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Mittwoch, 12. September 1917.
klbend-klusgabe.
Nr. 465 . 65. Jahrgang.
Endgültige Gefangenenzahl und Beute von Riga.
Der Tagesbericht vom 12. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
An mehreren Stellen der flandrischen Front, im Artois und nördlich von St. Quentin lebte die Feuertätigkeit in den Abendstunden beträchtlich auf.
Vielfach kam es zu Zusammenstößen der Infanterie im Vorfeld unserer Stellungen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Nach starker Feuerwirkung brachen französisch»; Abteilungen zu gewaltsamen Erkundungen beiderseits der Straße Somme-Py-Souain in der Champagne vor. Sie wurden durch Feuer und im Nahkamps z u r ü ck g e - trieben. Gefangene blieben in unse-cr Hand.
Bor Berdun hat die Kampftätigkeit der Artillerien nach- gelaffen. /
Neunzehn feindliche Flieger sind abge- schossen worden; einen davon brachte Leutnant Botz <46. Luftfieg) zum Absturz.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschasis Prinz Leopold von Bahern.
An mehreren Stellen zwischen Ostsee und Düna warfen unsere Vortruppen russische Aufklärungsabteilungen durch Kampf zurück.
Die Gefangenenzahl aus der Schlacht bei Riga ist auf 8 9 v v festgestellt. Die Beute beläuft sich auf 324 Geschütze, davon ein Drittel schwere, mehrere beladene Voll- und Kleiubahnzüge, großes Pioniergerät, Schießbedarf und Ber- pflegungsvorräte, zahlreiche Kraftwagen und andere Truppe,r- fahrzeuge.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
Zwischen P r u t h und M o l d a w a vielfach rege Artil- lerietötigkeit und Erkundungsgcfechte.
Die Rüsten setzten bei S o l k a ihren Angriff nicht fort. Südwestlich von Tirgu-Ocna stieß der Feind fünfmal gegen unsere Linie vor; stets wnrdc er verlustreich abgewiesen. Die Lage auf dem Südwestufer deS Ochrida- S e e S hat sich nicht wesentlich geändert. Im Becken von M o n a st i r stärkeres Feuer als in letzter Zeit.
Der Erste Gencralquartlermeister: Ludendorsf.
Die neuen wirren in Rußland.
Die Ermordung Kercnskis noch nicht bestätigt.
- W. T.-B. Stockholm, 12. Sept. (Dmhtbericht.) Die gestern vom „Aftoon-Blaadet" gebrachte Meldung, Kerenski sei ermordet, ist bisher noch nicht bestätigt worden. Sie wird allgemein für unrichtig gehalten. Augenblicklich eine Doppelregierung. Allgemeine Flucht aus Petersburg.
S. Stockholm, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) über die unklare inmerpolitijche Lage m Rußland erhalte ich von unterrichteter Seite aus Petersburg folgende Nachrichten: Der Schlag Kornilows gegen Kerenski war auf dem Moskauer Kongreß vorbereitet worden, wo Kerenski gegenüber den entschieden gegenrevolutio- nären Plänen der bürgerlichen Seite eine Schwenkung nach LirM machte und die von Kornilow geforderten Gewaltmatznahmen zur Herstellung der Oro- nnng nicht in vollem Umfang gebilligt wird: Korntlow wurde deshalb zum Kandidaten einer neuen Diktatur erhoben. Die nevgebildete Partei des republikanischen Zentrums. welche aus extremen Nationalisten besteht, stellte sich hinter ihn. Kerenski erkannte, wo der Feind stand, und klagte die Führer des republikanischen Zentrums- gegeu- retilHicrmet Bestrebungen an. Er nahm jene auffeheu- erregende Verhaftung der Großfürsten vor, die ohne Wissen der bürgerlichen Minister erfolgte. Dadurch entstand in Petersburg dre Kabinettskrise. Die Kadetter.witglieder verlangten ihren Abschied. Es wird jetzt allgemein angenommen, daß Kerenski ein Ministerium bilden wird, bestehend aus Sozialisten und Vertretern des Arbeiter- und S o lda te n r a ts, denn von den Ministern der sozialistischen Parteien und des Sovjets waren Kerenski die aegenrevolutionären Bestrebungen der Grotzfürstenpartei • mitgeteilt »worden. Diesen Augenblick der Kabinettskrise wollte auch die Partei Kornilow zu einem entscheidenden Schritt benützen. Sie sandte Kerenski die Aufforderung, zurückzu treten, was einer Kriegserklärung gleich kam, weil nirgends angenommen wird, daß Kerenski ihr Folge leisten wird. Durch Kerenskis Ablehnung wird eine doppelte Regierung geschaffen. Kornilows Stellung wird bei dem beginnenden Kraftmessen als nicht ungünstig eingesetzt, »da er einen «rochen Teil der
Frontarmee hinter sich hat, und zwar besonders zuverlässige Regimenter. Kerenskis Stellung wird jedoch besonders dadurch erschwert, daß er auch auf der linken Seite Feinde besitzt und sich den Hatz der Bol- schew'ki infolge der Justizmorde zugezogen hat. Die Macht der Bolschewiki ist in der letzten Woche sehr gewachsen. Die Agitation in den Fabriken zu bewaffneten Angriffen ist gegenwärtig sehr lebhaft. Infolge dieser Unsicherheit, fow»e der gefährlichen Frontlage wird di: Flucht aus Petersburg allgemein. Täglich werden 6000 Fahrkarten nach den Städten <m der Wolga und n«ch Sibirien an Flüchtlinge äusgegeben.
