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Donnerstag, 6. September 1917.

Morgen-klusgabe.

Nr. 453. » 65. Jahrgang.

Schneller Rückzug »er 12. raff. Armee!

Tin erfolgreicher neuer Zliegerangrif auf London.

Der deutsch« Aben»bericht V«m 5. September.

W. T.-B. Berlin, 5. Sept., abends. (Amtlich. Drahtüc- bericht.) Artilleriekampf in Flandern und vor Verdun.

Nächtlicher Fliegerangriff auf London erfolgreich.

Nordflügel und Mitte der russischen 12. Armee im schnellen Rückzug.

vre Eroberung Rigas.

Englische Bes»rgnis um die Inseln im Golf von Riga.

Br. Haag, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Reuter verbreitet folgende Erklärung zum Fall» von Riga: In untere richteten Kreisen ist man der Ansicht, daß der Fall von Diiflcr nicht so bedeutungsvoll ist, als er von verschiedenen Seiten Eingestellt wird. Riga sei den Deutschen wie eine reise Fracht in den Schoß gefallen. Man habe mit dem Fall der Stadt schon seit einiger Zeit gerechnet. Im übrigen brauche die Räumung Rigas nicht ohne weiteres auch zu be­deuten. daß die Deutschen Herr der Inseln des Golfes von Riga geworden seren. Man glaube, daß der Voriioß der Deutschen bei Riga ein Gegengewicht sein soll gegen die jüngsten Erfclge der I t a l i e n e r a m,J so n z o.

Llcyd GeorgesPall Mall Gazette", äußert sich über die weiterreichende Bedeutung des Ereignisses: Die Zukunst der Demokratie steht auf dem Spiel. Die Feinde der neuen Regierung triumphieren schon über die russi scheu Meutereien im Angesicht der Gefahr, die sich als un wcigerliche Folge der Revolution bezeichnen läßt. Wer er wartet, daß Rußland unbeeinflußt aus seiner Um-- Wälzung bei vorgeht, verlangt zu v r e l von der menschlichen Natur.

Abreise der Diplomaten aus Petersburg!

, Br. Stockholm, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) DieIstwestia" meldet aus Petersburg: Nicht nur die Schulen und Verwaltungszweige werden aus der .Hauptstadt entfernt, sondern auch die diplomatischen Vertreter werden ins Innere des. Landes, voraussicht- lich nach Moskau, übergesiedelt. Das Blatt behauptet, daß die englische, französische, italienische und amerika­nische Botschaft schon in den nächsten Tagen dorthin verlegt werden, wohin auch die Gesandten Serbiens, Rumäniens, Montenegros und Belgiens folgen werden.

Ein Reinfall der französischen Militär­kritiker.

Br. Bern, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Genfer Revue" verspottet anläßlich des Falls von Riga die franzö­sischen Militävkritiker, die vorgestern noch die Dünasront als die sicherste Barriere bezeichneten, die Natur und Strategie dem deutschen Vorstoß entgegensetzten. Schlimme Sümpfe böten der Verteidigung starken Rückhalt, den auch der stärkste Ansturm nicht brechen könnte. Der Besitz Rigas scheve den Deutschen den ganzen Rigaer Meerbusen nebst den dort noch! befindlichen Kriegs- und Handelsschiffen. Die übrige französische Presse der Schweiz ist stark beunruhigt.Genevois" spricht von einer verzweifelten Tat Hindenburgs, die von einer wirtschaft­lichen Notlage und der öffentlicken Entmuti­gung (!) des Volkes diktiert sei. Die Blätter, die Infor­mationen aus Paris erhalten, hoffen auf die endliche Absen- ing von einer Million japanischer Soldaten.

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Russischer Heeresbericht vom 4. September.

