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Verl«« Sanggaffe 21

„Tozdlatthaas".

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Mittwoch, 19. September 1917. BbCn5 ; BUS^(lbS. ® r " ‘*° l * 9 *"

Die Lrllärung der neuen ftanzöfijchen Regierung.

W.T.-B. Paris, 18. Sept. (Meldung der Agence Havas.) Heute nachmittag ist folgende Erklärung des Ministeriums in der Kammer verlesen worden: Die Stunde eignet sich

weder zu la:gei: Reden, noch für lange Programme. Alle materiellen und moralischen Kräfte der Nation zusammen- zvfafsen für den entscheidenden Augenblick des Ringens, das ist die Pflicht, welcher die Regierung sich grnz und gar widmen mutz und will. Der Krieg, der sich immer länger hinzicht, verlangt von allen die v ö l l i g st e 'Selbstverleugnung und den gröhten Opfer­mut. Je mehr wir uns dem Ende nähern, um so mehr wird die moralische Widerstandsfähigkeit der Nation ein aus­schlaggebendes Mittel zum Siege werden. Gerade gegen diese moralische Widerstandsfähigkeit erklären unsere Feinde, die uns auf dem Schlachtfelde nicht haben besiegen können, ihre Angriffe verdoppeln zu vollen. Sache der Regierung ist es, ihre Wachsamkeit gegen diese hinterlistigen Unter­nehmen und ihre Energie gegenüber denjenigen, die diese Unternehmungen unterstützen würden, zu verdoppeln. Die Gerechtigkeit wird in den bereits eröffneten Untersuchungen, ebenso wie in denen, die noch folgen könnten, ih ren Weg ohne Zaudern, ohne Schwäche und ohne Rücksicht auf die Stellung irgend jemandes verfolgen. Wer sich zu« Mitschuldigen des Feindes macht, mutz die Strenge des Gesetzes fühlen. Die Regierung zählt auf die Vaterlandsliebe aller und auf die SelMbeherrfchnng der öffentlichen Meinung, damit di« Gerechtigkeit ihr Werk in Ruhe und Würde voll brir gen und sie unvorfnDigen Verallgemeinerungen, ergen möckitiaen Bestrebungen und dem heftigen Meinungsstreit der Parteien entrückt bleibe. Welches auch das Ende dieser trau, rigen Vorgänge sein mag, sie werden keine Partei treffen ?lber auch kein Manöver des Feindes und kein Fehler ein­zelner PeriönlMeiten kann Frankreich von seinem uner- scbütftrlicktzn ErttscWuh abbringen, der von lauteren Über lieferungen unserer Rasse und den erhabenen Grundsätzen der Freiheit eingegeben ist, welche die Revolution unter der Bevölkerung ausgesät hat und die heute die zivilisierte Welt gegen den deutschen Imperialismus vereinigt. Wenn Frank­reich diesen Krieg fortsetzt, so geschieht es w e d e r z u E r - oberungen, noch um sich zu retten, es geschieht, um seine ■ Freiheit und Unabhängigkeit, zugleich um die Freiheit und Unabhängigkeit der Welt zu verteidigen. Frankreichs For­derungen sind diejenigen des Rechts, und ii- sind unabhängig . vom Lose der Schlacht. Frankreich hat, wie 1871, feierlich . verkündet, als es besiegt war, und es verkündet es heute, wo es den Angreifer die Wucht seiner Waffen hat fühlen lassen:

TlSannrriiin von Elsaß - Lothringen, der Ersatz für

Schäden „nd Zerstörungen, die der Feind angerichtet hat.

' Der Abschlutz eines Friedens, nicht eines Friedens des Zwanges und der Gewalt, der den Keim des nächsten Krieges j in sich trägt, sondern eines gerechten Friedens, der kein Volk, mächtig oder schwach, unterdrücken wird, eines Friedens wirksamer Bürgschaften, welcher die Gemeinschaft ecr Nationen vor dem Angriff einer von ihnen sichert. Das sind die erhabenen Kriegsziele Frankreichs, wenn man überhaupt von Kriegszielen sprechen kann, wenn es sich um eine Nation handelt, die 41 Jahre trotz ihrer offenen Wunde alles getan, um der Menschheit die Schrecken des Krieges zu ersparen.

So lange diese Ziele nicht erreicht sind, wird Frankreich den Kampf fortsetzen.

