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Nr. 444. 65. Iahrganr.

Die unerschütterliche Isonzoftont.

chsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 31. Aug. (Drcchtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 31. August, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bei Skala in Ostgallzien stieheu unsere Sturmtrupp«» mit Erfolg in die feindlichen Gräben vor.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Triest wurde gestern mittag zum vierten Mal von feindlichen Fliegern angegriffen, ohne daß nennenswerter Schaden entstanden wäre.

Auf der KarstHochfläche war es verhältnismäßig ruhig.

Im Raum von Görz zwang den Italienern der opfer­reiche Nicderbruch ihrer letzten Angriffe eine Kampf­pause auf, die vo» uns dazu benutzt wurde, einig« noch ver­bliebene. Feindesnester auszuheben. Ebenso kam eS nördlich von Kahl, nachdem am Morgen noch einige Einzelstöße des Feindes gescheitert waren, tagsüber zu keiner größeren Kampfhandlung. Um so ungestümer warfen sich italienische Divisionen neuerlich auf die zwischen den eben genannten Abschnitten sich ausdehncnde Front auf unsere Stellungen bei Podlesce, Madoni, Britof und auf den seit sieben Tage» im Mittelpunkt des Jsonzoringens stehenden Monte SanGabriele. Mit außerordentlicher Zähigkeit ließ der Feind Angriff auf Angriff folsen. Wieder war es der Tapferkeit und Ausdauer von Truppenverlii -.den aus allen Teilen Österreichs und Ungarns zv danken, dah im Hin- und Herwogen der Schlacht sämtliche Stellungen sieg­reich behauptet wurden. In stundenlang währenden Nahkämpfen fanden Manneszucht, Gefechtsmoral und auf gründlicher Ausbildung fußende Kampftüchtigkeit wieder einen untrüglichen Wertmesser. Bo« frisch fortlebenden An­griffsgeistes holten abends bei Britof, als der Italiener von seinen Anstürmen etwas abließ, unsere Abteilungen drei italienische Offiziere, 110 Mann und 3 Maschinengewehre aus den feindlichen Gräben. So war auch der 14. Schlacht­tag für unsere Truppen ein Tag des Erfolges.

In Kärnten keine besonderen Ereignisse. An der Tiroler Grenz« nordwestlich Bezzecea entrissen wir dem Feind einen Stützpunkt; was von den Italienern nicht um­kam, wurde gefangen abgeführt.

Der Chef des Generalstabes.

*

Der öcwtfäie Aben»»«richt »om 31. Kugust.

W. T.-E : . Berlin, 31. Aug., abends. (Amtlich. Drahtbc- bericht.) Lageuuverändert.

Die verblutete Generalsffensive.

Über die Kriegslage im Westen und Osten wird uns geschrieben:

Es stellt sich immer mehr heraus, daß die feindliche Generaloffensive am völligen Verbluten ist. Sowohl an den beiden Hauptbrennpunkten im Westen als auch rm Osten und im Süden sind die feindlichen Verluste derartig groß gewesen, daß an einen Erfolg un­ser e r G e g n e r n i ch t mehr zu denken ist. Durch die gleiche Methode, die auf allen Angriffsfron­ten von unseren Feinden angewendet wurde, sind übei- all die gleich starken blutigen Verluste zu verzeichnen gewesen, da der Feind wohl nach übereinstimmendem Kriegsplan überall die stärksten Menschenwellen un­ausgesetzt und ohne Rücklicht auf unser Abwehrfeuer vorwarf, in der Hoffnung, durch einen Berg von Leichen eine Bresche in unsere Front schlagen zu kön­nen, durch die dann der Durchbruch bewerkstelligt wei­den konnte. Eine derartige Methode der Kampfführung hätte natürlich bei weniger guten Verteidigern unter ilmständen von Erfolg begleitet sein können. Aber stets mußten sie dem Feind die furchtbarste Schwächung seiner eigenen Truppen bringen. In französischen Blättern wurde mitgeteilt, daß ihre Verluste der Npern und Verdun nach einer ziemlich genauen Schätzung rund 250000 Mann betragen. Wir dürfen diese Zahl, die aus feindlichem Munde kommt, als richtig, keineswegs aber als zu hoch ansehen. Auch die englischen Blätter berichten, daß die Schlacht bei Zspern die blutigste des ganzen Krieges gewesen sei. Trotzdem haben unsere Feinde keinerlei Erfolge errin­gen können, da das Zonennetz unserer Verteidigungs­anlagen selbst einen raumgewinnenden Feind ver­stricken und verwirren würde. Zähneknirschend müssen die Feinde zugeben, daß sie ihr Ziel wieder nicht er­reicht haben, wenn auch Lloyd George noch vox weni­gen Tagen erklärte, daß die englische Heerstihru'ng gar kein Ziel gehabt hätte. Diese Rede ist aber so töricht, daß es sich nicht verlohnt, darauf ainzugehen. Ein