Unsere Truppen verliefen am Morgen des 3. September Riga, nachdem sie die B e fe ft i g un g e n südlich Dünamünde lind die Brücken über die Düna gesprengt hatten. Sie setzen gegenwärtig ihren Rückzug nordwestlich der Küste fort. Die Dörfer Kbalikurll. 40 Werst südlich Pernan, Hainasch, Kos, (tuet und Pidde an der Küste des Rigaischen M-kcbusens werden von der feindlichen Flotte beschossen. In der Gegend von u e x I u e l l fuhren die Denrschen am 3. September fort, ihren Er- folg in nördlicher Richtung aus der Straße Walbenrodc-Pskow so­wie in nordöstlicher Richtung auf Krantzen zu entwickeln, uni unsere Stellungen bei Dünamünde zu umgeben. Gegen Abend vertrieb der Feind unsere Truppen am großen Jädelbach aus ihren Stellungen, d n r ck, b r a ch unsere Front auf einer Ausdehnung von 13 Werst in der Gegend von Walsenrvde und bemächtigte sich dieses Ortes. Unsere Truppen ziehen sich in nördlicher Richtung zurück. Wir ergrrficn Maßnahme, um den Durch- druck! auszugleichen. In der Gegend Milden, Rubck und Krautze konnten stch unsere Truppen unter dem Druck des Feindes nicht h a l t e n und ziehen sich in nordöstlicher Richtung zurück. Horden d eso rganifierter Srldaten ergeben stch unwiderstehlich °»s der Straße nach P s k c w. In der Gegend von Dünamünde lebhafter Artilleriekampf. R u »i ä n i s ch e Front: In der Rich­tung Lezemovice, in der Gegend südlich des Dorfes Slobod-cza wur­den feindliche Angriffe mit großen Verlusten abgeschlagen. An der übrigen Front und im Kaukasus Gewehrfeuer.

D«ts Aufsehen in Schweden.

W. T.-B. Stvckhvk«, 5. Sept. Die Einnahme Rigas erregt «der schwedischen Presse großes Alrsfehen. Die sührenden Blätter

«sprechen Hst Ersgnisse in machenden Leftartckeln.Svenska

Dagbladct" untersucht die Bedeutung der Einnahme und meint, jetzt sei es die Frage, ob dieser gelungene deutsche Vorstoß ein ein­zelnes Unternehmen oder die Einleitung zu einer großen Aktion gegen Petersburg sei. Das Blatt kommt hierauf auf eine angebliche Äußerung des deutschen Kriegsininisters von Stein zu sprechen, die bezeugen soll, daß er sür eme große Offen­sive sei, um dadurch England und Rußland zu trennen. Dagens Nyheter" fragt nach der Ursache des raschen russischen Rückzuges und sagt: Es ist nicht anzunchmen, daß die russische

Heeresleitung cineu so wichtigen Punkt wie Riga ausgegeben hat, zumal da die Deutschen, die an her Westfront schwer angegriffen werden und außerdem mit einer zähen Offensive an der Moldau beschäftigt sind, nicht gut größere Truppenmassen an der Rigaer Front zur Verfügung haben können. Es ist daher schwer, eine andere Erklärung zu finden, als die D em or ali­ste r u n g innerhalb der russisckcn Riga-Armee. Es ist ein eigen- tümlicher Zufall, daß die Nachricht vom Falle Rigas am selben Tage eintrifst, wie die Mitteilung, daß Kcrenskis Regierung offiziell das Versprechen des Zaren, keinen Sonderfrieden zu schließen, bestätigt hat. Sollte es sich zeigen, daß der gleich« Wider­willen gegen die Fortsetzung des Krieges auch anderweitig in der russischen Armee herischt, dürste das einen starken Druck in der Richtung des allgemeinen Friedens ausüben, zumal man mit einem Deutschland zu tun bat, das sich schon zu einem Frieden auf der Grundlage gegenseitiger Verständigung ohne Annexion und Schadenersatz für eine zukünftige Rechtsordnung zwischen den Staaten bereit erklärt hat.Stcüholms Dagolad" stellt Ver­mutungen über die Folgen des Falles von Riga an und findet, daß sich die militäriscke Bedeutung des Vorganges schwer beurteilen lasse. Rigas Wert als militärischer Stützpunkt hänge in hohem Grade davon ab, wer in der Rigaer Bucht zur See stärker sei. Die russische O st s e e f l o t t e sei jedoch nicht mehr, was sie vor der Revolution gewesen war. Die Deutschen brauchten wohl keine kräftige russische Gegenoffensive von der Sceseite her zu befürchten.

Weitere Einzelheiten über die Explosions­kalastrophe in Kasan.