Gewih, der? Krieg nur einen klag zu lange forffetzen, heiht das gröhte Verbrechen der Geschichte begehen, aber wolle man : ihn nur einen Tag zu früh abbrechen, so würde man Frank­reich der niedrigsten Knechtschaft ausliesern, dem materiellen und moralischen Elend, aus dem nichts es mehr befreien könnte. Das sind die Ursachen der unauflöslichen Ei««keit des La,ries in allen Prüfungen. D«s ist das Ergebnis einer Disziplin, die sich siegreich der wilden Brutalität des deutschen Militarismus entgogensteSt. Diese Disziplin, entsprungen unserer Vernunft und dem gegen­seitigen Vertrauen, haben die früheren Regierungen drei Jahre hindurch aufrecht erhalten. Die gegenwärtige Regie­rung meint es nicht anders. Aber es handelt sich nicht nur darum, datz der Wille, sondern darum, dah alle materiellen Kräfte des Landes aufdasei^e Ziel gerichtet sind, den Krieg. Die nationale Ve digung ist ein Block, der nicht zu verlegen ist. Mannscha,u.>, Waffen, Munition, Verpflegung, Transport, stellen eftmft viele Probleme dar, die man nicht unabhängig voneinander lösen kann, da sie eng untereinander zusammenhängen. Man kann sie nur bewäl­tigen durch allumfassendes Streben nach Übereinstimmung und Synthese, indem man die Badürfnisse und die Möglich­keiten abwägt, die Produktion zu steigern, iich dre erforder­lichen Einschränkungen auferlegt, die Spekulation durch! Preissteigerung bekämpft und der Nation selbst alle Haffs quellen zur Verfügung stellt, die sie in sich trägt. Es rst eme schwierig« Aufgabe, die die Regierung sich zu losen bemühen wird, indem sie die S«de«ntvresftn vor den ««ge­meinen .Interessen z-rücktmten licht, wenn es Wohl des Landes Hand-». Stet pchsct da, sich pemtiche Opfer «rfznerlegen, die doch so gering sind ,m Verreich zu den Leiden unserer Soldaten. Aber eine

Übereinstimmung der »»«ich«««-» ist nicht »ur n.b wcndi« i« Lande, sie ist auch dringend erfordeettch ^ oiNiierte». y

die, gestern und heute geeint durch dieselbe heilige ««che kämpfen. Es ist notwendig, dah sie kämpfen, als waren sie nur eine Nation, eine Armee und eine Front. Menschen, Waffen und Geld müssen allen gemeinsam zur Ver­fügung stehen. Nur um diesen Preis wird die Überlegenheit ihrer Hilfskräfte, die jetzt noch zerstreut sind, erdrückend wer­den. Eine solche Politik wird Frankreich gestttten, die Wacht an seiner Grenze zu halten, ohne seine wirtschaftlichen HUft- quellen zu erschöpfen. Seit August 1914 ist das svar^opsche Heer unbesieglich. Für einen glücklichen Ausgang des Kriege^ ist es notwendig, dah es bis zum Ende die Fülle seiner Kraft bewahrt.

' Die Regierungserklärung entwirft sodann in allgemeinen Linien einen Plan für den Übergang in die jne< denszeit und fährt dann fort: Ehe wir diese Erklärung schliehen, wollen wir einen Blick aus die ungeheure Schlacht­linie werfen. Wenn auch die russische Front uns peinliche Enttäuschung bereitet, so müssen wir doch hoffen, dah die neue Republik aus dem Übermah der Gefahr die Kräfte schöpfen wird, die innere Einigkeit und Disziplin wiederherzustellen. Auf allen anderen -Schlachtfeldern, auf dem Karst, am Sercth, an der Cerna, wie im Artois, sind seit Monaten grohe Dinge vollbracht, deren Ergebnisse, die neck mehr in der Tiefe als an der Oberfläche liegen, durch ihre Folgen zutage treten werden. In Ebenen werden die ersten amerikanischen Kontingente in Kameradschaft mit Elitetrnppen ausgebildet. Was unsere Armee anbelangt, die unter Leitung eines Führers steht, dessen untadelige Meisterschaft sich jeden Tag Von neiern bestätigt und einen neuen Glanz dem symbolischen Namen Verdun hinzufügt, so war ihre Moral niemals höher und niemals fühlte sie sich sicherer ihrer selbst, auf dah rhr bewundertstes Heldentum vor jeder Antastung bewahrt blerbt. Sie muh sich unterordnen, einer öffentlichen Gewalt fügen, obne dah in die Befugnisse des Oberkommandos eingegriffen

wird. . _ . „

Die parlamentarische und Negierungs-Kontrolle

wird ihre Ausgabe auf diesem Gebiete, wie aus allen anderen, zu erfüllen wissen: Die Regierung zählt auf di« engck Mit­wirkung des Parlaments, dessen Initiative und dessen di»ernde Bemühungen die nationale Verteidigung so wirksame Dienste geleistet hat, die die Zukunft ins volle Licht setzen wird. Es ist unsere Absicht, in engem Einvernehmen mit dem Parlament zu regieren, wobei wir die ganze Auto­rität unseres Amtes beanspruchen. Wir werden nicht hinter einer optimistischen Fassade unsere Verantwortlich­keit zu verbergen suchen, wir werden alles Ihrem Urteil urterkrerkn, und wenn Sie uns würdig der so schweren Ausgabe halten, ft werden wir Ihr Vertrauen durch Energie und Ar ftichtigkeit rechtfertigen.