Feldherr, der Hunderttausend? opfert, will ein Ziel erreichen, und die Erklärung Lloyd Georges soll nur über die Ergebnislosigkeit der feindlichen Angriffe, die Welt hinwegtäuschen. Jetzt erklären unsere Feinde nach den mißglückten Angriffen, daß das Iah: 1018 ihnen den Sieg bringen werde, da dann die Amerikaner auf dem europäischen Kriegsschauplatz erscheinen und dies; die Alliier­ten verstärken würden. Dieser KrastzuwachS ist aber vollkommen trügeri'ch, denn die ungeheuren Verluste der Engländer rmd Franzosen sowie der Russen und Italiener rm Jahre 1917 haben einen derartigen Um­fang angenommen, daß sie niemals von den amerikani­schen Hilfstrnppen vollkommen ersetzt werden können. Wenn die feindlichen Heerführer darauf Hinweisen, daß die Verstärkung durch die Amerikaner den endgültigen Sieg bringen werde, so täuschen sie sich und die Welt bewußt über die wahre Sachlage, denn die Westfront kann selbst nach Ankunft stärkster amerikanischer Hilss- kräste, deren Überfahrtsmöglichkeit durchaus dunkel und ungewiß ist, niemals, auch nicht im Jahre 1918 stärker werden, als sie es im Jahre 1917 gewesen ist. Andererseits sind unsere eigenen Verluste im Verhältnis zu denen der Feinde sehr g e ring gwesen, da unsere Truppen als Verteidiger _ in viel sicherem Schutze sich befinden, wie de: Angreifer, der über freies Feld im Hage unserer Geschosse seine Front verschieben muß. Es kommt noch dazu, daß bekanntlich der Transport größerer Truppenverbände über weite Meeresstrecken an sich schon sehr schwierig und durch unseren Unterseebootskrieg noch ganz besonders un­sicher ist. Nach der verbluteten Generaloffensive können wir darum den sicheren Schluß ziehen, daß die Hilfe Amerikas im Jahre 1918 für unsere Feinde nicht den Sieg bedeuten wird. Während die Engländer und Franzosen, nach dem jüngsten Generalstabsbericht, ihre Kämpfe auf Artilleriegefechte, beschrankt haken, sind unsere Truppen auch weiterhin im Südosten im siegreichen Vordringen geblieben. Besonders in dem vielnmstrittenen Raume von F o c s a n i haben unsere Verbündeten Truppen neue wesentliche Erfolge erzielt, durch die die feindliche Front noch mehr ein- aeschnürt wird, da der Stoß weiter erfolgreich gegen Norden geführt ist. Von einem Sieg der Russen und Rumänen an der Ostfront irn Jahre 1918 kann nach ihrer jüngsten Schwächung ebensowenig die Rede sein wie von den Erfolgen der feindlichen Waffen im Westen.

Der Krieg gegen England.

Die Gründung einer besonderen Kriegs- Partei in England.

