gerte L. Mittwoch, 19. September 1917.
Der Tauchhootkrieg.
Die gefürchtete neue Phase des U-Bootskrieges.
W. T.-B. Bern, IS. Sept. Eine offizielle MeI- "NS der Pariser Blätter besagt. Laß angesichts der neu«, „7, E U-Bootikreosführureg durch die Deutschen, welche die U-Boote m Geschwadern operieren lassen, zu erwarten iei. bah die neue Phase des UnterseckbootkriosS einen ganz besonderen Ernst an nehmen werde.
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5» * daris, 18. Sept. (Agenoe Hava-s.) Das
Patromlleniichissf „Jeanu-e 1" ist in der Nacht zum 7. Septem, ver Von einem Kauffahrteischiff in den Grund gebohrt wor- den. Der Kapitän und 19 Mann der Besatzung sind ertrunken. '
Weshaderrev TsgbieriL.
Der Rrieg gegen It«Nen.
Die Unruhen in Turin.
> Br. Lugano, 18. Scpt (Eig. Drablbericht. zo.) Mn noch vor ccr Grenzsperre aus Turin zurückgekehrter Schweizer erzählt, daß die dortigen blutigen Unruhen durch einen Aus st and der Arbeiter rer Fi at Werke eingtteftei wurden. Alz deren Forverung auf Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde, erklärten sich andere Arbeiter mit ihnen solidarisch. Ein Zug von 3 0 000 Menschen bewegte s'ch durch die Stadt mit den Rufen: „hoch dar Frieden, gebt u u s Brot!" Die ausgebotenen Truppen erhielten Befebl, zu f-hl-ßen, weigerten sich aber, zu gehorchen. Infolge dessen wurden zu den Maschinengewehren Karabtnirris kommandiert und Artillerie herbeigerufen, deren Mannschaften sich williger zergren. Es entspann ftch ein furchtbarer S t r a ß e n k a m p f. Die Zahl der ~dnrd auf 50 0, die der Verwundeten auf meyrere Tausend geschaht. Nach zuverlässigen Meldungen schiveizerifcher Blätter von der italienische» Grenze sind Freitag und Samstag in Turin. Mai- and und Florenz zahlreiche politische Verhaftungen erfolgt Man spricht von mehreren hundert Verhaftungen, die mit der Fr,-denLbewegung an der Front «n Zusammen. Hang stehen. .
Die Neutrasen.
, Branting, der Waffenträger der Entente. e- ^' 1•"? Stockholm, 18. Sept. Die Astern veranstaltete ^oztal lstenkundgebung, an der sich ly- bis 15 000 ^ersm en beteiligten, nahm nach einer Rede Brantings und sieben anderer Kandidaten für di« Stockholmer Wahlen eine Entschließung an, die den Rücktritt der Reaie- r:;ng foltert. Stockholms Dagbladet" bezeichnet im heutigen Leitartikel Branklng als den Waffenträger der Entente, da er in seiner Rede äußerte: „Wir wollen, daß die Negierung die Konsequenzen aus dem Borgefallenen, d. h. der Telegrammaffäre, ziehe und sich zurückziehe. ^.reS kann. ,:igt dar Blatt hinzu, nicht ander« bezeichnet wer- deii denn als rftenbare Forderung eines schwedischen Minister Wechsels als direkte Folge des ausländischen Druckes.
Die Eröffnung der Sesiion der Generalstaaten.