*

In ihrem Stimmungsbild über die Sitzung der Kammer, in der diese Erklärung durch Painleve verlesen wurde, be­merkt die Agence Havas, dah die ministerielle Erklärung von 'einmütigem Beifall der Kammer ausgenommen worden sei. insbesondere auch die Versicherung, dah jeder der Strenge der Gesetze verfalle, der dem Feiutz Vorschub leiste.

Chanlin-Serviniere bedauert die Abwesenheit der Sozialisten in dem Kabinett und verlangt, dah Frank­reich und seine Verbündeten ihre Kriegsziele bekanntgeben. Jmn erbin fielt er keine Derhandlu.igen für möglich, ft lange die Deutschen die besetzten Gebiete nicht räumen würden. Er schließt mit der Erklärung, dah er der Regierung Ver­trauen g^vähre, wenn er die Gewihheit habe,- datz sie Frankreich zum Siege führen würde.

Bei Beginn der Sitzung verlas Deschanel ein Tele­gramm Terestschenkos, in dem der Wille Ruhlands, den Kampf bis zum Siege ftrtzusshen, bekräftigt wird.

Dubais verlangte Erklärungen der Regierung über die Tätigkeit des Kriegskomitees. Weiter forderte Dubais Aufklärungen über die Mahnahme,r der Regierung hinsichtlich derjenigen, die die feindliche Prcp«ganda be­günstigen. — Augagneur kritisierte lebhaft die Z u s a m m e n- setzung des Ministeriums. Darauf wurde die Aus­sprache bis morgen ausgesetzt. In dem Augenblick, als die Deputierten sich zum Verlassen des Saales anschickten, gab per Präsident bekannt, dah ein Antrag auf Erteilung der Er­mächtigung zur gerichtlichen Belangung eines Abgeordneten eingegangen fti. Die Kammer beschloß, sofort zur Ernennung eines Scnder«usschuffes zu schreiten, der über den Antrag beschlichen soll.

Ltztzhafte MernunMerschiedenliciten in der französischen Sozialistcnpartei.

W. rr.-B. Berlin, 18. Sept. Wie der „Temps" meldet, sind gestern in der Sitzung der Minderheit der Sazialisftn- pcvrtei zur Vorbereitung des Kongresses der -Minderheit leb­hafte Meinungsverschiedenheiten entstanden. L ortest, Rappaport, Bourderon und Alexandre spräche., gegen die B«teili,ung i*r Sozialisten an dem Ministe­rium und gegen die Kriegskredit-e. Lsnguet und «eftpchc erklärten sich .für fttzft«. so law«e Frantoaich «iE V « rteidigun«.Sckrietz fühoe und Zk«öfv«nckreich u«p Mm Feind -öchetzt seien. Longuet ftot für dft

Beteiligung der Sozialisten an der Royierung ein, falls sie d »durch ihoe Mer nun« in der Frieden sfr.»«e zur Geltung drin, gen iräaMn. Die B-r«rittlu*«M»ersuche zmiMm den Rich- tungen mtchglüdsien, und «in Ausschuß soll ein« beiden Teilen /mruetijmiwre Enffchlieh ung a ULarbeltL N.

Ein sozialistischer Beschluss zugunsten Stockholms. Genf, 19. Sept. Dis Versammlung des sozialisti­schen Seine-Verbandes, der die sozialistische Politik von ganz Frankreich bestimmt, nahm am Montag aury erne von den Zimmerwaldern eingeb rächte Tagesordnung zugunsten der Stockholmer Konferenz und d^n aufbau der Internationale an.

Feindliche Fliegerangriffe auf süddeutsche Städte.

W. T.-B. Berlin, 18. Seist. (Amtlich.) Unsere Gegner unternahmen am 16. September mchveve Bombenflüge gegen 'das süddeutsche Heimatgebtet. Es wurden angegriffen Stuttgart, Tübingen, Freudenft»d< Obern­dorf, Sankt Ingbert, Saa rb rücken und Co lmar. Bei Stuttgart wurde «in Soldat leicht erieht. In Freuden­stadt und Colmar entstand Gobäudeschaden.' Alle übrigen Angriffe verursachten weder Verluste an Toten und Verwun­deten, noch Sachschalden. Drei feindliche Fluggeuge wurden innerhalb des HeiMatgebiets abgeschossen.

