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Mittwoch, 5. September 1917.

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Die Heftung vünamünde vom Heinde geräumt.

Der deutsche Kbendbericht vom 4.September.

W. T.-B. Berlin, 4. Sept., abends. (Amtlich. Drwhtbe- richt.) Im Westen auflebende Gefechtstätigketl.

Im Osten wurden die Stusse» über die livländische Aa zurückgeworfen.

Dünamünde ist vom Feind geräumt.

Sie vreitagerschlacht bei Riga.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 4. Sevt. (Eig. Meldung, zb.) Riga ge­nommen! Der Westteil der Festung Dünamünde ebenfalls in deutschem Besitz! Schlagartig, mit großer Energie durch­geführt, haben die Truppen aller deutschen Stämme, auch Bayern, unter ihren Führern, Exzellenz Hattier, Stabs­chef General S a v .5" r 3 u> e i g , dem Prinzen Eitel Friedrich, der st. .. in mancher Schlacht eine Führeerolle spielte, dem General Riemann und den beiden Wücttem- bergern, General 0 . Kathen und General D e r r e r, Riga in deutschen Besitz gebracht. Hindenburg und Ludendorff haben an ihrem großen Werk der Ojtmarkensickerung sozusagen den Schlußstein gelegt. Bei Dünahof sprang die russische Stellung in einer Ausdehnung von etwa 2V bis 30 Kilometer auf das linke Ufer der Düna über, legte sich schützend um Riga im Halbkreis herum und erweiterte sich in rein west­licher Richtung am Aafluffe entlang zum Rigaer Meerbusen b's Hone, etwa 50 Kilometer in der Luftlinie van Dünamünde gelegen Biel Wald, wenig Straßen, eine Menge Sümpfe, ein vuübea sichtliches Gelände. Dort lagen sich seit langen Monaten halbwegs Mitau-Riga Deutsche und Russen gegen­über. Ursere Flieger sahen oftmals die kräftige, weit ge­baute Stadt mit ihren breiten Straßen.

Tie Generalstabskarte im Maßstab von 1:100 000, die nach ungezählten Fliegeraufnahmen und Ermittlungen fertig- gestellt wurde, liegt vor uns. Ein fabelhaftes Ver­teidigung»- und Grabenshstem ist eingezeichnet, wobei an den blauen deutschen und den roten russischen Stellungen wiederum das ungleiche Zahlenverhältnis der gegnerischen Truppen erkennbar ist. Nordöstlich Rigas liegen die großen Seen mit ihren schwer passierbaren Defilöen, nördlich der Stadt die schützende Festung Dünamünde. Keine Anlage des Feindes dort war unserer mühsamen fleißigen Aufklärertätigkeit verborgen geblieben. Der riesige Brückenkopf von Riga war immer eine starke Be­drohung unseres linken Flügels im Osten gewesen. Mir der Bahn von Petersburg entlang der Düna konnten die Russen jederzeit starke Kräfte heranführen, um unsere litau­ischen und kurländischen Gebiete zu überschwemmen. Wiede c* holt laben sie es versucht, nie gelang es ihnen, deutsche Wachsamkeit zu überrumpeln. Als ständiges VcrterdigungS- hser kielt der Gegner westlich von Riga vereint das ö. sibirische Korps, d-as 2. sibirische und 43. russische Korps, jedes zu drei' Divisionen außerdem die litauische Brigade und die 70. russische Kavalleriebrigade. Anschließend stand hinter der Düna aus 15 Kilometer breitem Gelände das 21. russische Korps, die erste Division des 43. russischen Korps, die zweite litauische Brigade. Insgesamt hatte unsere Heerrslcitiliig also mit einer feindlichen Gefechtsstärke von fünf­zehn Infanterie-Divisionen und einer Kavallerie-Division, d. h. mit acht Armeekorps, zu rechnen. Rechnet man die Division zu 10000 Mann, so kommt man zur Gesamt­ziffer von 150 000 Mann allein aut dem Ostufer der Düna, ohne die Truppen des Westufers und der Besatzung von Düna­münde. Nicht vergessen darf werben, daß vor der Festung Dünamünde anscheinend ein Teil der russischen Flotte stationiert war. Diese Trupprumacht aus ihren seit Jahr und Dag anSgebauten Grabcnsystrmen hinauszuwerfeu, ist unseren Truppen gelungen. Wenn man die Bedeutung dieses militärischen Ereignisses ganz ermessen will, muß inan eS in Zusammenhang bringen mit den gewaltigen Kämpfen, die sich im Westen in hundertfacher Potenz abspielen, wo Engländer und Franzosen uu? mit äußerster Entschlossen!) :it ang:eisen, und mcht minder mit der Lage unserer Verbün- drtcn am Jsonzo.

