Verlag Laaggaffe 581
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Montag» 3. September 1917.
klbend'klusgabe.
Nr. 448. ♦ 65. Jahrgang.
Der Uebergang über die Düna.
Utberhastekr Rückzug der Russen uordoftwärtr Riga!
»»plangemäßer" Verlauf unserer Truppenbewegungen.
Erhebliche Beute zwischen Zusit« und Butna.
Der Tagesbericht vom 3. September.
XV.2'.-8. Gȧes Hauptquartier, 3. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei Sturm und Regenschauer war der Artil» lerieke. mpf in Teilen der flandrischen Front stark; bei den anderen Armeen und auch an der Maas im allgemeinen gering.
An der Straße Cambr ai-Arras scheiterte ein starker englischer Vorstoß. Bei dem Gehöft Hurtebisc wurde der Gklar.degewinn der Franzosen in Grabenstücken beträchtlich eingeengt.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalseldmarschaffs Prinz Leopold von Bayern.
Noch sorgsamer Vorbereitung überschritten deutsche Divisiruen am Morgen des 1. September die Düna beiderseits von U e r k ü l l. Starke Artillerie- und Mrnen- werferwirkung ging dem Übersetzen der Infanterie voraus, die nach kurzem Kampf auf dem Nordufer des Flusses Fuß faßte. Kraftooüe Angriffe warfen dir Russen zurück, wo sie Widerstand leisteten.
Dir Bewegungen unserer Truppen sind im Gange, der Verlauf plangemäß. Der Feind gab unter Einwirkung unseres Vordringens seine Stellungen w e st l i ch der Düna auf: auch dort sind unsere Divisionen unter Gefechten mit russischen Nachhuten im Vorgehen.
Dichte Kclonnen aller Art streben auf den von Riga ausgehenden Straßen überhastet nordostwärt s; brennende Ortschaften und Höfe zeigen de» Weg der russischen Westarmee.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph In de» Flußtälern am Nordosthang der Waldkar- p a t h e n anslebende Gefechtstätigkeit. Südlich des T r o t u s- Tales scheiterten mehrere rumänische Nachtangriffe am D. Cosna und bei Grofesci.
Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls Mackensen Im Gebirge zwischen Susita- und Putnatal wehrten unsere Regimenter russisch-rumänische Angriffe durch Gegenstoß ab. Mit 200 dabei in unsere Hände gefallenen Gefangenen erhöht sich für dieses Kampffeld ihre Zahl feit 28. August auf 20 Offiziere, 1 650 Mann, die Beute auf 6 Geschütze mit Protzen, 60 Maschinengewehre, zahlreich^ Minenwcrfer und Truppenfahrzeuge.
Auch bei Narasecti griffen die Rumänen vergeblich an.
Mazedonische Front.
Heute morgen brachen französische Angriffe bei Vratindel nordwestlich von Monastir verlustreich zusammen. Die Serben erlitte» erneut am Dobro- polje eine blutige Schlappe.
Der Erste Grneralquartiermeister: Lndendorff.
§eit Beginn des U-Bootskriegs mehr als 6 Millionen Tonnen!
Nene Tanchbootsmeldung.
W.T.-B. Berlin, 2. Sept. (Amtlich.) Nene U-Bootserfolge im englischen Kanal und im Atlant;, ichen Ozean: Vier Dampfer und zwei Segler mit 17 500 Bruttoregistertonnen,
«nd zwar: drei bewaffnete tiefgeladene Dampfer, che französischen Raaschuner „Marie Alfred" mit einer Dalzladnng für F6camp und ..Pauline Louise" sowie ern Dampfer, der 5700 Tonnen Zucker fiir Frankreich geladen hatte.
ii J^ ac ^ ^ en vorliegenden Meldungen unserer
u-Boote wurden feit Beginn des uneingeschränkten U-Bootskrieges bereits
8 - 0 Millionen Bruttoregistertonnen
ti k un f ere rfchnde nutzbaren Handelsschiffraumes
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die phantastischen Entente-Meldungen iifce den Schiffsverkehr.
t~ JE°‘ Sept (zb.) Der „Jntransigeant" bemer:
****** «EchM ,
über den Schiffsverkehr in den französischen, englischen und italienischen Häfen, daß die Zahl der einlaufenden Schiffe stets bedeutend größer sei. als die der auslaufenden. Da sich das Spiel schon seit Monaten ununterbrochen wiederholt. müßten jetzt nach Aufftellung der gerannten Admi- ralitatsbebörden schon mehr als doppelt so viel Schiffe in den Häfen liegen, als diese überhaupt zu fassen vermögen. Das Blatt fragt, ob man diese vielleicht etagenförmig aufeinailderaeschrchtet habe.
Lin Vorpostengefecht nördlich Horns Riff.
4 deutsche Vorpostendampfer auf Strand gefetzt.
