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Zrettag,
September 1917.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 13. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich ver- lautet vom 13. September, mittags:
Östlicher.' Kriegsschauplatz.
In der B u k o w i.n a und am Z b r «c z lebhaftere feindliche Artillerie- und Patrouillentätigkeit.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das schwere feindliche Artilleriefeuer gegen unser« Stellungen am Monte San Gabriele und östlich von Görz dauert an. Bei Säuberung unserer Gräben am Nord- wrsthan» des Monte San Gabriele wurden in erbitterten Kämpfen feit gestern früh 23 Offiziere und 535 Mann als Gefangene eingebracht und 12 Maschinengewehre erbeutet. Gegen Podlecce vorgehende feindliche Patrouillen wurden abgewiesen.
In Tirol und Kärnten behinderten heftiger Ge- Wittcrregen und Schnrestürme die Gefechtstätigkeit.
Albanien.
Keine Ereignisse von Belang.
Der Thef de- Generalstabes.
*
Die Programmrede Wekerles.
W T.-B. Budapest. 12. Sept. Ministerpräsident Wekcrle ent- hsisrlte heute kn Abgerrlnetenhaus das Programm der »engebildeten Regiciung. Er erklärte, daß er sich namentlich m be- zng aus das Wahlrecht zu denselben Grundsätzen bekenne wie sein unmittelbarer Vmgängcr. Sollte es unmöglich sein, im gegen- wärtigen Abgeordneten Hause die Wahlresorm ducchznbringen, io werde die Regierung diese Frage tcm Urteil der Ration unterbreiten «id Reuloahlen an ordnen Der Minifterprästdent verbrertrir sich sodann eingehend über die in ten verschiedenen Berwait-ugKzwerg«» zu schassenden Reformen und sagte: Was unsere auswärtige
Politik anbelangt, muß ich «wähnen, daß diese am der^vor dem «ehrten Hause wiederholt bargelegten Grundlage selbst m ihren Nuance« vollkommen unverändert bleibt, so dah ich wem dvllsländiges Einvernehmen mit dem Minister des Außer« mchi nur hinsichtlich der Richtung und der Grundprinzipien derselben, sondern buch in Ansehung der Art und'Weise der DMchsuhxung besonders hervorheben nibchte, Treue A n b ä n g l i ck k e i t a n u n s e r e Verbündete sowie übereinstinimendes Vorgehen mrt ihnen alle sind die Grundpfeiler dieser Politik, welche uns in dem uns ausge- zwiinaenen Bcrteidigungskriege nicht nur im gemeinsamen Kampfe, sondern auch in seinem Endziel, dem einträchtigen, gemein- schastlichen Abschlüsse eines anständigen, dauernocn Friedens vereinigen. Mir waren die erst-n, die die Neigungen Seiner Maststät getreu im Emvernehnien mit unieren Verbündeten, dem Deutschen Reiche, nickt nur unseren Wunsch, sond-rn auch unsere vollste Bereitwilligkeit znm Abschluß eines Frieden? zum Ausdruck brachten Diese unsere Bereiiwilligkeit wurde feierlich bc,tätigt durch die im Einvernehme,i mit der deutschen Regierung erfolgte Friedensresolution des deutschen Reichstages sowie durch die am 17. Juli verlautbarten offiziellen Erklärungen unseres Ministtrs des Kichern. In großen Zügen oezeichneten wir sogar die Bedingimgen einer Verständigung, indem w,r erklärten, daß unser Berteidlgnngskamps auf keinerlei E r o o e - rungen abzielt, daß wir einen wirtschostlichen Krieg der Volker gleichfalls perhorreszieren, daß wir einen anständigen, dauernden Frieden der unicre Interessen nicht verletzt, anstreben. Auch neuesten? nehmen wir mit Dankbarkeit und Bereitwilkigkeit die . gleichfalls hieraus abzielenden Friedensbestrebungen der Heiligen Vaters auf. Unsere weitgehende Bereitwilligkeit kann selbstredend nur dann zum Ziele führen, wenn sie auch im Kreise unserer Feinde auf wünschenswertes Verständnis stbßt. Ohne letztere werden wir im Bewußtsein-unserer Stärke und der unum- stößlichen Kriegslage mit einer auch infolge der neueren Kainps- ' erfolge unserer Truppen gestärkten Entschiedenheit unseren Kamps biszumKußerstenfortsetzen, damit wir in Zukunft nicht nur unsere Daseinsintercsien, sondern auch die Segnungen emes bleibenden Friedens und gegenseitigen Verstehens sichern.