Br. Stockholm, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Es scheint, daß Kornilow nur den gemeinsamen Ukasen der Regierung und des Sovjets gehorchen will. Kronstadt ist wahrscheinlich mit Kornilows Absetzung zufrieden, und der Arbeiter- und Soldatenrat hat der provisorischen Regierung seine Unterstützung zugesagt. Sogar die Kosakenregimenter fallen, wie behauptet wird, von Kornilow ab und versichern der Regierung ihre Treue. Der zu gegenrevolutionären Maßnahmen leicht Veranlassung gebende Posten des Petersburger Distriktsbefehlshabers wurde eingezogen. General Wasfilkowski, der bisherige Petersburger Befehlshaber, wurde zur Verfügung dm Regierung gestellt. Sein Gehilfe Hauptmann Kognil »wurde zum »Petersburger Platzkommandanten ernannt. »Auffallenderweise besuchten der englische, französische, italienische und amerikanische Botschafter den Mini st er des Auswärtigen Terestschenko.
Äußerstes Interesse in England.
U. Rotterdam, 12. Sept. (E'g. Doahtbericht. zb.) Die englische Presse widmet dem Bruch zwischen Kerenski und Kornilow ausführliche Besprechungen. Die konservativen Blätter stellen sich sämtlich auf di»: Seite K v r n i I o w s, deffeu Streben dahin gehe, Rußland im Augenblick höchster Gefahr von der A st a r ch i e zu retten. Die liberalen Zeitungen betonen, Kerenski bekämpfe Kornilorv nur deshalb, wcrl er befürchte, daß der Generalissimus der Gegenrevolution zum Siez: verhelfen wolle. Man verfolgt mit äußerst gespairirtenr Interesse den Kampf der beiden Männer um die Diktaturgewalt.
Eine entdeckte monarchistische Organisation.
W. T.-B. Bern, 11. Sept. Der russische Mitarbeiter des „Berner Bund" meldet: In »Petersburg ist eine groß angelegte monarchistische Organisation „»Das heilige »Rußland" »entdeckt worden, deren Sprachrohr die unlängst ein* gegangene Zeitung „Gros a" »war, welche hauptsächlich unter den Truppen an der rumänischen »Front verteilt wurde. Diese Zeitung schrieb offen, nur der Zar »könne »Rußland Brot und Frieden geben. Die Engländer und die Franzosen »seien die Feinde Rußlands. Man müsse 'ofort Frieden schließen. Die Hauptführer der Organisation waren Badnajew, »ein Arzt, Protapewo Glinka Janschtewski, der frühere Redakteur der konservativen Zeitung „Senschffchtnck", und kessen Mitarbeiten Slotnikow, die alle verhaftet wurden.
Gerüchte über den
Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch.
W. T.-B. Kopenhagen, 11. Sept. Die Zeitung „Politiken" meldet aus Helsingfors, in Petersburg seien hartnäckige Gerüchte verbreitet, daß der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch von seinem Gute im Kaukasus geflüchtet sei, da er fürchtete, verhaftet zu weiden. Man glaubt, daß er an -eine»' gegenrevolutionären Verschwörung beteiligt sei.
Der ausgewiesenc General Gurkow.
Br. Stockholm, 10. Sept. ,(zb.) Der ausgewiesene General Gurkow verließ gestern Petersburg und wird morgen in Hapavanda erwartet.
Massenvcrhaftung finnischer Landtags» abgeordncter.
Br. Rotterdam, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily Mail" meldet aus Petersburg: Mehr als 50 Abgeordnete des aufgelösten finnischen Landtags wurden verhaftet. In Wiborg haben die Finnen die staatlichen Munitionsfabriken in die Lust gesprengt.
Die Lehre des SuchomlinowProzcsses.
W. T.-B. Sofia, 11. Sept. Zum S uchomli n ow - »Prozeß schreibt „Narodni Prawa", es sei nun festgejstellt, daß die Schuld am Weltkrieg bei der Kamarilla in der Umgebung des Zaren liege. Was wäre — sagt tue Zeitung — aus unserem bulgarischen Vaterland geworden, wenn es sich entschlossen hätte, sein Schicksal in die Hände SsasonowS zu legen. Die Enthüllungen kom»men rechtzeitig, um vielen unter uns, die fest a»n Rußland und seine Machl- haber glaubten, die Augen zu öffnen.
Dir Vergnügungssucht in Petersburg.
