Einzelbild herunterladen
 

Verlag Lang-asse 21

TagtlnNhans".

SSatter-H-Ie geäffnet oon" 8 Uhr morgen» b» 7 Uhr abend».

wöchentlich

~m,- 2 .sRr,ig für tcio- Ansaaten: Mk. 1. monatlich, MI. 3 »ierteljährlich durch den «erla» -Lne Rrv °erl°dn^Ml ».VS vierteljLhrlilh durch alle deutschen Poftanstalten. ausschUeßlich leÄ» -entgegen: in Wiesbaden Lie Zweigstelle BiS- «S»T, »i. «uänabeftenen in allen Teile» der Stadt; m Beebnch: »,e »arnzen «u»- "a^llen md in den benoJanen L-ndorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Triger.

13 Ausgaben.

Fernruf:

Tagtlatthaus" Rr. 6650-S3.

Bon 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend», außer Sonntag».

gabestellen und in den Leu..,barten t-andorte u uno ,m moerngaa -»an-.- --- D 0 Für dieAufftahme von Anzeigen an oorgeschriebeuen

Be»«'.» Abteilung des Wiesbadener Tagbl.tts: Ber lin W., P-tsdamer Str.121L. gernf»r.: Amt Lütz-« MOjx- - ^ $la8etl """ ***

Samstag» 8. September 1917.

Morgen-klusgabe.

Nr. 457. . 65. Jahrgang.

ttaiser und 3ar.

Die Enthüllung des Poincarchchen Geheimvertrages mit Rußland durch den deutschen Reichskanzler und die furchtbaren Anklagen des Such omlrno w -Pro- zesses lassen die Feinde Deutschlands mcht ichlafen. Sie wollen um jeden Preis auch etwas enthüllen, ^m Daily Telegraph" ist Ehren-Gerard mft seinen spaltenlangen Erinnerungen immer noch nicht fertig, üe sind zu albern und langweilig, um alle nachgedruckt zu werden, aber die Engländer behaupten, wirourf- ten" sie nicht bringen. Und imNew Bork H eraId müssen sich die bemitleidenswerten Leser seit drei Tagen durch den Depeschenwechsel des Zaren mit Kaiser Wilhelm aus den Jahren 1904 bis 1907 hindurcharbeiten. Dielen Depssckenwechfel sollen zwei britische Regierungsbeamte, nach anderer Lesart der alte Schnüffler Burzew im Privatarchiv des Zaren ge­sunden haben. Burzew, der Polizeichef der Peters­burger Revolution, schreibt zurzeit ein Werk von vielen Bänden über die Sünden des Zarismus. Er mochte wohl Material zusammenfinden, um dem Gefangenen von Tobolsk den Prozeß zu macken. Die Engländer und ihre amerikanischen Freunde möchten den deutschen Kaiser blotzsteNen. So arbeitet man sich in die Hände. Aber was enthüllt man denn: Entrüstung des Zaren über Englands Benehmen anläßlich der russischen Schießerei bei der Doggerbank. Klagen des Kaisers über britische Unhöflichkeit in deutschen Ostseehafen. Sorgen des Zaren nach dem Mißerfolg des Krieges mit Japan. Und dann ein prachtvoller schachzug. des Kaisers- Lieber Nikolaus, ich schlage dir. wenn du, wie du wgst, den britischen Hochmut brechen willst, ern Dreibündnis Deutschland - Rußland Frankreich vor! Angenommen, diele Kaiser depeschen sind wirklich echt und nicht gefärbt und frisiert, w beweist ihr sachlicher Inhalt nur. wie vorzüglich unterrichtet Kaiser Wilhelm schon vor inehr als zehn Jahren über die Einkreisungspläne Eng lands war und wie geschickt und eifrig er der drohenden Gefahr entgegenzuarbeiten versuchte. Unser Kailer hatte bei diesen Verhandlungen mit dein Zaren kein anderes Ziel im Auge, als den Frieden zu er­halten, die englische Ränkefuckt zu bekämpfen und ein erträgliches Nebenein anderlebcn dcr europäischen Nationen zil ermöglichen. Dabei warnte der Kaiser den Zaren vor jedem voreiligen Schritt. Zunächst sollte der deutsch-russische Vertrag ab erschlossen, dann erst Frankreich verständigt werden. Sieht Frankreich uns mit Rußland verbunden, wird es einen heilsamen Druck auf England ausuben. Schonungslos und in diploiimtisch vollendeter Weise legt der Kaiser die niederträchtige Behänd lung Rußlands und Deutschlands durch England klar. " Schließlich sind diese Bemühungen Wilhelm? II., Rußland aus den Fangarmen der machsenden Entente zu reißen, auch gar nicht so imbekannt. Der Kaiser hat sich vor Abfassung dieser tccfdiirchdacyten Ratschläge an den Zaren zweifellos mit feinen politr scheu Ratgebern verständigt. Das geht aus denr wohl berechneten Gedankengang und aus dem Zusammen Hang mit der damaligen Tätigkeit des Berliner Aus wärtigen Amts hervor. Es ist also das Geheimnis des Polichinels, das die Verbandspresse da mit großer Wichtigtuerei verrät. Ein Geheimnis, das feinen Be ruf verfehlt hat. Es wird zu einem untauglichen Versuch der Bloßstellung mißbraucht und ' stellt nur den Haß und die eigene Schande derer zur Sckau die mit solchen Enthüllungen bei den wenigen noch übrig -gebliebenen Neutralen krebsen gehen. Die Herren werden keine Geschäfte damit machen. Be.dauer- lich wäre es nur, wenn der amtliche Draht sich wieder einmal die Gelegenheit entgehen ließe, auf eine wun­dervolle Blöße, die uns die Gegner bieten, kräftig draufzuschlagen. Noch in frifcker peinlicher Erinne- rung steht ja die Antwort unserer offiziösen Publizistik auf die GerardscheEnthüllirng" des angeblichen Kaisertelegramms an Wilson vom 10. August 1914. Mit dem, was der Kaisermöglicherweise" getan hat, darf es diesmal nicht lern Bewenden haben. Und wenn auch darüber Herr v. Dalenftni endgültig gehen müßte, die Öffentlichkeit schreit förmlich nach einer Klar­ste klung: Das und dies hat der Kaiser wirklich ge­drahtet. Und er hat es getan aus den und jenen Grün­den, im Gefühl, seine Pflicht als Wahrer des Friedens .zu erfüllen. Nur eine Bestättgung der feindlichen ' Schuld am Weltkr-iege'-e eine solche Klar­stellung. Nur eine Bestätigung dessen, was bis- jetzt in wirklichen Enthüllungeii bekannt wurde. Unser Krieg beginnt auch auf dem Gebiete des bedruckten Papiers siegreich zu welchen. Möchten doch auch die amtlichen Federn einmal in die richttqe Tinte tauchen und den sichenErrthüLern" einen.Bescheid gehen, wie

