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Morgen-Kusgabe
SS. Jahrgang.
Nr. 284.
Dienstag, 31. Iuli 1917.
Militärischer Iahresrückblick.
(Bon unserem milrtärischen Mitarbeiter.)
Beim Eintritt in das 3. Kciegsjahr winkten der Entente günstige militärische und politische Aussichten. Im Westen zeigte ein tiefer englisch-französischer Kerl auf Bapaume und Peronne, an der Maas war der deutsche, zwischen Etsch und Brenta der österreichischungarische Angriff zum Stehen gekommen, im Osten hatten die Russen eine raurmimfasseude Offensive begonnen. Die Hoffnung ans den rumänischen Krastzu- wachs war für die Feinde nur eine nahe Zeitstage. Fast gleichzeitig an allen Fronten begann die Offensive. Die langersehnte Einheitsfront war äußerlich hergestellt worden. Die Kampfplätze im Westen waren Maas und Somme. Das Ringen an beiden Flüssen galt dem Durchbruch, der Vertreibung der Deutschen aus den besetzten Gebieten. Bis Eiide Oktober blieben die deutschen Linien an der Maas unverändert, obwohl die Franzosen starke Masten an Menschen und Munr- tion zum Durchbruch einsetzten. Erst am 23. Oktober fielen das ehemalige Fort Douaumont und am 1. November die Feste Vaur in Ferndeshand, ohne jedoch die bisherige strategische Lage zu ändern. Anders die Sommeschlacht! Mit dem Vorschreiten der,Jahreszeit wuchs sie zu einer Heftigkeit an, welche eine weitere Steigerung undenkbar machte. Die Pausen zwischen den gewaltigen Großkampftagen waren kaum mehr zu erkennen. Bald stürmten gemeinsam 20 feind- liche Divisionen bis zu einer Breite von 40 Kilometer gegen unsere Linien, dann schrumpfte die Angriffsbasis wieder stark zusammen oder fiiljvtc Engländer und Franzosen getrennt in das riesenhafte Rrngen, um plötzlich nach Süden über die Somme. mich Norden über die Ancre überzugreifen. Der erstrebte Durchbruch glückte aber trotzdem nicht. Die wildeste Energie des Feindes, der turnchohe Einsatz an den Produkten der Kriegsindustrien fast der ganze» Wett, der rücksichtsloseste Blutzoll, alle diese übermenschlichen Anstrengun- gen und Opfer schmolzen vergebens unter dem Heldenmuts unserer Sommekämpser, der Umsicht und Voraussicht der deutschen Führung. Gegen Ende Oktober hatten Engländer und Franzosen das schon für den 1. Juli festgesetzte Marschziel Bapaume und Peronne noch nicht erreicht. Auch die erstrebte strategische Fernwirkung, die Entlastung Rumäniens, gelang den verbündeten westlichen Feinden nicht, ebensowenig den Russen mit ihren unausgesetzten Mastenstürmen nördlich des Sumpfgebietes, im Lnckbogen, Galizien und den Waldkarpathen. Infolge der todesmutigen Abwehr der immer neu herangeführten Rus'emnassen durch die Truppen der Mittelmächte war es unseren Heeresleitungen möglich, zum starken Schlage gegen den zehnten Feind auszuholen. Mackensens Siege in der Dobrudscha und an der Donau, Falkenhayns glänzende Durchbrüche bei Hermanustadt, bei Targu Jru, am Argesul, bleiben ebenso für alle Zeiten Muster- beispiele Hinden burgscher Strategie, wie der Siegeszug