Nach der Kraftleistung ber Befreiung Galiziens sehen wir jetzt eine starke Zusammenziehung der russische, 1 Heeresmacht in Podolien, wo die Absicht erkennbar wird, uns das Wiedereroberte wieder streitig zu machen. Die Ab­sicht, den gefahrdrohenden Brückenkopf von Riga zu beseitigen, liegt weit zurück. Der Plan mußte festgehalten werden, um ihn im geeignete, 'Augenblick zur Durchführung zu brii.pcn. Regimenter und Munition waren zusammen­gezogen werben, ohne daß der Russe unsere genaue Absicht zu erkennen vermochte. Im allgemeinen wußte er wohl, dag der deutsche Schlag kommen wirb, tveshalb er seine Stellun­gen hinter den Aa zurückvcrkegtc und damit seine Linien verkürzte. Die russische Führung erwartete offenbar unseren Angriff an der Straße Eckau-Keckau. In der Furcht, daß wir dort den Durchbruch versuchen wollten, traf sie ihre großen Vorbereitungen an dieser Stelle. Aber nufer Ent­schluß war kühner, als sie uns zumuteten. Sie glaubten Dicht, daß. wir bei U e x k ü l l üb« die Düna vorzustoßen ver­

Morgen°5lusgabe. «r. «s>.. * 5 . o«rg.n»

suchen N ürben, über einen Strom so breit wie der Rhein bei Köln, an einem Punkt, hinter dem sich eine vierfache, stark ausgebaute russische Stellung befand. Und doch erfolgte hier ganz genau planmäßig der deutsche Ül erpang.

Tie Oberste Heeresleitung hatte angeordnet, wenn das Wetter günstig sei. habe unsere Offensive gegen Riga am 1. September zu kc ginnen. Am 31. August, abends, war die Düuastadt noch so in Sicherheit gehüllt, üaß der Oberbefehls­haber der Theateraufführung beigewohnt haben soll. Um 1 Uhr nachts brach unser Artilleriefeuer überraschend los. Am frühen Morgen verließ der Oberbefehlshaber Riga in Hast Unsere Angriffsbatterien, zwischen Dünahof unk Borcwitsch ausgestellt, bereiteten das Terrain vor. D.rer Brücken wurden gleichzeitig Uexküll gegenüber ge­schlagen, so daß am 1. September, abends, schon wesentliche Kräfte das rechte Ufer erreicht und einen Brückenkopf aus gebaut hatten, der sich bis zum kleinen Jägel au§- dehnte. Die Russen stürmtei, in Gegenangriffen auf diesen Brückenkopf vor, der indessen gehalten und weiter aus­gebaut wurde. An, 2. September, abends, war man bereits bis zum großen Jägel vorgestotzen und die Hauptstraße nach dem Norden lag unter unserem Artilleriefeuer, als die Russen anfingcn, ihr- Stellungen entlang des Flusses zu räumen. Am 2., abends, war bereits die westliche Vorstadt von Riga von unseren Truppen besetzt worden. Gestern er­folgte die Einnahme des Ost teils der Stadt, an die zugleich von Osten und Westen herangegangen wurde. Hier­bei lieb die Kriegsmarine ihre Unterstützung. U. a. sind die Unterseeboote zugegen, die verhindern, daß wesentliche Teile des weichenden feindlichen Heeres ab­trar spcrtiert werden.

