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Verlag Lansgaffe 21

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Donnerstag» 26. Iuli 1917.

klbend-klusgabe.

Nr. 376. . 65. Jahrgang.

Der unaufhaltsame vermaisch im Osten.

Bereits gegen 3W0 Quadratkilometer Raumgewinn.

W.T.-B. Berlin, 25. Juli. Auch am 24. Juli blieb flte machtvolle Vorwärtsbewegung unserer Truppen in Ostgalizien in vollem Gange. Wo der weichende Feind sich festzusetzen versuchte, wurde er mit raschen mächtigen Schlägen geworfen. Der stets frische Angriffsgeist unserer Truppen ist be­wundernswert, ihre Zähigkeit trotz größter Anstren­gungen unübertrefflich. Unsere Flieger sind, erfernö untereinander, in stundenlangen anstrengenden Auf- klärungs- und Fernflügen unterwegs bei denen sie durch Bomben- und Maschinengewehrangciffe mög­lichste Verwirrung in die zurückflutenden russischen Kolonnen zu tragen versuchen. Kleine und größere Massen von Gefangenen streben auf allen Wegen den Gefangenen-Sammelstellen zu. Tie Beute, über das ungeheure Operationsgebiet zerstreut, läßt sich noch nicht annähernd feststellen. Gegen 3000 Quadratkilo­meter Gebiet sind bereits den Händen der Russen ent­rissen. Ebenso sind. die räumlichen Vorteile, die B r u s s i l o w mit seiner letzten Offensive zu erzielen vermochte, schon längst wieder ausgeglichen. In prachtvollem Schwünge nahmen unsere Truppen, die an vielen Stellen brennende Stadt Tarnopol und die südlich davon gelegenen -Höhen Grel- Zshira und wiesen heftige russische Gegenangriffe blutig ab. Ein verzweifelter Vorstoß, den die Russen südöstlich von Tarnopol aus der Richtung des Dörfchens Kapiaczka in sechzehn Gliedern gestaffelt mit Unterstützung von Panzerkraftwagen vortrugen, brach unter den allerschwersten russischen Verlusten an Toten, Gefangenen und Material zu­sammen. Mit gleicher Macht, wie östlich von Tarnopol, stoßen unsere Truppen nach Südosten uiid Süden gegen die Bahnlinie StaniSlau-Buczacz-Koy- c z y n c e vor. Während unter ihrem Druck eine russi­sche Verteidigungsstellung nach der anderen in der Linie Stanislau-Radworna zusammenbricht, wurde in den Waldkarpathen am 24. Juli die den Jablonica nördlich abciegelnde Berg stellnng des Stent- czuk den Russen entrissen. ?fucEi der verzweifelte Widerstand, den die Russen zwischen Stanislau und Nadworna an der Bystcyca Nadn-ornjanska leisteten, vermochte den russischen Zusammenbruch an diesen! Frontabschnitt nicht mehr auszuhalten. Auch hier wur- den die Russen von den Unsrigen im ungestümen Drang nach vorwärts geworfen und die außerordentlich wich­tigen Straßen- und Bahnknotenpunkte der Städte St anislau und Na d w o r n a, die beiden Eckpfeiler der russischen Stellung, herausgebrochen. Eine große Anzahl von Geschützen, darunter schwere, sowie noch nicht gezählte Feldgeschütze, Grabenkanonen, Minen­werfer, große Mengen an Munition und an Der- pflegung wurden eingebracht, llnlere Truppen stürmen unaufhaltsam weiter vor. In den Süd­karpathen unternommene E ntl astun g s - A n- risse russffcher Infanterie wurden a b g e w i e s e n. m unteren Sereth gingen gegen unsere Stellungen nur zwei Züge Infanterie vor, die mühelos zurückge­worfen wurden. An der S e r e t h m u ndung und in der Dobrudscha nur Artilleriefeuer. Auf dem Nord­teil der russischen Front erlahmten die russischen An- griffe nach den ungeheuren Blutopfern der letzten Tage, von dem südwestlich D ü n a b u r g erzielten Gelände- gewinn der Russen wurde ihnen ein Teil durch unsere Stoßtrupps wieder abgenommen. Eia russischer, in 1000 Meter Breite südlich Smorgon vorgetragen'er An­griff wurde leicht abgeschlagen. Die Beute aus den Kämpfen von 22. und 23. Juli beträgt gegen 500 Ge­fangene und eine große Anzahl Maschinengewehre. Die blutigen Verluste der Russen find indessen ganz außerordentlich schwer.

An der Westfront treten alle Ereignisse gegenüber der in Flandern tobenden wütenden Artil­lerie-Schlacht in den Hintergrund.

Kaiser Wilhelm und Kaiser Karl in Podgorze

W. T.-B. Wien, 26. Juli. Der Kaiser weilte gestern in Fortsetzung seiner Frontreise im Bereich der deutschen Südarmee. Ms der Monarch davon erfuhr, daß knapp nach seiner Rückreise der deutsche Kaiser an der ostgalizischen Front eintresfon werde, ließ Kaiser Karl, der dringend StaatSgeschäfte halber die Rückreise nach Wen nicht mehr auffchieben konnte, den Zug in Podgorze halten, um seinem Freund und Bundesgenossen auf österreichischem Boden die Hand drücken zu können. Auch Kaiser Wilhelm unterbrach in Podgorze, daS er wenige Minuten später passie­ren wollte, für kurze Zeit die Fahrt. Die beiden Herrscher begrüßten sich in ungemein herzlicher Weise und pflogen ein« etwa eine Viertelstunde währenden angeregten Ge- daukeuLLKtawsch- Mach üuriger Verabschiedung setzte

Kaiser Wilhelm die Fahrt an die Front fort, Kaiser Karl die Heimreise. Der .Minister deS Äußern Graf C z e r n i n wurde von Seiner Majestät beauftragt, den deutschen Kaiser auf seiner Fahrt zu begleiten.

