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«mags; für dik 4

Montag, 30. Juli 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 383. . 65. Jahrgang.

Die Anklage -es Kanzlers.

Anklage wegen Beteuqes" könnte man die Er­klärungen überschreiben, hie Reichskanzler Dr. Michaelis den Vertretern der Presse zur Veröffentlichung über­geben hat. Der erfahrenste Staatsanaxilt könnte es nicht besser machen. Es wird nur mit offenkundigen Tatsachen gearbeitet. Jede einzelne Beschuldigung ist genau begründet. Allen Winkelzügen der. Angeschuldig­ten ist vorgebaut. Es besteht nur noch eine Schnüerig- keit: Wie kommt diese Anklageschrift zur Kenntnis der Völker, die darüber urteilen tollen? Die russischen Volksmassen, soweit sie noch von Kerenski geführt oder vielmehr verführt sind, werden sie wohl kaum so schnell zu lesen bekommen, wie es wünschenswert wäre. In Frankreich wird die Zensur alles aufbieten, um das Verfahren gegen die drei Betrüger P o i n c a r 6, Ribot und Briand zu hindern. Und in London wird man sich nach den Wünschen des französischen Ver­bündeten nach wie vor richten. Und, doch können wir die tröstliche Gewißheit haben, daß die Wahrheit über den Völkerbetrirg der Pariser Regierung in Bälde durchdringen wird. Denn diese Wahrheit ist auf dem Marsche. In Rußland hat man gemerkt, was die Glocke schlug, als der französische Ministerpräsident die Stockholmer Einladung des Arbeiter- und Lwldaten- rats rundweg ablehnte.Wegn Ribot nicht mit uns Frieden machen will, so werden wir genötigt sein, den Frieden ohne ihn zu machen." Das schrieben die russi­schen Blätter schon vor der Brussilowschen Offensive und unseren Schlägen in Ostgalizien. Und heute wird ganz unverblümt erklärt, daß man sich durch den fran­zösischen Imperialismus nie und nimmer daran hindern lassen werde, den kür Rußland so bitter notwendigen Frieden herbeizusühren. In nichts an- deren bestand ja das Geheimns, das die Herren Ca ch i n und M o n t e t von ihrer russischen ReUe in die Pariser Kammer mitbrachten, als in der Mitteilung, daß kein russischer Soldat für die Eroberung von Elsaß-Lothringen künftig sein Blut vergießen wolle. Also selbst, wenn die Enthüllungen des deutschen Reichskanzlers über die Pariser Kammervorgänge vonr 1. und 2. Juni vorläufig noch nicht zur Kenntnis der öffentlichen Meinung in Rußland gelangen, ist man dort doch schon so weit, um die verbrecherischen Manöver der westlichen Verbündeten durchschauen zu können. Und wie siebt es in Paris und London selbst? In Fr a n k- reich sind die Sozialisten an der Arbeit, die Kriegs- zielprlitik der Ribotschen Regierung zu untergraben. Sie haben auf den von Stockholm ausgehenden Frage­bogen geschrieben, sie würden gern daceinwilligen, daß in Elsaß-Lothringen,um dem langen Streit ein Ende zu machen", eine Volksabstimmung über die Zugehörig­keit veranstaltet werde. Der Absiimmungsgedanke wurde von Ribot und der Kammermehrheit sofort ent­rüstet zurückgewiesen, aber damit bat sich der klaffende Zwiespalt zwischen Volk und Regierung in Frankreich doch erst recht zum Abgrund erweitert, über den es fcutj. noch eine Brücke gibt. Hierzu konnnt setzt der nieder­schmetternde Eindruck des A b b r u ch s der P a r i s e r Konferenz auf die französische Öffentlichkeit. Man fühlt, man weiß, daß die Entente in Gefahr ist, aus­einanderzubrechen, und es ist nur noch ein kleiner Schritt bis zurErkenntnis, daß di? Ribotscke Regierung diese diplomatische Katastrophe durch ihr be­trügerisches Kartenspiel beschleunigt hat. Auf das Scheitern der Pariser Verbandsverhandlungeir weist die Pressenote des deutschen Reichskanzlers zwar nicht ausdrücklich hin. Es wird aber zweifellos auch mit die­sem bedeutsamen Umstand gerechnet',er muß unbedingt auch in Frankreich ernüchternd gewirkt , haben. Was endlich England anbetrifft. so scheint sich Herr Dr. Michaelis, offenbar unter dem Eindruck der Äuße­rungen Lloyd Georges und C a r s o n s. nicht vixl Hoffnung auf raschen Umschwung zu machen. Rechnet aber dabei vielleicht noch zu ivenig mit der englischen Verstellung und Bluffmethode. Man wird nun vor allem die Wirkung der Michaelisichen Anklage abwar- ten müssen. _

3m Eiltempo weiter ostwärts.