^ r Eept. (Drahtbericht. Niederländische
Telegvaphcn-Agentur.) Der Ministerpräsident er- r-i ne * | eute nachmittag int Namen der Königin die ordentliche Session der Generalstaaten mit einer Ansprache, in der gesägt st'urde. „Die Aussichten für den kommenden Winter sind wenig befriedigend. Die von verschiedenen Seiten aus- , gehenden Bestrebungen, dem schrecklichen Völkerkampf e,n Ende zu machen, die von unserer Nation mit warmem Interesse begrüßt werben. haben das angestrEte Ziel noch nicht erreicht Wir sind noch immer genötigt, uns inmitten von einander sich heftig bekämpfenden Feinden bi>eit zu holten, um eine mögliche. Verletzung
unserer Neutralität abzuwehren." 9
fer Beziehung insbesondere um folgende 'Fälle: 1. Hrlfs-
dienstpflichtine, die' vom EinberufMigSauöschutz i>k Aufford:' nii'q zum' Hilfsdienst erhalten, haben vorerst nur die der Aufforderung beiliegende Karte sc-rgsäiti-gst auszufüllen und dem Einberufunzsausschvß innerhalb drei Tagen zurückzu- >endsu. Sollte die angegebene Beschäftigung nicht als hinreichend angdseheii werden, so ergeht darüber besonderer Bescheid. 2. Der Hilfs-dienstpflichtige, wenn er seine bisherige Gütigkeit aufgiht, oder wenn er seine Beschäftigungsstelle oder seine Wohnung wechselt. ,st verpflichtet, hiervon spätestens am dritten der darauffolgenden Werktage dein Einberufung^. ousschuß Wiesbaden, Arbeitsamt, Zimmer 12, unter genauer Angabe seiner neuen Tätigkeit, seiner neuen Deschäf- tigungSstelle oder seiner neuen Wohnung Mitteilung zu wachen. Im Unterlassungsfall muß in Zukunft unnachsicht- lich mit den gesetzlich vorgesehenen Strafen gegen die Säumigen vlwgegangen 'werden.
Morgen-Ausgabe. Erstes- Blatt. Nr. 477.
aus Stadl und Land.
Wiesbadener Nachricht««.
v«ierISn»ikch«r yrlf«»,«nst.'
?'5 ?^^ung, welche bisher mit der Durchführung d-S Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst gemacht wor. den sind, haben zum Schaden der beteiligten Hilfsdienftvflich. tiyen ergeben, daß einige wichtige Bestimmungen dieses Ge. sctzes, sei es aus Unkenntnis, sei eS «us Nachlässigkeit, nicht oder nicht hinreichend befolgt werden . Es handelt sich in die-
(50. Fcrtsetzuug.)
Einkellerung von Kartoffeln. Wie bereits mitgsteilt worden ist und aus der Bekanntmachung über Einkellerung von Kartoffeln im Anzeigenteil dieses Blattes hervorge'ht, er', halt die Stc'dt in diesem Wirtschaftsjahr für die Versorgung^» zeit von Mitte Se-ptember d. I. bis Anfang August n. I. ihre G'l!s<rm^b'e.)arfiAnf«ng-e an Kartoffeln aus uruserer Provinz und wus dem Großherzogtum Hessen. Die Haushaltungen, die Kartoffeln von Landwirten beziehen wollen, werden aufgefordert, schon jetzt von ihren Landwirten die Dsschein-igung bejznbringen, daß diese di« angeforderte Menge liefern können und wollen. Mit der Bescheinigung soll der Landwirt genau angeben, sin welchem Landkreis er ansässig ist. 'damit spater -bei der Belieferung keine Verzögerungen und Irvtümcr ^entstehen. Zugelassen tvevden zunächst zur Einkellerung -auf die Person 2 Zentner. Die nähere Bekannt- mvchung, wie die Anträge auf Einkellerung von Kairtoffeln zu stellen sind, wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
ft" Keine Beschlagnahme der Wäsche in den Privathaus- haltungeu. Im Anschluß an die Beschlagnahme der Gast-. Hauswäsche sind in der Bevölkerung verschiedentlich Gerüchte verbreitet worden, daß auch «ine Beschlagnahme der in Pci- vathaushaltungen vorhandenen -Wäschebestände bevoristebe. Di« Befürchtungen sind haltlos. Die R-eichsheckleidungsftella er- klärt ausdrücklich, daß sie nicht beabsichtige, durch Beschlagnahm« oder Ent-eignung in die Wäschebsstände der F-amilion einzug reisen.
— Zum Absatz »on Gemüse. Di« Reich »stell« für Gemüse und Obst hat im „Reichscmyeiger" Nr. S19 «ine Bekanntmachung über Gemüse erlassen, nach welcher die Landesstell«' für «emüse und Obst (in Preußen rceden der Landesstelle auch die Provinzial- und B-^irkSstell«, für Gemüse und Obst) hefugt sein solleu, für ihre Bezirke oder Teile davon mit Zustimmung der R«ch»stell« durch: Verordnung zu 'bestimmen, daß Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Möhren aller Art, Kohlrüben (Wruken, Boderkahlrabi, Steckrüben), Runkelrüben und Zwiebeln oder einzelne dieser Gemüsearten nur Mit ihrer Genehmigung «bgesetzt werden dürfen.