W. T.-B. Berlin, 2. Sept. (Amtlich.) Am 1. September frühmorgens stieß nördlich von Horns Riff eine unserer Sicher ungspatrouille« auf englische Kreuzer und Torpedoboote. Nach kurzem Gefecht e n f- 3 og sich bet Feind, der dllrch eines unserer FI u g-
5 e,u g e mit Bomben belegt wurde, dem Eingreifen stärkerer Kräfte. Von uns wurden vier als V o r- v oste »boote verwendete F i s ch d a m p f c r ve- schädigt und in dänischen Hohritsgewässern aus Strand gesetzt. Der grösste Teil ihrer Bcsatzun- gen scheint gerettet zu sein.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die englische Admiralitätsmrldung.
, W. T.-B. London, 1. Sept. Die Admiralität teilt mit: Unsere leichten Streitkräfte zerstörten heute morgen vier feindliche Minensucher an der Küste von Jütland.
Die dänische Meldung.
W. T.-B. SHnßföbiitfl, 1. Sept. (Meldung des Ritzauschen Bureaus.) Heute früh gegen 7 Uhr fand vor dem Bjerregaardstrand ein Seetreffen statt. Vier deutsche Minensucher wurden von englischen Flottenteilen ans den Strand getrieben. Nach der Strandung fuhren die Engländer mit der Beschießung fort. „Ringköbings Amts Avisen" zufolge schlugen die Granaten bis in den Ringköbinger Fjord ein. Eine Anzahl Granaten schlugen auch in den Ort Bjerregaard ein. wo ein Hans beschädigt, aber niemand verletzt wirrde. Etwa 100 der Marinssoldaten wurden gelandet. Anscheinend gab es mehrere Tote. Deutsche Flugzeuge nnd U-Boote nahmen an dem Kampf teil.
Maschinengewehrfeuer auf die hilflosen deutschen Seeleute!
W.T.-B. Kopenhagen, 3. Sept. (Drahtbericht.) „Politiken" meldet, daß nach der Mitteilung deutscher Matrosen die Engländer Granaten mit Giftgasen anwandten nnd die hilflosen deutschen Seeleute mit Maschinengewehren beschossen. Im übrigen liegen keine Einzelheiten über den Kampf an der Küste bei Bjerregaard vor. da von der Bevölkerung niemand in dem Granatenregen sich an den Strand wagte. Die dentschenMarinesoldaten waren fast alle bereits anLanb gekommen, als Fischer mit Rettungsgeräten erschienen.
98 deutsche Matrosen in Dänemark interniert.
W.T.-B. Ringköbing, 2. Sept. (Meldung des
Rrtzanschen Bureaus.) Ein deutscher Marinesoldat teilte „Ringköbings Amts Avisen" mit: Wir lagen
nachts bei Bist. Morgens gingen wir nordwärts. Um
6 Uhr 15 Minuten entdeckten wir plötzlich überlegene englische Seestreitkräfte im Süden, Westen und Norden, die einen Halbkreis um uns bildeten. Wir versuchten ihnen zu entkommen. Als sie aber den Halbkreis einengten und uns klar wurde, daß wir ihnen nicht entgehen könnten, gingen alle vier Schiffe mit Volldampf gegen die dänische Küste. Wir setzten voraus, daß die englischen Schiffe die Beschießung e i n- stellen würden, wenn ne sehen würden, datz die Schiffe an der Küste gestrandet seien. Dies geschah nicht. Die Beschießung wurde fortgesetzt. Alle Sckiffe wurden unter der Wasserlinie getroffen, ehe sie strande- ten. Als die Engländer nach der Strandung die Be- schießn.ng foctsetzten, mußten wir die Schiffe verlassen. Erst als die Engländer sahen, daß wir an der Küste antrieben. stellten sie das Feuer ein und dampften nordwärts. Oberheizer Kleber ertrank bei dem Ver- such, an Land zu schwimmen. Kein Deutscher wurde getötet, zwei leicht verwundet nach dem Kran- «lchkmS von ^Ringköbing gebracht. Die deutschen
Matrosen, 98 an Zahl, befinden sich in Bjerregaard, außerdem noch 10 «oldaten von einem Boot, das die deutschen Torpedojüger an dieStcandungsstelle sandten, wo es kenterte. Alle werden morgen nach Ringköbing geführt. Der Strand ist in 3 Kilometer Breite mit W r a ck st n ck e n und Schiffsgecät übersät. Von Esbjrrg kam eine Abteilung von 60 Soldaten zur B e- w a ch u n g an. Kurz nach der Strandung entstand auf dem Minensucher „Heinrich Bruns" Feuer. Gegen 7 Uhr explodierte die Pulverkammer. Die vier Schisse stehen 50 Meter vom Strand entfernt. Die Wellen schlagen fortwährend über die Schiffe.
Der Rrieg gegen Rußland.
