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Verlag Laaggaffe 21

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Zrettag, 3. August 1917.

Üloraen-Husaabe.

Nr. 390. 65. Jahrgang.

Der dritte Rampfiag in Zlandern.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 2. Aug. (Eig. Drahtbecicht. zo.) .Der dritte flpndrische Offensivtag scheint nach den bisher vorliegenden Meldungen zu bestätigen, daß der größte und g e w a l t i g st e A n st u r nr. der je im Westen gegen unsere Truppen unternommen wurde, als glanzvoll abgeschlagen zu betrachten ist. Man darf von einer der heldenhaften geschichtlichen Leistun­gen sprechen, die von deutschen Heeren gegen feindliche Übermacht vollbracht wurden. Die Engländer, unter­stützt von den Franzosen, haben nach der 14tägigen unglaublichen Artillerieschlacht zwischen Ipern und Lys am 31. Juli mit alles, bisher Da­gewesene übertreffenden Massen über ein völlig zer­schossenes Gelände den Durchbruch versucht. Beiderseits Ipern, bei Nordschote, Warneton und La Bass6e-Ville in 26 Kilometer breiter Front wiedeicholte sich der An­griff mehrfach. Die Franzosen hatten nördlich von den Enaländern dis Stellungen zwischen Steenstrate und Nordschote in 4 bis 5 Kilometer Breite eingenom­men und brachten es trotz ihres starken Menschen­einsatzes zn keinem oder doch nur zu unwesentlichen Ergebnissen. Sie gingen insbesondere an der Straße nach Bixschote vor und, behielten nach hin- und her­wogendem Kampf die Trümmer diese« Ortes, der jetzt die Verbindungsstelle zwischen ihrer und der englischen Linie bildet. Der englische Angriff drang ebenfalls nur bis in unsere erste Abwehrzone vor. Ausschließ­lich östlich und nordöstlich von Ipern kam er über un­sere Trichterstellung noch etwas hinaus. Auf der süd­lichen Hälfte der Angriffsffont zwischen Ipern und Warneton-La Bass6e-Ville war der bciftsche Ansturm schon in der Entwicklung gebrochen worden. Entweder ist der Feind dort sogleich, aus den Trichtern wieder herausgeworfen worden oder aber er mußte sich damit begnügen, einzelne Trichterreihen mühsam zu behaup­ten. Das bedeutet bei dem Rieseneiusatz einen vollen Mißerfolg. Auch im nördlichen Teil des englischen Abschnittes, wo der Gegner noch über unsere vordere zerschossene Stellung vorstieß, ist nördlich und nordöstlich von Ipern sein Vordringen schnell zum Stehen gebracht worden. St. Julien ist von un­seren Truppen wieder genommen worden. Als erstes Ergebnis vom 31. Juli konnten die Engländer einen Raumgewinn von höchstens 2 Kilometer östlich von Ipern und 3% nördlich und nordöstlich von Ipern buchen. Angesichts der gewaltigsten Vorbe­reitungen und der Ziele, die der Feind sich mit Sicherheit stecken zu können glaubte, ist das be­schämend wenig. Am zweiten Tag setzten weder Engländer noch Franzosen den Angriff fort. In ihren Berichten ist das Eingeständnis zu finden, daß sie eine Niederlage erlitten haben. Sie beschönigen die Kampf­pause mit dem schlechten Wetter und geben an, sich in den neuen Stellungen einznrichten". Man richtet sich aber nicht auf so mager bemessenem neuen Gelände ein, wenn man zum Plan einen Durch­bruch größten Stils und das Aufrollen der feindlichen Front hatte. Wenn ein Angriff wie der englische, vorgetragen über 26 Kilometer Breite, an einer Stelle nur um 2 Kilometer und an einer an­deren Stelle nur 3ff> Kilometer vorwärts kommt, muß er doch wohl als abgeschlagen bezeichnet werden.. Wie sich Engländer und Franzosen auch auf dem

Trichterqebiet einrichten wollen-sie liegen dort

im deutschen Artillerie- und Maschinen- gewebrfeuer, das vernichtend wirkt und den­selben Erwlg haben wird wie einst an der Aisne, wo die etwas vorgedrungenen Franzosen die schmerzfichsten Verluste erlitten, als sie den kleinen Geländegewinn be­haupten wollten. Während sich dieser Titanen­kampf im Norden abspielt, haben im französi- scheu Abschnitt die deutschen Truppen Schläge ausoeteilt, die ihnen kaum weniger Gefangene einbrachten, als die Engländer bisher aus der Schlacht t n Ipern meldeten. Alle französischen Gegenangriffe cuchteten nichts, sondern erhöhten nur die feindlichen Menschenverluste.

