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Verlag Langgasse 21

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„Tagblatihans" Nr. <>650-53.

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greitag, 21. klugust 1417.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 442. ♦ 65. Jahrgang.

Volkrvertretungen für Umland und Litauen.

Der vom Hanptausfchuß des Reichstag? einstimmig gefaßte Beschluß, wonach fiir die besetzten Gebiete in Litauen und Kurland alsbald Vertretungen der Be­völkerung in die Wege geleitet und, loweit die mititäri- schen Verhältnisse es gestatten, Zivilverwaltungen ge­schaffen werden sollen, wird nickst nur in Litauen und Kurland, sondern auch in Deutschland mit Befriedi­gung begrüßt werden, denn es handelt sich hierbei uni eine von Kennern der Verhältnisse schon seit längerer Zeit erhobene Forderung. Daß sie jetzt verwirklicht werden wird, ist kauni zu bezweifeln, denn schon, daß jener Beschluß einstimmig gelastt wurde, läßt darauf schließen, daß die Regierung entschlossen ist, in der gleichen Richtung vorzugehen. '

Die Richtung ist dieselbe, ‘oetdic man bei der Ver­leihung der Autonomic an Polen und bei der Emanzipierung der Flamen befolgt hat. Es handelt sich darum, das wirklich zu tun, was unsere Gegner in lügnerischen Phrasen zu tun behaupten, näm­lich für die „Befreiung der Nationen" zu sorgen. Nun könnte man freilich meinen, daß gerade das Beispiel Polens nicht sonderlich verlockt, sicherlich hat die vor nahezu einem Jahre ecwlgte Verleihung der Auto­nomie an Kongretzpolen nur' einen geringen Teil der Erwartungen erfüllt, die aus diese Maßnahme gesetzt wurden, und die neuerdings geübte vassive Resistenz des polnischen S t a a r Z r a t s. der ja bereits seinen Rücktritt erklärt hat. sowie die in Polen anfgedeck- ten Umtriebe könnten an sich vielleicht nickt sehr zum Fortschreiten auf dieser Bahn -'.mutigen. Aber einer- seits muß bei jeder derartigen Bewegung mit den Kinderkrankheiten gerechnet werden, weiter liegt der Fehler Wohl auch in dem allzu rosigen Opti­mismus, mit dem wir die Befreiung der Polen be­trachteten, und drittens liegt der Fehler in den Fehlern, die im einzelnen gemacht wurden und aus denen wir hoffentlich für das entsprechende Vorgehen in Litauen und Kurland gelernt haben.

Im übrigen hängt gerade die polnische und die litauische Frage eng zusammen und die oppositionelle Haltung des polnischen Staatsrats ist nickst zuletzt auch auf die Bestrebungen der deutschen Regierung, den Litauern zu ihrem Recht zu verhelfen, zurückzufirhren. Die Polen, denen der Appetit beim Essen kam, haben kein Hehl daraus gemacht, daß sie g a n z L i t a n e n oder, wenn das nicht durchzusitzen ist doch einen er­heblichen Teil des litauischen Gebietes ihrem Königreich angliedern wollen. Da haben sie cs denn als einen schweren Schlag empfunden, als der frühere Reichskanzler Herr v. Beckmann Holln>eg den Litauern ausdrücklich die Berücksichtigung ihrer berech­tigten eigenen Interessen znsagte, ein Ver­sprechen, zu dem sich der jetzige Reichskanzler zweifellos auch bekennt und dessen Erfüllung im deutschen Inter­esse, in der Richtung des vom Hauptausichuß gefaßten Beschlusses liegt. Gerade die setzige oppositionelle Be- N'kaung in Polen hat uns- aniZ neue darüber belehrt, daß wir wahrlich kern Interesse daran haben, das von den Mittelmächten befreite Polen über seine natürlichen Grenzen hinaus zu vergrößern.

