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Donnerstag, 13. September 1917. Nr. 467 - 65. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom iS. September.

W. T.-JB. Großes Hauptquartier, 13. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei geringer Sicht blieb die Gefechtstätigkeit auch an den Kampffronten bis auf vorübergehende Fewer- steigerungen und Borfeldgefechte im allgemeinen gering.

Leutnant Botz fchoß im Luftkampf seine» 47. Gegner ab.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Südlich der Straße Riga-Wenden wichen unsere Kavalleriepoften stärkeren ruffischen Trupps über Moritzberg und Ntv-Kaipeu aus.

Nördlich von Baranowitschi, östlich von Tarnopol und am Zbrucz lebhaftes Störnngsfeuer und Erkunder- gcplänkel.

Zwischen dem D njestr und dem Schwarzen Meer kerne größeren Kampfhandlungen.

Mazedonische Front.

Südwestlich des Ochrida-Sees sind nur schwache feindliche Abteilungen ins Gebirge gedrungen. * '

Der Erste Generalquarttermeister: Ludrndorff.

Oie Admiralstabsmeldung.

W.T.-B. Berlin, 12. gebt. (Amtlich.) Eines un­serer Unterseeboote Kommandant Kapitänleutnant Gerlach, hat im Atlantischen Ozean neuer­dings

8 Dampfer und 2 Segler mit 31000 Br.-R.-T. versenkt: darunter die englischen bewaffneten Dampfer „Volodia" (5699 Tonnen), mit landwirtschaft­lichen Maschinen und Nahrungsmitteln nach England, ...tzeatherside" (2767 Tannen), mit Kohlen nach Malta, „Marmion" (4066 Tonnen), mit Hafer und Stahl nach Bordeaux, „Treloske" (3071 Tonnen), wahrscheinlich mit Mnnitionsladung bewaffneter eng­lischer Hilfstransporter „Elswick Lodge", mit 5790 Tonnen Mais nach England, italienischer be­waffneter Dampfer „Asti" (5300 Tonnend. mit Ko h l e n nach Italien, portugiesischer Dampfer „Ovar ex Casa­blanca" (1650 Tonnen), mit Kohlen nach Portugal, sowie ein Dampfer mit 6000 Tonnen Mais nach Eng­land. Der Chef des AdmiralstabS der Marine.

Das Kabinett painlevo.

W. T.-B 1 . Paris, 13. Sept. (Drahtbericht.) Das Ministe- cium ist endgültig gebildet worden. Vorsitz und Krieg: Painlevs; Justiz: Perret; Auswärtiges: Ribot; Inneres: Steeg; Marine: -C b a u m o t; Rüstungsange - legenheit: Loucheur; Finanzen: Klotz; Kolonien: Nenard Beenard; Öffentliche Arbeiten: Cloviellc; Unter­richt: Daniel Vincent; Arbeiten: Renard; Handel: Elemente!; Ackerbau: David; Lebensmittelversorgung: Maurice Long; Auswärtige Miffionen: Franklin Bouil­lon. Staatssekretäre und Mitglieder des Kriegskomitees sind: Barthou, Leo Bourgeois, Doumer und Jean Dupny.. Das Ministerium Painlevs umfaßt 11 Unter* ftaatSfekretariate, und zwar: GefundheitSwefeu: Goudart; Luftfchrffahrt: I. L. Doumesnil; Allgemeine Verwaltung: Mourier: Militärjustiz: Contentieux; Pe ist inen und Erfin­dungen: Breton (diese 5 Unterstaatssekretariate sind dem Kriegsministerium angegliedert); Inneres: Victor Peytcul; Finanzen: Bourely; Handel: Paul Lorel (Handelsmarine und Seetransport sind dem Handelsministerium angegliedert); Moncie für Blockadeangelegenheiten (ist dem Ministerium angegliedert); Schöne Künste: Dalimiec. Das Dekret setzt ein Kriegskomitee, bestehend aus Painlebe, den Ministern des Auswärtigen, der Marine, des Rüstungswesens, und den Staatssekretären Barthou, Bourgeois, Doumer und Jean Dupuy und dem Finanzminister, ein.