Die englische Berichtrnstnttnng über die neue Offensive.

Sr. Haag, 2. Aug. Mg. Dvahtbericht. zb.) Reuter mel­det Don dem ersten Offensivtag der Engländer: An. zahlreichen Stellen sind wir über die Ufer gegangen. Die Artzwie unsere Truppen sich mitten im ffrudkichen Feuer Brücken schlugen, war unübertrefflich. Eine einzige Division schlug an einem Tage 14 Brücken. Reuter macht sich dann darüber Gedanken, warum die Deutschen ihre erste Linie nicht kräfti­ger verteidigt hätten, da sie doch wußten, daß ein Angriff oe- vorstand. Sie hätten ihre Truppen nur verschöbe n, aber nicht ergänzt. Im übrigen sei zwar dir erste Linie durch dir Beschießung sozusagen ganz ffeigelegt worben, 'dafür lagen aber viele deutsche Truppen mit einer Menge

in feen »t«.««*** tcht«ra.

Die Franzosen haben 29 Brücken über die Mer geschlagen und seien weit vorgerückt. Der Sonderberichterstatter der Times" berechnet die Angriffsffont auf ungefähr 13 Kilo­meter, ausgehend von der Umgebung von Warneton, um den Bogen bei Ipern bis Boeünghe. Weiter heißt es:Die

Kolonial trupp en sind diesmal im ganzen geschont worden. Die letzten 4 Hügel wurden trotz schärfster Gegen-- wehr im Sturm genommen. Die versteckt ausgestellten Maschinengewehre haben wieder verheerend ge­wirkt".Daily Chronicle" weist durch ihren Augenzeugen daraus hin, daß die Deutschen an verschiedenen Stellen m:t ihrer schweren Artillerie sich bis aufs äußerste zur Wehr setz­ten, um diesen ungeheuren Angriff aufzuhalten. Man rechne mit einer allmählichen Zunahme des Widerstandes des Feindes. Das Wetter ist ungünstig. Die bisherigen Be­richte der englischen Kriegsberichterstatter tragen nicht dl? Unbekümmertheit und die Siegessicherheit zur Schau wie früher üblich.

Die Kämpfe bei Craonne.

W.T.-B. Basel, 2. Aug. (Drahtbecicht.) Der Pariser Korrespondent desCorners della Sera be­richtet, die Franzosen seien entschlossen, dre.KmnPfe ans der Hochebene von Craonne zu einem günstigen Ab­schluß zu führen, während die Deutschen ihrerseits nicht im entferntesten die Absicht bekunden, die Partre als verloren für sich zst betrachten.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 2. Aug. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 2. August, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresffont des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Keine besonderen Ereignisie.

Heeresffont des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Der Feind griff beiderseits des C a s i n u t a l e s zu verschiedenen Malen heftig an.. Unsere tapferen Trup­pen blieben im Gegenstoß und in stundenlang andauern­dem Nahkaurpf Sieger. Die russisch-rumänischen Divisionen mußten unter schweren Verlusten rn ihre Stellung zurückweichen.

Die Armee des Generalobersten v. K o e v c ß ge­winnt unter Kämpfen Raum. Die Höhen öst. lich von Mraqoiessa in der Dreiländer ecke und die östlich von Kimpolung sind in unserer Hand.

Heeresffont des Gcneralfeldmar'challs Prinz Leopold von Bayern.

Die Streitkräfte des Generalobersten von B ö h m- Ermolli dringen unmittelbar südlich des Dnjestr gegen die russische Grenze vor. Der Mnndungswinkel des Zbrucz wurde zum größten Teil vom Feinde gesäubert.