19000 Sr.-R.-Tonnen!

W. T.-B. Berlin, 18. Sept. (Amtlich.) Im Sperr­gebiet um England sind durch unsere Unterseeboote 19 M« Bruttoregistertonuen versenkt worden.

Unter den vernichteten Schiffen befanden sich zwei große bewaffnete englische Dampfer, einer davon anscheinend ein. Hilfskreuzer oder Tranßporter.

Der Ches des Admiralstabs der Mjarine.

vie Antwort der Mittelmächte auf die Papstnote.

Sr. Wien, 19. Sept. Mg. Drahtbericht. zb.) Die Ant­wort der Mittelmächte auf -di« Papstnote wird am 20. Sep­tember in 'München, bezw Wien überreicht und am 22. S e p- tember veröffentlicht werden.

Die belgische Frage.

Berlin, 19. Sept. Gegenübe«: anderslantenÄen Nachrich­ten wird in der „Köln. Volksztg.^ versichert, Einzel­heiten über Belgiens Zukunft wären in der Antwort­note an den Papst deuffcherseiis nicht genannt. Dazu fti ftühestens Zeit am Friedensunterhändlertisch. Auch drS Gerücht, dah ein Krrnrat die deutsche Nichtim^tevessiertheit an Belgi-en >cmsge'sprochen habe, könne nicht richtig sein. — Die „Germania' scheibt, von einem solchen Verzicht Wnne nich die Rede sein. Ihn welle niemand im Reichstag und niemand in der R-egi-erung. Überall handle eS sich nur darum, die Bedingungen sefizufetzen, unter denen wir uns bereit fin­den lassen würden, die eroberten Landstrich sreiwilleg wieder aus der Hand zu geben, die die Feinde uns mit Waffenge­walt trotz aller Anstrengungen nicht zu entreißen vermögen. Das ftr der Sinn des Verhandlungs- und Ausgleichsfriedens.

England und Belgien.

II. Rotterdam, 19. Sept. Mg. Drahtberich, zb.) Aus London wird gedrahtet: „Daily News" nennt di« deuffch 'Meldung, wonach Belgien aufgegeben werden soll, die beste seit vielen Monaten. Der erste Schutt zur Er.- möglichung des Friedens scheine getM zu ftin.

vie Kffäre Luxburg.

Eine Erklärung der deutschen Negierung.

Berlin, 18. Sept. Der „Vossischrn Zeitung" zufolge veröffentlicht die Stockholmer Zeitung „Nya Daglight Allehanda" eine Erklärung der deutschen Regierung in der Angelegenheit der D e p e s ch e n d e s -rasen Luxburg, die den folgenden Wortlaut hat:

Die kaiserliche Regierung beklagt tief, dap der schwedischen Regierung infolge ihrer dankenswerten B-rnnttlung von Tele- grammen zwischen den: deutschen Gesandten im Auslands und den. Auswärtigen Amt Un an n eh m li ck I e i t en entstanden sind. Die Regierung beklagt weiter, daß der deutsche Vertreter.in Buenos Aires derartige Telegramme unter Benutzung der schwedischen Ver- msttlung abgesandt hat. Die Regierung hat, sobald ihr der Fall be- kannt wurde, ihre Vertretungen im Auslände ausdrücklich angewiesen, dafür zu sorgen, daß alle Versuche, die löniglich schwedische Regierung in Verdmdung zu bringen mit dem Inhalt der vermittelten Schlussel- telegramine, zurüügcwiesen werden. Gleichzntig betont dke kaiserliche Regierung ihrerieits, daß die schwedische Regterung keine Kenntnis von dem Inhalt dieser Telegramme gehabt Hab«.

8. Stockholm, 19. Sept. (Sitz. Drahtbericht. zb.) Die deuffche Entfchpldi-gung an Schweden findet in Stockhokn «im« schlechte Presse. Das führende „Stockholms Dayblad" schreibt: Dft Entschuldigung des deutschen Ge­sandten weicht vom Themq ab und mutz als dürftig und nicht z u frieden ft elf« nd bezeichnet werden. Dft deut­sche Entschuldigung deufti nicht an, dah dft schwedische Schnnerigkeit durch dft mihbräuchlichen Handlun­gen des Grasen Luxburg veranlaßt wurden. Dl« deutschen politischen Kreise haben scheinbar nicht begriffen, wie tief die schwedische Bitternis über die .deutschen Berstöhe ist. „Sozial­demokraten" memt, man suche vergeblich im deutschen Kom­munique etwas wie Verständnis für -dft grobe Verletzung

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