Als strategische Leistung stellt sich die Schlacht sehr ein­fach dar: Durchbruch über die Düna hinüber und großes Einkreisungsmanöver, wie es am sichersten zum, Erfolg führt. Nordöstlich Riga ist das Gelände schwer passier­bar. Es ist aber merkwürdig, wie passierbar ein Gelände wird, wenn siegreiche Truppen auf der Verfolgung sind. Ebenso merkwürdig war wieder, wie schnell die Russen laufen können. Trotzdem wird die Gefangenenziffer groß sein, und auch die Beute scheint eine außerordentliche zu werden. Etwas Zeit wird allerdings bei der Gefrngerren- zählnng vergehen, da sich in den Wäldern und auch in der großen Stadt gewiß viele Russenverkrümelt" haben werden. Wie schnell auch die Russen laufen mochten, die Unseren hatten es nicht minder eilig, ihren Erfolg auszunützen. Die Leikhuscrren-Brigade war bald bis an das Defile der großen Seen östlich Riga vorgestoßen. Sie fand dort die Brücken zerstört. Zur Stunde liegen noch keine Nachrichten über den Angriff auf den Ostteil von Dünamünde vor, wo die Befestigungen stärker sind wie in dem schon gestern abend besetzten Westteil.

Der überraschend schnelle Erfolg ist in erster Linie der Artillerievorbereitung und der gründlichen Arbeit der M i n. e n w e r f e r zu verdanken, welche die starken russischen Verschanzungen einebneten, nicht ncinder der glänzenden Vorbereitung der Brückenschläge über die Düna und ebenso dem unwiderstehlichen Vordringen der Infanterie. Widerum sind kolossale Marschleistungen zu verzeichnen. Trotz Ermüdung wurde jeder feindliche Widerstand gebrochen, jeder Gegenangriff abgeschlagen. Aus den Erfolg bei Riga werden die Franzosen und Engländer mit neuen schtveren Angriffen antworten, werden die Russe,: unter Kornilow bei Tschernowitz Sturm laufen, werden gegen Mackensen in Mazedonien und gegen die Österreicher am Jscrzc die Kämpfe um so erbitterter neu aufleben. Mir festem. Vertrauen steht die deutsche Heeresleitung einer ihrer entsandten Offiziere sagte es uns voll Überzeugung der Zukunft entgegen.

*

Ein russischer Bericht.

W. T.-B. Petersburg, 4. Sept. (Drahtbericht. Peters­burger Telegraphenagentur.) Die Offensive der Deutschen an der Front bei Riga begann am 1. September, 7 Uhr morgens, mit einem Angriff auf die Stellungen bei Uexküll. Nach mehrstündiger Artillerievorbereitung gingen die ruffischen Truppen, welche die Düna verteidigten, zurück.

' Ten Deutschen gelang eS, bei Uexküll auf Brücken auf das rechte Dünaufer übergugehen. Die russische In­fanterie konnte trotz glänzender Wirkung der Artillerie, welche eine der Brücker: zerstörte, den Vorstoß der Deut­schen nicht a u fh a l t e n. Der Feind zieht daraus Nutzen und erweitert seinen Erfolg schnell. Er beginnt, nach dem Norden vorzudringen. Gegenangriffe der Russen sind erfolglos gewesen.

Ereignisse zur §ee.

Untergang eines Liniendampfers vor Kapstadt durch Auslausen auf eine Mine.

V/. T.-B. Kapstadt, 4. Sept. (Drahtbericht. Reuter.) Der LiniendampferCity of Athen es" ist auf der Höhe von Kapstadt auf der Fahrt von New Aork am 10. August mit aller Laduiig gesunken. Bon 97 Passagieren sind 17 ertrun­ken. Das Untersuchungsgericht stellte als Ursache das A u f - laufen auf eine Mine fest. Dem Kapitän wurde der Fährte rlaubui sichern aus 6 Monate enchzogen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 4. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 4. September, mittags:

Östlicher Kriegsschaltplatz.