Wenn nun eingewendet werden sollte, daß die Er­fahrungen mit Polen einem gleichen Vorgehen gegen­über Litauen und Kurland nicht gerade ermuti­gen, io haben wir schon vorhin die Gegengründe gegen diese Auffassung dargelegt. Zweifellos hat auch der Hauptausschuß diese Gründe und Gegengründe reich­lich erwogen, da er sich vor Erörterung der litauischen und kurländischen mit der polnischen Frage beschäftigt hat, ohne daß freilich ein Bericht über diesen Teil der Verhandlungen herausgegeben wurde. Offenbar hat sich aber der Hauptaus-schuß nur den Standpunkt ge­stellt, daß das polnische Experiment trotz etlicher uner­freulicher Begleiterscheinungen dock, alles in aller» kein verfehltes sei. Wir dürfen nur nicht wieder in den Fehler verfallen, zuviel zu erhoffen. Wir dürfen uns nicht einreden, daß wir nun Litauer und Letten zu begeisterten Deutsch freunden macken werden, wenn ihnen Volksvertretung und Zrvilvecwaltung bewilligt wird.

Aber andererseits besteht die Hoffnung, daß wir ans diesem Wege moralische Eroberungen machen werden (nur um diese handelt es sich ja. solange über das Schicksal der besetzten Gebiete nicht endgültig ent­schieden ist), die sür uns auf alle Fälle nicht nur einen kulturellen (ist doch besonders in Kurland die Kultur in erster Reihe eine deutsche), sondern auch politi­schen Gewinn bedeuten. Im russischen Riesenreich drängt, wie die SelbständiqreitSbestrebungcn in Finn­land, in der Ukraine, in den Ostseeprovinzen usw. deut­lich erkennen lassen, alles zue Dezentralisation. Es ist nicht nur ein Akt, sondern ein Gebot ’ voraus-

schauender Staatskunst, wenn wir unsererseits in Litauen und Kurland diese Bewegung durch positive Maßnahmen stärken und so dazu beitragen, dre Ein­fallspforten nach Deutschland wenigstens in etwas zu verrammeln. _

Zisgreicherwiderftand gegen schwerste Anstürme der Italiener.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 30. Aug. (Dra-ht.be ruht.) Amtlich ver­lautet vom 30. August, mittags:

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Deutsche Regimenter bauten ihre neuerlichen Erfolge nördlich von F 0 c s a n i gestern durch die Eroberung des Ortes I r e st i aus, dessen Besitz gegen zahlreiche Angriffe behauptet wurde. Südlich von O l n a scheiterten feindliche Borstöße. Weiter nördlich hob sich an einzelnen Abschnitten der Ostfront die Kampftätigkeit.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der große Waffengostrg am Jsonzo wurde auch gestern mit höchster Erbitterung fortgeführt. Der Wall der Verteidi­ger wider st and siegreich den schwersten Anstürmen. Im Raum nördlich von Kal brachen in den Morgenstunden zwei starke italienische Angriffe zusammen. Bei Podlesce, Modoni und Britos warf der Fcmd den ganzen Tag über bis in die späte Nacht ununterbrochen neue Massen gegen unsere Stellungen. Alle Anstürme prallten an der zähen Standhaftigkeit unserer Braven ab. Zn den vielen Kampfmitteln, mit deren Hilfe der Feind unseren Widerstand niederzuringen versuchte, trat gestern ein neues in diesem Gelände kaum erwartetes: östlich von Britos ritt italie­nische Kavallerie gegen unsere Berschanznngrn - an. Sie wurde von Maschinengewehre» empfange» und ver­nichtet. Für die heldenhaften Kämpfer auf dem Monte San Gabriele brachte der 29. August abermals heiße Stunden Immer wieder lief der Feind gegen das Boll­werk Sturm. Gegen Abend gelang es ihm, am Nordhang in unsere Greben einzudringcn. Nach Einbruch der Dunkelheit schritten in schwerem Unwetter unsere Truppen zum Gegen- st 0 tz. Neues Ringen endete mit r e g e l l 0 s e r F l u ch t der Italiener. Auch östlich von Görz ließ der Druck des feindlichen Heeres noch nicht ab. Waren am Vormittag nur Einzelangriffe abzuschlagcn, so ging der Gegner nach­mittags nach mehrstündigem Trommelfeuer neuerlich zu einem allgemeinen brertangelegten Massen - st 0 tz über. Wieder befand sich das Gelände vom S t. M a r 1 o im Brennpunkt der Kämpfe. Mit Bajonett und Handgranu- ten wurden hier wie überall zwischen St. Catharina und Vertojba die erste Linie behauptet. Bei Costanjevitza schob sich unsere Front nach einem erfolgreichen überfall aus den Gegner etwas vor. Neben anderen Truppen fanden in den jüngsten Kämpfen noch Abteilungen der Regimenter Nr. 10 (Prezemhsl) und Nr. 48 (Nagy-Kanisca) Gelegenheit, sich besonders hcrvorzntun. Die blutigen Verluste des Feindes sind außerordentlich schwer. Die Zahl der seit Beginn der 11. Jsonzoschlacht eingebrachte» (befangenen ist auf mehr als 10 000 gestiegen. Triest wurde vormittags zum zweitenmal, heute früh zum drittenmal innerhalb 48 Stunden von feindlichen Fliegern bombardiert. Den Angriffen fielen mehrere Anwohner znm Opfer; mehrere Privatgebäudc wurden beschädigt.

