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Verlag Lmiggaffe 21

„Tagöianhaus".

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mlll-g«sst?d^M?rgmÄllsgÄ"sN Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin Potsdamer Str.121L. Frruspr.: AmtLützow 6^02 «.6203. Ugeuüud

Dienstag» 4. September 1917.

Morgen-klusgabe

Nr. 449. . 65. Jahrgang.

Riga ist erobert!

Line frohe ttunde.

Der deutsche Nbendbericht.

W.T.-B. Berlin, 3. Lept.. abends. (Amt­lich. Drahtbericht.) Riga ist genommen.

Riga, die Hauptstadt Livlands, an beiden Seiten der Düna gelegen, ist nächst Petersburg und Odessa die wichtigste Handelsstadt Rußlands^ und Ausgangspunkt -mehrerer nach Rußland und Polen führender Eisenbahnen. Mit seinen rund 300000 Ein- soohnern betreibt Riga eine weitverzweigte Iw bustrie aller Art und ausgedehnten Handelsver­kehr nach allen Handelsplätzen der Nor-d- und Ostsee. Auch diese Stadt ist eine Gründung des deutschen Ritterordens, nahm frühzeitig die Reformation auf und wurde 1561 polnische Provinz. Nach der Niederlage Karls XIl. von Scluvcüen bei Poltawa kam Riga 1710 nach etwa 100jähriger schwedischer Herrschaft unter die russische. Die schon bestehenden Befestigungen Wurden rm Lause des 18. Jahrhunderts durch die Russen ausgebaut, 1854 jedoch niedergelsgt, da sie nur einen beschränkten Wert hatten. Auch politische Gründe mögen veranlaßt Haben, in dieser unruhigen Provliiz keinen zll sicheren Wafsenplatz zu belassen. Mit sen schärfsten Maßnahmen erfolgte die Russifizierung Rigas. Seine bisherigen autonomen Rechte wurden 1889 durch die Einführung der russischen Sprache in Gericht, Ver­waltung und Verkehr gewaltsam aufgehoben. Aber die neue Regierung genoß keine Autorität, besonders durch die Revolution nach dem russisch-japanischen Kriege griff die allgemeine Unsicherheit für Person und Eigentum immer mehr um sich. Der Nihilismus, von den russi­schen Beamten heimlich geduldet, verbreitete sich in Riga und Livland immer mehr. Erst durch die Einführung des Kriegszustandes im Jahre 1906 wurde Recht und Ordnung im Lande hergestellt.

In militärischer Hinsicht ist Riga von der Verteidi­gung der Ostsee vollkommen ausgeschaltet, einmal weil es wegen seiner tiefen Lage im Rigaer Meerbusen keine wirksame Sperre gegen den nördlichen Teil dieses Binnenmeeres bilden bann und ferner, weil die zu­nehmende Versandung der Düna-Mündung den großen Tiefgang stärkerer Großkamps­schiffe verbietet. Aus diesen Gründen ruht die russi­sche Ostseeverteidigung nicht im Rigaischen Meerbusen, sondern in den Festungen im Bereich des Finnischen Meerbusens: in Kronstadt, zum Schutze Petersburg, in den Befestigungen bei Wh borg und Hel sing- fors und in dem rm Bau begriffenen Reval, welckes 1922 fertiggestellt sein sollte. Riga Hat nur Küsten- besestigungen erhalten, die die Einfahrt in die Düna bei Ust-Dwinsk sperren sollen. Sie lassen sich ver­gleichen mit unseren Küstenanlagen in Swtnemiinie hnd Neufahrwasser: es handelt sich also um

einen örtlichen. Schutz zu dem Zwecke, eine feindliche Bandung zu hindern.

