich Eintritt Argentiniens in den Krieg?
W T.-B. Buenos Aires, 20. Sept. (Meldung der „CentM ^>,'ews") Der Beschluß des argentinischen Senats, die Beziehungen zu Deutschland abzubrechen, wurde mit 23 gegen eine Stimme gefaßt. ^
Br. Berlin, 21. Sept. (fetg. Drahtbericht. zb.) D,e argew- tinischen Meldungen lauten fortgesetzt ungünstiger. Nach einem Haager Telegramm des „L.-A." ineldet die „Times" aus Washington, der argentinische Gesandte habe offigidl mitgeteilt, doß der argentinische Senat für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland gestimmt hat. ES se: sicher, daß diesem Abbruch der tats-ichlich« K r'i e g s e i n t r i t t Argentiniens bald fvlgen werde.
Wenn euch der Gesandte sich kaum so voreilig über die Absicht seiner Regierung ausgesprochen haben wird, dürste "doch damit zu rechnen sein, daß der mit 23 gegen 1 Stimme gefaßte Beschluß dek argentinischen Senats, die diplomatischen Beziehungen mit Deutschland abzubrechen, kaum noch eine "Hoffnung"lasse, daß die Arbeit der Entente in Buenos Aires, leider wirksam durch die Fahrlässigkeit unse res Gesandten unterstützt, fruchtlos bleiben wird. An hiesiger amtlicher Stelle liegt noch keine Bestätigung dev Abbruchs der Beziehungen vor.