Die neue russische Urifis.

Anschluß des «eucvnannten Generalissimus Klembowsky an Koruilow?

W. T.-B Petersburg, 11. Sept. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Blätter verzeichnen das Gerücht, daß die ersten Abteilungen der Truppen des Generals Kornilow bereits in Gatschina eingetrof­fen seien. General Kalediene, der Hetman der Kosaken, soll von der Regierung verlangt haben, daß sie das Ultimatum Kornilows anneh me, da er sonst die Ver­bindungen zwischen Moskau und Petersburg abschnei- den würde Den Blättern zufolge soll der neuernannte Generalissimus Klembowsky sich Kornilow ange­schlossen haben, ebenso die an der S ü d w e st f r o n t und an der WMront kommandierenden Generale.

Der Inhalt des Kornilowschen Ultimatums

Br Haag, 13. Sept. (Eig. Drahtberkcht. zb.)

Daily Chronicle" meldet aus Stockholm: Wie ver­lautet, hat Kerenski den. Belagerungszustand auch über Moskau verhängt. Das Ultimatum Korni­lows an die Petersburger Regierung enthält folgende Punkte: Übertragung der militärischen Diktatur an

Kornilow, Auslösung des Petersburger Arbeiter- uns Soldatenrats sowie sämtlicher örtlicher Arbeiter- und Solde.tenräte und Wiedereinführung der Todesstrafe :m Heer. Angeblich ist auch B r n i s i l o w mit zwei Divi­sionen zur Unterstützung Kornilows unterwegs. Jeg­licher Eisenbahnbetrieb ruht.

Die Bedrohung Petersburgs durch .Kornilow.

Br. Zürich, 13. Sept. (Eig. Drahtbecicht. zb.) Die „Neue Zürcher Zeitung" erklärt, es werde der russischen Regierung kaum möglich sein. PeterSbu.-g gegen die anrückenden Divisionen Kornilows zu behaupten. Der Sitz der Regierung müsse verlegt werden.

Am Anfang des Bürgerkrieges?

S. Stockholm, 13. Sept. (Eig. Tcahtbericht. zb.) In Tornea wird sin Presietelegramm aus Petersburg veröffentlicht, das besagt, daß Kornilow mit seiner Armee Petersburg bedrohe, um Kerenski zu stürzen, und daß Kerenski die Garnison Petersburg mit Unterstützung des Arbeiter- und Soldatenrats gegen Kornilows Heer führen wolle. Ungefähr 60 Kilometer iüdwestlich von Petersburg, nahe der Stadt Luga, wird rin Zusammenstoß beider Armeen erwar­tet. Der Ausgang dieses Treffens zwilchen den Trup­pen Kornilows und Kerenskis läßt sich schwer Voraus­sagen Auf der einen Seite der bürgerliche Diktator Kerenski wieder vereinigt mit dem Arbeiter- und Sol­datenrat, auf der anderen der militärische Diktator Kornilow, der anscheinend das Offizierkorps und die Hauptmasse des Heeres für sich hat. In Petersburg spricht man von dem Anfang des Bürger­krieges, der sich schnell über ganz Rußland ausbrei­ten wird.

Beteiligung derKadetten am neuzubildenden Kabinett.

W. T.-B. Petersburg. 12. Sept. (Reutec-Meldnng.) Der Hauptausschuß der Kadetten porter teilte Kcoenski mit, daß die Partei, um einen Bürgerkrieg zu verhüten, ihren Mitgliedern gestattet, in das neue Kabinett ctnzutccten.

Festsetzung zweien Großfürsten.

W. T.-B : . Petersburg, 12. Sept. Die Blätter melden, daß auf Befehl der Regierung die früheren Großfürsten Michael Alexandre witsch und Paul Alexandrowitsch von ihrem Wohn­sitz in Gatschina nach dem Ministerium des Innern ver­krocht wurden.