Der strategische Gewinn ist mit der Erobe­rung Rigas ein ganz bedeutender. Wir haben eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt nt der Ostsee gewonnen, mit Windau und Libau die dritte, eine große, reiche Stadt mit einer starken, intelli- tzenten und uns wohlgesinnten Bevölkerung, den Trsff- hunkt einer Reche von Bahnlinien und endlich einen Offensiven Flanken st ützpunkt für Unter­nehmungen zu Master und zu Lande

Oer deutsche vorstoh bei Riga.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

: . I- Berlin, 3. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Während feit einigen Dagen die dreifache englisch-franzüsisch- i ta l i e n ische Offensive in beträchtliche Stockung geriet, ohne irgendwie «lnen mit der gewaltigen Größe der Anstrengungen vergleich­baren Erfolg erzielt zu haben, gibt das deutsche Heer, das angeblich bis aufs äutzerste durch die Abwehr der Feinde an- gespannt worben sein soll, einen neuen Beweis seiner über- Wlffigen Kraft im Osten. Die Überschreitung der Düna südöstlich Riga gestaltete sich schon zu einem Erfolg

n«hr als moralischer Bedeutung. Die gesamte russische vront <un rechten Dünaufer ist im Rückzug begriffen. Der Veind hat mit -dem deutschen Angriff bei Riga gerechnet. Der dropagandadienst der Entente hatte es sehr laut verkündet, die .deutsche Heeresleitung plane bei Riga einen Vorstotz, tatsächlich nahmen denn auch die Russen an dem A a f l u tz

Stellnngenzurnck, ein Zeichen, datz sie -Sorgen um Ehre Postiernnlgen westlich der Düna trugen. Trotz der er­

höhten Aufmerksamkeit des feindlichen Kommandos schlugen die deutschen Truppen bei Uexküll Brücken über den 500 Meter breiten Flntz und schöben in sorglich vorbereitetem An­griff starke Kräfte aus das rechte Ufer hinüber. Unter dem starken Einfluß, den dieser Übergang hervorrief, bauten die Russen ihre so lange und stark befestigten Uferstellungen rechts der Düna eiligst ab. Unsere Truppen verfolgen den Feind, besten Wey abermals von angezündeten brennenden Ortschaften gekennzeichnet ist. Die In- fassen eines feindlichen Kraftwagens, der noch nach Süden duichzrkommen suchte, sagten aus, datz noch am Abend vorher in 9> iga im Theater gespielt wurde, und datz dann, als die deutschen schweren Geschütze weittragend ihre Feuergrnße zur Festung sandten, eine grotze Panik ausbrach.

Die haoar-MschmM» in dem Text der Wilson-Antwort.

Berlin, 2. September.

Die Feststellung, daß bei der Übermittlung der Ant- wort Wilsons auf die Friedensanregung des Papstes etliche Entstellungen, Fortlassungen und Zusätze „untergelaufen" sind, kann füglich nicht über­raschen, denn die Erfahrung lehrt uns, daß Reuter und Havas bei der Übermittlung fast aller Wtlsvn-Noten (und die Chronik der Weltkriegsgeichichte verzeichnet ja deren so unzählig viele) erhebliche Fälschungen zu Hilfe genommen haben. Der alte Brauch ist auch diesmal nicht gebrochen worden, und die Arbeit wurde der Agence Havas dadurch erleichtert daß der Präsident der Nordamerikanischen Union, der Talleyrands Grundsatz, die Sprache sei dazu da, die Gedanken zu verbergen mit mehr Eifer als Geschicks anwendet, sich bei seiner Antwort an den Vatikan absichtlich so unklar wie möglich ausgedrllckt hat.

Hier hat nun die Entente eingesetzt, indem sie die Note nach Kräften „nuancierte" und zuspitzte, und zwar zu dem ausgesprochenen Zweck, eine möglichst scharfe Ablehnung in Deutschland hervorzururen. damit dann diele Presseäußerungen nach Amerika hinübergckabelt werden und dort entsprechende, noch schärfere Gegerr- ävßerungen Hervorrufen.

