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Nr. 386. . 65. Jahrgang.

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Mittwoch» 1 . Nugust 1917

Morgen-klusgabe

Kn der Schwelle des vierten Uriegsjahres.

Zum dritten Male neigt sich ein Kriegsfahr ftinem Ende. Wohl rst die Zahl unserer Feinds rn r> uem dritten Kriegsjahr wieder gewachsen sE hat sich unter denr Druck van Frankreich und England zur Kriegserklärung an Deutschland entschlreM-n müssen und Griechenland, das noch nicht öenFreude- bccher,eine kleine Nation unter dem Schirm der Alliierten" zu sein, bis zur Neige ausgekostet hat, wird vielleicht die blutigen Kosten fite den Abzug der Sarrail-Armee, die so gut wie nichts ausgerrmtet hat. tragen müssen. Aber m umgekehrten Verhältnis zur Zahl unserer Feinde steht ihre Macht.

Wo sind ihre überschwenglichen Hoffnungen geblie- ben, die ihr geschäftiger Lügentelegraph vor Jahres­frist in alle Welt hinaustrug? Da horte man über die letzten Zuckungen des deutschen Raubtier^ . Und Kitchener vermaß sich noch kur; vor seinem Tode, den Deutsch-m den entscheidenden Schlag bis zum November 1916 zu geben, wenn man ihm nur genug Truppen zur Verfügung stelle. Die englischen Werbebureaus arbei­teten fieberhaft, englisches Gold. Albwns Überredungs­künste im Bösen und Guten wurden mcht gespart. Te. schlaue Bratianu wollte mit dem voraussichtlichen Sieger gehen und griff ein, umden Krreq vollends abzukürzen". Durch den Zuwachs des drmviertel Mil- lionen starken rumänischen Heeres erwartete die En- tente einen gänzlichen Umschwung der Kriegslage. Aber die in Siebenbürgen eisigetallenen rumänischen H«.« wurden mit unerhörter Wucht hrnweggefegt. Gleich- Zeitig brach in der Dobrudicha unter dem machtvollen Ansturm deutscher, bulgarischer und türkischer Truppen der Widerstand der Rumänen und der rn Eile herbei- geführten rusiischen Unterstützungen. Hindenburgs und Ludendorsfs Feldzugsplan bereitete den Rumä­nen eine Niederlage'»n irtukl« »rw 6rn*tp zugleich die Offensive B c u f fn l,o w s zum Scheitern. Mehr als anderthalb Millionen Menschen hatte er nutzlos geopfert.

Fm Westen hatte die große englisch-französische Offensive trotz der vielgerühniten Einheit der ge- samten Front der Alliierten - einen Monat spater em- gesetzt als im Osten. England warf m den Kampf seine gesamten lang geschonten Kratze und bot dazu eine unerhört große Menge ooii Artillerie und Munition auf, wofür es die Unterstützung der Kriegsindustrie der gan-en Welt hatte und zugleich dm gesamte Industrie des eigenen Landes mobil machte. Frankreich setzte entsprechend dem bei Verdun sich verringernden Druck ebenfalls starke Kräfte zum entscheidenden stoß an der Somme ein. Dem A n p r a l l v o n r u n b 2 2 S D i v i- Honen hielten unsere unvergleichluhen Truppen stand Mit einem Verlust von MV 999 Eimlandern und 250 000 Franzosen wurde innerhalb der a Monate der winzige Geländegewinn von .$00 Guabrat* kilometer bezahlt. Jetzt hatte man für das ernst- gemeinte deutsche Friedensangebot nur höhnische Ant- wort und rüstete sich, um nach der Wmterpause mit noch verstärkten Mitteln an allen Fronten zugleich anzu- greifen An der ganzen franzdsilchen und belgischen Front sollten Angriffsmittel bereitstehen wie im ^ahr zuvor auf dem begrenzten Abschnitt an der Somme. Der Zar, der Friedensneigungen zu haben schien, wurde mit Unterstützung Englands entthront. Der einstige Friedensfreund Kerenski dm die revolutio­näre Bewegung emporgetragen gatte, fühlte sich als Gambetta und Napoleon. Er suchte nicht nur das -Heer, sondern das ganze Volk zum erneuten Kampf gegen dasautokrattsche" Deutschland, das des revolutionären Rußlands Freiheit bedrohe, zu entflammen.