Vor dem neuen englischen Angriff im Westen

W. T.-B. Berlin, 29. Juli. Am 28. Juli rückten die verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen in Galizien im Eiltempo der Vortage ost- wärts vor. Die geschlagenen russischen Verbände wurden beiderseits der Bahnlinie Kopyczynce- H u s i a t y n gegen den Grenzfluß Z b r u c z gejagt und über den Fluß nach Rußland z u r ü ck ge­worfen. Südlich des Dnjestr Machten die Russen abermals den Versuch, den ungestümen Vormarsch der Unsrigen zu hemmen. Sie stellten sich südlich Horo­de n k a erneut zum Kampf und fochten, ganz im Gegen­

satz zu den tendenziösen Meldungen der russischen Re­gierung, mit großer Erbitterung. Der Wider­stand wurde indessen in kühnem Ansturm von un­seren Truppen gebrochen und die geschlagenen russischen Verbände nach Süden und Südosten abge­drängt. Auch südlich des Pruth machten wir am 28. Juli bedeutende Fortschritte. Südöstlich von Zahlotow drangen wir in der Niederung des Pruth-Tales weiter östlich vor. während wir in dein Karpathen-Vorgelände das Czeremosz-Tal überschritten und mit unseren Vortruppen bis zum Oberlauf des Sereth vorstießen. Auch in den Karpathen der Buk o- wina drangen wir mächtig nach Osten vor. Um die L u c z y n a - Höhe wird noch gekämpft.

An der Westfront wütete der Feuerkampf in Flandern auch am 28. Juli in der gleichen, uner­hörten Heftigkeit. In der Gegend von Bocstnghe führten feindliche Jnfanrrci Unternehmungen zu c r- bstierten Kämpfen, die die ganze Nacht an­dauerten. Bei Wieltje wurden feindliche Teilangriffe blutig ab gewiesen. Ebenw zerschellten An- grisfsversuche des Feindes nördlich und südlich des Bellevaarde-Teiches. Nördlich W a ^ st e n gewannen wir bei einem eigenen erfolgreichen Unternehmen Ge­lände.

bis an das Meer. Auch auf den üblichen Teilen der italie­nischen Front lebte vorübergehend das Artillerie­feuer auf.

Stündlich wachsende Beute.

Bi. Berlin, 30. Juli. (Eig. Drahtbecicht. zb.) Leonhard Adelt drahtet demB. T." ans dem k. k. KriegZvresfequartier: Die Zahl der Gefangenen wächst stündlich. An Ge­schützen wurden von den deutschen Truppenverbänden bis­her 70, vcn den österreichisch-ungarischen allein von der gleichfclls wegen Feigheit aufgelösten 11. Armee an 200 Ge­schütze eingel'rucht. Südlich des Dnjestr stoßen die Ver­bündeten von Zalesczhki und Hnsiatyn auf Tscherno- witz, das bereits von russischen Beamten, Banken, Offiziers­familien, Spitälern und Magazinen geräumt ist.

70

Kommissionen zur Aufmunterung der Frontarmeen.

Nr. Stockholm, 30. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Mit Kerenskis Zustimmung entsandte das Exekutivkomitee des Allrussischen Soolet-Kongresses ^.nd der Bauernräte 70 Kom- misstcnen an alle Frontarmeen.' Zeretelli kündigt s ch ä r f st e Bekämpfung der revolutionären Bestvebungefi un. Die Kriegsliga wurde geschloffen und die Vorsitzeichen der Organisation verhaftet.

Zu tri Yortfiinsch äufC

'ch auf Czeupamfo

KTB. 9338 *

Auch im Artois war das Actilleriefeuer schwer.

