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Montag, 30. Juli 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 382. . 65. Jahrgang.

vre Vertreibung der Russen aus Ostgalizien.

Kuty in der Richtung auf Tschernowitz genommen.

Heftigste Fortdauer der Artillerieschlacht in Flandern. — 35 feindliche Flieger erlegt.

Der Tagesbericht vom 29. Juli.

W. T.-B. GroßesHauptqnartier, 29. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die Artillerieschlacht »n Flandern tobte gestern vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht ununterbrochen. Die artilleristische Kraftentfaltnng stellte das Höchst­maß einer Massenwirkung in diesem Kriege dar.

An mehreren Stellen des Schlachtfeldes lösten eigene und feindliche Vorstöße örtliche erbitterte Infanterie- kämpfe aus.

Vom Kanal von La Basste bis auf das Südufcr der Scarpe steigerte sich um Abend die Feuertätigkeit; nachts östlich von Monchy vorbrcchende Angriffe eng­lischer Bataillone brachen verlustreich .zusammen.

Auch bei Ossus, nordwestlich von St. Quentin, bliebe» englische Teilangriffe ergebnislos.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Eine Zunahme der Gefechtstätigkeit wurde längs des Chemin des Dames, in der Champagne und an der Maas fühlbar.

Südöstlich von Ailles griffen die Franzosen mor­gens einmal, am Abend dreimal mit starken Kräften an. Ein Kölner Regiment wehrte in oft bewiesener Standhaftigkeit sämtliche Angriffe des Feindes in har­tem Nahkampf ab. ___

Die Fliegertätigkeit war außerordentlich rege, be­sonders an der flandrischen Front.

Es wurden 35 feindliche Flieger abgeschossen. Ober­leutnant Dostler rieb an der Spitze seiner Jagdstaffel ein Geschwader von 6 gegnerischen Flugzeugen auf und errang selbst den 2V. Luftstcg. Oberleutnant Ritter v. Tutschek schoß seinen 19. und 20. Gegner im Luft­kampf ab.

Östlich er Kriegs schauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Heeresgruppe des Generalobersten v. Böhm-Ermollr.

In Ostgalizien sind die Russen beiderseits von Husiathu hinter die Reichsgrenze zurückgegangen.

Unsere Korps haben den Zbruez erreicht, andere nähern sich der Einmündung des nördlichen Scrcth in den Dnjestr.

Zwischen Dujestr und Pruth stellten sich russische Nachhuten südöstlich von Horodenka zu n Kampf. Kraft­voller Angriff durchbrach ihre Stellungen. Die Ver­folgung geht auf beiden Dujestrusern weiter

Heeresfrout des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Im Czeremosz-Tale wurde Kutv genommen Ober­und unterhalb der Stadt ist der Uferwechsel in Aus­führung.

, Im Gebirge drängen inrsrrr Divisionen dem kämpfenden Feinde über die Straße Schipoth-Moldawa- Sulitza «ach.

Südlich des Ojtuz-Talcs wurden starke russische An­griffe gegen de» Mgr. Casinulu zurückgeschlagen.

An der obere» Putna führten wir die vorgestern be­gonnenen Bewegungen durch.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Am Nordhang des Bergblocks Odobrsti scheiterten feindliche Vorstöße.

In der rumänischen Ebene nur schwaches Feuer.

Mazedonische Front.

Die Lage ist ««verändert.

Der Erste Generalguartiermeistcr: Ludendorff.

Der deutsche 5lbendb ericht.

W. T.-B. Berlin. 29. Juli, abends. (Amtlich. Draht- ,'bericht.) Seit Mittag in Flanve-r» stärkster Feuer- stkampf.

, In LPgalWen Lp r fcf chr i-H c am Zdrucz, Dnjestr»

Wrnth mW ,

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 29. Juli. (Drahthericht.) Amtlich verlautet vom 29. Julr, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

An der oberen Putna wurden die durch den Druck des Gegners notwendig gewordenen Bewegungen voll­führt. Nördlich des Casinr, talcs schlugen unsere Gebirgstruppen mehrere Angriffe ab. In der südlichen Bukowina und im Tomnaticgebiet entrissen wir dem Feind Höhe um Hohe. Die verbündeten Divisio­nen dringen über das ödere Moldawa-Tal und gegen Schipoth an der Suczawa vor. Kuty ist in unserem Besitz. Nordöstlich davon wurde in der Nacht der Ort R u s s i s ch - C a n i l l a erstürmt. Der C z c r e- mosz wurde überschritten. Auch östlich von Horodenka war russischer Widerstand vergeblich. Die feindliche Linie wurde durchbrochen.

Jenseits des Dnjestr erstreckte sich die Bcrfol- g u n g auf die Höhe nördlich non Zalesczyki »nd dis an den Prnthabschnitt bei Husiatvn. wo der Gegner über die Reichsgrenze zurückgcwicken ist.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Italienische Flieger suchten Jstria zum dritten Male mit Bomben heim. Ein Einwohner wurde ge­tütet, einer schwer verwundet.

Balkanlriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Chef des Gcneralstabs.

«

Weitere besorgte Stimmen aus Frankreich.

Kr. Genf. 29. Juli. (Eig. Drahtber. zsb.i Rußlands militärische Lage gilt in Paris als t o d c r n st. Oberst­leutnant R o u s s e t schreibt: Galizien ist so gut wie ver- loren, die Bukowina beinahe. Der Rückzug wie vor zwe, Jahren beginnt wieder. Der bekannte Militärkritiker des „Journal des Debats" hält die Rückzugslinie des Zentrums der 'südwestarmee für äußerst gefährdet. Mit A n g st wartet man auf die nächsten Heeresberichte. Die „Information" schreibt: Kerenski hat proklamiert, das Vaterland se: in Ge­fahr. Das ist keine oratorische Floskel.

Schließung der russischen Grenzen.

P-6. Petersburg, 28. Juli. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Der Beschluß der vorläufigen Regierung über die Schließung der StacWgrenzen gegen den Eintritt in Rußland ist teils die Folge der dringenden Notwendigkeit, den Schutz der russischen Grenze zu verstär­ken, teils die Folge des beträchtlichen Zustrümens von ver­schiedenen verdächtigen und unerwünschten Personen in das Land. Was die Schließung der Grenzen gegen den Aus­tritt aus Rußland betrifft, so ist diese Maßregel die Folge des Wunsches der Regierung, die verbrecherischen Elemente, die sich der Justiz entziehen, aufzusuchen und die zahlreich in Rußland sich aufhaltcnden Spione zu entdecken. Da die Re­gierung sich der Unzuträglichkeiten, die diese Maßnahmen für die Bevölkerung mit sich bringen, klar ist, hat sie sie nur für die beschränkte Zeit bis znm 15. August festgesetzt.

Zur Kabinettsbildung durch Kerenski.

W. T.-B. Petersburg, 28. Juli. (Petevsbuvger Teleyra- phenuyentur.) Die Berufung des Nationalk on- lgresses nach Moskau wurde bis zur endgültigen Bil­dung des Kabinetts verschoben. .Man niimmt an, daß das Kabinett in einigem Tfigon lvallzählig sein wird und der Kongreß daher in dieser Woche wirb statffindcn können. Das Programm der vorläufigen Regierung wird nach dem Ein­tritt neuer Minister in das iKakbinett nicht geändert werden, was die Annahme des Regierungsprogramms durch die neuen Minister zur Voraussetzung hat, unabhängig davon, welcher Partei diese angchöre» und ob sie weiter in derselben ver­bleiben. Besprechungen ivurden schon in diesem Sinne von der Regierung mit verschiedenen Persönlichkeiten, besonders mit mehreren Vertretern der Kadettenpartei einge­leitet, deren Zentralausischuß sich grumÄsätzkch zugunsten des -Eintritts seiner Mitglieder in das Kabinett ausgesprochen hat.

Br. Haag, 29. Juki. (Mg. DraihWesticht. K.) Reuter Meldet ans Petersburg: Die Generale Rußki und Gu rko Wurden nach Petersburg berufen.

Die Maximaliftengruppe unter Anklage.

IV. T.-B. Petersburg, 28. Juli. Wie die Petersburger TÄegraphenagentur meldet, hat der Vollzugsausschuß des Ar­beiter- und Soildatenrats gegen 11 Stimmen bei 6 Enthal­tungen und einer Gesamtstimmenzahl von über 300 einen An­trag angenommen, nach welchem die Gruppe der Maxi­mali st eu angeklagt werden soll, die Ruhestörungen organisiert, zur Meuterei gehetzt und deutsches Geld ange­nommen zu haben. Es wirid öffentliche gerichtliche Aburtei­lung verlangt, auch gegen Lenin und Zwvwiew. Die Fraktion der Maximalistön wird ausgefordert, unverzüglich dre H aL t rv W Hper Rührer zu brandnmrkr«. Alle von den

Gerichtsbehörden verfolgten Personen sollen bis zum Urteil van der Teilnahme an dem Vollzugsausschuß ausgeschloffeu sein. Schließlich wird dem Petersburger Arbeiter- Umd Sol­datenrat empsohlen, seine Entschließung über die Neuwahl aller seiner Mitglieder ungesäumt zur Ausführung zu bringen.

Die Verhaftung Lenins.

W. T.-B 1 . Amsterdam, 28. Julji. ,/Algemcen Handels­blad" meldet aus Stockholm, daß die Verhaftung Lenins von offiziöser russischer Seite bestätigt wird.

Kerenski mit dem Tod bedroht!