Die Wirkung der Enthüllungen im Suchomlinow-Prozeß.
Nr-. Genf, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der französische Minister Thomas vermied in seiner Rede auf der Londoner Sozialistenkonfevenz jeden Hinweis auf die Notwendigkeit, das Thema der Schuld am Kriege in das Programm der Stockholmer Konferenz aufzunehmen. Diese Abneigung wird jetzt von allen französischen Sozialisten geteilt, nachdem die in Paris und London schmerzlich berührenden Enthüllungen aus dem Prozeß Suchomlinow bekannt geworden sind, die die Pariser Regierungspreffe vollkommen tctschweigt.
Neutrale über die russischen Kriegs- schuldigen!
W. T.-B. Kopenhagen, 2. Sept. „Dagens Nyheter" schreiben zu dem Falle Suchomlinow, daß bei der russischen Mobilmachung die ruffische Militärpartei mehr oder weniger hinter dem Rücken des Zaren handelte. Dieser Verdacht ist nun eklatanter und sensationeller b est ä t i g t/als die Anhänger dieses Verdachtes es je ftir möglich gehalten haben. Dies Aktenstück reißt brutal den Schleier von dem politischen Intrigenspiel unheimlicher Art, bei dem die höchsten Interessen des Volkes den Einsatz gebildet haben.
W. T.-B. Bein, 2. Sept. Das „Berner Tagblatt" schreibt über den geheimen Anstifter des Krieges u. a.: Es dünkt uns, wenn der Bericht über die unerhörten Intrigen dem rnffi- schen Volle bekannt würde, müßte die allgemeine Friede n L s e h n s u ch t, die es erfüllt, mit elementarer Gewalt sich Baku brechen. Noch heute glaubt ja der russische Bauer, der deutsche Kaiser wollte Rußland überfallen. Nun erfährt er. daß dieser Monarch sich mit dem Zaren eins sah in dem Willen, den Frieden zu erhalten, daß aber drei un- verantwcrtliche Beamte es unternommen haben, trotz dieses Friedet: swillens die Völker in Not und Tod und Elend zu Hetzen. Stoch heute behauptet auch Wilson, die deutsche Negierung habe die Verantwortung für den Krieg und müsse geordert werden. Mein die Wahrheit wird sich Bahn brechen, durch all die furchtbaren Nebel der Verluemdung nnd Lüge hindurck: sich zur Geltung bringen. Lloyd George er- kläi te jüngst, die Schuldigen müßten zur Verantwortung gezogen werden, eher gebe es keinen Frieden. Nun wohl, hier sind die Schuldigen. Lloyd George hat nun Gelegenheit, Wirte zu Taten werden zu lassen.
W. T.-B. Bern, 2. Sept. Das „Berner Jntelligenzblatt" bemerkt zu dem Suchomlinow-Prozeß u. a.: Einer der hartnäckigsten Vorwände ist die Schuldsrage und auch sie wird durch eine der neuesten Enthüllungen, wenn nicht gelöst, so doch auf eine andere Weise verändert, daß sie aus der Debatte Vernünftiger für einige Zeit ausschaltet. Der ganze Vorgang stimmt durchaus zu der zweideutigen Nolle, wie sie Ssasonow in jenen Schicksalstagen zwischen Belgrad und Wien gespielt hat. Ein wesentlicher Moment der Schuldsrage ist damit geklärt und es wäre jedenfalls am Platze, für den Weitergang der F-oisdensdebatte die Frage nach dem Urheber auszuschalten oder doch mindestens auf die ehemaligen Potentaten in Petersburg auszudehnen. — Der „Bund" nimmt Notiz von deutschen Zeitungsstimmen zum Suchom- Itnow-Prozeß. daß die Ansichten der Entente über die Schuld am Kriege revidiert werden müßten, und bemerkt: Ent
sprechen die Taffachen den Enthüllungen, so dürften sie in der Tat zugunsten des kommenden Friedens gedeutet werden. In ollen Forderungen, betvefferü, die Kriegsziele der Entente, wird ein Hauptgewicht auf die Frage gelegt, wer schuld am Kriege oder wer der Angreifer gewesen sei. Der An- greifer habe für die Zukunft Garantien zu geben. Für diese schwierige Frage, die jeder Verständigung im Wege steht, brachten die Enthüllungen Material bei, das geprüft und besprochen werden kann.
IV. T.-B. Basel, 2. Sept. Der „Basler Anzeiger" bemerkt zum Suchomlinow-Prozeß: Was wird nun Wilson sagen, der tu seiner neuesten Rede wieder die Schuld am Krieye in schärfster Weise auf Deutschland zu schieben suche? Was werden die französischen Sozialifkn sagen, die als erste Forderung fiir Stockholm di« Feststellung der Schakd aufftellten, sich ab« darauf tm&eiftaa, sie nur dort
