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Verlag Langgass« 21

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Mittwoch. 29. August 1917.

Hmöenburg.

Am 29. August 1916 wurde die Welt durch die Mit- teilung überrascht, daß der Kauer den Ehcf des Gene- calstabes des Feldheeres, General der. Infanterie von Falkenhayn zwecks anderweitiger Verwendung _ von seiner Stellung enthoben und an seine Stelle den Gene- ralfeldmacschall v. tzindenbucq zuin Chef des General­stabes und den damaligen Generalleutnant Ludendorss unter Beförderung zum General der Infanterie zum Eisten Generalquartiermeister ernannt habe. Ein lang rehlater Wunsch des deutschen Volkes ging damrt in Erfüllung. Kurz vorher waren wichtige Ereignisse in der äußeren Politik zu verzeichnen, denn am 27. August hatte Italien an--Deutschland den Krieg erklärt. War diiser Vorgang in militärischer Beziehung auch belang­los, so war er doch von großer Bedeutung dadurch, daß einen Tag später im Anschluß an diele Kriegserklärung Rumänien den Krieg gegen Österreich-Ungarn er- öffnete. Deutschland sah sich nunmehr genötigt, aus diesem Grunde Rumänien gleichfalls den Krieg zu er­klären. da dieses Land unter treulosem Bruch der mit uns abgeschlossenen Verträge sich rls Feind unserer Bundesgenossen erklärt hatte. Rumänien war allge­mein als eine verhältnismäßig starke Macht bekannt, deren Feindschaft nicht leicht genomiuen werden konnte. Gleichsam als Gegenzug gegen dieff Machenschaften der Entente wurde Deutschlands berühmtester Heerführer zum Chef des Generalstabes ernannt, damft jetzt seiner überlegenen Strategie alle Fronten gleichmäßig unter­standen. Bis zu diesem Tage hatte Hindenburg nur einen Frontabschnitt auf dem östlichen Kriegsschauplatz unter sich. Mit der Ernennung Hindenburgs zum Generalstabschef, machte sich auf allen Fronten eine Umänderung der Verhältnisse bemerkbar. In R»mänien wurde zwar anfangs di; österreichisch, ungarische Front in Siebenbürgen elasti'ch zurückae- bogen, um der Übermacht des Feindes auf einer kur- zen Strecke Widerstand leisten zu können, aber schon wenige Wochen später begann von der Dobrudscha aus sowie durch die siebenbürgischen Grenzpässe der sieg­reiche Vormarsch unserer verbündeten Truppen, deren schneller Lauf unser Heer durch die Walachei über die rumänische Hauptstadt hinweg an das Quellgebiet der Donau führte. Auch dieser neue und nicht zu unterschätzende Gegner wird siegreich überrannt. Hin­denburg bewährte sich nach zwei Richtungen hin als vrrbildlicher Heerführer. Erstens als Organisator der siegreichen Verteidigung und zweitens als Führer der siegreichen Olfen Uve. Wenn er nicht überall die Offensive als den leitenden Gedanken seiner Führung walten ließ, so liegt dies rn den beson­deren Umständen dieses Weltkriege?, denen er qroß- zügigsterwcise Rechnung trug. Er hat nur das eine vor Äugen, den endgültigen Sieg Deutschlands und einen siegreichen Frieden. Auf welchem Wege er zu diesem Ziel kommt, das läßt er von den Umständen ab- bängen.' So hat er im Westen ganz neue Grundsätze der Kriegführung vettuirklicht, indem er zur Abwebr des zahlenmäßig überleg men Feindes die starkeS i e g f r i e d - L i n i c" schuf nnd damit, den modernen Verhältnissen des Krieges entsprechend, eine ganz neue Art Festnng?st"llung in den Krieg ein- ff'.hrte. die zur Abwehr der modernen Knmpfmittel ganz besonders geeignet erschienen. Auch an den anderen Stellen der Front wurde ein vielnerznieigtes und viel- maschiges Zonensystem geschahen das jede Offen- sipe, auch des stärksten Feindes labvrintbartig erstickt. Dem Feinde wird ein guter Teil seiner stärksten Ar­tilleriewaffen dadurch geradezu aus der Hand ge- schlagen, da ste ihrer Wirkung beraubt werden. So hat rr die ganzeWestftont als eine gewaltige, viele IOC» Kilo­meter lange Festung ausgebaut die allen feindlichen Gewalten trotzt nnd an der jeder feindliche Angriff zer­schellen muß. Die nngebenren französischen nnd engli­schen Offensiven und ihr blutiger Zusammenbruch ruck allen Stellen von Ppern bis Verdun zeigen die neue Kriegführung Hindenburgs in glänzendstem Lickte. Ini Osten hat er neben der siegreichen Verteidigung ebenso wie in Rumänien d->r Durchbruchs- und Dewegungsschlacht wieder zu ihrem alt-m Recht verbolfen. Im Innern des Lande? hat er die ..inner? Front" organisiert nnd jede verfügbare Kraft durch das Hilfsdiensigesetz dem Krieg? dienstbar gemacht. Zur See wurde wenia; Monat" nach ftiner Ernennung zum Generalstabsches der uneingeschränkte ft-Bootskriea erklärt, der mit Reckt von ibm als stärkste englische Flankendrobung bezeichnet worden ist