Berlin, 1t. Sept. (zb.) Wie sich der „B. L.-Ä»" melden läßt, ist die Vergnügungssucht in Petersburg ins Unge- meffene gestiegen. Die Weinlokrle und Kao-retts sind die aauze Nacht offen, und derWein und Sekt fließen in Strömen.
Ein Tagesbefehl des Ehefs der baltischen Flotte.
W. T.-B. Petersburg, 11. Sehft (Reuter-Meldung.) Der kommandierende Admiral der baltischen Flottenbasis hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem er die Flotte auffordert, den Fe»ind im Auge zu behalten, jede Zwietracht zu vermeiden und sich den Befehlen der Regierung zu fügen.
Ereignisse zur §ee.
Die kldmiralstabsmeldung.
7 Dampfer und 2 Segler!
W. T.-B. Berlin, 12. Sept. »'Amtlich.) Neue N-Bootserfolge auf dem nördliche nKriegs- ichauplatz: 7 Dampfer und 2 Segler mit 2 0 0 0 0 Bruttoreqi st ertonnen, darunter 2 große bewaffnete Dampfer und ein englischer Transporter. Die beiden Segler hatten Grubenholz und Soda geladen Der Chef des Admiralstabs der Marine,
Die zriedensnete der Papstes.
Die Formulierung der deutschen Antwort auf die Papstnote.
Berlin, 12. Sept. (zb.) Über die deutsche Antwort aus die Papstnote »erfährt »das „B. T.", sie werde auch auf die deutschen Kriegsziele etwas näher eingehen, dagegeu die deutschen Bedingungen in bezug auf Belgien.nicht bestimmter festlegen, als es bisher der Fall gewesen ist. Tie Formel solle angeblich jetzt so lauten, daß Belgien unter keinen Umständen ein britisches Bollwerk aus dem Festland werden dürfe.
Bestimmte Fricdcnsbcdingungen der Mittelmächte?
Br. Haag, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Korrespondent der „United Preß" in Rom will ans dem Vatikan erfahren haben, man erwarte dort zuversichtlich, daß die Antwort der Mittelmächte bestimmte Friedensbedingun- gen enthalten werde. Der Papst wäre der Ansicht, die Verhandlungen würden noch vor Weihnachten beginnen und der Friede werde anfangs 1918 gesichert fein.
' 1 •
Die Lage Im westen.
Dos Kabinett painlevs.
Br. Genf, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie aus Paris gemeldet wird, nahm der Kriegsminister Painleve den Auftrag zur Bildung des Kabinetts an, jedoch unchr der Vor- uvssetznr.g, daß ein nationales Konzentrations- Kabinett zustande komme. Painleve bot das Ministerium des Äußern Ri bot an, der aber ablehnte. Painlevö begab sich sodann zu Clemenceau und trug ihm ein Ministerportefeuille an. Clemenceau stellte bestimmte Bedingungen und behielt sich die Antwort vor. Huvas gibt folgende ' wahrscheinliche Ministerliste bekannt: Minister-
Präsident und Krieg: Painleve; Äußeres: Barthou; Finanzen: Klotz; Justiz: Renould; Arbeiten: Arvussier (Sozialist); Kolonien: Lang; Verpfleg ungswesen: Douser; Ministerium für nationalen Wiederaufbau: Loucheuc; Unterstaatssekretariat für Wasserkraft: Bedouce (Sozialist). Unverändert Bleif-cii die folgenden Portefeuilles: Marine (Chaudet).
Munition (Thomas), Handel (Clementel), Ackerbau (David). Unbesetzt sind noch das Ministerium des Innern und das Unterrichtsministerium. Painleve hofft, seine Regierung endgültig fertiggestellt zu haben. Der „Lyoner Nouvelliste" erfäbrt zum Gegensatz dieser Meldung, daß Thomas das Rüstungswesen an Loucheur abgegeben und die Leitung der Finanzen übernehmen könne; Steeg würde das Ministerium des Innern behalten. Bezüglich der Justiz schwankt die Wahl zwischen Bienvenu, Barthou und Renould.
Ein neuer politischer Skandal in Paris?
Br. Genf, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) In den Pariser politischen Kreisen sprüht man von einem neuen Skandal, von dem bisher die 'Zeituncxen nichts schreiben dürfen. In den Wandelgängen der Kammer herrschte jedenfalls Samstagnachmittag gewaltige Aufregung. Mc-n hat irgend ein geheimes Schriftstück gefunden, durch Vas ein Abgeordneter oder ein Minister kompromittiert sein soll.
Vertagung der neuen Ententekonferenz.
Berlin, 12. Sept. (zb.) Der „Corriere della Sera" meldet, daß die Pariser »Ententekonferenz auf Oktober vertagt worden sei.
Verschiebung der Reise dl^s italienischen Königs an die französische Front.
»W. T.-B. Paris, 10. Sept. Wie der „Temps" meldet, ist die Reise des Königs von Jt»ilien an die französische Front, die diese Woche stattfinden sollte, verschoben worden.
