Verlag Lauggaffe 21
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Montag» 17. September 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 473. . 65. Jahrgang.
Mehrfache Anstürme der Engländer verlustreich gescheitert.
Der Tagesbericht vom 16. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
An der flandrischen Front wechselte die Feucrtätigkeit in Ausdehnung und Stärke. Vornehmlich an der Straße Menin-Jpern lagen heftige Feuerwellen auf unserer Kampfzone. Dort grisscr- mehrere englische Bataillone an. deren Ansturm fast durchweg verlustreich zusammenbrach. Nördlich der Straße drang der Feind in unseren vordersten Graben in Kompagnicbreitc ein.
Südöstlich von Arras steigerte sich nachmrttags das feindliche Feuer schlagartig zu stärkster Wirkung. In künstlichem Nebel brachen kurz darauf die Eng. länder in 1500 Meter Breite bei Cherisy mr. Flammenwerfer und Panzerwagen sollten den Sturmtruppen den Weg bahnen. Unsere krästrg ein- setzende Abwehr durch Artillerie und Maschinengewehre brachte den feindlichen Sturm zum Scheitern. Wo der Gegner in unsere Gräben gelangt war, omrde er durch die Infanterie im Nahkampf zurücksseworsen.
An der gleichen Stelle wiederholte der Feind seine Angriffe kurz vor Dunkelheit; auch diesmal schlug der Ansturm verlustreich fehl.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Außer Erkundunqsqefechten und zeitweilig lebhaftem Störungsfeuer in einigen Abschnitten war die Kampftätigkeit gering.
Aus dem
östlichen Kriegsschauplatz
und an der
mazedonischen Front keine größeren Kampfhandlungen.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludcndorff.
*
DerdeutscheKbentzberichtvomlb.September.
W. T.-B. Berlin, 16 Sept., abends. (Amtlich. Drahtbericht.) In Flandern An- »nd Abkchwellcn der Feuertätiqkcit mit vereinzelten Jnfanterickämpfcn. Sonst nichts Wesentliches.
Der Erfolg der Badener vor Verdun.
W. T.-B'. Berlin, 15. Sept. Die Vanx-Kreuz-Höhe durch badische Truppen zurückerobert. Wieder wir es eine Division, die seit Jahresbeginn in der Starmzone vor Verdun steht und allen gegnerischen Anläufen mit jener Zähigkeit und hartnäckigen Ausdauer, die ihren Leuten eigen ist, getrotzt hat. Ost hat sie in entscheidenden Augenblicken durch st ramm es Draufgehen die Pläne des Feindes durchkreuzt oder seine kleinen, mit vielem Blute erkauften Forts plötzlich zunichte gemacht. Vor einigen Tagen hatten die Franzosen nach schärfftem Artilleriefeuer die Trümmer der Vaux-Kreuz-Stellung genommen. Die badische Division, die auf eine Reihe anstrengender Kampftage zurücksieht, setzte ihre Ehre darein, sie dem Feinde wieder zu entreißen. Dies ist. ihr glänzend gelungen. Im Schutze der ruhigen Nacht vom 13. zum 14. erfolgte lautlos und ohne Verwirrung die Bereitstellung. 4 Minuten vor 6 Uhr schickten deutsche Artillerie und Minenwerfer aus hundert Feuerschlünden Tod und Verderben auf die französische Linie, und ehe der Feind zur Besinnung kommen konnte, waren die Stürmer schon in seinen Reihen, stachen, schlugen und rollten mit Handgranaten die Gräben. Man überraschte die Franzosen bei der Ablösung. Auf 200 Meter Breite und -500 Meter Tiefe wurde so im Nu die ganze Stellung des Geg- iners gesäubert. Das befohlene Ziel war erreicht, die stolzen 'Sieger brachten 6 Offiziere, darunter 1 Major und 2 Haupt- lleute, und über 300 Mann von drei verschiedenen Divisionen als Gefangene ein. Sonstige Beuteziffern sind bis jetzt noch nicht gemeldet. Das zurückeroberte Grabensystem wurde gegen mehrere Gegenangriffe voll behauptet. Ein Beweis der Verblüfftheit der Franzosen ist die Tatsache, daß ihr Sperrfeuer erst 6 Uhr 30 Min. früh einsetzte und sehr schwach und lückenhaft war. Die badische Division darf sich eines weiteren schönen Erfolges freuen und ein neues Blatt ein- fügen in die ruhmreiche Geschichte ihrer Kämpfe vor Verdun.