In zahlreichen Patrouillenunternehmungen errangen

wir wichtige Vorteile und brachten eine Anzahl Ge­fangene ein. An der Ais nefro nt vermehrten die Franzosen ihre blutigen Verluste bei erfolglosen An- grissen südöstlich von Ailles um 6 Uhr vormittags und zwficben 9 und 11 Ubr abends, wo sie dreimal mit starken Kraiten erbittert angriffen.

Frindliche Bombenangriffe aus die Industrieanlagen von Tiedenhofen und den Bahnhof von Mül­hausen verursachten keinen militärischen, sondern nur geringen L nh'waden, während unsere Zerstör ungs- geschwader die feindlichen Industrieanlagen von Neuve- Maison und Komply erfolgreich angriffen.

Zaleszcybi genommen.

ZV. T.-B. Wien, 30. Juli. tDrahtbericht.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die Verbündeten führen ibre Operationen in Ostgalizien planmäßig aus. Besonders zähe krcnpft sich der Gegrer an seine Stellung in den Tälern des Karpathenvorlandes, beiderseits des oberen Zceremos und des S u z c a w a. Ohne dem Druck der an- grrifenden verbündeten Truppen dauernd Widerstand leisten zu können, wurde die russische Front zum Abschwenken gezwungen. Ihr Drehpunkt ist im Raume von Kirli- baba zu suchen. Während die russischen Linien vor unserer Offensive vcr Kirlibaba längs der Höheukämune der Wald- karvothen über den Tatarenpaß gingen, ziehen sie sich jetzt über S ch e r p o t h und K u t y gegen den P r u t h. Nördlich des Dnjestr wurde bereits H u s i u t y n am Zbrucz besetzt. Von diesem lief gestern unsere Front in südwestlicher Rich­tung gegen Z a l e s z c y k i, das in der Nacht auf heute wieder unsere Truppen betreten haben. Die am Sereth- K n i e zurückslutenden russischen Verbände hatten nur nach geringen Widerstand zu leisten versucht. Nördlich und nord­westlich Hnsiatyn hat sich die Lage nicht wesentlich ver­ändert.

Der Italiener läßt seine Artillerie zeitweise lebhaft werden auf unserer SteLung südlich von Monte Santo

Rußland verzichtet auf die Alliierten» Kriegszielkonferenz.

W. T.-B. Berit, 29. Juli.Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Mau versichert, daß die alliierten Botschafter vom Minister des Äußern benachrichtigt worden seien, die russische Regierung verzichte auf die Einberufung der. Kon­ferenz, betreffend die Kriegsziele, da die russische Regierung anerkenne, daß die öffentliche Meinung unter den obwalten­den Verhältnissen eine solche Einberufung falsch auslegen könnte.

Die Gewaltherrschaft imbefreiten" Rußland;

Stockholm, 29. Juli, (zb.) Aus offizieller Quelle wird mitgeteilt, daß die ruffische Regierung beschlossen hat, alle Zeitungen, die gegen den Krieg schreiben, zu verbieten.

Kerenski für ein russisches .Koalitions- Ministerium.

Stockholm, 29. Juli. Ministerpräsident Kerenski hat in den Verhandlungen mit den Zentralkomitees des Ar­beiter- und Soldatenrats sowie des Vauevnrats sich für die Bildung eines Koalitionsministeciums ausyesiprochen. dessen Mitglieder über die Parteiinteressen das vaterländische Jm- tereffe stellen müßten.

Das Programm der russischen sozialistischen Abordnung für Paris und Rom.

IV. T.-B. Bern, 30. Juli. (Dralstbericht.) Progres Lyon meldet aus Paris: Die russischen sozialistischen Abgeordneten haben 'über den Zweck der Reise und ihr Programm erklärt, sie wollen die Reibungsflüchen zwischen den französi­schen und itailiemschen Sozialisten einerseits und den russi­schen Sozialisten andererseits aus der Welt schaffen. Es sei ihr direkter Auftrag, die französischen Sozialisten zu vevanlaffen, nach Stockholm zu gehe». Über ihre Reise sei so viel Falsche.» geschrieben, so viel Tendenziöses verbreitet wovden, desgleichen über die Tätigkeit und die Rolle des Ar»