W. T.-B. Kopenhagen, 4. Sept. Die hier einge­troffenen russischen Zeitungen enthalten ausführliche Einzelheiten über die furchtbare Brandkatastrophe, von der Kasan am 28. August heimqesucht wurde. Miu- dcsiens 1000 Personen sind u m g e k o m m e n. Vier Vorstädte wurden gänzlich eingeäschert. Während des Brandes erfolgte eine Reihe Explosionen, die an Stärke Zunahmen und eine ganze Anzahl Ge­bäude in die Luft sprengten, und zwar mit solcher Kraft, daß die Erde Risse aufwies, ivie bei eineui Erdbeben. Später stellte es sich heraus, daß noch mehrere Muni­tionsfabriken in die Lust geflogen sind.

Br. Stockholm, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Haar­sträubende Einzelheiten bringen rusisffche Blätter über die Explosion von Kasan, wo, wie jetzt verlautet, runid 1500 Menschen umgekommen sein sollen. Heute über See­land eiingegangene Privatmeldungen lassen keinen Zweifel, daß es sich um einen organisierten Aufruhr de: Kasaner Garnison gehandelt hat. Das stellvertretende Gene- ralkommando des Kasaner Militärbezirks war schon vor zwei Wochen in Kenntnis gesetzt würden, daß die gesamte Garnison beschlossen hat, sich dem Abtransport nach der Nordfront zu widersetzen und ebenso den Abtransport der in Kasan her-gestellten oder lagernden Munition nach den Kriegsschauplätzen zu verhindern. Der Aufrulhr begann da­mit, daß die Ersatzbataillone der 41. Division, die zur Front abgehen sollten, einfach die Kasernen verlassen wollten. Aber mehrere Sotnien des rechtzeitig ans Samara herangc- hblten 5. Donschen Kosaken-Regiments umzingelten die Kasernen. Nach kurzem Handgemenge durchbrachen die In­fanteristen den Kosakcnring und stürmten bewaffnet nach der großen Kasaner Pulverfabrik. Dort vereinigten sie sich mit dem die Fabrik bewachenden Kommando, während Mann- schäften der 41. Artillervebrigade die große Kasaner Gewehc» fäbrik umzinglelten. Kurz darauf sprangen gewaltige Feuersäulen auf, Angreifer, Polizei und Arbeiter ver­nichtend. Dann kam die Reihe an zahlreiche mittlere und kleinere Werfftätten für Munition und sonstigen KriegS- bedavf, die nacheinander gesprengt wurden.

Gleichzeitig sind nicht kontrollierbare Privatmeldungen über Sprengung von Krlegsbedarifsfabrikenin Samara und bei Sinbirsk eingegangen. Die zur Front bestimmte Ersatzeskadron des litauischen Ulanem- Regiments soll heimlich in vollem Bestand, in voller Rüstung, ihre Sinbirsker Kaserne und die Stadt selbst,unbekannt wohin", verlassen ha-ben.

ver 19. Tag »er Isonzoschlacht.

1VV Offiziere, über 4000 Mann anf der Karsth»ct,fläche gefangen!

Gsterreichisch.uns«rischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 5. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 5. September, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Im Bereich »er ös»er«ichisch-u,l,arischen Strritkräste keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der 19. Tag der 11. Jsonzoschlacht war von schweren blutigen Kämpfen erfüllt. Bei M a d o n i stieße» unsere Sturmtruppen im Borgehen auf einen ticfgcgliederten italienischen Angriff und geboten ihm Halt. Bier weitere Angriffe wurden abgeschlagen.

Der Monte San Gabriele steht seit gestern früh erneut im Mittelpunkt eines zur größten Heftigkeit gesteiger­ten Ringens. Der Feind stürmt immer wieder gegen den Felsgipfel an, der wiederholt in seine--Hirnd fiel, um kurz darauf von unserer ruhmreichen Infanterie zurück- erobert zu werden. Der auf beiden Seiten mit größ­ter Zähigkeit geführte Kampf dauert bis zur Stunde in unverminderter Stärke an. Bei Görz machte der Italiener einige vergebliche Vorstöße.

