Einzelbild herunterladen
 

Wiksbailemr TsgbM

wöchentlich Ä {§* 13ausgab«».

Beznas-Preis für beide A«r>«ben: Bit. 1.— minatlich, Bit. 3.— »ierteljthrlich durch den Verleg L«n,a»ffe 31. ohne Bringerlehn. MI. 4.05 vierteljährlich durch alle dcutjchen Haftanstalten, ausschließlich Bestellgeld. — BezugS-rcitelnngen nehmen außerdem entgegen: in Mcsdaden die Zweigstelle Bis» marckrrng 19, sowie die Ausaabestellen in alle» Teilen der Stadt; in Biebrich: die dertigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

Berliner Abteilung »es «iesb,»rner Tagblatts:

„Tagblatthans" Rr. ««50-53.

Bon * Uhr morgen» bi» 7 Uhr abends, außer Sonntag».

«ngeigen-Brei» siir die Zeile: 3« »sg. s»r ältliche »n,eigen im „»rbeitchnarlt» und „Kleiner Anrei,er» in einheitlicher Sa,form; 25 Pf,, in d«»«n »»weichender Sch»«u»snhrnng, sowie sur alle langen örtlichen Anzeigen; öSPsg. für alle »uswartigen Anzeigen: 1.35 Mt. sur »rtlichc Retlamen^3.5» Mt. stir auswarliae Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

» _ _ _ _ . Für die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

Berlin w., P»tsdOmrr Str.121L. Fernsyr.r A«t Lützgw 6202 «. 6206. Lagen und Platzen wird keine ««wahr üderaanime».

Montag, 17. September 1917.

kibend-5lusgabe.

Nr. 474 . SS. Iahrgans»

Das neue polen.

Die durch das Patent vom 12. September festgelegte Erweiterung der Rechte des König­reich s P o l e n — als solches gilt es, obwohl die Wahl des Königs bezw. Regenten erst nach Beendigung des Kriege« erfolgen soll — ist die logische Fortsetzung des Aktes vom 15. November 1916. Hatte man jenen Schritt getan, so waren die »eiteren faum p umgehe n, und eben deshalb hat es heute wenrg Zweck darüber zu rechten, ob jener erste Schritt von Vorteil oder vom Ü b e l war. Bei der Neuordnung Polens sieht man sich einer vollzogenen Tatsache gegen­über, rrnd so wird man sich keinen Nutzen davon ver­sprechen können, den kritischen Blick in die Vergangen­heit zu richten, sondern man soll ihn der Gegenwart und Zukunft zuwenden. Das aber wird man sagen können und müssen, daß die Mittelmächte den Polen sehr weit entgegengekommen sind. Besonders wenn man ücki mancherlei unangeneh me Vor fülle, ’0 der Affäre Pilsudski, der Demrsswn des Staatsrats, der Demonstraffonen der galrzr- 'rlicn Polen für ein g r o tz polnisches Reich und end- sich des Versagens der sogen, polnischen Armee erinnert, welch letzteres wohl dazu geführt hat, ber der Neuregelung Polens die militärrsche Frage zunächst ausiulassen. Das Entgegenkommen gegen dre Wüiffche der Polen sollte aber von dielen um so hoher angeschlagen werden, als sie ja, ihre Besrerrmg vom Moskvwiterjoch, ihre Selbständrgkert nicht etwa der eigenen Kraft, sondern den S r e g e n der Mittelmächte verdanken..

Der Kriegszustand und dre Ergenschait Polens als besetztes Gebiet brachten es mit sich daß die Neuord- nunc, zunächst nur ein P r o v i s o r i u m sem konnte. Wie da« Definitiv um sich gestalten kann und wrrd. Las dürfte nicht zuletzt von dem Verhalten der Polen selbst abhängen, dre letzt Geleaenhert bekom- men, zu zeigen, ob sie realpolitischen Smn und Der- ständnis für die wirkliche Lage haben. Das mit nt erster Reihe für diejenigen, dir berufen fern werden, an der Neuordnung Polens mitzuarberten, nämlich sur die Mitglieder des Regenffchaffscats für den Ministerpräsidenten und endlich den zu schaffenden Swatsrat, der den Vorläufer des polnischen Parla- 'nente« bildet. Was den Regentschaftscat.betrrsst, der die Regiernngsgewalt in Polen verkörvern soll so kommt hierfür in erster Reihe der Erzbrschos Kokowski von Warschau in Frage, der vermutlich den Vorsitz übernehmen dürfte, ferner der Warschauer Stadtpräsident Fürst Lubomirski, wahrend das dritte Mitglied noch nicht feststcht, doch wird Herr von Ostrowski genannt. Die drei erwähnten Herren sind oder waren bis vor krrrzem Mitglieder des „^nter- parteilichen Klubs", der aus Naffonaldemokraten, Realisten und Mitgliedern d'.r Wn-ffchfftlrchen Ver- cinigung besteht. Fürst Lrrbomirski rst infolge der ob­struktiven Haltung des Klrtbs unlängst aus diesem aus-

