13 Ausgaben.
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Memoiren der Boljchasters Gerard.
Neues zur Frage der Schuld um Kriege.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 11. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der frühere amerikanische Botschafter in Berün Gerald bat bekannt E über seine Muakeit in Deutschland MemoE ge- schrieben und vor lurzem veröjsenUicht. Der „Dolch Tele L-»- bring! ich. .d-b
hüllunaen, dre irci, auf dre Zert de- Krregsan fangs beziehen. Am 10. August rö!4 soll h'-rnach Kaiser Wilhelm dem Botschafter bei eurer Unter oedung im Schlostgarten ein Telegramm zur UberMrttluna an den Präsidenten Wilson übergeben haben, das fo.gerr, den Wortlaut hatte: _ .
1. Prinz Heinrich wurde von Könrg Georg V. empfangen, der ihm mündlich auftrug, mir zu sagen, datz England neutral bleibe rm Fall-, daß ern Krreg a f dem Kontinent zwischen Deutschland, Frankrerch und ^ster- reich-Ungn«! ausbrechen sollte. Drese Botschaft wurde m durch meinen Bruder von Lonoon nach fernem Gespräch mU
dem König telegraphiert und wurde mrr am 29. HU , mündlich wiederholt 2. Mein Botschafter tn London teilte dre von Sir Edward Grev nach Berlin gesandte Dopchaf. mtt, welch le-aat. dcf England nur erngreifen wurde, wenn Frankreich vernichtet würde. 3. Mem Botschafter in timromr meldete am 30. Juli, datz ihm Sn Edward Greh mrLaufe einer besonderen Unterredung erklärt habe, datz, WM» de Konflikt -ms Rußland (nicht Serbien) und vsterreich be schränkt bleibe, sich England rrrcht rühren wurde, doch wenn
wir uns in den Krieg einmische» wurden, wurde eS einen schnellen Entschluß fassen mü, werttragende Maß. nahmen treffen. 4. Da diese Mitteilungen vollssimdrg der Botschaft zuwiderliefen, welche mir der König mitgeteilt hatte, telegraphierte ich Seiner Majestät am 29. oder am 30. Juli und dankte chm für die von meinem Bruder uberbrachte liebenswürdige Botschaft und bat 'hu, seinen ganzen Einfluß zu verwenden, um zu verhindern, daß Frantrerch mrd ÄnWoab Ariegjw»rberett-ngen treffe», welche mich w «einen «ermittlungsanftr-ngung-n behrn-
d e r t haben würden. Ich fügte hinzu, daß ich mit dem Zaren in ständiger Verbindung stehe. Der König antwortete mir im Laufe deS Tages und erklärte m liebenswürdiger Weise, daß er seiner Regierung die Weisung gegeben habe, ihren ganzen Einfluß ans ihre Alliierten auszuüben, um z u v e r * hindern, daß sie irgendwelche provozierende mili- tärilche Maßnahmen treffen. Seine Majestät fragte mich gleub zeitig an, cb ich die Übermittlung des engli,chen Vor- schlages nach Wien, nach welchem Österreich Belgrad und ernigr andere Städte beschlagnahmen sollte, anneyme. Außerdem scllte Österreich sich in den Besitz ernes Terra rn- streifeus als F a u st p f a n d setzen, um eine Garantie für die anderen schriftlich niedergelegten serbischen Versprechen zu haben. Dieser nämliche Vorschlag wurde mrr rm gleichen Moment für Wien in London telegraphiert, m vollständiger Übereinstimmung mit dem englischen Bor- schlag. Außerdem hrtte ich die Mitteilung dem Zaren von mir aus telegraphiert, bevor ich sie von London oder W>en erhalten habe. 5. Ich übermittelte sofort die Telegramme m umgekehrter Richtung nach Dien und London. Ich fühlte, daß ich so die Ereignisse verzögern konnte und -ch fteute mich in der Vovaussicht, daß oie Frage friedlich geregelt werden könne. 