So ist zunächst die Einleitung der Antwortnote, welche der Vermittlung des Papstes Anerkennung zollt, ganz fortgelassen worden. Und das gleiche Schicksal hat den Satz Wilsons getroffen, daß der Status quo ante eine sichere und befriedigende Grund­lage tür den Frieden bieten würde. Ja. diese Wen- düng, ist durch eine ganz neue gefälschte ersetzt worden, die als rein französisches Fabrikat besagt: „Be- vor unsere Feinde uns feste und hinreichende Garan­tien für die Zukunft geliefert haben." Gestrichen hat die Ententezensur auch Wilsons Versicherung, daß die Union einen Eingriff in die Selbstän­digkeit Deutschlands ablehne und von Strofentschädignngen nichts wissen wolle. Freilich hebt der Selbstherrscher aller Aanke^s diese erstere Er­klärung selbst dadurch auf, daß er sich anmaßenderweise erfrecht, sich'in die inneren Verhältnisse Deutschlands eimumischen, dem deutschen Volke sein Verhältnis zur Regierung vorschreiben zu wollen. Das stärkste Fälsilmngsstück aber leistet sich die Havas, indem sie in ' Wilsons Antwort den Satz einsügt: „Wir haben dieses Projekt mit unseren Verbündeten reiflich erwogen; wir sind entschlossen, seine Durchführung bis zum Ende durchzuietzen." Der Satz fehlt ini Original völlig, und er mußte selchen, werl die Washingtoner Regierung aus Rücksicht aus die Monroe-Doktrin die Feststellung eines Bünd­nisses zwischen der Union und europäischen Mächten grnndch'tzlich vermeidet.

Im übrigen können rms diese Fälschungen, welche die Ententcregicrungen mit der neuesten Wilson-Note vornalnnen, einigermaßen kalt lassen, einmal, weil wir ja längst wissen, daß die Sache der Alliierten nur durch Lüge und Fälschung aufrechterhalten werden kann, und zweitens, weil auch nach der Textrevisron von Wilsons Antwort noch genug übrig bleibt, um die allerschroffste Zurückweisung zu recht- sertigen. Wenn der Herr Präsident z. B. an dem Lünenmärchen festhält, daß Deutschland die Alliierten „brutal und plötzlich überfallen" habe, so wird er ge- rnde jetzt durch die E n t h ü l l u n g e n des Suchom- linow-Prozesses gründlich der Verleumdung überführt. „Diese Militärmacht hat sich ihre eigene Zeit für den Krieg gewählt", behauptet Wilson. „Nie­mand anderes als Suchombinow ist es. der den Stein

zum gegenwärtigen Kriege ins Rollen gebracht", Hai der ehemalige Generalstabschef Januichkewitsch unter Eid vor Gericht erklärt. „Deutschland hat sich weder an die Schranken des Gesetzes noch der Wahrhaftigkeit gekehrt", lügt Wilson. Die im Suchomlinow-Prvzetz gemachten Feststellungen über die nunmehr gerichts­notorischen russischen Ehrenwortbrüche bei der Mobil-, machung stellen auch den Lügner Wilson an den Pran­ger. „Deutschland plante rm geheimen eine Weltherr­schaft", behauptet Wilson, während zu derselben Zeit, wo Deutschland die zurückhaltendste Friedenspolitik trieb. England Ägypten. Frankreich Algier und Marokko, Italien Tripolis und die Union Kuba und die Philippinen raubte!