Der Chef des Generalstabes.

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Die Überführung der polnischen Legion nn die Front.

Br. Berlin, 30. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die „Tägl. Rnndsch." schreibt: Die Überführung der polni­schen Legion. die den Eid an' den Kaiser von Österreich geleistet hat, an die Front hat. wie bereits mitgeteilt, znm Rücktritt des polnischen Staatsrats ge­führt. Insofern ist der Schritt des Staatsrats zu be­dauern, als die Verhandlungen zlvischen den Okkupa- tionsmächten zur Bildung einer volnischen Regierung gerade jetzt vor dem Abschluß standen und dem S'.aats- rat hierbei eine wichtige Rolle zugedacht war. Was die Einreihung der polnischen Legion in die Front selbst betrifft, so erfordert eben die Kriegsnotwendigkeit den Einsatz aller verfügbaren kanwftüchtigen Truppen. Diese Notwendigkeit konnte auch vor den.im General­gouvernement Warschau vorhandenen Legionären, die sich zum weitaus größten Teil -aus k. und k. Heeres- angehörigen galizischer Nationalität zusammensetzen, nicht Halt niachen. Die polnischen Legionen sind an die österreichische Front befördert und nur soviel Offi­ziere. Unteroffiziere und Rekruten im Generalgouver­nement zurückgelassen worden, als zur Heranbildung von Lehrpersonal und zur Ausbildung von Rekruten und noch einzutretenden Freiwilligen unbedingt not­wendig ist.

Der Rrieg gegen England.

Englische Beklemmungen.

Nr. Hang, 30. Aug. (Eig. Drcchtbericht. K.) Der Bericht- eiftatter der „Daily News" m englischen Hauptquartier sagt in einem seiner letzten Berichte -u. a.: Was die Taktik »er französisch-britischen Heeresleitung betrisst, so ver­sichert man uns -von amtlicher Seite, daß -diese Taktik dahin ziele, dem Gegner so viel Schaden wie möglich zuzufügen. Man mutz demgegenüber festistellen, datz sich die An griffs- i r a s t unserer M i ll i o n e nhee r e in vielen lotalen An- griffen zersplittert, daß die feindliche Front wohl hier und da abbröckelt, aber nicht zertrümmert und nicht wirtlich zurückgewcrfen ist. So können wir noch zwei Jahre ti e i te r kämpfen, um die Grenzen Belgiens zu erreichen, während Tag für Tag der U-Bootskrieg mehr und mehr Kraft verschlingt. Wenn auch dank der guten bevorstehenden -Ernte die Gefahr der Aushungerung allmählich, etwas geringer wird, so ist doch zu beachten, datz durch die restlose Vernichtung unserer Handelsflotte fchlietzlich auckj die notwendige Befriedigung der noch immer wachsenden Bedürfnisse unserer Heere in Frage gestellt wird. Z-weifellos ist -es richtig, dem Feind so viel Verluste wie nur irgend möglich zuzufügen, nur vergesse man nicht, datz d:e gegenwärtige Kampfmethode auch uns große Verluste verursacht. Die gegnerische Artillerie arbeitet er­heblich schneller und nachdrücklicher als früher, und wir dür­fen uns nicht verhehlen, datz auch unser Menschenvorrat nicht unerschöpflich ist.