6. Während ich am folgenden Tage die Note an den Zaren vorbereitete und ihn be-nach- richtigte, datz Wien, London und Berlin sich über die einzu- schlagenden Schritte verständigt hätten, telephonierte mrr der Kanzler, daß der Zar die vocherqehende Nacht ine v o 11 - ständige Mobilisation der russischen Armee befoblen hatte, was natürlich gegen Deutschland ge. richtet war. weil bis dahin die Armee des Südens gegen Österreich mobilisiert worden war. 7. Mein Botschafter in London benachrichtigte mich tele- «raphffch, daß er zu glauben wisse, daß die englische Regle, tut* die Neutralität Fra«rr«ichs garagier«, und daß er zu erfahren wünsche, ob sich Deutschland jedes Am- yviffs enthalten würde. Ich telegraphierte persönlich dein König, ldaß die Mobilisation nicht me h r rückgängig ge- macht werden könne, da sie schon anyeordnet worden sei, doch wemi Seine Majestät die Neutralität Frankreichs mit dessen Straiikrästen garantieren könne, würde ich aus den An- griff aus Frankreich verzichten und es beiseite lassen ZNsstne Truppen würde ich sonstwo verwenden. S«ne Moschtäi arrnoortete, daß er Aanbe. daß mein BorsttKag «ff einem Mißverständnis beyrSüdet fei. Md ft» tuet «tz weiß ffg Sir t^iward Gvetz mein Anerbieten nie ernst genommen. Er gab weiter kerne Antwort und erklärte statt dessen, baß England die Neutr aritat We lgi e«<> verteidigen müsse, di« DenchchlaNd au* wvatggi- täten "Gründen verletzten mutzte, weil man schon benachrrch- tiqt worden war, daß Frankreich Vorbereitungen treffe, irm in Belgien eins«narschieren, und weil der König von Bei- «ien mein Gofuch um fteien Durchgna zurück« ewresen hatte, obwohl Ä die llnabihängiLleit seines Landes garsritierte. bin de« Präsiden«»» s»r sei« Bstschoft sehr danSbar. gez.
W i l Hel»- 1. ^
Der Kaiser tz-v-ch ßtdanm in rsedeogchchSlase^ur Ton ^ Krieg. Gerack» berichtet: Ich versuchte, ihn aufzumun-
Pari« einziehen. Er antwortete: Die Engländerhaben die gan^e Lage verändert. Sie sind hartnack'ge Navicn und werden den Krieg in d:e Lange ziehen. E nicht so bald aushören. Am Nachmittag desselben Tages be kam Geravd in der Botschaft den Besuch eines Mannes, dm in Deutschland eine hohe Stelle inne hat und dessen Ramm Gerard wicht nennt. Dieser bat Gerard, im Interesse
guten Verhältnisses zwischen Deutschland und Aanerrra, ^ Telegramm des Kaisers nicht zu veröffentlichen. Gerard
klärte sich damit einverstanden. „
Der Inhalt dieser „Enthülluwg^en Mrster Gerards zeigt mit absolutester Sicherheit, aus welcher Seite d i« Sch nid an dem Krieg zu suchen ist. Auch Herr Gerar mag wohl gesuhlt haben, daß England durch ferneReroffent- Vichungen nicht gerade in ein günstiges Licht «druckt wird und versucht daher, „zu beweisen", daß es für ,die. Welt kein gro ßeres Unglück gegeben habsn könne als dre Weigerung . g- laüds 1914 in den Krieg einzntretem. W,e ®etufl '* serts diese Beweise selbst in England und
wie unangenehm man dort durch die -"khullung.. Herrn Gerards berührt ist, gcht «us der soltzeriden Me-- du« der Täal Rundsckr." aus Rotterdam hervor, die den «treuen Dierwr Wilsons und also die Entente v-rleugnet: 8 ..Geichzerftg mit der Veröffentlichung der Enthüllungen Gerards wirid eine Mitteilung des Londoner P«ssebureaa lbekariütgegMen. ^ die höchste. Antoritat schtstelle, daß dre
Erklärungen, die König Georg an Prinz Hean-
richvonPrenhennachdem Kaiser-Telegramm gemacht baden svü jeder Grniidlage entbehren.
^ Anch deutsche • amÄichö Stellen werden, «'« wir hören, nach diesen Erklärungen !des Botschafters, die, wenn auch ihr Inhalt für die deutsche Sache nur eine g un st i g c Wirkung haben kann, im einzelnen wohl recht w e sentlich von den Tatsachen abweichM dürfte ^^erchmtne^nen^nch über die Angelegenheit selbst zu äußern Erst dann wwd man Mer den Webt der Memoiren Herrn Gerards und dre eng lische Ablengnung ein endqültigss Urteil fällen können.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
V/. T.-B. Wien, 11. Äug. (Drahtbericht.) Amtlich ver- lautet »,m 11. August, mittags:
Östlicher Kriegsschaupl«tz.