Die Frage, was Wilson mit seiner Antwortnote eigentlich will, ist schwer zu beantworten. Über die ge­wollte und auch erreichte Wirkung gibt nielleicht fol­gende Meldung des „Petit Journal" aus New Aork die zuverlässigste Auskunft: „An der New Aorker Börse erholten sich die in den letztenTagen merk- lich gesunkenen Papiere der für den Kriegsbedarf arbeitenden Fabriken, besonders der Stahl­werk e." Noch hat die amerikanische Rüstungsindustrie nicht die gesamte europäische Sahne abgeschLpft. Noch ftt Europa nicht so geschwächt, daß die Union diesen Wettbewerb als ansgeschaltet betrachten und alle ihre Kräfte der Bekämpfung der japanischen Konkurrenz widmen kann. Deshalb ermuntert der stnarte Geschäfts­führer des Aankeetums die Alliierten, sich, weiter in dem hoffnungslosen Kampf gegen die Mittelmächte zn verbluten, drückt sich aber wohlweislich so zurückhaltend aus, daß daraus niemand einen Wechsel auf die ame­rikanische Hilfe ziehen kann, die zu leisten die Union nicht in der Lage, die nicht zu leisten der kluge Wilson schon mit Rücksicht auf das gleichfalls streikende Japan fest entschlossen ist.

*

Ein schweizerisches Urteil über die Antwort Wilsons.

IV. T.-B. Berlin, 3. Sept. (Drahtbericht.) Über Sie Antwortnote Wilsons schreiben die „Neuen Zürcher Nachr.": Wir reimen an, Wilson werde keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, wie das deutsche Volk, nachdem es sich mit beispiellosem Heldenmut siegreich des Überfalls fast der ganzen Welt erwehrte, die Zumutung aufn-ehmen wird, nunmehr den Frieden mit inneren Umstürzen und unheilbaren inneren Wirren zu erkaufen. Aber auch seine Veil-ündeten werden von dieser Perspektive kaum erbaut sein, den» Italien steht vor dem Zusammenbruch. Frankreich pendelt zwischen VolkSaufttand und Militär­diktatur und England ist der Erschöpfung nahe. Und die kleinen Neutralen? Wilson verspricht erhöhte Existenzgaran­tien im Frieden, vorher aber ruiniert er sie.

Das Seegefecht an der Jütländischen Rüste.

Die überwältigende englische Übermacht.

W. T.-B. Kopenhagen, 3 . Sept. Über das Seetreffen an der Westküste Jütlands werden von den hiesigen Blättern eine Reihe -Einzelheiten verbreitet. Nach Blättermeldungen aus Ringköbing fand gestern frülh gegen 6 Uihr vor Bjerre- gaard das Scetreffen statt. Man beobachtete 14 bis 15 englische Schiffe, die vier deutsche Wachtschiffe an- griffen. Diese zogen sich vor der überwältigenden Übermacht aus die dänische Küste zurück, wo sie auf Grund liefen. Sie erwiderten dabei u n u nt erbrochen das Feuer auf die Engländer. Die Engländer setzten ihr Feuer weiter fort, durch das zwei deutsche Schisse in Brand gerieten. Gegen 100 deutsche Seeleute gingen an Land. Zwei deutsche Matrosen sollen getötet, einige aridere verletzt worden sein. Ans Ringköbing ist ärztliche Hilfe abgegangen. Viele Grana­ten sind an Land nieder-gefallen; viele flogen bis in das Fjord von Ringköbing hinein. Einige trafen den Ort Bjerregaard, wo ein Haus beschädigt, aber sonst niemand ver­letzt wurde. Deutsche Flugzeuge und Untersee­boote nahmen an dem Kamps teil. Ein englisches Kriegsschiff schien schwer getroffen, konnte sich aber mit den anderen Schissen entfernen. Nach dem Kampf fand man in der Nähe von Bjerregaard eine englische 75- Millimeter-Granate, die nicht explodiert war. Gegen 8 Uhr früh sp-elte sich aus See ein neuer Kamps ab. nach- dem deutsche Verstärkungen hinzugekommen waren. Dies geschah außerhalb Husby. Man sah zwei Reihen von. Schissen, die sich gegenseitig beschaffen. So weit zu er­kennen war, zählte die eine Reihe acht, die andere fünf Schiffe. Das Ergebnis ist unbekannt. Längs der Westküste wurde eine Anzahl Flugzeuge und Unterseeboote erkannt.

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