XV. T.-B. Amsterdam, 31. Aug. LautSUgemeen Han­delsblad" veröffentlicht dieTimes" eine Kundgebung von 27 Personen, darunter 6 Peers und 6 Mitglieder des Unter­hauses, welche darin erklären, daß sie sich von der konser­vativen Partei lossagen und eine Nationalpartei bilden. Die neue Partei ist sür eine energische Fortsetzung des Krieges bis zum völligen Siege, für eilte ehrliche Ver­waltung und Politik, gegen den Verkauf von Adelstiteln, gegen den Klassenkampf zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern und für eine höchstmögliche Gütererzeugung mit la.gemeffenen Löhnen und angemessenem Gewinn. In der Kundgebung heißt es: Wir finden nirgends Mangel an Ehr­erbietung, Hingabe oder Loyalität gegenüber dem Throne, wohl aber in allen Klassen im Lande und in der Armee eine offen zur Schau getragene Abneigung gegen die Politiker und regierer-.den Personen, die uns durch ein veraltetes Parteishstem aufgedrängt sind. Wir beabsichtigen zu handeln, ehe es zu spät ist.

Noch eine zweite Partei-Neugcüudung.

W. T.-B. Rotterdam, 31. Aug. (Dvahtbericht.) Der Nieuwe Rotte od. Courant" meldet aus London vom 30. August: Bei der neuen Partei befinden sich keine Namen von besonderem Gewicht. Die Lords Duncannon, Gbury, Montagu ofBeaulieu und General Page Craft sind die bekanntesten. DieTimes" findet, daß kein Anlaß zur Bildung einer neuen Partei besteht.Daily Mail" spottet über die Illtranationalen, die nationaler als das Kriegskabinett fein wollen. Dagegen istMorning Post" be­geistert. Das -beweist, daß die neue Partei nur aus einer Gruppe von Ultra-Tories und Ultra-Schutz­zöllnern besieht. Es verlautet, es fet noch eine an­dere Partei im Werden, deren Kern aus den treuesten Anhängern Lloyd Georges besteht, nämlich aus Mitgliedern des liberalen Kriegskomlteeö und einigen unionistischen Abgeordneten, die sich seit einiger Zeit durch ihre unabhängige Haltung in den Fragen der Homerule und der sozialen Reformen bemerkbar machen. DaS Programm der neuen Partei soll sein: Energische Fortsetzung des Kriegs wie weitreichende soziale Reformen im demokratischen Sinne. Den ^beiden neuen Parteien stehen reichliche Geldmittel zur Verfügung, da einige der reichsten LMte zu ihren Gründern gehören.

Das erste englische Dtansardschiss.

IV. T.-B. London, 31. Aug. (Drahtbericht^ Reuter.) Das erste für die Kritische Regierung gebaute Standard­schiff beendete gestern sein; Probefahrt, die einen erschöpfenden Charakter trug. Es begann seine Tätig­keit im nationalen Frachtdienst. Dies; Fahrzeuge sind nach den Grundsätzen gebaut, in möglichst kurzer Zelt mit möglichst geringem Aufwand einen guten Frachtschifftyp zu schaffen. Mit dem Bau des Fahrzeuges wurde im Februar begonnen. In welliger als sechs Monaten war es mit voller Ladung seebereit. Das Schiff hat 8000 Tonnen Tragfähigkeit. (Gegenwärtig werden sechs Typs non Fahrzeugen ge­baut, die 3000 bis 8000 Tonnen Tragfähigkeit haben. Sämtliche bedeutenden Schiffsbauer des Königreichs werden zum Bau der Schiffe herangezogen. Die G e- samtförderung des Baues ist daher sehr er­heblich. Ein großer Vorzug bei der Vereinheit- lichung ist, daß nur eine ganz beschränkte Zahl der ver­schiedenen Stahlteile verwendet wird und der Ge­brauch verschiedener Maschinen sowie der dadurch ent­standene Zeitverlust dementsprechend vernlirden wird.

Eine Konferenz des englischen Arbeiter- nnd Soldatenrats.