der Verbündeten bis zum Ostende der Walachei vorbildlich dafür anzusehen ist, daß deutscher Feldherrnqeist es verstanden hat. den hinter star- ken Sperren gettennt bereitgestellten Heeren den Weg zum vereinten Schlagen und Siegen zu zeigen. Diesen Lauf konnte auch Italien nicht ausyalten. In kurzer Aufeinanderfolge setzte es von Anfang August bis Ende Oktober zu vier 'großen Durchbruchsschlachten an. Die Besetzung des Görzcr Brückenkopfes und der Aul- stieg auf die Karsthochstache in geringer Tiefe und Breite waren der schmale Siegespreis des Gegners in diesem wochenlangen Ringen. Gleich wirkungslos blieben die Anstrengungen der Entente vor Sa l o n i k i. Sie versandeten nach bluttgenKämpfen zwfchen Vresba- und Doiransee gegen Okroberende im Cernabogen und auf dem Höhengelände beiderseits Mouastir. Die Er- oberung dieser Stadt am 18. November war der ein- zige Erfolg in diesem Gelände. Das Ende der großen Durchbruchskämpfe ttat jetzt für die Ententeheere ein. Anders war es bei den Mittelmächten. Am 3. Dezember wurde die letzte Schlacht vor den Toren von B u k a r e st am Argesul gewonnen, am. 6. Dezember zogen die Sieger in die Hauptstadt ein. bis züm 30. Dezember waren die Russen nach uncmshörlichen Durchbruchs- kämpfen bis an den unteren Sereth zurückgeworfen. Mit der Eroberung von F o c s a n t am 8. Januar, dem Zurückwerfen des Feindes aus denGe- birgsstellungen des östlichen Siebenbürgens und feiner Vertreibung aus der nördlichen Dobrudscha war der rumänische Feldzug glänzend beendet. ^ „ ,
Ein überaus strenger Winter begrub auf Wonnen und Monate die kriegerischen Unternehmungen der Kämpfenden, nicht aber ihre Pläne für das nah« Frühjahr. Die Frage, wer der Angreifer werden solle, wurde immer wieder gestellt. Da erlebte dm Wett die Überraschung, daß der zur Verteidigung Verurteilte noch chor dem Angriffe das KampffeL räumte und daß der
Angreifer wochenlang Luststoße ausführte. Erst Ende März fühlte der Feind mit starken Kräften nach, um gleichzeitig mit unseren Sicherungstruppen m dre Hauptstellung einzubrechen. Dies zeitraubende Unternehmen mißlang vollkommen. Hindenburgs Ltrategre zwang den Feind zu starken Angriffen in großen Verbänden und gewährte ihm kein«' Schonung. Gegen eine nach allen modernen Grundsätzen ausgebaute Be- festigungszone von großer Tiefe rannten die Englancwr am 9., 23., 29. April sowie am 3. Marm den Schlack- t e n b e i A r r a s, die Franzosen am 16. und 30. April an A i s n e, A i s n e - M a r u e k a n a l und den Hohen der westlichen Champagne. Die Frücyte dieses riesenhaften Einsatzes an Gut und Blut waren für unsere Feinde äußerst gering. Hierzu kani, daß üe dreien schmalen Erfolg angesichts starker deutscher Gegenstöße und unseres vernichtenden Fernfeuers behaupten mußten, wodurch ihnen weitere Blutsopfer auferlegt wurden. In den Mai- und Juni-Wochen der- loten die Franzosen auf dem Höhenrücken des „Damen- Pfades" stückweise die ihnen wichtigen Beobachtungsstellen in dem nördlichen Ailette-Grund.