Morgen-Kusgabe.
Verleihung der Yrzherzogwürde an den Sohn des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand.
W. T.-B. Wien, 13. Sept. (Drahtbericht.) Die „Wiener Zeitung" meldet: Der Kaiser sah sich bewogen, den aus der Ehe weiland seines Oheiws Erzherzog Franz Ferd-.nand unt weiland on Herzogin Softe von Hohenberg entsprossenen Nachkommen und zwar den, ältesten Sohn der gcnannlcn Eltern, Maximilian r>'Ucst von Hohenberg, die nach dem Rechte der männlichen Erstgeburt vererb- liche Erzherzogwürde mir dem Titel „Erzherzog von Hoyenberg und dem Prädikat „Hoheit" taxftei zu verleihen und zugleich saintiuyen männlichen und weiblichen direkten Nachkommen des genannten Elternpaares d,e Führung des neuen Wappens taxfrei zu verleihen.
Uormlow zum Militär-Diktator aurgerusrn!
lii. Berlin, 13. Sept. (Ctg. Dr-ihtbericht. zb.)
Tcm ,Lokal-Anzeiqcr" wird aus Stockholm berichtet' In einer Reihe russischer Städte, insbesondere »n Moskau Kiew und Pskow wurde .ftoimlow zum Militär-Diktator ausgerusen. Der Bund der Don- K.sinken, die Garde, der Osfiziersrat und der Rat der Artilleristen erklärten sich mit chm solidarisch. Rodziank» berief eine a u ß r r , r d e n t l r ch e Sitzung der Duma ein, in der dem Vernehmen noch nach heftigen Debatten dem General Kornilow zugestimmt wurde. Zahlreiche Dumadelegrerte, fast alle Angehörige der bürgerlichen Parteien, stellten sich Kornilow zur Verfügung. Mehrere von st-
Fürst Lwow, Miljukow und Rvditschew, wurden sich lm Aufträge Kvrnilows in die Hauptstädte der Altncrtrn begeben und mit diesen unterhandeln.
Neu» Zehntel deS Heeres nnf feite«
Kornilows?
Br. Amsterdam, 13. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Morn-ing Pest" meldet, daß die Truppen Kornilow» die Stadt Kowgorod.cmoerB ihnlnne nach M iS kau. wo sich große Munitionsfabriken befinden, beseht haben. - „Daily
Chronicle" meldet von Mittwochfrüh aus Petersburg, daß Re Garnison von Gatsch i-n a, unmittelbar vor Petersburg, nach Li ga marschierte, um sich mit den Truppen Korni- lows zu vereinigen. Man glaubt, daß neun Zehntel de-S Heues für Kornilow Partei genommen haben.- General Brnssilcw macht gemeinsame Sache mit Kornilow; er weilt in dessen Hauptquartier. Bisher schlossen sich 43 Frontgenerale dem Brigehen Kornilows an. Die Truppen der russischen Nordsront haben sich nach der. „Daily News" entschieden für Kornilow erklärt, dessen Anhang beständig wächst. Er nähert sich von Süden und Südosten der Hauptstadt und siebt nur wenige Werst von Zarskoje-Selo entfernt. — „Petit Journal" meldet aus» Petersburg, daß ein Teil der Petersburger Garnison nach Süden abmarschierte, wo Kornilcws Vorhuten stehen. Der Aufmarsch erfolgte ohne Wissen der provisorischen Regierung.
Weiteres Vordringen von Kornilows Truppen gegen Petersburg.
W. T.-B. Amsterdam, 13. Sept. (Drahtbericht.) Nach einem hiesigen Blatt meid« -der Petersburger Vertreter der „Times", dah die Vorposten Kornilows schon über Luga auf Pablowsk vcrqedrungen sind. Kornilow erklärte : n einer Proklamation, es sei sein einziger Wunsch, das Land aus feiner jetzigen unmöglichen Lage zu befreien uns glücklich zu machen, und schwört, dah er die Leitung in Händen behalte, bis die konstituierende Versammlung zusammengetreten sei. Auf Befehl der vorläufigen Regierung find die Eisenbahnschienen aufgerissen worden, um Kornilow den Weitermarsch zu erschweren.__
Nr. 468. ♦ 65. Jahrgang.
Kerenskis Matznatzmen gegenüber dem Verhalten Kornilows.