Nordwestlich von F o c s a » i brachen zwei Angriffe der Russen und Rumänen zusammen. Südöstlich von Tschernowitz eroberten unsere Truppen in zähem Ringen eine stark verschanzte Höhe. Denffche Korps haben Riga in siegreichem Ansturm genommen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der gestrige Tag verlief ohne größere Jnfauteriekämpfe. In der Nacht wiesen wir bei Kalo und Madoni feindliche Vorstöße ab. Seit heute früh stehen wir am Nordhang des Monte San Gabriele erneut in heftigem Kampf.

Triest ist wieder von feindlichen Fliegern ange­griffen worden.

Der Chef des Generalstabs.

Dir Verblutung der Angriffe Cadornas an der neuen österreichisch-ungarischen Linie.

Ni. Wien, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Nach der.

Räumung des Monte Santo verläuft unsere neue Linie südlich von Selo (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Dorf auf der Karst-Hochfläche), westlich Hoje über Kal Podlesce Madoni, Zagorje bis zum Abhang des Monte San Gabriele. Daran schließt sich bei Salzeno unsere Linde im W i v v a ch t a l an. Die neue Linie ist kürzer als die frühere und fiir die 8'Nrcndiguno günstiger. Die Italiener rannten fast eine ganze Woche gegen sie an und zogen ununterbrochen immer neue Massen über den Jsonzo. Doch alle der- bluten in vergeblichen An st firmen und erbittertsten Kämpfen am Monte San Gabriele. Die italienische Heeresleitung besteht auf der Fortführung der Offensive auf dem Karstplateau und zieht selbst von der Diroler Front alle nur verfügbaren Kräfte nach Norden, aber überall bleiben die verzweifelten Anstrengungen der Italiener trotz schwerster Verluste erfolglos.

Die Hriedensnote der papfter.

Ein Handschreiben Wilsons an den Papst.

Br. Zürich, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht. Hb.)Jtalia" berichtet, daß der Papst die Antworten der Kriegführenden an die gegnerischen Mächte übermitteln wird mit der Bitte um weitere Erklärungen. Nach einer Mel­dung der MailänderJtalia" strebt der bevorstehende neu« Friedensschritt des Papstes die unmittelbare Aus- spräche aller Kriegführenden an. Wie die New Uorker Sun" meldet, hat Präsident Wilson seiner Antwort an den Papst ein persönliches Handschreiben angefügt, das es dem Papst ermöglicht, trotz formeller Ablehnung «durch den Präsi­denten seine Vemühuirgen um den Frieden auf der Grund­lage der Wilsonscheu Note fortzusetzen. Der Präsident hat in dem Handschreiben seine Bereitwilligkeit ausqe- sprocherr, weitere Vorschläge des Papstes ent­gegenzunehmen.

ver llriegrzuftand mit Amerika.

Wirklich eine amerikanisch-japanische Verständigung?

Br. Haag, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Von gut informierter diplomatischer Seite im Haag wird versichert, daß zurzeit zwischen der Entente und den Vereinigten Staaten wichtige diplomatische Verhandlungen geführt tver- den, welche, was die Vereinigten Staaten anbelangt, auf Erzielung einer amerikanisch-japanischen Verständigung, betr. die ostafiatische Politik Japans in derNordmandschurci, China und Sibirier,, hinauslaufen. Die Vereinigten Staaten sollen grundsätzlich geneigt sein, die Ausbrei­tung des japanischen Einflusses in diesen Ge­bieten, sowie in Kiautschou und Schantung für einen Status post bellum als endgültig anzuerkennen. Japan will sich dagegen verpflichten, alle Ansprüche bezüglich der Ein­wanderung von Japanern nach Kalifornien fallen zu lassen. Gleichzeitig erwägt man ein mili­tärisches Bündnis zwischen Japan und den Vereinig­ten Staaten. Amerika verpflichte sich-dabei, Japan militärisch und politisch bei Vertretung seiner Forderungen in Ostafieu zu unterstützen, während Japan im Falle einer Wedrühu:rg Amerikas die Sicherung der Westküste der Bereinigten Staaten übernehmen solle.

Ein schwerer amerikanischer Übergriff gegen Österreich-Ungarn.

Br. Gens, '. Sept. Der .,Matin" meldet aus New Dorf: Aus dem internierten ö st e r r e i ch i s ch e n P o st-