Die neuen Beweise für die Schuld am Kriegsausbruch.

Anknüpfend an die Äußerungen des deutschen^ssierchs- kanzlers über die Enthüllungen im Prozeß suchom- linow erinnert dasFremdenbiatt" an dre Taffach«, dre imFermdenblatt" bereits veröffentlicht worden tft. Der Chefredakteur desFremdenblatt" besuchte am 30. ^uli 1814. 8i/. Uhr früh, den englischer Botschafter Dunsen. Dieftr er­klärte im Laufe des Gespräches, daß rbm fern russischer Kollege Schebeko am 29. Juli, abends, mitgeterlt habe, daß er aus Petersburg die Nachricht ^r Mobilisierung der russischen Armee erhalten habe. Aus dieser Tatsache geht hervor, so erklärt dasFremdenbiatt", daß auch der da­malige russische Minister des Äußern S s a s o n o w rn der Verschwörur:g gegen den Frieden eine hervorragende Rolle gespielt hat, daß auch Ssasonow am 29. Julr, also am selben Tage, wo General Januschkewitsch fern Ehrenwort verpfändet hat, daß die russische Mobilm rchunz noch ruckt er­folgt sei, den russischen Botschaftern und Gefarmten ine Mit­teilung machte voii der erfolgten Mobilisierung. Dm,e Tat­sache sei ein neuer Beweis dafür, wen die Schuld am Ausbruch des Krieges trifft.

Der Tauchbootkrieg.

Ein französischer Lruppentransport- dampfcr versenkt.

W. T.-B. Bern» 7. Sept. (Drahtbericht.) Lyoner Blätter melden: Der DampferParana" (6842 Bruttoregister- tonncn) der Societe generale transatlantique rttaritimfis wnrde am 14. August, nachts binnen 20 Minuten zweimal torpediert. Er konnte noch die griechische Küste er­reichen und die ruffischen und serbischen Soldaten, die der Dampfer beförderte, konnten bis auf 7 Mann gerettet werden, worauf dieParana" versank.