Die Fr ü h j a h r S o f f e n i i v e u n f e r e r Fe i n d -
an der westtichen Front war eine furchtbare Niederlage für sie, welche schwere Erschütterungen bei der französischen Heeresleitung auslösten. Ebenso erging es den feindlichen Bundesgenossen, welche in Italien und auf dem Balkan zum Durchoruch anfetzten. In den Tagen vom 15. Mai stürmten die Italiener zum 10. Male gegeii die Jsonzomauer und holten sich auch bei diesem gewaltigen Anstürme eine blutige Niederlage. An diesem Ausgang wurde auch nichts geändert durch die üalienifchen Versuche, zwischen Etsch und Brenta in das Trentino einzubrechen. Auf dem Wesstlügel der Balkanstout wurden die Ententetruppen in März und Mai zu zwei blutigen Offensiven geführt. Die zweite war ein noch größerer Fehlschlag als die erste, denn in den Maitagen wurden selbst tun- zelne Gräben von dem Angreifer nicht behauptet. Mäh- sam schleppte die Entente Me - bkuiige Kampfhandlung, welche Anfang Mai durch die gemeinsamen Stürme der Engländer, Franzosen und Italiener zu einem gewaltt- gen Höhepunkt emponpstlommen tvar. bis in die Sommermonats hinein, ohne nochmals zu erneut,' großen und einheitlichen Stotze alle Kräfte zusammen- zufassen. Ende Juni gelang es endlich, den Staats- männern unserer Gegner, den russischen Bundesgenossen zur teilweisen Einlösung seiner Ententepslichten zu zwingen. Am 1. Juki 'etzte das russische Revo- lutionsheer im nördlichen Galizien vergeblich zu einem gewaltigen Stoße an und 10 Tage spater mit dem gleichen Mißerfolge südlich des Dnjestr, wobei Lemberg das Ziel war. Unsere Heeresleitung wußte die richtigen Folgerungen zu ziehen, indem sie am 19. Juli zu einem Stoße ansetzte, welcher zum Durch- b r u ch i m nördlichen Galizien führte und den Stellungskrieg in einen siegbringenden Bewegungsfeldzug überleitete.
Erhobenen Hauptes irnd in dem berechtigten Stolze des Sieg ers treten wir in das vierte Kriegsjahr. Eine lückenlose Front zu Wasser und zu Lande, eine einheit- liche Zusammenfassung aller Kraftquellen waren dre wiMgeu Grundlagen, welche die Mittelmächte im dritten Jahre schufen. Hierdurch sowie durch die Pracht- volle Haltung unserer Wehr ans allen Kampfgebieten wurden die Vernlchttmqsabsichten der Feinde zuschan- den. Aber ungebrock,en bleibt ihr Wille, sie doch zu der- wirklichen. Auch dieser Wille wird zusammenbrechen, wenn die erfreuliche, ungehemmte Arbeit unserer Tauchboots, dis den feindlichen Rückenlinien schweren Schaden zufügt, noch weiter vorgeschrttten ist und sich das ganze Volk im Bürgcrrock zu einer lückenlosen' inneren Front einig zusamnienschließt. Noch mehr wie in den drei ersten Jahren des Krieges kommt es jetzt darauf au, getreu dem Gelöbnis vom 4.-August 1914 in Not und Tod bis zum Endsiege cmszuharren.
M.
Die Verluste der frirrdkichen Kriegsflotten.
D. Berti«, 30. Juli. (Gig. Meldung, zb.) In den drei abgetan fenen KriegSjahrrn haben die Kriegsflotten der
Entente, wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, insgesamt 265 Einheiten mit 938 015 Tonnen verloren. Davon kommen auf die Engländer allein 102 Ein- herden mit 688209 Tonne,«. D« deutsche Kriegsflotte hat im letzten Kriegsjrhr überhaupt keine große Einheit einge- l-üht, die Entente dagegen 19 große Einheiten, darunter 8 Schlachtschiffe, 2 Panzerkreuzer, einen geschützten urch 8 kleine Kreuzer.
Die Überlegenheit der deutschen Luftwaffe.
L. Berlin, 30. Juli. Mg. Meldung, zb.) Nichts vermöchte die schnelle Entwicklung der 4. Waffe deutlicher zu mc-cheu. als die Verlustzahlen. die uns von besonderer Seite
mitgeteilt werden. In den drei Kriegsjahren wurden abge- schcfsen: 1914: 9 feindliche FIuMeuge, 1915: 131 feindliche und 91 deutsche Flugzeug«, 1916: 784 feindliche und 221
deutsche Flugzeuge, bis Ende 1917: 1374 feindliche und 370 deutsche Flugzeuge. Nach einer anderen amtlichen Zusammenstellung blieben in der Zeit vom 1. August 1014 bis 31. Juli 1915 von 73 abgeschoffenen feindlichen Flugzeugen 39 in deutscher Hand, in der gleichen Zeit 1915/16 von 445 nicht weniger als 267 und in der Zeit vom 1. August 1916 bis gegen Ende Juni 1917 von 771 nicht weniger als 476. Somit stehen den vom 1. August 1914 bis jetzt herunter - geholten 2281 . feindlichen Flwg.z engen nur 683 verlorene deutsche gegenüber, was die außerordentliche Überlegenheit unserer Luftwaffe beweist. Hinzu kommen 186 abgeschossene feindliche Fesselballons und 3 feindliche Lenkballons. Nimmt man den Wert eines feindlichen Flugzeuges auf etwa 75 000 M. an, dann beträgt der Wert des von uns den Gegnern zerstörten Lustmaterials 173 350 000 M., abgerundet mit dem Wert der Ballons 175 Millionen Mark. Würde man die abgeschossenen feindlichen Flugzeuge zusammenstellen, so würden ihre Flächen 229 500 Quadratmeter bedecken, in einer Reche würden sie 3iy% Kilometer messen.