Br. London, 31. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die in Southampton verbotene Konferenz der Südgruppen des englischen Arbeiter- und Soldatcnrats wurde in Portsmouth abgehalten. Etwa 50 Delegierte waren anwesend. Es wurde beschlossen, gegen alle Hindernisse die örtliche Organisation der Bewegung fortzn- setzen und namentlich die Agitation in jede einzelne Gewerkschaft unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verhältnisse hineinzutrasen.

Greys Ableben nicht bestätigt.

IV. T.-B. Amsterdam, A. Aug. (Drahibericht.) Die Nach, richt von dem Ableben dos ehemaligen Staatssekretärs dos Äußern Grey bestätigt sich mcht. Es scheint sich lim eine. Ver­wechslung mit dem Earl Goeh zu handeln. ,,,

Der Krieg gegen Rußland.

Konflikt zwischen Kerenski und Kornilow.

Berlin, 81. Aug. DieB. Z." meldet aus Basel: Nach Petersburger Nieldungen bestätigen sich die kürzlich stattgc- fur,tonen Meinungsverschiedenheiten zwischen Kercnski und Kornilow, die sich zuletzt so zuspitzten, daß Kornilow mit seinem R ü ck t r i r t d r o h t e. Auf der Moskauer Konferenz wurde der Konflikt dadurch beigelegt, daß Kerenski erklärte, nicht mehr in die mtlitärischm Befugnisse des Oberkomman- dierenden hinenizureden. Kornilow erhielt daraufhin weiters ausgedehnte Vollmachten und gleichzeitig die Eigenschrfi eines Oberkommandierenden der gesamten Land- und Seestreit- kräfte.

Reaktionäre Stimmung unter den Offizieren an der Front.

8. Stockholm, 31. Aug. (Eig. .Drahtbericht, zb.) Die Petersburger sozialistischen Zeitungen veröffentlichen folgen­den Bericht von der Front: Der reaktionäre Teil der Offizierq sitzt jetzt hochvergnügt in den Kasinos. In den Armeeftäben herrscht nirgends Niedergeschlagenheit über di; kriegerischen Ereigiriffe, man sieht vielmehr freudestrahlend^ Gelichter. Endlich ist unsere Zeit gekommen, so heißt es all­gemein unter den Offizieren, jetzt werden wir wrä>er Ohr­feigen ankteilen können. Die Vernichtung der Soh­lt atenkomitecs wird mit Genugtuung gesehen, obgleich diese Komitees das einzige Mittel waren, durch das das Heer zusammengehalten werden konnte. Die Komitees, haben viel Gutes geleistet, sie haben die Lebensmittelve» scrgung verbessert und vielfach englische Kommandanten durch ihren Eit: floß entfernt. Die Befehle, die unter der neuen Diktatur erlassen wurden, werden jetzt wieder zu revo^ lutionärer Propaganda unter den Truppen benutzt. Mit dieser Aimee sind kerne Siege mehr zu err- kämpfen.

Feuer in einer Petersburger Munitiunsfabrik.

Berlin, 31. Aug. Nach einer Stockholmer Meldung brach in der Naketenabteilung der Munitionsfabrik Ochta bet Petersburg ein Feuer ai:s, bei dem 50 000 versandfertige Raketen Feuer fingen. Stücke des zerstörten Daches und brennende Raketen flogen in ganz Petersburg unter die Einwohner, unter denen eine Panik entstand, die Vaga-, b u n d e n zum Plündern von Wohnungen ausuützten.- Auch eine große D ach p ap p enfabr ik und große Mengen aufgestapelten Holzes verbrannten mit. Der -Schaden beträgt mehrere Millionen Rubel. Ein Feuerwehrmann wurde während des Brandes getötet und viele verwundet.

Der Krieg gegen Italien.

Ern altes italienisches Lügenmärchen.

W. T.-B. Wien, 31. Aug. (Drahtbericht.) Die Blätter -melden: Jedesmal, wenn die Italiener einen neuen Versuch zum Durchbruch der österreichisch-ungarischen Jsonzofront unternehmen, verbreiten sie sofort das Märchen von der , umun^ Triests. Es soll dadurch der Eindruck er-