Italiens ftuchtlose Gpfer in der fl. Jsonzoschlacht.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht»

W. T.-B. Wien, 7. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet Vom 7. September, nachmittags:

Feindlich» Fliegerangriffe gegen die offene Stadt T r i e st werden zum täglichen Ereignis. Die Kämpfe auf dem Südteil der K a r st h o ch f l 8 ch e dauern fort. Ver­gebens müht sich dcr Feind, uns die in den letzten Tagen er­rungenen Erfolge streitig zu mache». Seine Angriffe durch unsere Truppe» wiederholt im Gegenstoß g^aßt scheiterten durchweg unter schweren Verlusten. Außer­ordentlich heftig wird noch immer am Monte Saw Gabriele gerungen. Kein Opfer ist dem Feinde zu groß. Zehn Angriffe brachen gestern am Nordhang zusammen. Ein schwerer Ansturm wnrde am Westhang abgeschlagen. Seit dem 19. August haben wir am Iso izo insgesamt 5 0 0 italienische Offiziere und 18006 Mann ge­fangen genommen. An blutigen Opfern steht für die Italiener die lf. Jsonzoschlacht vor den früheren Schlachten in keiner Weise zuruck.

Über die anderen Fronten und Kriegsschauplätze ist nichts von Belang mitzuteilen. Der Chef des Generalstabes.

Ereignisse zur See.

Als Vergeltung sür die wiederholten gegen die offene Stadt Triest gerichteten feindlichen Fliegerangriffe be­legten nufere Seeflugzeage in der Nacht vom 6. znm 7. Sept. das Seearsenal und die militärischen Anlagen der Festung !enedig ausgiebig und mit sehr gutem Erfolg mit Bomben. Es wurden zahlreiche'Treffer einwandfrei be­obachtet. Trotz heftigem Abwehrfeuer sind alle Flugzeuge, wohll. eh altcnzurückgckehrt.

Flottenkommando.

$

Die Behauptung des Monte San Gabriele.

W. T.-B-. Wien, 7. Sept. (Drcchtbericht.) In den Be­richten von der Fsonzoftont stellen die Berichterstatter der Blätter fest, daß der Kampf um den Monte San Gabriele nach lAägrgem erbitterten Ringen für die heldenmütige Ver­teidigung einen siegreichen vorläufigen Ab­schluß gefunden Hot. Der im Westen, Norden und Nord­isten haMreisförmig in die Kindliche Linie vorspringende Berg war das Ziel von über 50 überaus erbitterten Angriffen 'des Feindes, der schließlich mindestens ein kriegsstarkes Korps in den Kampf warf. Die Eirrnähme des Berges würde für den Gegner eine Prestige-Sache sein, denn fein Gewinn würde ihm taktisch nur geringe Vorteile bieten, ,während der Verlust für uns strategisch bedeutungslos wäre. Doch trotz der schdvevsten Opfer, deren Zahl in die Zehn- tausei'de geht, vermochte der Gegner keinen Erfolg zu er­zielen. Der Beug, dessen Hänge mit Feindesleichen buch­stäblich überdeckt sind, ist heute ganz inunsererHand. Die Verteidigung hat ihren Zweck erfüllt, den Gegner zu bin- , den und ihm größtmöglichste Verlust« beizubringeu.

Me MaoMcopt bet <ö«to iotntt ir ord w - st Uch

Hermada gingen österreichisch-ungarische Truppen zum Gegenstoß über und entrissen dem Gegner in kühnem Zu­greifen den knappen Raumgewinn, den er in den schweren Kämpfen der 11. Jsonzoschlacht bisher zu gewinnen vermochte, wieder vollkommen, _

Der deutsche Kbendberichtvsm 7.September.

W. T.-B. Berlin, 7.; . Sept., abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Im W e st e n starker Artillerickampf nur vor Berdun.

In Livland steht unsere Kavallerie in Fühlung mit dem Feind.

Der Krieg gegen Rußland.

Amtlicke russische Darstellung über den Verlust Rigas.