Uer flb«nfcberi«fct t»o«t 28.

yy. T.-B. *«0*. 28- A»g., ob,-rb?. (Drrhtbericht. (Amtlich.)

3« West«« bei Stürm serivge «efechtstätigkeit«

In der Moldau wurden dem Feinde einig, höhenstellungen

am K»*«**»»t wI H H Ms -Messt

Morgen-Kusgabe.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

W. T.-B Wien, 28. Aug. (Drcchttecichl.) Amtlich ver­lautet vom 28. August, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bei S o v e j a mußte vorgestern eine gewonnene Höhe vor überlegenem Angriff wieder geräumt werden. Bei der Aruiec des Generalobersten Kritek entrissen österreichisch­ungarische und deutsche Regimenter den Russen in heißen Kämpfen das Dorf Bojan und die Stellungen auf dem Dolzvk. Etz wurde» über 1VV0 Gefangene, fechS Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre eingebracht.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Durch Zuzug neuer Kräfte verstärkt, setzte der Italiener auf der Hochfläche Banisizza-Heiliggeift alles daran, seinen zu Beginn der 11. Jsonzoschlacht unter großen -Opfern errn»gel-en Raumgewinn zu erweitern. Fast in allen Teilen dieser Front stürmte der Feind gegen unsere Truppen an. In erbittertem Handgranaten- und Bajonett- kampf matz sich die in zehntägiger Schlacht ungebrochene Widerstandskraft unserer Streiter mit der italienischen Übermacht. Die braven Verteidiger gingen auf der ganzen Linie als S i e g e r hervor. Der Gegner wurde überall geworfen; er flüchtete stellenweise völlig aufgelöst.

Auch östlich von Görz mißglückte den Italienern ein mit beträchtlichen Kräften unternommener Borstoß.

Im Gebirge des Stilfser Jochs führte ein unter bedeutenden alpinen Schwierigkeiten ins Werk gesetztes Unter­nehmen zu vollem Erfolg. Kaiserschützen hoben in Eis und Schi.ee überraschend einen feindlichen Posten- ans und brachten 2 italienische Offiziere, 20 Alpini, ein Maschinengewehr und einen Scheinwerfer zurück.

Der Chef des Generalstabes.

*

Bisolaitis Hoffnungen auf die Jsonzoschlacht

Br. Zürich, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Messaggero" veröffentlicht eine Unterredung einer seiner Redokteure mit dem Ministerpräsidenten Bisol-rtti, bei der dieser ansführte, die italienische Negierung erhoffe von der jetzigen Offensive und den im Spätherbst folgenden Angriffs­kämpfen alles. Gelänge es, die Jsonzoschlacht bis Ende September zu einem guten Abschluß zu bringen und eine für Italien nicht nngiinstige Entscheidung bis dahin herbei- z.lführen, sc werde dem italienischen Volk ein neuer Winterfeldzug erspart werden.

Ein schwedisches Urteil über die Jsonzo­schlacht.

Vi'. T-B. Berlin, 27. AugNya Daglight Allehanda" nennt die Jsonzoschlacht die größte aller Offensivunter- nehmvr.gen der Entente. Cadorna hat die größtmög- l i ch st e Kraftanstrengung gemacht, nach Triest durchzubrechen. Die Engländer haben ihn mit neuer fürchterlicher Artillerie und Muniticnsmassen versehen. Der Einsatz tech­nischer nnd zahlenmäßiger Überlegenheit hat den Italienern einige Geländefortschrrtte ermöglicht, aber so weit man bisher erkennen kann, ist die Gefahr eines Durchbrucys nicht zu befürchten.