W. T.-B. Stockholm, 29. Juli. Nach der „l>dowoje Wremsa" hat Kerenski einen Brief vom Kreuzer „Aurora" erhalten, dessen Mannschaft dem Minister­präsidenten mttteilt, daß er ermordet werden soll, wenn er nicht vor EndeJuli seinen Posten freiwillig ver­lasse.

Dir Mandschurei unter japanischer Verwaltung!

8. Stockholm, 29. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) In Finnland trafen Briefe aus Charbin ein, die mit japa­nischen Briefmarken versehen sind und die mittcsten, daß die ganze Mandschurei tatsächlich unter japanischer Ver­waltung steht, die auch die Post und den Telegraph sowie die Verkehrseinrichtungen übernommen habe. Auch Wladiwostok werde schon von japanischen Truppen be­herrscht.

Der englische Minister Henderson «brr die Lage in Rußland.

IV. T.-B. Bern, 29. Juli. (Drahtb.) Minister Henderson. der kürzlich aus Petersburg zurückkehrte, äußerte sich der „Times" zufolge über die Lage in Rußland folgendermaßen: Die Mehrheit des ruffischen Volkes ist für den Krieg be­geistert, nicht deutschfreundlich und nicht für einen Sonder­frieden. Eine Gegenrevolution ist unwahrscheinlich. Die Zukunft liegt im wesentlichen in den Händen des Ober­hauptes, das von dem allrussischen Arbeiter- und Soldaten-Kongreß erwählt werden wird. Der Minister fuhr fort, der Kongreß sei die Vertretung der, jenigen Elemente, die vermutlich die führende Partei der gesetzgebenden Versammlung sein würden. Diese von den Maximalisten scharf zu unterscheidenden gemäßigteren wie- wohl durchaus revolutionären Sozialisten hätten ihre eigenen besten Absichten hinsichtlich der Beendigung des Kriegs. Sic betrachteten es als notwendig, daß die organisierten Demo­kraten der Ententeländer ebenso wie die der Zentralmächte ihre Regierungen zu einer sofortigen Scufinmulic• rung der Kriegsziele veranlaßten. Sie forderten, daß diese Kriegsziele öffentlich, amtlich und ohne Trug und Zweideutigkeit erklärt werden würden, und im Einklang mit ihrer eigenen Formel: „Keine Annexionen und

keine Entschädigungen, verbunden mit dem klar erklärten Recht der Völker, über ihre eigenen Geschicke selbst zu entscheiden". Da sie nicht an Konstantinopel dächten und betreffs Mesopotamiens Zweifel hegten, so seien sie, wie sie offen sagten, entschlossen, die Hauptfrage des Krieges nicht der zufälligen Entscheidung der Diplomaten- Konferenz zu überlaffen. Bis die Lage soweit geklärt sei, d. h. die Konferenz der Ententeregierungen sowie die Stock­holmer Konferenz gesichert seien, zweifle er, Henderson, ob die gesamte russische Armee und die Mehrheft der gemeldeten Sozialisten, auf die es soviel ankomme, für die Fortführung des Krieges ihr Bestes tun würden. Hin­sichtlich der Frage einer internationalen Konferenz nehmen die russischen Sozialisten eine starke Haltung ein. Sie fürch­teten die Majorisierung durch Vertreter der Ententeländer. die ihre Regierungen bei der Führung des Kriegs so stark unterstützt hätten und seien der Ansicht, daß alle Regierun­gen nur die herrschenden Klaffen £er Kapitalisten und Im­perialisten, die sie als Bourgeoisie bezeichnen, repräsentierten, und hegten gegen die französischen und englischen 'Arbeiter Mißtrauen, blos weil diese für die gleiche Politik cintreten wie die von ihnen stark be-lmgürcchute Bourgeoisie.

«

Neue Großsprechereien Churchills.

W T.-B. London, 29. Juli. (Drahtb. Reuter.) Bei einer Rede in Dundee sagte der lintitiu n smini st er Churchill: Nächstes Jahr werden wir Granaten. Ge,

schütze, Maschinengewehre und Flugzeuge in noch nicht da, gewesener Menge haben. Wir werden kämpfen, und werden den Preis, den unsere Soldaten beinahe gewonnen haben, nickt beiseite werfen in einem Augenblick, da wir ihn ev- grcifen können. Wir kämpfen nicht um der Beute, willen oder aus Rache, aber wir wollen die Preußen enia scheidend schlagen. Wir werden durchhaltcn, bis wir einen unverkennbaren Sieg errungen haben, der zur Folge haben wird, daß das deutsche Volk alles Vertrauen in sein Regierungsspstem und seine Regierenden verliert. Wir wer­den unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten halten. Wir wollen einen bestimmten unverkennbaren Sieg für die Prinzipien der Sache, für die wir kämpfen. Wrwollr» nicht mehr, aber wir wollen auch nicht weniger.