geschieden. * . . „ „... ,

Für den Posten des Ministerpräsidenten, der zwar vom Regentschaftsrat berufen wrrd, aber der Bestätigung der Okkupationsmächte bedarf, kommen Fürst Druckt -Lübecks oder Proffffoc Pomorskr in Betracht dagegen, wie wir anderweitig gebrachten Meldungen gegenüber betonen können, nicht der galM- ickv Graf Tarnowski. Die beiden erwähnten Kandi­daten für das Ministerpräsidium gehören zur Panter der Aktivisten, die entschieden mrt den Mittel­mächten gehen. Was den Staatsrat betrifft, so rst an die Durchführung allgemeiner und unmittelbarer Mahlen während des Krieges natürlich nicht zu ,denken, und auch ein Wahlmodus aus Grund der Krens- und Gemeindevertretungen begegnet manchen Bedenken Über die Wahlmethode für den Staatsrat, der etwa 100 Mitglieder zählen soll, ist noch nichts Endgültiges be­stimmt, doch sollen nach Möglichkeit alle Richtungen zu Mort kommen. Welche Schwierigkeiten sich für spater, wenn erst ein wirkliches Parlament geschossen werden soll ergeben, erhellt schon daraus, daß die Polen nur 16 P r o z e n t der Bevölkerung im Kongreß- p-o len betragen, aber freilich den Vorteil haben, daß die anderen Gruppen, Ruthenen. Juden uftru. zer- splittert sind.

Wenn offiziös gesagt wrrd, „die verbündeten Machte- vertrauen, daß der weitere Ausbau des polnischen Staates die tätige Anteilnahme der breiten Schichten ' der polnischen Volksgemeinschaft finden wird", so wrrd sich das hoffentlich nicht als unberechtigter OptrnnZ. mus erweisen. Neben diesem Vertrauen legen sie viel Wert auf die Kaute len, welche geschaffen sind, um den guten Willen der Polen zu stützen, so außer der den -Okkupationsmächten obliegenden Regelung der Per- wnaffraqen besonders das Vetorecht und das Uber- priffungsrecht der Generalgouverncitre. Unö enöltä) Forderung, da ß die Mi tglie der^, de s Regen tschafts.

ber 1916 bekennen und im Ei nv e r n ehmen nr rt' den Zentralmächten für das Wohl ihres Volkes arbeiten wollen" Darf doch nickst, vergessen werden, daß die Neuordnung Polens eingeleitet wurde dura) die Abordnung polnischer Notabeln, die am 28. No­vember 1916 dem deutschen Reichskanzler gegenüber dre feierliche Versicherung abgaben. ..daß ein durch Deutschland befreites Polen für alle Zukunft treu zu seinem westlichen Nach­bar stehen würde". Aber schon der realpolitische Sinn sollte die Polen darüber aufklären, daß nicht Rußland (siehe das Schicksal Finnlands, der Ukraine, der Ostsee- Provinzen), sondern die Mittelmächte an dem Bestand eines ffeien Polens,, dessen Kultur ja auch nach Westen gravitiert, ein Interesse haben, und daß, wie die Polen ihre Freiheit den Siegen der Mittelmachte verdanken, sie auch nur dirrch Anlehnung an diese ihre staatliche Selbständigkeit in Gegenwart und Zukunft sichern können.

Offizielle Ansprachen nach Verlesung der grundlegenden neuen Urkunden.