Wetter« Zurückdrängunz der Russen.
Erfolglose französische Sturmangriffe. Der Tagesbericht vom 30. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Anti.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kroaprmz Rupprecht.
Unter dem lähmenden Einfluß unserer auch täte Nacht hindurch gesteigerten Abwehr-wiwknng blieb die Kampftäügkeit der feindlichen Artillerie an der s l a Wh r i s ch e n Sch l»ch t- front gestern bis zum Mittag gering. Erst dann nahm sie wieder r«, ohne aber d« Stärke und Ansdehmmg der Bortngc zu erreichen.
An der Küste Und im Abschnitt von Het Sas bis Wieltje blieb der Fouerkampf auch nachts heftig. Mehrere gegen unsere Trichterl-mstn vorstoßende Erkundungsabtcilnngen der Engländer wurden zurückgeschlagen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am Che min des Dam es verfnchte gestern die ffanzösische Führung in 9 Kilometer breiter Front mit mindestens drei neu eingesetzten Divisionen wieder einen neuen Angriff.
Nach Trommelfeuer brach morgens der Feind von E-etzjutz bis zum Wintarberjg bei Eraowne mehrmals zum Sturm vor. Unsere kampferprobten Divisionen wiese» ihn durch Feuer und im Gegenstoß überall ab. Ein oft- bewährtrs rhjemrisch-wesffälischies Infanterie-Regiment schlug allein vier Angriffe zurück.
Abends ernicnerte der Gegner südlich von Ai l l e s nach tagsüber andauerndem Vorbereitungsfeuer seine Angriffe noch zweimal. Auch diese Stütze scheiterten. Schwiere B erlust e. oh n e j eden E r fo lg sind das Kenwzeichen des Kampftages für die Franzosen!
In Luftkämpfen verloren die Feinde 18 Flugzeuge. Oberleutnant Ritter v. Tntfchek schoß seinen 21. Gegner ab.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold vo« Bayern.
Heeresgruppe deS Generalobersten v. Böhm-Ermolli.
Russische Kräfte halte« die Höhen östlich des Grenzflusses Ztbrncz, der an mehreren Stellen trotz hestigen Widerstands überschritten und von unseren Divisionen auch südlich von Skala erreicht wurde. Auf dem Rordafer des Dnjesft gewannen wir über Korolowka hinaus Gelände. Zwischen dem Dnjrstr und Prnth zeigte der Feind von neuem erbitterte Gegenwehr, nmrde jedoch südwest- ltch von Zalescozyki imrch Angriff weiter zurückge- drängt.
Heeresffont des Generalobersten Erzherzog Joseph.
Am Czrremosc verteidigte der Gegner sich auf den Michrn «serhöhen. Unser Angriff ist zwischen Zalrsze nnd Wiznitz im Fortschreiten.
Im Suczawa-Tal dringen unsere Truppen auf Seletin vor. Auch östlich des oberen Moldawa-Tales kamen wir kämpfend vorwärts.
Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls v. Mackensen.
Erfolgreiche Borstöße brachten uns nördlich von F o r s a n i und an der Ri m n i c« l m ü n d u n g mehrere hundert Gefangen« ein.
Mazedvmsclie Front.
Nichts Wesentliches.
Der Erste Generalquarftermeister^ Lndendorfs.