W. T.-B. Petersburg, 13. Sept. (Drahtbericht.) Reuter meldet: Man hält folgende Kombination für möglich:
Kerenski zeitweiliger Generalissimus und Alexejew Generalstabschef, Über M o s k a u ist der B e la g e r u n g s- zustand verhängt wordem Die Regierung hat gegen Kornilow und andere Generale die Strafverfolgung wegen Rebellion eingeieicht. Die Verhaftungen dauern fort. Auch der frühere Kriegsminifter G u t s ch- kow wurde verhaftet.
Fürst Lwow und Kerenski.
IV. T.-B. Stockholm, 13. Sept. (Drahtbericht.) „Birshe- wija Wjedomrsti" gibt ausführlich die Unterredung zwischen Kerenski und dem früheren Oberprokurator Lwow wieder. Danach sagte Fürst Lwow: „Kornilow konnte angesichts der drohenden Lage nicht länger ruhig der Verwirrung und dem Verfall zusehen. Die Situation sei nur durch die Militärdiktatur zu retten. Er beanspruchte daher die Übergabe der Zivil- und' Militärgewalt. Die interimistische Regierung habe znrückzutreten. Kornilow selbst werde eine neue Interimsregierung bilden." Lwow füg« hinzu: Im neuen Ministerium werde Kerenski Justiz- und Sawinkrw Kriegsminister. Lwow sagte ferner, Kornilow werde, falls die Interimsregierung sich der Forderung nicht fügen werde, mit den ibm anvertrauten Truppen gegen Petersburg marschieren und die Regierung gefangen setzen. Als Lwow erklärte, er werde die ihm von Kerenski noch einer Besprechung mit einigen Mitgliedern der Regierung mitgeteilte ablehnende Antwort im Hauptquartier überbringen, erwiderte Kerenski, dies sei nicht möglich, da er ihn verkästen lassen würde.
Der beginnende Bürgerkrieg in englischer Beleuchtung.
Nr. Haag, 13. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) ,/Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: Der Bürgerkrieg hat begonnen! In den Donner der feindlichen Geschütze aa der Front mischt sich bereits der Donner gegeneinander gerichteter russischer Geschütze. Die Frage taucht immer mehr auf, ob das heutige Rußland bereits für die Staatssvrm einer liberalen Äemo^rakiö feif ist. Seit dem Sturz des Absolutismus scheint der Staatskörper von vielen Krank- beiten befallen, gegen die die Autokratie früher das Gegengift bot. Die Gefahr ist nicht zu verkeimen, daß Rußland immer mehr ein Ballast für die Verbünde- t e n wird. Selbst unter einem demokratischen Diktator oder einem neuen autokratischen Zaren wird Rußland die inneren Gegensätze nicht so weit ausgleichen können, als es nötig wäre, um in alter Kraft gegen den äußeren Feind aufzn- tretey. Ob ein Staatsstreich erfolgen wird, ist heute noch nicht zu sagen. Sicher ist aber, daß die monarchischen und zarenfreundlichen Bestrebungen . he«ie stärker wie je zuvor am Werke sind. ,
Oer Tauchbootkrieg.
Ein wertvolles Unterseebootsapfrr.
Br. Rotterdam, 13. Sept. (zb.) „Echo de Paris" teilt mit, daß ier kürzlich versenkte ftcmzösische Postdampfer „P a r a n a' ,3248 Tonnen) eine Ladung im Werte von fünf Millionen Franken an Bord hatte.
Ein aurerikanischer Phuntasiebericht über einen Kumpf mit Unterseebooten.
W. T.-B. Washington» 13. Sept. Das Marinedcpartement teilt mit: Der Dampfer „Westwege" meldet am 8. Sept.. daß er, während er mit einiger^ anderen Fahrzeugen längs
Ein Selbstbekenntnis Tsteodor Storms.
Ein fesselndes GedenWatt zum 100. Geburtstag chres «aterS, dem 14. September, veröffentlicht ^Gertrud Storm nr. iwueftat Heft der Zeitschrist „Niedersachfen". Sie erzählt darin von ten Geburtstagsfeiern im Haufe Theodor Storm. der als ein echter „Geburtstagsmann" es verstand, jeden Geburtstag zu einem besonteven Fest zu gestalten. Ausführlich verweilt sie bei der Schilderung seines letzten Geburtstags, tes 7&, zu dom noch einmal die Freunde und Verehrer des Dichters sich «n ihn versarmnolten, um ifae Liede and An - «ckemuMg znm Ansdruck zu bringen- Er war n«ch l««g«r Wverer Krankheit noch einmal für kurze Zeit genesen- -Bk« gut, daß ich nicht im vorigen Jahre dahingeraM wurde, um - endlich auch von anderen zu hören, was ich feit 40 Jahren bei mir gewußt habe", fchrieb Storm nach seinom Geburtstag an Alfred Biese, und drückte damit aus, was der Tag für ihn bedeutet hatte. Das ganze Dorf hatte an der Feier teilgenominen, die sich zu einem Volksfest gestaltete: viele Gäste, Verwandte und Freunde von nah und fern waren nach Habe- Msrschen geeilt. Von den Dichtersrennten überraschte W:l- h-ffm Jenje» ihn durch sein Kommen; er trat unvermutet ins 8«Bn*rr, legte Stimm die Hand airss Haupt und sprach einige «efempfiintens Verse, in die er seine Wünsche für den Dichter. mit dem ihn ein Mcnfchenalter lang Freundschaft vrr- feete» hatte, faßt». K« Festtsfel sich mit alle.'