W.T.B. Warschau, 10. Sept. Im Verlaufe der schlichten und eindrucksvollen Feier, bei der gestern vor den Mitgliedern der über- xangskommission des polnischen Staatsrates die Kundgebung der verbündeten Regierungen über den weiteren Ausbau des polnischen Staatswesens erfolgte, brachtemach der Verlesung der Urkunden im Namen der polnischen Kommission Professor Mikulowski- Pomorski den Dank des polnischen Volkes in deutscher Wie in polnischer Sprache zum Ausdruck. Er sagte u. a.:

„Der provisorische Staatsrat darf mit Genugtuung in der Bil­dung der obersten polnischen Staatsgewalt und der polnischen Regie­rung die Erfüllung seiner allcrnachsten Bestrebungen sehen. Me uns bekannt gegebenen Allerhöchsten Erlasse der beiden Monarchen und das angekündigte Patent schassen die weiteren Grundlagen zur Bil­dung des unabhängigen polnischen Staates. Ste bedeuten einen mächtigen Schritt vorwärts in der Ausbildung der all­gemeinen Bestimmungen des Manifestes vom 5. Novemöer 1816, welches so große Hoffnungen in der polnischen Nation weckte. In- mitten des Krieges, beim Klang« ihrer stegreichen Schwerter, erfüllen die Zentrakmächte die Hoffnungen des polnischen Volkes und festigen in solcher Weise die Bande, weiche in Zukunft die Politik des pol­nischen Staates mit der ihrigen in Einklang bringen werden."

Hierauf wandte sich der Generalgouverneur in der folgenden Ansprache an die Versammlung:

Meine HerrciU Die Ihnen eben mitgeteilte Kundgebuirg unserer erhabenen Monarchen und ihrer Regierungen bewies Ihnen aufs unzweideutigste und zeigte Ihnen, daß die Regierungen nach wie vor auf dem Boden der Erklärung vom 5. November 1916 stehen und daß sie beabsichtigen, einen freien und selbständigen pol­nischen Staat ins Leben zu rufen, allerdings unter der aus­drücklichen Betonung des freien Anschlusses an die Mittelmächte.

Meine Herren! Polen steht in einem sehr wichtigen Augenblick seiner Geschichte. Suchen Sic die Stunde zu ergreifen, suchen Sie dos Große, das Ihn«, geboten wird, anzrmchmen und so auSzuge. stalten.daß dasjenige, was damals am 5. November 1916 als in einet fernen Zukunft bevorstehend angedeutet wurde, sich allmählich zum Segen und Glück Ihres Landes verwirklichen möge, aber ich bitte, daß sowohl die hier anwesenden verehrten Herren wie alle die­jenigen, welche an diesem großen Werke mitzuarbriten berufen sind, sich bewußt bleiben mögen, daß Polen im Anschluß und unter der freundlichen Mithilfe und der Führung der Mittelmächte seine Kraft aus sich selbst entwickeln soll. Suchen Sie all die vielen unberufenen Einmischungen, die von anderer Seite an Sie heran­zutreten drohen, zurück zu weisen. Daß wir mit den besten Wünschen für Ihr Land und für Ihr Volk hier stehen, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, das wissen Sie. In Ihrer Hand liegt es, diese Wünsch« zu verw irklichen." _

Der Tagesbericht vom 17. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 17. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronpriuz RuPPrecht.

Gute Sicht begünstigte die Entfaltung lebhafter Feuertätigkeit.

In Flandern steigerte sich der Artilleriekampf an der Küste und in einzelnen Abschnitten zwischen Houthaulster Wald und Lys mehrmals zu heftigstem Trommelfeuer. Englische Jnfanterieangriffe erf^gten nicht; e« kam lediglich zn örtlichen B o rf e ld g ef e ch te n, bei denen Gefangene in unserer Hand blieben.

Nordöstlich von Ar ras stießen nachts Erkundungsab- teilnngen der Engländer vor, an einigen Stelle« auch bis in mrfere Linie«, von wo schneller Gegenstoß de» Feind

vertrieb. .

Auch bei St. Quentin bereiteten die Gegner mit Feuerüberfällen Vorstöße ihrer Aufklärer vor, die überall zarückgewiesen wurden.

Heeresgruppe Deuffckier Kronprinz.

Rordöstllch von Soissons, ferner in der Cham, p ag ne und vor Verdun schwoll die Kampftätigkcit der Artillerie vielfach zu starker Wirkung an. In mehreren Er. kundungsgrfechten büßten die Franzosen Gefangene e«.

Aus feindlichen Fluggeschwadern, die gestern Colmar zweimal -ngriffen, wurden zwei Flugzeuge durch

Mo« Miete* JaMV««el» *»*•{«•(!*«

Außerdem verloren die Gegner 16 Flugzeuge. Oberleutnant Berthold brachte am 15. September zwei feindliche Flieger, Oberleutnant Schleich in den beiden letzten Tagen drei Gegner im Luftkampf zmn Absturz.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Mazedonische Front.

Die Lage ist unverändert.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Die Kdmiralstabsmeldung.

Eine Unterseebootsfalle unter schwedischer Flagge.