Die Veränderung der österreichischen Stellung bei Görz.

Ni. Wien, 28. Aug. (Eig Drahtbericht, zb.) Das k. k. Kriegs­pressequartier teilt mrt: Die Lage am Jsonzo hat folgenoe Verände- ruug erfahren: Unser nöitlicb Görz sich zunächst hiuziehender Front­teil wurde zurückgcinmmen und verläuft nun von, Monte San Gabriele als südlicher Stützpunkt über die Hochfläche non Bäte, Beinsizza-Heiliggeist und Kai, in der Linie Podlesbe-Tal vermutlich bis nahe in den Raum tes nördlichen Stützpunktes des Brucken- kopfes des Santa Lucio Die neue Linie besitzt eine Länge von 20 Kilometern. Die größte Tiesc des geräumten Geiändeftresteiw 6 bis 7 Kilometer. Die taktische Beschaffenheit der neuen Stellungen wird durch die Höhenveihältuisse am besten beleuchtet. Der Monte San Gabriele ist 646 Meter hoch. An denselben schließt sich die neue Stellung an und verläuft westlich von dem Tornowaner Wald« und am Ausgang der Ciapovanni-Niederung vorbei über eine 300 Meter hohe Strecke fast genau füdnöidlich. Die neue Stellung ist gut. doch weist sie einen heiklen Punkt auf, und das ist ver Monte San Gabriele. Dieser Berg bildei das Bindeglied zwischen der Görzec und der neuen Front und lieg, isolier!, als unangenehmer Nachbar im Norden den Mome Sapoiino. m> Rordwcsten den Monte Santo, welche gercum. und Von den Italienern besetzt wor­den sind Bon diesen Bergen und auf lem Hügellande nördlich Gör; kann der San Gabriele unter konzentrisches Feuer genommeu werden Di« Italiener baden ln dieser richtigen Erkenntnis m den ketzlen Tagen ihre hesugsic» Angrlsf, gegen den Motte San Gabriele gerichtet, wobei ste allerdings trotz der größten Opfer bis jetzt nicht dvrchzudringen vermochten. ES ist fraglich, ob dieser Pfeiler der Verteidigung aus die Dauer den Stürmen standhalten kann. Unsere Stellungen auf dem Karstplateau würden jedoch durch den Verlust des San Gabriele nicb, bedroht, solange die östlich« Kuppe des Fastihreb in unserer Hand ist. Hieraus ergibt sich nach­stehende Lage: Auf der Hochfläche von Kal Bsmizza und Bata wür­den die Italiener gezwungen sein, unseren neuen Stellungen gegen­über aucki neue Anxriffsvorberiitungen zu treffen, welche die Heran­ziehung und Umgruppierung sehr starker Kräfte Mid Befestigungs- arbeiten für ihre Artillerie umfassen müßte. Daher sind die jetzigen Kämpfe daselbst als EmIeiMng größerer Angrisssoperationen zu be- werten. Der Monte San Galriele wird sicherlich auch weiterhin das Ziel ihrer unausgesetzten Kraftanspannung bilden. Sollte dieser - seine küsste «ch Sicht 6t* nt Osibc erfüll«, Bsscs,

Nr. 438. . 65. Jahrgang.

so würden sich die Westränder des Tamowanerwaldes gut in die ge- samte Front einstigen. Im ganzen genommen ist unsere Gesamtlage derart, daß sie allen Eventualitäten gewachsen ist.

Die zriedensnote des Papstes.

Die Aussichten der Papstnote.

Nr. Kopenhagen, 28. Aug. (Eig. Drcchlbericht. zb.)Ekstrn- bladed" gibt eine Unterredung mit einer dem Vatikan sehr nahestehenden hohen katholischen Perfünlich- k ei t wieder. Diese äußerte sich, daß der heilige Stuhl sich zunächst über die Aufnahme, die das Friedensangebot bishe* bei den Alliierten gefunden habe, nicht enttäuscht sehe. Man sei t-m Vatikan überzeugt, daß schließlich seitens aller krieg- führenden Mächte der Vorschlag eine Aufnahme finden würde, die zu einer Grundlage tatsächlicher Friedens­erörterungen gemacht werden könne. Vor der amt­lichen Wiedergabe der Friedensnote wurden mit allen Seiten e-ngehende Verhandlungen über ihren Inhalt geführt, so daß dieser bei der Veröffentlichung keinem der leitenden Staatsmänner der kriegführender Länder un­bekannt war. Nach den eingegangenen Mitteilungen war kein anderer En pfang des Vorschlags bei den Alliierten zu erwarten, als er nun erfolgt ist.