Nördlich van F-csani unternahmen die Russen und Rumänen gestern nachmittag abermals h/ktige Massenangriffe, die stellenweise 2 0 Wellen tr es gestaffelt waren. Die deutsch-» Divisioaeu schlug-r den Frmd r e i ch e r A b w e h r z u r ü ck. Die Kampfe an der Olt-s- Straße verliefen erfolgreich. Österceichifch-ungarffche und deutsche Streitkrafte drangen, den Berte,drgern Graben auf Graben entreißend, bis auf dre Hvheu «°'"lch und sud- lich von Ozna vor. Weiter nordüch kerne «esertlrche llndev
rung der Lage.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Js-nz- lebte der Artilleriekampf wieder auf.
Balkankriegö schauplntz.
Nichts von Bedeutung. Der Chef des Generalstabes.
*
Der trutsch« Kbendvericht »E N. Kugnst.
W x-B Berlin, 11 .Awg.,abends. (WmLich.Dvahitbericht.)
Außer d«, Frühkämpsen in Flpuder,» ikeine brsonderen
^^Jm^Osten Fortschritte gegen das DrvtuS-Tal und nördlich von Focsa ni. _
vir wirkmgen der U-Voottkieger in amtlicher Darstelung.
(1. Fo-njetzung.)
Weiter wird von semöllcher Seite ^ie S»
verläffigkeit der Admrralstabsmeldungen ins^ld ge- führt daß Schiffe, die als versenkt gemildet wurden,
m Wahrheit nicht gesunken ieren sündern d^Hasen
erreicht Hütten. Dem Leser der lauferchen Admiralstabs- vervfsentÜchungen wird erinnerlich lern, daß sich rn ihnen bei Erwähnung einer , Torpedierung manchmal die Bemerkung findet: »Sinken nicht beobachtet
Solche Erfolge werden, wie ausdrücklich bemerkt sec. der Versenkunasziffer grundsätzlich ni cht zu gejchlagem Daß ch^lchenFällen den U^Sootslommandculten ab und zu Jrrtümer unterlaufen können, lmrd klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß manche Torpedierungen ffl dunkler Nacht oder bei scharfer Gegenwchr durch feindliche bewaffnete Gelerffahrzeuge slattsrnde«. deren Angriff« das U-Boot zwingen längere Zeit unter Wasser zu bleiben und ohne nochmals aiftzutauchen, den Schauplatz des Kampfes zu verlassen. Ter betreffende ll-Bootskommandant kann dann aus der Dewnanon seines Torpedos und. der Lage des angeschossenen Schiffes zu der Überzeugung gelangen, das getroffene Schiff werde besffmmt sinken: trotzdem mag, es rn einem oder dem anderen Falle gelingen, es tn «neu naäen Daten zu schleppen. Da d»e Wiederherstellung ° fflch— Schiid-s bet den gu&es A-»ch aa:«n« se».
die unsere Torpedos Hörvorbringen, imd bei dem all- bekannten Mangel an g^ernien Arbeitern, Süllffbau' material und in den iranzosffchsn und ktalremschen Werften auch an Kohlen viele Monate dauert und den Neubau von Schiffen hemmt und, verzögert, so ist ein solcher Erfolg eines U-Bootsangrftfes nicht viel gerrn- ger einzuschätzen als eure Versenkung., Übrigen» ver- dirbt bei solchen Beschädigungen auch die Ladung meist ganz oder zu ihrem größten Teil. „ ... „ w
Wie oft kommen überhaupt mlche ^rrtumer der U-Bootskommandanten vor? Der vorerwähnte französische Verfasser zählt in seinem Artikel vom 10. ^uU sieben solcher Fälle innerhalb von drei Vkonaten auf, während derer nahe an 1000 feindliche Schiffe, versenkt worden sind. Also auch dieser Versuch, die Admiralitats- Meldungen in Zweifel zu ziehen, scheitert an erwei."
lichen Taffachen. . . . . ,
Nicht anders steht es mit den immer wleoerkehren- den feindliäien Behauptungen, wir erlitten dank den getroffenen Gegenmaßregeln schwere Verluste an U - B o o t e n. Demgegenüber kann nur erneut auf die amtliche Feststellung hingewiesen werden, daß der ! D u r ch s ch n i t t s v e r l u st an U-Booten m Monat die Zahl 3 nur um einen geringen Bruchteil überschreitet, während der Zuwachs m der gleichen Zeit ein M e h r f a ch e s davon ausmacht.