Aber man sah in Deutschland und bei seinen Ver­bündeten den Ankündigungen und Rüstungen der Geg- ner nicht tatenlos zu. Alle wirtschaftlichen Kräfte wur­den für die A u s f ü h r u n g des Hin d enbur g- Programms zusammengefaßt, die Krieg-Wirtschaft wurde unter das Kriegsamt gestellt. Die Emfuhriing der Zivildienstpflicht erbrachte den besten Be­weis für den unerschütterlichen Willen zum ^urchhal- ten Dank der Besetzung Rumäniens, das von seinen eigenenFreunden" aufs schlimmste betrogen wurde, verbesserte sich unsere wirtschaftliche Lage wie, die un­serer Verbündeten. Der Aushungerungskrieg, den England uns zugedacht hat, bedroht die ocrtifcye Küste dank dem uneingeschränkten U-Bootskrrege, der seit dem Februar mehr als 5 Millionen Tonnen Schiffsraum ins Meer gesenkt hat. Er hat es auch ver­hindert, die von der englischen Heeresleitung als Er- satz verlangten anderthalb Millionen Mann cms In­dustrie und Landwirtschaftauszukammen. ^zn der Heimat sorgte rastlose Arbeit dafür, daß unsere Der- teidiguugsmauern im Westen die genügenden mecham-

schenKamPsesmittel erhielten. Daneben wachte man dar- über, daß der innere Wert der kampferprovten Kareger

"Ä wir denn all den Angriffen in West und Ost, die in der Vorberertimg waren, getrost ent­gegensehen. Aber wiedm waren wir es. die dem Feinde die Handlung diktierten. Aus der Abwehr rm Osten ist eine gewaltige ,OPeratron ge­worden. Der Russe muß in Galmsn selbst aus den Orten die er seit Kriegsoeginn besetzt hatte, über Hals und Kopf flüchten. Die letzten noch unbesetzten Teile Rumäniens sind bedroht. Im Westen .stehen wir f e st e r d e n n j e. Die Actillecieschlacht rn Flandern tobt seit Wochen, ohne daß der cngli'che Führer sich stark genug glaubt, zum Angriff übergehen ZU können. Wie kleinlaut war man doch auf der überstürzt zu­sammengebrochenen Pariser Konferenz. Dre einzige Rettung sah man nur in dem Eingreifen Ame rikas Wir aber, die wir im dritten Krregsmbr die ganze Kraft des Volkes in die Wagschale geworfen haben die wir unseren kolossalsten Gegner Rußland endoültig haben zusammenbrechcn sehen, halten aus, halten durch bis zum endgültigen Sieg, vertrauend auf die eigene Kraft, vertrauend auf unsere gerechte Sache. Nicht Eroberungsgirr, die Liebe zum Vaterlande, das man zur Ohnmacht verurteilen will, hält uns aufrecht, und trotz aller Friedensbereitschaft kampfbereit. __

Heue Erfolge in Gstgalizien und in der B'iiowiua.

voo Tagosvoricht vom 31.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 31. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

In Flandern steigerte sich der A r t i l l e r i e k a m P f abends wieder zu äußerste. -Heftigkeit, hielt wahrend der Nacht unvermindert an und ging heute morgen rn starrstes Trommelfeuer über. Dann setzten ans breite rFront von der Yser bis Lys st arke f eindli ch e A n griss e em.

Die Jnfantcrieschlacht in Flandern hat damit begonnen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Am Chemin des Domes griffen die Fran zoftn südöstlich von Filain in 3 Kilometer Breite an. Ihr «totz brach an den meisten Stellen in unserer Abwehrwirknng zusammen. Zwei begrenzte Einbruchsstellen sind noch in der Hand des Feindes.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bahcrn.

Heeresgruppe des Gea-ralobersten v. Böhm-Ermolli.

Angriffsfreudiger Draig nach vorwärts brachte unseren und den verbündeten Truppen in Ostgalizren und der

BukowinaneueErfolge.