Die Schuldfraqc.
W. T.-B. Berlin, 15. Sept. Die „Zürcher Post" vom 14. Sep. tember schreibt unter dem Titel: „Unverantwortliche Kriegsrache": Wie voreilig das von den meisten Kriegsschriftstellern der Entente und einigen mit ihnen übereinstimmenden deutschen Publizisten über die Entstehung des Weltbrandes gefällte Urteil ist, daß nämlich darüber die Akten längst geschloffen seien und die ausschließliche Schuld der Mittelmächte letzten Endes am Ausbruch des Krieges eine ausgemachte Tatsache sei, das wird seft der BerSffewtiichmlg der bestürmen Zeugenaussagen im Prozeß gegen Ken ruff,sche«.^Exlriegsuiruister SuHowlrnM lchem grgrl Kt ige»
Sucher klar sein. Und diese Einsicht dürste vielleicht diesen oder jenen veranlassen, seine Hefte doch noch in einigen Punkten zu korrigieren. Die wirkliche Bedeutung der Suchomlinow-Ent- hüllungen liegt darin, daß sie ein Hauptstück vcs russischen A n t e i l s an der gemeinsamen Kriegsschuld darlegen, daß wir durch sie einen Kreis hochgestellter und mSwtiger Kriegs-
I macher unmittelbar an der Arbeit sehen, und daß durch die Selbstbezichtigung der gegenseitigen Genossen von damals das englische Getriebe der russischen Autokratie in greller Beleuchtung bloßgestellt wird. _
Ereignisse zur §ee.
4 Dampfer und 1 Segler mit 20 900 Toltnen.
IV. T.-B. Berlin, 15. Sept. (Amtlich.) Neue U-Bootserfolge im Ärmelkanals 1 Dampfer und 1 Segler mit rund 20 000 Bruttoregistertonnen. Die Dampfer waren sämtlich bewaffnet. Einer davon war «>in Tankdampfer. Der Segler hatte 14 000 Tonnen Ol, Reis und Stückgut nach Le Havre geladen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die neue russische Krijis.
Eine bedeutsame Entschließung des Arbeiter- und Soldatenrats.
W. T.-B 1 . Petersburg, 16. Sept. (Drahtb. Petersburger Delegraphenagentur.) In einer in der letzten Nacht in Petersburg zusammengetretenen Versammlung des Arbeiter- und Soldatenrats wurde mit 279 gegen 115 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der es heißt:
Der Arbeiter- und Soldatenrat hält es für seine Pflicht, zu erklären, daß in Zukunft nicht nur jede Macht der Bourgeoisie und der Kadetten, deren Teilnahme an der Verschwörung Kornilows außer Frage steht, beseitigt werden muß, sondern daß auch jede Politik einer unverantwortlichen Koalition endgültig auszuheben ist. Es ist zu verhindern, d«ß der militärische Oberbefehl und die Regierungsgewalt wieder zum Herd einer gegenrevolutionären Verschwörung gemacht werden. Der Arbeiter- und Soldatenrat ist der Ansicht, daß der alleinige Ausweg aus der gegenwärtigen unhaltbaren Lage die Schaffung einer Gewalt sein würde, die ans Vertretungen des revolutionären Proletariats und der Bauernschaft zusammengesetzt ist und deren Tätigkeit auf folgenden Grundsätzen beruhen müßte: 1. Verkün
digung der demokratischen Republik. 2. Sofortige Übergabe aller Ländereien ohne RückkaufSvecht, die den Grundeigentümern gehören, (fix die Bauernausschüsse, bis zum Zusammentritt der verfassunggebenden Versammlung.