Die erfinderischsten Köpfe, der größte Aufwand an Geld haben unseren Gegnern noch vnmec nicht das Allheilmittel .gegen d i e . ,,U - B o o t s p e st in die Hand gegeben. Auch den weiteren Bemühungen, es zu finden, sehen unsere U-Baotsleute kalten Bmtes und mit dem Vertrauen entgegen, daß Sach
kenntnis und Geistesgegenwart, wie bisher auch kunf- tig das neue Mittel durch «m wirksameres Gegenmittel matt setzen werden.
II.
Der U-Bootskrieg ist angesetzt gegen den England und seine Verbündeten versorgmden Schlfs sr au», der in Wahrheit Englands L e b e n s a d e r ist. - Man
hat wohl, in England und anderwärts die Frage so zu drehen gesucht, ob durch den U-Bootskrreg England lediglich von der Lebensmittelzusnhr abgeschnitten also ausgehungert werden tollte, eine Fragestellung, die in ihrer leichten Faßlichkeit der breiten Öffentlich- keit besonders naheliegt. In Wirklichkeit, greift der U-Bootskrieg aber viel weiter: gerade in Eugtand sind ernste und sachliche. Stimmen laut geworden, die die Bedeutung der Vernichtung des Lchfffsramns, für Englands gesamte Kriegs- und W irtschafts- f ü h r u n g in aller Schärfe betonen und hervorheben. Der U-Bootskrieg ist also das Problem des Schiffsraums.
Von drei verschiedenen Standpunkten aus kann man
| die Frage betrachten. . . „ ,
Zunächst ist der Besitz emec eigenen starken Handelsflotte für England Lebensbedlngung. Das Wort des Ghefs des Admiralstabes Sir >;ohn Fellicoe- .Ohne unsere Handelsmarine kann die Kriegs- flotte und in Wahrheit die Nation nicht existieren , steht über allen Erörterungen dieser Art.
Als der uneingeschränkte U-Bo.itskrreg begann, verfügte England, wenn man von leinen eigenen Quellen ausgeht, noch über rund 19'/^ Millionen Bruttoregistertonnen Handelsfrachtrauin. alle «chrffe über 100 Tonnen mitqerechnet und auch, die schiffe der Kolonien einbegriffen-, dabei sind auch die von England beschlagnahmten und in Besitz genommenen Schisse der Mittelmächte berücksichtigt. Von fener Zahl sind dre Schiffe abzusetzen, die jeweils reparaturbedürftig und fcosMfi nickt fahrbereit sind und diejenigen, die m
deshalb nicht fahrbereit sind und diejenigen, die in England und seinen Kolonien der Kiistenschiffahrt dienen, sowie die auf den kanadi'cheu Seen Nimmt man diesen Abzug vorsichüg mit inSae'aml: 1% Mrllw- neu Tonnen an, so bleibt für die überseeische Fahrt ein Frocbtraum von 18 Millionen Brutto reg ntmtonnen übrig. Er vermindert sich infvlg-' der Kriegsverluste und des normalen Abganges, unter gleichzettiger Berechnung eines hochgegriffenen, sich stmgeinden Zu- aangs von Neubauten, mi Monatsdurchschnut um 450000 bis 500 000 Tonnen. Am 1. Juli belief sich danock der englische Schiffsraum noch , auf rund lo% Millionen Tonnen. Am 1. Oktober wird er nur, noch reichlich 14 Millionen Tonnen ausmachen. Berücksichtigt man dazu den R a u b b a u, der jetzt, vollends tm dritten Kriegsjahr, an dem Schiffsraum getrieben wird, insofern Reparaturen . und Überholungen rer Maschinen weff über das wirtschaftlich gebotene Maß hinaus aufgeschoben werden, so wird auch dem Laren deutlich, welche verhängnisvolle Bedeutung diese un- aufhaltsame Verminderung ^des Fracht- raums polittfch und volkswirffchaftlich für Englands Gegenwart und Zukunft hat. Ohne den Krieg England heute schätzungsweise uBer eme Handelsflotte von annähernd 25 Millionen ,B r u t t o- registertonnen verfügen; soviel haben die Krie^- mb der r« »«basl» ausgemacht