Der Grenzfluß Zbrucz ist von oberhalb Husiatpn bis südlich von Scala in einer Front von 50 Kilometer trotz er. b-ttertcn Widerstandes an vielen Stellen von deutschen und österreichisch-ungarischen Divisionen überschritten

Auch die osmanischen Truppen haben ihre alte Tüchtigkeit erneut bewiesen. Wie sie anfangs Juli m zäher Standhaftigkeit dem Masienangriff der Ruffen unerschuttcrt trotzten und dann im raschen Siegeslauf den Femd von der >ri>-ta-"iva bis über den nördlichen Sereth zuruckwarfen, wo er sich stellte, so nahmen sie gestern im kampffrohen Drauf­gehen die hartnäckig verteidigten Stellungen der

311 Zwischen Sereth und Pruth erkämpften sich die verbün­deten Truppen in Richtung auf Tschernowitz die Orte Werenczanka und Sniatyn.

Heeresfrout des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Fn kraftvollem Ansturm durchbrachen deutsche -läoer die rusiischen Nachhutstellungen Wiznitz. Der Feind w»»dc dadurch zum Räumen des Czeremosz ge­zwungen und ging nach Osten zurück. .

Auch in den W ald k a r p ath en, dem Oberlauf deS südlichen Sereth sowie beiderseits von Moldawa und Sus- awa gewannen wir i m A n g r i f f ° st w ä r t s G e l 8 n d e.

Unter dem Druck dieser Erfolge gaben die Rügen am M okt ec anesti-Abschnitt ihre vorderen Linien auf.

Im Berezker-Gebirge setzte der Gegner ferne Anarisse fort. Fünfmal griff er im Laufe des Tages am Mo Easinuli an, ohne einen Erfolg zu erzielen. Werter südlich wurde eines unserer Regimenter durch starken femd- licherr Stoß in eine weiter westlich gelegene Höhenstellung zu­rückgedrückt.

Eki bcc

Heeresgruppe des Generalseidmarschalls v. Mackensen und an der

. mazedonlschen Front

ist die Lage unverändert.

Der Erste Gencralquartiermeistcr : Ludendorff.

Das erfolgreiche Vordringen in den Karpathen.

W. T.-B. Wien, 31. Juli. (Dvahtbericht.) Aus dem Krisgspreffequartier wird gemeldet: Die Lockerung der

rusiischen Karpathenfront erweiterte sich um etwa ^0, Krlo- meter In zähem Kampf suchen dock °>ker«ichrsch- unqarische Truppen durch das Moldavatrl in der Rrch.ung auf K i m p o I u n g vorzudringen. Auch iu den Nebentalern der Suczawa, des Sereth und des Ezeremo-z ge­winnen wir haitkämpfead Raum. Die Voreuckung rn Vieseni Gebiet ist durch die defrlecariigen Täler des über 1210 Meter hohen Karpachcnvorlandes autze-ordentlich erschwert. Wenn auch bas Gebirge unserer heldenmütigen Infanterie kernen unübersteigbaven Wall bieten kann, so ist doch das «orwarts- kommen unserer ArWerie meist an wenige Kommunr- katirmen gebunden. Unsere Linien laufen setzt etwa oon Dornr-Wctra westlich Valrputna im Putnatal, dann westlich Fundel-Moldovr über Breaca längs der oberen Moldova und des Schipoch, dann über Wiznitz längs des Czeremosztale--. Auch zwischen Dnjestr und Pruth sucht der im Kampf vielfach aewerfeue Gegner in stets neuen Stellungen zu widerstehen. Doaegen ist zwischen Zbrucz und Dnjestr noch immer, ore Wideistandskraft der Ruffen gebrochen. Überall must er dem schneidigen Bcrsturm unserer über alles Lob erhabenen Truppen N eichen. Abwärts der Skala wird daher das Ge­biet zwischen Zbrucz und Dnjestr baldvomFeindefrei sein.

Der Dank der beiden Kaiser fstr die Heerführer im Osten.