Die Papstnote und die Mittelmächte.

Nr. Wien, 28. Aug. (Eig. Drabtbericht. zb.) W dürsten noch ungefähr 8 bis 10 Tage vergehen, che die Antwort der Mittelmächte und ihrer Verbündeten auf die päpstliche Friedensnote veröffentlicht werden wird. Die Verhandlungen darüber .zwischen Berlin und Wien nähern sich dem Ab­schluß, aber die Verhandlungen mit Bulgarien und der Türkei dauern noch arw Es ist .zweifellos, >daß man zu einer Einigung gelangen wiod, und daß alle vier Mächte eine gemeinsame Note an den Vatikan rich­ten werden.

Die Haltung Nußlands.

»r. Amsterdam, 28. Aug. (>Eig. Drahibericht. zb.) Das Alqemeen Handelsblad" meidet aus Petersburg: Die vo» läufige Regierung beschloß, da in der päpstlichen Note von Ncußland nicki die Rede ist, diese unbeantwortet zu lotsen und den Alliierten hiervon Mitteilung zu machen

Oer Krieg gegen Nutzland.

Flaue Stimmung ans der Moskauer Staats- kvnferenz.

W. T.-B. London, 28. Aug. (Drahtbericht.)Times" meldet aus Moskau vom 27. August, daß die Rede des Mirmsterpräfidenten Kerenski auf der Konferenz eine allgemeine Enttäuschung heworyerufen hat. Man urteilt, daß er eine glänzende Gelegenheit verpaßt habe, einen starken Einfluß auf die, die wirklich russsifch fühlen, zu machen. Die Konferenz wurde in dem schlechten, überfüllten Theatersaal abgehalten. Kereuski fand nur ab und zu Bei­fall, ohne viel 'Begeisterung. Diese äußerte sich nur einmal, als Kerenski über Finnland sprach und erklärte, er werde nicht dulden, daß der Separatismus sich durchsetze. Bor Be­ginn der Konsereng erklärte sich der Arbeiter- und Soldatenrat mit 364 gegen 304 Stimmen gegen jeden demonstrativen Streik und gegen jede Störung der Konferenz. Die Soldaten hätten die Ansicht bekundet, die Mehrheit zu unterstützen. Trotzdem versuchten die Extremen, die die Abhaltung der Konferenz in Petersburg unmöglich gemacht hatten, hier dasselbe zu tun. Die Straßenbahnen, die Arsenale, die Spinnereien und Fabriken hatten die Arbeit eingestellt, und selbst die Kellner in oen Restaurants st r e: k t e n. Nach einem späteren Bericht hörte gestern der Streik wieder auf. ___

Die Stockholmer Sozialistenkonferenz.

Die Teilnahme der französischen Sozialisten beschlossen.

Sr. Kovenhagen, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Laut .Sozialtemckraten" hat dir französische Landesorganisation nach allgemeiner Abstimmung belassen, zur Stockholmer Konferenz Delegierte zu entsenden."

Oie Neutralen.

Die Raybabsichten der Entente gegenüber Holland.

Lr. Bern, 28 Aug. (Eig Trasttbericht. zb.) Di« sozialdemokratischeTagwacht" eri-chrt von gut unter- iichtetcr Seite, daß das bekannte soanzöfffch-russlsche Geheimabkommen auch eine Abmachung über die Abtretung des holländischen südlichen Schelde­nke r s an Belgien enthält.

Das Befinden des Königs von Spanien.

Lr. Zürich, 28. Aug. (Eig. Trahtbericht. zb.) Der Schweizerifche Pressetelegraph meld.'t aus Madrid, daß im Zustand des Königs von Spanien eine erhebliche Verschlimmerung eingetreten lei. Der König Nerde sich einer Operation am Knie unterziehe» tffTiPf**