Haus mit Kränzen behängen und mit Fahnen geschmückt war.
Hier hielt der Dichter, nachdem ihm Jenfen einen warmen Trinkspruch dargebracht hatte, eine Tischrede, die als ein ernstes Selbstbekenntnis des aus sein Leten und sein Mrken zurückschauenden Mannes einen besonderen Wert erhielt. Er sprach in dieser Rete, die Gertrud Storm aus dem Nachlaß mitterlt. von dem zugleich schmerzlichen und freudigen Charakter de« Festes; da e» nicht nur dem Mensche«, sondern auch dem Dichter galt, wandte er sich dann dazu von seiner dich- terischen Entwicklung zu sprechen. „In der Landschaft, wo ich geboren wurde, liegt frei sich nur für den. der die Wünschel- ndt z» hoadsiaben weiß, die Poesie auf Heide« and Mooren, «i der Meeresküste und auf den seierlich sckweigeud«« «eide- flächen hinter ten Deichen. Die Menschen selber dort branchrn die Poesie nicht und suchen nicht darnach Man sagt von jungen Rossen, daß die knappes Futter haben müssen, wenn sie werten sollen, was sie werden können. Gilt das auch vom Menschen? So bin ich in der Kunst der Poesie glückich .dran gewesen." In Storms Vaterhaus befand sich nur ein Schiller, von Goethe nur „Hermann und Dorothea" und ein Band des Wantsbecker Boten. Auch die Gelehrtenschule der Vaterstadt Husum vermittelte dem Knaben die Dichtung nicht. Seine letzte poetisch Arbeit über den Israeliten Matthatias erhielt er vom Rektor ohne Korrektur zurück, „er sei kein Dichter". Als er auf das Lübecker Gymnasium kam, hatte er keine Mmung, daß Dichter wie Eichndorff oder Uhland :n
und Heines „Buch der Lieder" kennen, und das wurde ein bedevteiiites Ereignis m seinem Leben. „Mir war — ein Jüngerer wird sich von diesem Eindruck keine Vorstellung machen können —, als sei plötzlich ein Vorhang und »och einer zerrissen, und ich blickte zum erstenmal in eine Weit, aus der die Poesie mit ihren Sternenaugen auf mich schau«. Daim kcmi noch Eichendorff und später Eduard Mörike hinzu. So war ich mit denen bekannt, die bestimmend auf mer:« eigene Kunst einwivlten. Ich wurde ihr ^Schüler, niemals ihr Nachahmer, davor bewahrte mich meine selbständige Natur." Die ersten Vers«, die er schon nach der Husumer Schute versuchte, erschienen ihm seützt als inhaltlose Später«: xn Lübeck änderte sich der Ton. abe^ auch au» die- fer Zeit*wre aus ten Universitätsjahren fft nur weniges stehen geblieben. Seine Lyrik wurde erst fertig, als er in seiner Vaterstadt Advokat geworden war und sei, Leben einen festen Inhalt gewonnen hatte. „Als ich die schicksalsschweren Lieder, die die kleine Dichtung JmmeNsee tragen, geschrieben hatte: Meine Mutter hat's gewollt, und das Lied des HarsenmÄdchens, als dann auch noch das Oktoberlied ent- standen war, ha war mir, auch ich sei jener seltenen, reinen und tiefen Lyrik mächtig. d,e ich bei Goethe, Heine, Uhland, Eichendorff und Eduard Mörike grftrnten hatte. Und die» Gefübl, ich darf es, dem Letensente nahe, wohl aussprechen, ist jetzt meine feste Überzeugung, obgleich cs die Welt jetzt noch kaum weiß, «ich «cht tzi«, die eS hätten wt§eu
C K.