W. T.-B. Zloczow. SO. Juli. Kaiser Karl verl-eh dem Hieresiuulppensommandanlkn Generaloberst v Bbhm.E-mo.lt dos Komriiaiideurkreaz des M'Iüär-Maria.^htie^en-Ordens, desi n Gineralhabsches Bardo's das Gi-cßsrcirz des Ordens. Ferner verlieh Kaiser Karl dem Generalseldm-irsi^ill Prinz Leopold v n Bayern das Wiluärverdlenstkcm, erster stllsie mit der Ärieasdekoration mit Biillantcn. dessen Geueral- üabschef Oberst Hassmann den Orden der Eiserner Krone, zweiter <Unf'c mi, der Krie.iZdlkeeation, dem Führer der deutschen Südnimee General der Kavallerie Grafen Br-ihm er du groge MilitäcoerdicnstmcLaillc am Bond-, d-.s Mtlila,verd,mstkreuzcS. Kaiser Wilhelm verlieh dem Gcncralckcrsien v. Bohin- E r in o I' i da? Eichenlaub zum Orden ?our le rr.ei ite «nd dem Generaliuajora r do H txn Orden Pour lc ri.rrlt<e. .

Kaiser Wilhelm an der Front vor Riga.

W. T.-B. Berlin, 31. Juli. sDrahtbericht. Amtlich.) Der Kaiser fuhr heute von Mitau aus rm Motor- boot auf dem Aafluß zur Front und begrnßte die Truppen vor Riga. Das Wetter ist sehr gerß.

«ltaiser Karl in Tarnopol.

stV. r.-B. Tarnopol, 30. Juli. Kaiser Karl hielt heute feinen feierlichen Einzug, rn 2iornopol. Die Huldigung der von den Russen befreiten Stadt und die b e g e 'i st e r t e n Kundgebungen der auf dem Wege dahin angetroffenen östcrrejchrsch-unganschen mtd deutschen Truppen legten Zeugnis kur dre dem He. r- scher allerorten entgegengeb rächte Liebe und Ver- ehrung ab. Der Kaiser wurde gestern Zeuge des großen Anteils der österreichrfch-unganschen Truppen an den jüngsten glänzenden Erfolgen. So sah der Kaiser heute deutsche Führer und Truppen, dre sich rm Raume von Tarnopol mit oft erprobter Bravour schlugen. Schließ­lich marschierten die Truvpen vor dem Kaiser vorbei, an der Spitze eine Abteilung der vreuhrichen Garde mit dem Sohn des deutschen Kaisers Prinz Eitel Friedrich Am Eingang von Tarnopol erwartete den Monarchen eine Schwadron preußischer Garde- Husaren Sie ritt dem Kaiser bei denr Einzüge m dre Stadt voraus. Ein Jubelschrei ging durch ganz Tarno- vol als der Kaiser im lanasamsten Tempo auf den Hauptplatz fuhr, wo Tausende versammelt waren, um ihn zu begrüßen.

Der Widerhall der Anklage der Reichrkanzlerr.

Das bewiesene Falschspiel der Entente.

W. T.-B. Wien, 31. Juli. In einer Aesprechung der Reben des Grv,f«n Esernin und dos ReichS- karizlers Dr. Michaelis schreibt ÄieNeue Fr. Pr.": Die Engländer ustd Franzohlen sagen, sie führen -den Krieg für dw Freiheit nrü» SelibsibeftiMNMN-g der -Völker. Keine Nation düstfe unterdrückt, keine unter eine Frwnldherrschast gebracht werden. Inzwischen hat aber Fraickröich mit Rntzkand einen Vertrag aeWossan, rn dam sich der Zar verpflichtet, .den Krieg so lange zu führen, bis das linke Rheinnfer err-oicht ist. Diese Schamlosigkeit wurde durch die EntihMnngen des deut­schen R-oichsl-cmzl-ers offenkundig. Die englische Regie­rung kennt den Vertrag, den Poincare mit dam Zaren abge­schlossen hat und unterstützt mit ihrer ganzen Waffeng-Swalt den Plan zur Bedrückung das ^deutschen Landes, -ein Plan, a-us dem, wenn er durchgaführt werden könnte, immer neue Kriege hervorgohau müßton. Denn die Rheinländer würden sich niemals der französischen Hervfchast fügan. das deutsche Volk-vde niemals auf den Gedanken an die Er- Wsnng des verlorenen Gebiets, verzichten. Welche Falsch^