Bei Sela und Medeacca zur Stcllungrberichtigung an­gesetzte Unternehmung unserer Truppen löste anf der Karst- Hochfläche einen Zusammenstoß aus. Alle von dem Gegner unternommenen Angriffe brachen dank der standhaften Hal­tung unserer kriegserprobten Karstverteidiger zusammen. 100 italienische Offiziere und über 4 00 0 Mann fielen als Gefangene in unsere Hand. Die Gesamtzahl der seit Beginn der Schlacht eingebrachtcn Gefangenen beläuft sich auf 15 000 Mann.

Triest wurde wieder zweimal von italienischen Fliegern angegriffen.

Der Chef des Generalstabs.

Ereignisse zur See. l

In der Rächt vom 3. zum 4. September belegte eine größere Anzahl feindlicher Flugzeuge Pola mit etwa 100 Bomben, die in der Stadt einigen Privatschaden ver- vlsachten. Ein kleines Strohlager außerhalb der Stadt geriet in Brand. Militärische Objekte erlitten nur gering­fügigen Sachschaden. Es ist kein Menschcnverlust zu be­klagen. _ Flottenkommando.

Ein neuer Fllegeroffizier als Ritter des Ordens kour 1« msrilv.

Berlin, 5. Sept. (zb.) Der bekannte Kampfflieger Leut­nant Müller, der erst vor kurzein anläßlich seines 27. Lust­sieges vom Offizierstellverteeter zum Offizier befördert wurde, erhielt den Orden Tour le merite. Leutnant Müller ging aus dem Mann s ch a f t 8 st a ii d e hervor, diente vor zehn Jahren aktiv bei einein bayerischen Jnsanterie-Regimeitt und trat beim Ausbruch des Krieges wieder ein. Er ist somit der erste aktive, aus dem Mannschaftsstande hervorgegangene Soldat, der die hohe Auszeichnung des Ordens Pour le merite erringen kennte.

Die englische Völkerrcchtsverletzung an der jütländischcn Küste.

Protest Dänemarks in London.

W. T.-B. Kopenhagen, 3. Sept. Das Bureau Ritzau mel­det: Aus Anlaß dtzr während des Seegefechts vor Bjerre- garb am 1. September von britischer Seite verübten Ver­letzung des neutralen dänischen Hoheitsgebiets erhielt der dänische Gesandte in London Anweisung, bei der englischen Regierung bestimmten Protest einzulegen. Es wird untersucht, ob bei der genannten Gelegenheit eine Ver­letzung des dänischen Hoheitsgebiets auch vom deutscher Seite durch Fortsetzung des Kampfes auf dänischem Seegebiet statt­gefunden hat. Sämtliche geborgenen im Dienst der deut­schen Marine stehenden Personen'werben interniert.

Ein freudiges Ereignis fm Kronprinzen­hause.

W. T.-B. Potsdam, 5. Sept. (Dcahibeeicht.) Ihre Kaiser­liche Hoheit die Kronprinzessin ist heute um 2,15 Uhr nach­mittags von einer gesunden Prinzessin glücklich entbunden worden. Die Hche Frau und die Prinzessin befinden sich wohl.

Seine Kaiserliche Hoheit oer Kronprinz lassen bitten, wegen großer Belastting der Feldpost und Feldtelegraphie etwa beabsichtigte Glückwünsche freundlich an das kronprinz- liche Hcfmarschallamt in Potsdam richten zu wollen. Graf Bismarck-Bohlen, Hofmarschall.

(Die neugeborene Prinzessin ist das sechste Kind des Kronprinzenpaares. Von den übrigen Kindern sind Prauz Wilhelm 1906, Prinz Louis Ferdinand 1907, Prinz Hubertus 1909, Prinz Friedrich 1911 und Prinzessin Alexandrine 1915 geboren.)

Deutsches Reich.

Das deutsch-schweizerische Wirtschafts­abkommen.

W. T.-B. Bern, 5. Sept. (Drahtbericht.) Über das nun­mehr ratifizierte schweizerisch-deutsche wirtschaftliche Abkmn- men teilt das Schweizerische volkswirtschaftliche Departement mit:

Das Abkommen läuft bis 30. April 1918, doch hat jeder Teil das Recht, die Übereinkunft mit zweimonatiger Frist auf Monatsende zu kündigen. Die wichtigste Frage, die durch das übereinkommM für die SchH^z gelöst werden