— Stärke aus Gips. Seit einiger Zeit wird von O>b«r- schlesieu aus in allen Teilen Deutschland» Glanzstävk« unter dem saffchen Namen „Hosfmanns St-lb-erglanz, stärke" in den Handel gebracht. Die -Verpackung trägt die Waren,schütz,'-eichen der Hofftnannschen Sttrr«e>fabri«en in Bad-'Sätzuflen. Für «men -Karton mtt 4 Päckchen dieser Stärke werden im Kleinhandel 2,60 bis 8 M. v-erlangt, wäh. reich für einen Karton echt« Hoffmannsche GilberylanMrke früher 20 Pf. bezahlt tuurde-n. Boi der jetzt in den Handel gebrachten Stärke -handelt -8 sich um «tn Schwindelsabrikvt. das nach der chomifchsn Untersuchung in der Hauptsache aus G lp S besteht. Der Wert dieses Fabrikäi« beträgt nur wenig« Pfennige. DaS Publikum wird dringend vor dem Ankauf dieiseS Shwindelfobrikats gewarnt und ersucht, sobald -eS ihm ßim Kauf angeboten wird, der Pal-izeidrroktion sofort Mitteilung zu machen. Gegen Kausleute, die mit dies« Stärke Handel treiben, wird wegen Verletzung dos Musterschutzes, Wuchers und gegebenenfalls 'auch wegen Kettenhandels vor- geg-ongen werden.
v»rberichte über tkunft, Vorträge un» vomoandte«.
/ Käuillich« Scharjpi.l«. Heute gebt die „Walküre" zum ersten- siwl in dieser Spielzeit in Szene. Den „Sieginund" singt zum erstenmal Viktor v. Schenk. Am Samstag Mied da« Jacobvsche Singspiel „Sah ein Knab' ein Rkslein steh'n" wieder tn den Spiel
pion aufgenonimen. Ten „Rat Hutzln" singt zu« erstenmal St# Schützendrrsi »«' besetzt ist ferner die Rolle der „Wagner" mft Herrn Oster. Am Sonntag gelangt „Carmen" zur AuMhrung. Die „Micaäla" singt zum erstenmal Fräulein Gcyerrbach, den ,MoralL§" Mn: erstmmo! Leo SLützentzors
* kurbaur. Der beliebte frühere Tenorist unserer hiesigen Oper Richard Schubert, der erst kürzlich in den Verband des Hamburger SiadtibeaterL geircte» ist, wird in einem größeren Richard-Wagner. Abend am Freitag Mitwirken. Das Konzert steht unrer Leitung von Karl Schuricht.
Handelsteil.
. Oer erste deutsche Finanzsleg.
Zwm 1# Septem!}« 1914.
ln der Geschichte unteres nationalen Opfersians wira der 19. September 1914 einen dauernden Markstein bilden. Heute vor drei Jahren -wurde der erste deutsche Finanzsieg bekannlgegeben, auf einem Schlacktleldc, wo nach dem Worte des geldstolzen England die silbernen Kugeln rollen und die Schecks durch die Lüite sausen.
In jener Einigkeit, die das deutsche Vote so stark und unüberwindlich macht, wurde als Ergebnis der ersten Kriegsanleihe die gewaltige Summe von 1.46 Milliarden erreicht, eine Leistung, die bis dahin noch von keinem Volke der Welt erzielt werden war. Ein Tag sioÄer Freude war es für unser Volk, das sich seiner unerhörten wirt-j schaftüeher Kraft zum erstenmal staunend Dewußt ward, und ein schwarzer Tag für unsere Feinde, vor allem Eng-' land, das sich an seiner verwundbarsten Stelle getroflen fühlt-
Mit jenem Tage hat zugleich ein ruhmreiches Kapitel deutscher Finarzgeschifhte begonnen, und wir haben durch die Aufbringung weiterer 5 Kriegsanleihen seither bewiesen, daß uns im Kampfe um Haus und. Herd j der Atem nicht ausgeht. Rund 60 Milliarden hat dasi deutsche Volk in drei Jahren härtesten Kampfes auf dem i Altar des Vaterlandes dargebracht,. und während unsere, j Feinde immer tiefer in die Schuldknechtschaft] Amerikas geraten und dem wirtschaftlichen und finan- ] ziellen Zerfall mit eherner Notwendigkeit zmreiben, hat i das Geld im deutschen Lande Handel und rniustrie de- j fruchtet und dem Wirtschaftsleben über die Not de« Krieges hinweggeholfen. „Die letzte Milliarde wird siegen", haben j Englands Minister verzweifelt ausgerufen. Uns soll’s recht sein! Die letzte Milliarde wird aller Voraussicht nach vom deutschen Volke am Tage der Entscheidung präsentiert und in die Wagschale des Sieges geworfen werde«, dafür bürgt uns der Geist der Vaterlandsliebe und der* trat)«grenzten - Opferwilligkeit, der nach drei Jahren bittersten Existenz- ■ kampfes noch ec frisch und ungebrochen iat wie am ersten* Tag. Di© siebente Kriegsanleihe wird es erneuti beweisen.