3. Einführung einer Arbeiterkontrolle über die industrielle Produktion und über die Verteilung der Erzeugnisse, 'Verstaatlichung aller wichtigen Industriezweige, der Naphthaerzeugung, der metallurgischen Produktion und der Kohlenförderung, durchgreifende Besteuerung der großen Kapitalien und Verordnung der Einziehung der Kriegsgewinne, um das Land aus der wirtschaftlichen Desorganisation zu befreien. 4. Erklärung aller Gehermver- träge für null und nichtig und sofortiger Vorschlag eines allgemeinen demokratischen Friedens an alle kriegführenden Länder. 6. Gleichzeitig sollen sofort folgende Aiaßnahmen angrordnet werden: 1. Aufhebung aller Unterdrückungen gegen jdie Arbeiterpresse und -Einrichtungen, Abschaffung der Todes ft rase an der Front, Wiederherstellung der absoluten Freiheit der politischen Propaganda, und zwar für alle demokratischen und militärischen Organisationen, und Entfernung aller glegenrevolntionären Elemente vom Armeeoberkommando. 2. Das Recht, örtliche Perbandskommiffare zu wählen. 3. Verkündigung des R-echtes der Nationen, über ihr politisches Leben zu bestimmen, d. h. volle Befriedigung aller Forderungen Finnlands und der Ukraine.
4. Auflösung der Duma und des Reichsrats, sowie sofortige Zusammenberufung der verfassunggebenden Versammlung. 5. Abschaffung der Vorrechte der sozialen Klaffen und Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz.
Die französische Preffe und Kornilow.
W. T.-B. Berlin, 16. Sept. Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt in ihrer Sonntagsansgabe unter dem Titel: „Die französische Presse und Kornilow":
„Das mißglückte Abenteuer des Generals Kornilow hatte immerhin das Ergebnis gebracht, daß alle Welt so deutlich wie kaum zuvor die wahren Absichten Frankreichs gegenüber Rußland und seifte wahren Gesinnungen gegen den überschwenglich gepriesenen Kerenski enthüllt wurden. Außer- ldem hat sich wieder einmal auf bemerkenswerte Weise enthüllt, mit welcher beispiellosen Kaltblütigkeit diese pathetischen Verkünder und angeblichen Vorkämpfer des revolutionären Ideals 'den revolutionären Gedanken ächten, sobald ihre wirklichen impcrialistifchen Ziele das zu erfordern scheinen. Dank General Kornilow müssen heute auch die politisch Minden, sobald sie die Stellungnahme der Franzosen zu Kornilows kurzem Zwischenspiel kennen, unzweifelhaft eiftsehen, daß FrankveA von iten Russen ganz" und gor nichts anderes
wünscht, als s.'«bischen Gehorsam in der Fortsetzung der ungeheuren Blutopfer sür Frankreichs annex lonistische KriegSziele. In dem höchst kritischen Augenblick, da in Rußland sich die Dinge zum Zwei« kämpf Kerenski-Kornilcw zufpitzen, hielt außer der „Humanite" kern führendes Matt Frankreichs dem Machthaber des verbündeten Reichs die Treue. Keins hat sich an die Beschwichtigung der Anarchie dyrch Keremskki oder an seine gehorsame Offensive gegen Galizien erinnert.
Selbst 'der vorsichtige „Demps", der noch einen gewissen' Schein der Unparteilichkeit zu wahren suchte, ließ in Wirklichkeit doch die Parteinahme für Kornilow erkennen. Liebevoll ging er dessen mutinahlichen Gedanken nach und erklärte den militärischen Umsturzversuch mit der Ablehnung der Korni- lowschen Forderungen zur Reform des Heeres mit dem schloankenden Verhalten des Regimes Keronski, das nicht zum Handeln gelangt sei und die Macht der Maximalisten wieder habe anwachsen lassen. Auch der „Figaro" hatte kein Wort für Kerenski und keins gegen Kornilow. Er suchte vielmehr dessen Vorgehen zu erklären und brachte aus- der Feder „Polybe"-Reinachs eine effektvolle Gegenüberstellung der vorbildltchen „amerikanischen Diktatur" und der „russisckien Anarchie", 'bei der der erstgenannten das vielsagende Lob erteilt wurde: „Das ist eine Regierung!" Mel 'deutlicher noch ließ die übrige Presse, verführt durch die scheinbar günstigen Aussichten Kornilows, ihre wahre Meinung merken. Sie ging, wie beispielsweise 'das „Echo de Paris" verriet, von der Überzeugung ans, daß der russische Generalissimus, als er das 'Wagnis unternahm, sich gewiß auch Machtmittel zu seiner Durchführung gesichert haben ■muffe. Namentlich versprach man sich das Beste von 'den Kosaken. Und so beging man die unverzeihliche Voreiligkeit, den Putschversuch mit den wärmsten Wünschen und Lobesworten nicht nur int stillen Gemüt zu begleiten.