Italienischer und Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts z« melden.

Der Chef des Generalstabs.

»

Kaiser Karl in Galizien.

Bon der Reise Kaiser Karls nach Galizien wird noch ge­meldet: Das befreite Land jubelte mit großer Begeisterung und Herzlichkeit dem jungen Herrscher zu, aber das Auge fiel überall auf Bilder sinnloser Barbarei, die gerade­zu auffeizend wirkten. Ostgalizien ist in diesen Tagen eine einzige große Brandstätte, ein Ruinenfeld ohnegleichen ge­worden. Die sinnlosen Mocdbrennereien in den Quartieren der Armen und Ärmsten und Plünderungen und Drang- sclicrungen der ruhigen Bevölkerung sind Denkmäler einer Barbarei, die man selbst im Weltkrieg misten konnte. Die Fahrten durch Ostgalizien waren für den Kaffer ein Lei­densweg in des" Wortes vollster Bedeutung.

Der konzentrische Vormarsch gegen Tjchernowitz.

W.T.-B. Wien, 2. Aug. (Dvahtbericht.) Aus dem

Krieasprestequartrer wird gemeldet: Die Linien der Verbün­deten laufen von L i e I n i c a über Z a st a w n a und Ozechlibh zu den Höhen südöstlich von. Mihowa. Sie überspringen dann den 1300 Meter hohen Bergrücken und das Suczana-, wo die Merreichisch-nnga rische i Trappen süd- westlich vcn Frafin um den Eingang in das Radautzer Becken kämpfen. Dann geht die Front über das 1400 Meter hche Gebirge in dos Moldawakrl westlich von Kimpolung, um sich dorm etwa 20 Kilometer südl'ch von Dorna Watra in die alte Karpathenffont der Rüsten einzu fügen. Die Heere der Verbündeten sind in konzentrischem Vormarsch gegen Tscheriunitz, das Radautzer Becken und die Stadt Sereth. Im Hochland zwischen dem Dnjeftc und Pruth sucht der Eigner seinen Widerstand durch das Einsetzen von Verstärkungen, zu versteifen. Die verbündeten tapferen Heere durchbrechen im unermüdlichen Angriff Stellung aul Stellung des sich hartnäckig wehrenden Gegners. Im Gebirge nutzt der Russe die Vorteile des Geländes, wo es nur immer möglich ist, Dir Verteidigung aus. Durch geschickt

angelegte Umgehung und heldenmütige Anstürme ent­rissen ihm auch hier unsere unvergleichlichen Truppen Höhe um Höhe.

Die schweren russischen Verluste.

Berlin, 1. Aug. Bei ihrer kürzlich rmternommenen und so katastrophal verlaufenen Offensive haben die Russen ganz außerordentlich schwere Verluste erlitten. Am 1. Juli wurde die 23. Division fast gänzlich nufgerieben. Von der konMnierten s i b i r i s che n Division blieben nach dem Angriff pro Kompagnie kaum 40 Mann übrig, ebenso vom 10. finnlänidischen Schntzenvegiment. Von einzelnen kehrten kaum 3 0 Mann zurück. Das Infanterie-Regiment Nr. 293 der 74. Division ist ebenfalls fast aufge rieben. Die 108. und die 153. Division wurden, als der Angriff nicht vorwärts kam, zur Unterstützung eingesetzt. Sie erlitten der­artige Verluste, daß sie in einem bezw. drei Tagen bereits znrückgezvgM werden mutzten. Vor einem Frontabschnitt von 3 Ki l o m e t e r Breite wurden allein 4000 Leichen gezähli. Vielfach waren die russischen Regimenter entschieden gegen die Offensive. Unter anderem verweigerte das Re­giment 205 der 52. Division und das Infanterie-Regiment 32 der 21. Division den Angriff in der Überzeugung, daß jedes Weiteükämpffn nur England begw. der Bourgeoisie nütze. Der Glaube au Kerenski ist erschüttert, weil dielffr eine Artillerievorberleitung versprochen hatte, die der JnfEterie das Vorgehen mit Gewehr über ge­statten würde. Die Enttäuschung .war angesichts der Ver­luste umso furchtbarer.