Bertb»r Börse.
$ Berlin, 18. Sept. (Eig DrabtboricM.) Ini Anschluß an die Hausseströmung an der Wiener Börse setzte sich i auch heute im freien Börsenverkehr die Bevorzugung der l sogenannten Friedenswerte fort. Wieder waren es vor- J uehmlich die führenden Schlffahrts- und Kolonial - Aktien, ferner Kredit-Aktien, Staatsbahn und Orientbahn, Türkische ' Tabakaktien, russische Bankwerte, von Industriewerten ’ Auergias, Daimler, Deutsche Waffen, in denen sich bei j steigenden Kursen ziemliches Geschäft entwickelte. Sonst war das Geschäft sehr still und am Montan- und am übrigen Rüstungsmarkt erfuhren die Kurse zumeist weitere Ab- Schwächungen. Am Rentedmarkt bestand weitere Kauflust für heimische Anleihen und österreichfach - nng»rku*i 1 A Renten.
KirktterMifo.
W. T.-B. Berliner Produktanmarkt Berlin, 18. Sept. (Drahtbericht.) Auch heule bewegte sich der Verkehr in den engsten Grenzen ohne besondere Anregung. Heu und Stroh war andauernd knapp und mir echwer zu beschaffen. Saatgetreide hatte regelmäßiges Geschäft aufzuweisen. Von Zwisohenfruchtsämereien waren Wicken in erster Linie gefragt.
rNorge„-A«ssaBe wmfaftt 6 Seiten.
»»u»tichklftl-itkr: «. H«,«rt,rst.
,ÜC ?' i 04 “*' 1 ! M' k« iccfalitSl *B. vf»;
Dm* uKk i ReN»m-n: b. ü o r n * u j; ltnulich Tn W,c«b-dk„. *
»tu* un» »trug der ti. Schellen»erg's«en H«Hchdru«erei in ÜSiM»«ku.
Rcchdrnck verboten.
Lvr-chstund- »er Schrlftleitung: ll tu 1 Ult.
Srau Isabettens Weg.
Rcman aus dem risatz.
Von H. Schetze-Heler (Straßburg).
Sie fürchtete sich nicht vor dem Tod. Oft in der Nacht, wenn tiefe Stille das Allerhciligenkloster um- NNif, und mir hier und da durch ein Nebenzimmer oder ras obere Stockwerk ein Schmerzensieuf.z-r irgend eines ^udenden zu ihr drang, hatte sie sich nach diesem letzten
U : U schmerzte so. Würde es nie
stille werden? Die Uhr auf der Konsole tickte leise, und me Ampest warf an schwaches Licht in das Dvnkel der h!l <ru S-i ^e sie nur so intensiv leiden und so Ittdcnschaftlich um ihre Freiheit kämpfen können? Jetzt lag sie doch abseits des Lebens.
Draußen vor den Toren des Krankenhauses schon klang das Wogen und Branden der Welt. Die Men- .bekämpften, bespotteten und haßten sich. Die " 4\ olthf ruinier stärkere Wogen in die Massen. ^-Urum der Kampf? Wozil die großen Reden, das rrmütge Getue um Drnge, dm bei gerechter Beurteilung ui' NtchtiDeiten zusammenschmolzen? Um Ende war ^ t ur Menschen der Kirchhof die letzte Heimstätte, und da schliefen sie friedlich nebeneinander, die Alt- deu schen neben den Elsässern, die Welschen neben den
machten^' ' ElC 5ltter fd)lt)er lich die Leute das Leben
Wie aus weiter Kerne sah Isabelle von ihrem Kran- jubelte aus diesem garenden Treiben -zu, <Ü3 seien die Maschen Marionetten, die durch ^siden hin- und her- gezerrt wurden, lind das Spiel hatte für sie seine Be- deutung imd seme, Tragik verloren. Nur ein großer Wunsch lebte noch in ihr. Barthels lviedeczusehe^. Er hatte seine Nrlckkehr auf de» Rai verschieden miitfvn
und reiste jetzt, ohne bestimmte Unterkunft und Adresse, mrt dem deutschen Forscher durch West'Grrechenland.