Im „Echo de Paris" warf Pertinax dem russischen Staatsleiter Schwäche vor und -betonte offenherzig, Rußland habe grihe Pflichten gegen die Verbündetem Die Horde von Phrasendreschern in Petersburg sei unfähig, diese Pflichten zu erfüllen, sie müßten durch „vein militärische" Tatkraft ersetzt 'werden. In vollen Tönen singt sogar „L'Oeuvre" das Lob des verheißungsvollen Kornilow: „Wie sollte man nicht wünschen, 'daß er bei seinem übermenschlichen Wagnis Erfolge habe!" Kerenski wage nicht, mit denen zu brechen, die ihn zur Macht gebracht hätten. Wenn Kornilow gehen müsse, so könne sein Land sterben. Ganz ähnlich läßt sich „Journal des Debats" vernehmen. Es unterscheidet zürnend zwischen Männern, die reden, und -Männern, die handeln. Und es wirft Kerenski geradezu vor, daß er sich' weigere, zaristische Mittel anzuwenden. Hier handele es sich nicht um die Gegenrevolution, sondern um 'das Gemeinwohl. Den Russen wird cmgedroht, die Munitionslieferungen einzustellen. Kornilow aber wird als Rußlands Retter begrüßt. Von seinem -Erfolg hänge das Schicksal des Reichs ab.
Diese Aussprüche sind in der bezeichnenden Einheitlichkeit des Grundtons ein geschichtliches Dokument, das laut und beredt für sich selbst spricht und gegen den Urheber. Man wird jederzeit darauf zurückgreisen können, 'wenn die Phrasendrescher an der Seine von dem Kampf für dos Recht, für Frieden nnd Freiheit zu schwärmen böginnen. Wenn sie andere Völker zu ihrer Sorte Demokratie bekehren n etten, oder wenn auch nur von uneigennütziger Bundestrea-e zu reden ist."
Maßnahmen zur Verhaftung Kornilows.
W. T.-B. Petersburg, 15. -Sept. (Petersburger Deletzra- phenagentur.) Nach Meldungen, die im Kriegs-mtnisterium eingelaufen sind, wird Generalstabsches Alexejew heute nachmittag im Hauptquartier eiutrefsen. Keren ski hat in Orcha, Smolensk und Witrbsk liegende Abteilungen -der revolutionären Truppen, und zwar Infanterie, Kavallerie und Artillerie, die unter dem Befehl des Obersten Korotkow stehen, befohlen, sich zur Verstärkung der der provisorischen Regierung treu gebliebenen Bestandteile der Garnison nach Mohi- lcw zu begeben und die Verhaftung der Generale Kornilow und Lukomsky, sowie der anderen an der 'Verschwörung b« telligten Personen durchzufühven. Oberst Kerotkow hat Weisung erhalten, bei der Verhaftung im Einvernehmen mit dem Untersuchungsausschuß, dessen Vorsitzender der Marinestaatsanwalt Chäblowsky ist, vorzugehen. Cha-blowsky hat sich gleichfalls in das Hauptquartier begeben.
Der Kosaken-Hetman festgenommen.
W. T.-B. Petersburg, 15. Sept. (Petersburger Telegra- phenagentur.) Nach den neuesten Nachrichten ist General K a 1 e d i n in der Umgegend von Rostow festtze-nommen -worden.
Fortsetzung des Prozesses Suchomlinow.
IV. T.-B. Petersburg, 15. Sept. lP-stersburger Telegraphenagentur.) Der Prozeß Suchomlinow, der infolge der Verschwörung Kornilows vertagt worden war, ist heute wieder ausgenommen worden.
Zu dem Verbot der „Nowoje Wremja".
U. Rotterdam, 16. Sept. (Eig. Drähtbericht. zb.) Der „NieUwe Rotterd. Courant" erfährt aus Stockholm: Der Weil des. Artikels, wegen dessgn BqrgffgntMung die. «Ääaqflg