Französische Meldungen über das Ehaos in Rußland.

W.T.-B. Bon der schweizerischen Grenze, 13. Sepp. (Drahtkericht.) Die Pariser Blätter, die den ganzen großen Ernst der Vorgänge in Rußland unterstreichen und zum Teil bereits von einem Bürgerkrieg schreiben, melden aus Petersburg, General Klembowski habe das Ob«c- komnlaudo urch nicht übernommen, da er vor der Unmöglich­keit stehe, sich in das Hauptquartier zu begeben. Üs sollen neue Verhaftungen bevor stehen, u. a. diejenige von Pnruschkewitsch. In Petersburg belagert die Menge die Balmböfe, um so rasch wie möglich nach irgend einer Richtung entfliehen zu können.

Die Meinungen in der russischen Presse.

W.T.-B'. Petersburg, 11. Sept. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Die sozialistische Presse ist einmütig der Meinung, daß Kornilow ein Rebell sei. Sein Krieg sei ein Krieg der ruffischeu Bourgeoisie gegen die revcluticiiäre Demokratie.

„Tjcrü schreibt, die ausgebrochenen Unruhen seien die Erhcbur.g einer Klaffe'gegen die andere und der Beginn des Bürgerkrieges. Diejenigen, die den Anschlag gegen den imreren Frieten Rußlands machten, fährt das Blatt fort, laufen Gefahr, selbst zugrunde zu gehen, denn sie sind unver­meidlich zu einem Fiasko verdammt, selbst in dem Falle, daß sie einen Zufallssieg über die Demokratie davontragen sollten.

»Tjele Maroda" meint, die Bewegung Kornilows sei ein Versuch, die Revolution zu ersticken und den Bauerir Land und Freiheit vorzuentholten. wonach sie trachteten.

„Nowoja Shisn" schreibt, die ganze Demokratie müfle ihre Reihen um Kerenski, ihr anerkanntes Haupt, schließen, der aber den Grundsatz der demokratischen Diktatur ent­schieden annelmen müsse.

„Jswestij", das Organ des Arbeiter- und Soldatenrates, sagt, die Eroigniffe hätten bewiesen, daß sich die neue Macht die endgültige Niederwerfung aller gegen­revolutionären Bestrebungen zur Aufgabe machen müsse. Wer auch die Träger dieser Macht sein mögen, die Demokratie werde sie kräftig stützen.

Die bürgerliche Presse bespricht die Ereignisse nur sehr kur^. Die »Ncwejc Wremja" saat. Kornilow habe Rußland.

an den Rand eines neuen unergründlichen Abgrundes gebracht.

Die „Börsenzeitung" schreibt, wie auch der Ausgang der Bewegung Kornilows sein möge, die Revolutrcn müsse auf­recht erhalten bleiben.

„Rjetsch" fragt: Wie kommt es, daß die beiden Gegner, die vorläufige Regierung und Kornilow, welche beide be­haupten, nur das Wohl des Vaterlandes im Auge zu haben, sich nicht versöhnen und die Hände reichen können. Die Zeitung berichtet, daß dre Parteimitglieder den ganzen vor­gestrigen Tag dazu verwendeten, zu der so notwendigen Ver­ständigung zu gelangen, daß eS ihnen aber leider aus Gründen reiner Formalität nicht gelungen sei, vor allem des­halb nicht, weil die gesetzmäßige Macht glauot, mit den Auf­rührern verhandeln zu köurreu.

Die „Nowoje Wremju" verboten.

W.T.-B. Petersburg, 12. Sept. Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Regierung verbot die „Nowoje Wremja", weil sie den Ausruf Kornilow? in vollem Umfange und den Appell Kerenskis gekürzt veröffentlichte.

Die Meinung in England.