Ermäßigung des Brotpreiscs in England.

W. T.-B. London, 30. Aug. (Drahtbericht.) Das Reutcr- bureau meldet amtlich, datz die Ermäßigung des BrotpreiseS von 1 Sh. auf 9 Pence für das Vierpfundbrot am 17. Sep­tember in Krast tritt.

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Von der Konferenz der Entente-Sozialisten.

IV. T.-B. London, 30. Aug. (Drahtbericht. Reuter.) Die Sozialistenkonferenz der Alliierten ist um 7 Uhr abends geschloffen worden. Der Ausschuß für die Stock- h olmer Konferenz legte seinen Bericht vor, worin er die Teilnahme an der Konferenz seitens aller Abteilungen dec Arbeiter und der Sozi rlistenverbände e m v f i e h l t. Eö folgte eine lebhafte Erörterung. Da eine Einstimmigkeit nicht zu erzielen >var, wurde der Bericht des Ausschusses und di?'Erörterung darüber einfach zu Protokoll genommen. Der Avsschutz für die. Kriegsziele berichtete nur, datz eine Ein» stimmigkeit nicht -erreicht wurde. Darauf wurde der Vor­schlag unterbreitet, daß ein ständiger Ausschuß zu dem Zweck ernannt werden solle, die verschiedenen Fragen im Hinblick auf die Einberufung einer neuen Konferenz der verbündeten Länder zur Vorbereitung für den internationalen Sozialistenkongretz werter zu erörtern. Dieser Vorschlag wurde von der Mehcheit angenoinmen. Der ständige Ausschuh, der aus je zwei Abgeordneten jeder Abteilung be­steht, wurde ernannt.

IV. T.-B. London, 30. Aug. (Drahtbericht. Reuter.) Die Sozialistenkonferenz der Alliierten lehnte mit 5 8 g e g e n 4 Stimmen einen Antrag ab, der sich gegen jede Be» sprechung mit feindlichen Abgeordneten aus­spricht, bis Deutschland die besetzten Gebiete geräumt hat.

Wasser aus die Mühlen Lloyd Georges und Wilsons.

TdA. Berlin, 29. Aug. „Mstrabladed" (Kopenhagen) schreibt: „Wenn man eine Bestätigung der Auffaffung haben wolle, datz der Weg zum Frieden noch lang ist, so braucht anan nur das Friedensprogramm der englischen Arbeiterpartei sorgfältig durchgulesen und sich klar- zumachen, welche unüberwindlichen Schwierigkeiten sich der Durchführung jedes einzelnen Punktes entgegenstellen. Man bekommt keinen großen Respekt vor den Herren, die dieses Mtenstück versaßt haben. Männer, die mit einem solchen Vorschlag zur Konferenz kommen, bringen nicht den Frieden, sondern nur noch mehr Krieg; sie gießen nur Wasser auf die Mühlen Lloyd Georges und Wilsons. Ein Vorschlag, der einer Berhandlungsgrundlage dienen soll, mutz doch einen inneren Zusammenhang mit den tatsächlichen Verhältnissen des Kriegs haben. Wenn Deutschland halb in Feindeshand wäre, so "hätte der Vorschlag eine gewisse Berechtigung, aber Deutschland besitzt immer noch Hunderte von Ouadratmeilen eroberten Landes in Frankreich, Belgien, Rußlands Serbien und Rumänien! Datz man dem Besiegten harte Bedingungen diktiert, ist eine Seche für sich, datz man aber dem Sieger feinen Willen vorschreiben will, ist doch wirklich eine umgekehrte Welt! Wenn dieser Vorschlag als ein Weg znm Frieden ausgefotzt werden soll, so. hrnterlätzi er nur große Enttäuschung." *

Die britische Nücksichtslosiakeit gegenüber den Neutralen.

IV. T.-B. Berlin, 29. Aug. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, ist bekanntlich am 16. Juli d. I. der Hamburger Dampfer „B r i e tz i g" in niederländischen Hoheitsgewässern von den Er gländern geraubt worden. Die Ladung des Dan pfers bestand aus Kohlen, die für Skandinavien bestimm! waren. Ungeachtet dieser neutralen Bestimmring hat Eng-