Die englischen Pnnzerantos gegen die fliehenden Russen.

Br. Rotterdam, 2. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Berichterstatter derTimes" bei der russischen 7. Armee läßt sich über die Leistungen der Abteilung englischer Panzerautos aus und enthüllt dabei, daß sie hauptsächlich gebraucht wurden, um die fliehenden Russen aufzuhalten. Das geschah in der Weise, daß die Panzerwagen tn die weichenden Russen feuerten. Mancher dieser Wagen hat zu diesem Zweck gegen 3000 Salven auf die Russen abge­geben. Die englischen und belgischen Kraftwagen deck­ten auch bei Tarnopol den Rückzug der Russen.

Die Fahnenflüchtigen von der Kampffront.

W. T.-R Stockholm, 2. Aug. DiePetrogradskaja Gazeta" meldet aus Cameuec-PodolSk in Südpodolien: Die Stadt ist voll von Fahnenflüchtigen, die in großen Massen von der Front geflohen sind und die Eisenbahnstationen belagerten. Die Einwohner befürchten Plünderungen. Alle öffentlichen Einrichtungen trafen schleunigst Vorberei­tungen, um die Stadt zn verlassen.

In Moskau suchte ein verheerendes Feuer die Lagerplätze der Ostasiatischen Konipagnie heim, wobei Baum­wolle im Werte von 3 Millionen und Tabak für 2 Millionen Rubel vernichtet wurden.

Kerenski als Stratege.

Zunahme der Disziplinlosigkeit in der Armee.

8. Stockholm, 2. Aug. Mg. Drwhtlbericht. zb.) Nach der Rußkoje Wvlja" erlaubt sich Kerenski beständig Ein­griffe in die Kommandogewalt. So wollte er n>ach eigen>em sttategifchen Gedanken die Operation in Galizien durch eine Offensive an der Minskevffont ersetzen. Dieser Versuch erlebte jedoch ein kümmerliches Schicksal. lEinem aulsgewählten Angvi-ffsbataillon gelang es, ein kurze» Stück lder deutschen Stellung zu erobern. Es setzte sich in einem GvabMaibschmitt fest und verlangte dann Hilfe. Nach­dem es einen halben Dag vergeblich gewartet hatte und Zu- führ und weitere Befehle ausWeben, zog es sich in die alten Stellungen zurück. Alis dann später ein Regiment zu seiner Unterstützung erschien, begann das Angriffsbataillon dieses zu beschießen und ließ einzelne Mannschaften nniter die lächer­liche AMage stellen, sie hätten. den Deutschen durch Lichi- sognale die russischen Stellungen verraten. An der gleichen Frontstelle beginnt nicht kontrollierbaren Blättermetdungea zufolge die Diisziplin eine besonders schlechite zu werden. ES werden PrMamakümen verbreitet, in welchen die Offiziere aufgefordert werden, ein besonderes, ausschließ­lich auS Offizieren bestehendes Angriffskorps zu bilden, wel­ches eine besondere Armeeabteiluug bilden soll. An der Süd- westffont mußte Kerensk! es erleben, daß bei der Offensive einer feiner Helfer nach dem anderen sich von ihm loSsagte. Di« Armeeckomlmiffare an der Südwsstffvnt Baris Sawrnko und Maximilian Filoleniko, welche es übernommen hatten, die Truppen zur Pflichterfüllung für das Vaterland zu bewegen, telegraphierten an KerenM, daß es eine unmögliche Au fgab« sei, die Armee in einen A n gr i ffszustan d z u v e r s e tz e n. Sie müßten es daher ablehnen, für weitere zwecklose Bkitopfer die Verantwortung zu tragen. Die Mehr­zahl der Soldaten in der Llrmee hätten heldenhaft dem deui- fchen Angriff widerstanden, aber die Feiglinge in der rechten Flanke der 8. Armee und im Zentrum der 7. Armee hätte« ihre Stellungen geräumt. Dadurch Hab« eine Panik di« gesamte Armee ergriffen. AuS dieser Lage Wir­ten sie keinen Ausweg. D:e Maschinengewehve im Rücken de: ; eigenen Truppen könnten ewk nichts mehr nützen.