W. T.-B. Berlin, 16. Sept. (Amtlich.) Im Atlantischen Ozean, Biscaha und in der NorHsoe wurden durch unsere Unterseeboote wieder

vier Dampfer und ein Segler mit 23 000 Bruttore,istertounen

versenkt, darunter die bewaffneten englischen Dampfer „Malda" (7594 Tonnen) und „Roanoke" (3725 Tonnen) mit Stückgutladung, eine U-Bootsfalle in Gestalt eines D r e i m a st s ch o n e r s, die mit 2 Geschützen bewafffcet war und unter schwedischer Flagge fuhr. Von dem Dampfer Roanoke" wurde der Kapitän gefangen genommen.

Der Chef des Adrmralstabes der Marine.

Die deutsche Antwort auf diepapstnote.

Was die „Tijd" wissen will.

Br. Haag, 17. Sept. (Ejg. Drahtbericht, zb.) Das kathv» lische Blatt „Tijd" schreibt' Die günstigen Ereignisse haben keinen günstigen Eindruck auf die deutsche Friedensstimmung ausgeübt, wie aus der deuffchen Antwort auf die Papstnote hervorgehen wird. Unter dem Eindruck der Eroberung Rigas, des russischen Zerwürfnisses, der Wilsonnote und im Hinblick auf die bevorstehende deutsche gute Ernte wird die Antwort an Seine Heilig­keit werftper günstig lauten, als die Pazifisten erhofften. Demnach wirb die Antwort keine ungünstige fein, aber tat» sächliche Zugeständnisse bezüglich Belgiens usw. wird sie nicht enthalten, statt dessen vielmehr die bekannten theore­tischen Erörterungen über die allgemeinen Kriegsziele. Weiter wird die Antwort erklären, daß die Papstnote trotz­dem als Grundlage für Friedensverhandlungen dienen könne, und -daß sich Deutschland bereit erklärt, an der Grün­dung internationaler Organisationen zur Verhütung künftiger Kriege mitzuwirken. Schließlich dürfte die Antwort verlangen, daß die feindlichen Mächte ihren Vernichtungswillen gegen Deutschland aufgeben.

Die Entente-Antwort.

Br. Lugano, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach dom „Secolo" wird sie Entente-Antwort auf die päpstliche Note in der Mitte der nächsten Woche im Vatikan über- reicht werden.

Die Niederwerfung Nornilows.

8 Stockholm, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus Petersburg erhalte ich einen Bericht, der die Lage in Rußland nach der Niederwerffmg Karnilows folgen­dermaßen schildert:

, Mit dem Siege Kercnskis ist die Möglichkeit der Wiederauflebung der Gegenrevolution für einige Zeit h in an s g es cho b^n. Einstweilen Herr- scheu die Arbeiter- und Soldatenräte, die sich für Kerenski aussprachen und die Frontsoldaten, bestimm­ten. gegen Kornilow aufzutreten. Diese Einwirkung der Ärbeiterräte fand erst statt, als dre Körnt- lonchche Armee bereits in Luga stand und Peters­burg für verloren galt. In der Hauptstadt herrschte cm diesem Tag völlige Panik Die Regierung batte jeden Telegrammwechsel verboten, auch den der Presse. Nur chiffrierte Reuter-Telegramme konnten über die britische Botschaff in das Ausland gehen, tzln diesem Tag wurde tatsächlich der Sieg Kerenskis ent» ichieden. Das Petersburger Soldatenkomitee sandte allen Truppen, die ans Kornilows Seite standen, nach len verschiedenen Fronten Telegramme und beschwor sie, das gegenrevolutionäre Unternehmen aafzugeben. Diese Telegramme, die dem Frrmffoldaten-Kvmrtee ohne Wissen der Oberbefehlshaber übergeben wurden, brach­ten einen sofortigen Sffmnnmgsnmschwung zugunsten der Reaierung bervor. Kornilows Unterbefehltzhaber, General Krymow der zu Beginn des Unternehmens Kornilows bei seiner Offizierehr- Treue geschworen hatte t-erließ ihn bei dieser krittfchen Meldung, dr­an gen bl ickli che Stimmung der Truppen ans» nützend, und führte den größten Teil des Kornilowschen Heeres von Luga nach Narwa, wo e- sich selbst und seine Truppen der provisorischen Regierung zur Der- füaung stellte. Kornilow war in Lruw mit einigen tscherkeffischen und ostsiffrrischen Kavcckleriefvrmatwnen allein geblieben, die. ihn zwei-Tage später der Re- ^uecuoQ aus-brerferl««. fl-exenSit hatte im