8. Stockholm, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Ta? amtliche ruissische MilitärblattRußky Invalid" schreibt über den Verlust Rigas: Die deutsche Heeresleitung er­möglichte ihren Sieg in der Hauptsache durch umfang­reiche Konzentrationen von A r t i l I e r i e und Truppe n. So konnten die feindlichen Batterien ein ver­nichtendes Feuer auf unsere Divisionen eröffnen, das unsere Artillerie bald zum Schweigen zwang, da die Batterien von feindlichen Granaten versprengt, die Truppen von giftigen Gasen erstickt wurden. Diese Artillerievorbereitung gestattete den Deutschen, unsere Stellungen zu stürmen, ohne sich besonders zu gefährden. Dadurch, wurden die russi­schen Jnfanterietruppen zum Rückzug gezwungen, der mir unter größten Verlusten durchgeführt werden konnte. Dre Deutschen benutzten den errungenen Vorteil, um schleunigst Brücken nach dem rechten Dünauser zu schlagen. Ein Teil der russischen Infanterie, verstärkt durch Reserven, warf iich jetzt erneut 'dem Feind entgegen und trieb ihn mehrfach bi? au das Flußufer zurück. Die Verstärkungen, die die Deutschen ununterbrochen erhielten, ließen aber alle weiteren Anstrengungen vergeblich erscheinen, so daß das russische Heer den Rückzug antrat. Diese amtliche russische Darstellung zeigt, daß der Sieg von Riga nicht, wie die provisorische Regierung zuerst glauben machen wollte, der Disziplin­losigkeit der russischen Truppen zu verdanken ist, daß vielmehr Lie deutschen Soldaten und ihre Führer ihn ernst­lich erkämpfen mußten. Glücklicherweise scheinen die deut­schen Verluste recht gering zu sein, wie derRußkh Invalid" bestätigend audeutet. Das gleiche Blatt veröffent­lich: einen beruhigenden Aufruf des Höchstkommandlerenden der gelamten Nordfront General Voitinski, der deutlich erkennen läßt, welche Besorgnis in der Hauptstadt über das 'Schicksal der russischen Armee bei Riga herrscht.

Russischer Heeresbericht vom 6. September.

W e st s r o n t: In der Gegend von Riga führen unsere Truppen aus dem nördlichen Ufer der livländ'scken Aa fort, sich in der Richtung nordöstlich bis jenseits des Molupslusses zurück- zu ziehen. In der Gegend der Chaussee nach Pakow und am User der livländischen Aa zog sich unsere Infanterie bis in die Gegend von Zcgewold und Ligat, 25 Werst südwestlich von Wenden, zurück. Unsere östlich von Riga operierenden Truppen setzten unter dem Druck des Feindes ihren Rückzug nTdch O st e n sort und erreichten annähernd die Linie Klingenberg-Moritz- berg-Kastren-Friedrichstadt. Aus der übrigen Front Gewchrfeuer.

Der Krieg gegen England.

Nene Anfgeblnsenheiten Lloyd Georges.

~Br. Genf, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus London wird gemeldet: Lloyd George, der bei einer Fsstlichkeit in Wales eine Rede hielt, sagte: Heute sind wir in das größte nationale Unternehmen verwickelt, das jemals dieses Land auf sich genommen hat. In Eintracht unter uns selbst, stellen wir alle politischen und persönlichen Interessen zur Seite, um den Sieg, für den das Volk hier und in der Ferne solch schwere Opfer bringt, bis zum Ende durchzuführen. Deutschland hat noch nicht den ärgsten Druck gefühlt; wenn es dies tnt. damr wird es den Wert der wahren Freiheit enPfunden haben. Wenn Rußland sich der Frei­heit erfreut hätte, wäre es geeinigter in 'den Krieg gegangen. Einheit der Handlung besagt keineswegs Unterdrückung der Freiheit. Einheit ist die höchste Freiheit. Die Auffassung, daß verschiedene Nationen nicht in einem Reich vereinigt sein können, ist zu dumm, um sie zu widerlegen. Die Gegenwart fft die Zeit der großen Reffe. Die Welt hat noch niemals so viel mächtige Reiche im Kamps gegeneinander gesehen. Große und gut geleitete Reiche sind über von der größten Wichtig­keit für die Sicherheit der menschlichen Freiheit ^Man zittert, wenn man daran denkt, was der Frechelt der Völker angetan werd-en-rd«, wenn das britische Reich nicht vor- Händen wäre. Wenn dieser Krieg zu Ende ist und Erüt gebe, daß dies bald geschehen möge, dann wird die Men^ckcheit es wissen, wie sehr die Freiheit der Völker der Taffache zu verdanken ist, daß das britische Reich nicht ern Schein sondern eine WirMchkeit fft. Bei Kriegsende wird «in« größere Wirklichkeit sein als jemals. Das wird dann auch die Stunde der kleinen Nationen fern, wie Belgien, Serbien, Montenegro und Rumänien, dre jetzt tk«m«uaL>>e be* ««Aikts sind. ÖM die Freche 6 der Weit