Ter Gedanke, daß er nicht einmal wissen konnte, daß sie schwer krank darniederlag, schmerzte sie. Am Ende sahen sie sich nie wieder. Ihr Herz krumpfte sich jäh zusammen., Nie wieder —
Dcr Mann mit den klaren Augen in dem weiter- gebräunten, klugen Gesickst. dessen Seele so lauter wie der Weiher in Schießroth war, und dessen Herz so warm und treu schlug.
„Kd dien, Madame, on a bien dormi?" Die Ge» svenstcr, dieses Halbwachens'flohen. Isabelle schaute in Leopoldinens gütige Augen.
„Danke, Schwester, es geht."
„Der Arzt.sagte gestern, es lei eine große Wendung »um Guten eingetreten. Nun wollen wir tapfer sein und ganz gesund werden."
„Ganz gesund." — Isabelle machte eine niüde Be- n^gung. Sie glaubte gar nicht mehr daran. Und doch
das Fieber wich, und langsam kehrten die Kräfte in ihren suchen Körper zurück. Die Schwestern legten sie mif die Ehaiselo-nguc ans Fenster — mitten in der Lvnne. Es war Mai geworden. Draußen im Kloster- sarten war alles ein Grünen rlnd Blühen. Bis hinauf m ^wbelles Stube, drang der Duft dis weißen Flie» ders. Die blauen Glyzinien senkten sich w tief über die Einiahmung des Fensters, daß Isabelle sie hätte greifen & 10116 Gewand der Jungfrau Marie, die zwischen Blumen und Sträuchern mit segnenden Hän- ben und mildem . Blick aus dem Klostergarten emporstieg, leuchtete wie em Stückchen Hinrmel. Gleich wei- ßen Metten hilschten durch die Baumgruppen die Sckwistcrn mit ihren wehenden Haubenflügeln.
Hinter dem Garten ragte die alte Kapelle, die die
Stund«, tchUeg m»d ü«m Adendfrieden einlär-tete. Des
Margens, wenn im Allerheiligenkloschr die Kranken nach schliefen, begann um sechs der Kies in den Garten- alleen leise zu knistern. Da wußte Isabelle, daß die Schwestern wieder zu zwei und zwei zur Frühmesse in die Kapelle gingen, und daß auch für sie aus Schwester Lcopcldinin-s Herzen ein Ave Maria zum Himmel stieg. Sie.grmann ihr Zimmer lieb. Der alte eingelegte ^ouls \ t l.-Schreibtisch erzählte ihr Wunder und Mär- Hcn. und oas Bett mit der schönen Rokokoschwingung 'W erte rhr seltsame Drnge zu aus der Zeit, da es noch mchs als Schmerzenslager diente.
Tie Ruhe, der Frieden dieses Ortes taten chrer wunden Seele, unendlich wohl. Sie fühlte sich wie ein- genistet rn dieser Atmosvhäre des Wohlwollens und der Liebe. Selbst der Priester niit der schwarzen Soutane hatte wr sie ein mildes Lächeln, wenn er ihr auf dem Gange, begegnete. Wer fragte hi-r danach ob MZN.Vrotestantrsch oder katholisch, altdeuffch oder effassrsch war - es waren eben alles hilfebedürftige Menschen, die alle mit derselben großen, -.varmen Liehe umfangen werden mußten.
Und dann , kam für Isabelle der schöne, der Herr» liche Tag. Sie saß am Fenster in der alten Bergdve und träumte rn den Garten hinaus. Das schlanke Kreuz über ver Kapelle leuchtete wie Gold. Alles sang und klang in wuchzendem Glück. Da klopfte e§ an öer Tm. und ein Mann trat ein nnd streckte die Arme ihr entgegen. „Isabelle" - weiter kam er nicht.
(Fortsetzung folgt.)
Sfa»»fpr«ch.
Nachdem ich im Verlauf von 33 Jahren bei unzähligen Eller» umfiage gehatte», kann ich nun zu Nutz und Frommen der Menschheit vnt statistischer «ewistheit fest,testen: Ed gibt in der Welt tausmd. mal mehr genfale Stabet alz geniale Erwachsene.
Otto Weitz f.