II. Rotterdam, 13. Sept. (Cig. Drahtbericht, zb.) Die „Times" betont: Nachdem das russische Ministe­rium zurückgetreten, hat Rußland keineNegie- rung mehr, sondern nur noch zwei Miteinander um die Macht ringende Diktatoren. Der einzige konstituelle Faktor sei noch die Duma. „Daily Chronicle" weist ouf die Eigentümlichkeit hin, daß die täglichen amtlichen Nachrichten ans dem ru'sischen Hauptquar­tier auch weiter die qanze russische Front umfassen, ob- aleich der Befehlshaber der Rigaer Front, General Klembowsky, zum Nachfolger Kornilows ernannt würde Der Streit zwischen Kerenski und Kornilow scheint also die Zusammenarbeit Kornilows mit den Befehlshabern an den einzelnen Frontteilen nicht zu beeinträchtigen. „Daily News" hält einem Ungleich zwischen Kerenski und Kornilow nqchssür rüogWH.

Dev englische Nachrichtendienst im .S^änc Kornilows!

— Berlin, 13. Sept. Die West erlW augenblick- sich — schreibt die „Volkszeitung^KLd^ - seltsames Schauspiel. An dem BürgerkriWM Rußland ist kaum noch zu zweifeln. Während nunbei' russische Ministerpräsident Kerenski durch die amtliche Tele­graphen-Agentur optimistisch ge körbte Meldungen in die Welt kabelt, nach denen die Mehrheit des russischen Heeres unbedingt auf der Seite der pro­visorischen Regierung steht, sind die Meldun­gen der britischen Depeschen-Agentur sichtlich in "'in"m Kornilow günstigen Sinn? gefärbt. Es kann danach kaum einem Zweifel unterliegen, daß England znm mindesten dem gegencevolutionären Putsche des Generals Kornilow wohlwollend gegemiberlteht.

Auch der „Berliner Lokal-Anzeiger" sagt, aus dem Gegensatz zwischen dem englischen und russischen Nach- richtenbureau erhellte aufs klarste, daß tatsächlich ein Gegensatz zwischen Kerenski und Buchanan h-stebt. Offenbar hat letzterer jetzt seine Hoffnungen auf Kornilow gesetzt.

Die „Tägliche Rundschau" meint' Die Entscheidung liegt weniger in der persönlichen Macht der beiden zu­fälligen Spitzenkämpfer als in den Trieben der ebenso zufälligen Gruppierungen, die hinter ihnen stehen.

Die „Post" äußert: Wir mü>'en unverändert mit der Möglichkeit rechnen, daß eine regelrechte Schlacht der Kornilowschen Truppen und der Peters­burger Garnison bevorsteht. Erst nach der Entschei­dung kann es heißen- Was will Kornilow tun, wenn er Herr von Petersburg ist?

In der „Deutschen Tageszeitung" wird gesagt: Der deutsche Standpunkt ist genau derselbe wie bisher. Ruß­land ist unser Feind, und demgemäß ist ihm gegen­über zu verfahren, wie es der militärischen Zweckmäßigkeit jeweils entspricht.

Der „Vorwärts" meint: Die Kadetten werden viel­leicht noch in letzter Stunde zwischen Kerenski und Kornilow vermitteln und auf einen Kompromiß hin­arbeiten wollen. Mer sind dadurch die großen politi­schen und sozialen Gegensätze die Rußland zerklüsten, auf die Dauer überbrückt?

Ein „Timcs"-Bericht ans Petersburg.

W.T.-B. Amsterdam, 12. Sevt. Wie ein hiesiges Blatt aus London vom 11. berichtet, veröffentlicht die „Times" ein offenbar stark zensuriertes Telegramm aus Petersburg, in dem es heißt- Die Verhandlungen mit Kornilow dauerten den ganzen Sonntag fort. Kornilow weigerte fick, abzufahren und sich der Regierung unterzuordnen. Er ließ im Haupt- auartier den Reqierungskonrmissar Filomenke verhaften, während Kerenski den Dumaabge­ordneten Lwow verhaften ließ. Petersburg hat trotz des Belagerungszustandes sein gewöhnliches Aussehen