Der vollständige operative Erfolg an der Ostfront.

# Zürich, 25. Juli. Wie der militärische Mitarbeiter derNeuen Zürcher Zeitung" berichtet, hat der deut­sche Gegenangriff eine gänzliche llmioandlung der Ost­front zur Folge. Jener zeitigt nicht nur einen vollen taktischen, sondern auch einen vollständig operativen Erfolg. Das dritte Kriegsjahr sehe kurz vor dem Ende eine gänzliche Umwälzung der Lage an der Ostfront.

Neun russische Generale abgesebt.

Neue Strahenkämpfe in einer Petersburger Borstadt.

Br. Karlsruhe, 26. Juli. (Eig. Drvhtibericht. zb.)Daily News" melden vom Montag auö Petersburg: In der Ostrow- Vorstadt fanden neue Str atze »kämpfe zwischen MUlitärabteilungcn statt. Das zweite Artillerie-Regiment be­schoß die dortigen staatlichen Depots.

DerMorning Post" zufolge enthob ein Armec- besetz! Kerenskis neun Generale der Südfront ihrer Kommaüdos und befahl ihve Überweisung ans Kriegsgericht. Wie dieDaily News" melden, wurde die 11. und 7. Armee wegen Feigheit vor dem Feind aus den Armeeliften ge­strichen und die Truppen anderen Verbänden zugsteilt.

Dustere Stimmung in den russischen Provinzen.

8. Stockholm, 26. Juli. lEig. Drahtbericht, zb.) Über die Stimmung in den russischen Provinzen wird mir von soeben zugereisten Russen berichtet, daß sie seit Beginn des deutschen Vorrückens in Galizien als überwiegend verzweifelt, in Petersburg als chaotisch bezeichnet werden kann. Ruhig ist es eigentlich nur in der U k r a i n c wo während der letz­ten russischen Offensive die Auffassung vorherrschte, daß im Falle eines russischen Sieges der ukrainischen Selbständigkeit ein schnelles Ende bereitet werde. Der Ernst der Lage an der Front und in Ruß- land gilt als ä u ß e r st u n g ü n st i g.

In Petersburg selbst sind verschiedene Pest fäll- vorgekommen. Über die neue Ernte liegen einst­weilen nur wenig Nachrichten vor. Diese sind aber sehr ungünstig. Im Seratowec Gouvernement gilt die Ernte als gänzlich vernichtet. Die Stimmung der Mehrzahl der patriotischen Politiker ist verzwei­felt.

Der Todeskandidat Kerenski.

# Bafel, 26. Juli.L'Oeuvre" gibt folgende Äußerun­gen Kerenslis wieder:Ich fühle den K«im des Todes in mir und meine Tage sind gezählt. Das Übel breitet sich iu mir jeden Tag weiter aus, und ich berechne genau seine Fortschritte. Deshalb will ich auch so raschwie möglich handeln, um mein Vaterland der Umklammerung seiner beiden gefürchtetsten Feinde, nämlich der Deutschen und der Ainvrchie, zu entreißen. Nichts wird mich in der Erfüllung meiner Aufgabe aufhalten, weder Drohungen, noch Attentate, denn das Leben gilt mir wenig." Kerenski zeigte seine linke schwärzlich gefärbte und vollständig steife Hand als ersten Beweis einer unheilbaren Krankheit.

Die baltische Flotte gegen die Regierung Kerenskis.

8. Stockholm, 26. Juli. (Erg. Drahtbcricht. zb.) Die Losung gegen die Regierung Kerenskis ergriff auch den größten Teil der baltischen Flotte sowie die in Finnland vereinigten russischen Soziallstenorganisa- tionen. Die finnische ZeitungTyoemies" druckt eine Resolution der gemeinsamen Versammlung des Zen­tralkomitees der Ostseeflotte mit dem Komitee der DreadnoughtsSewastopol".Petro Grawowsk", Poltawa" und der KreuzerMakkarow"Bogatyr", Rossieje",Olag"Bajan" undRurek" sowie der Transportschiffe ab. Darin heißt es: - Wir wünschen erneut dem Arbeiterrat initzuteileu, daß wir die gegen­wärtige Regierung nicht anerkennen und nur eine solche anerkennen können, welche gemäß dem Wil- len des Arbeiterrats gebildet wurde. Jedes Schwan­ken bedeutet Tod. Jede Stunde Ohnmacht, einen Schlag gegen die Revolution. Tie Resolution wurde mit allen Stimmen gegen eine angenommen. In der gemeinsamen Zusammenkunft der revolutionären Or­ganisation in Helsingfors wurde folgende Resolution angenommen: Wir halten es für unbedingt notwendig, daß die ganze staatliche Macht eineni Exekutivkomitee der Vertreterversammlung der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte übertragen wird und daß diese ein nur ihm verantwortliches Organ von revolutionär- demokratischer Bedeutung bildet. Wir verspre­chen dem Zentralkomitee gleist« ut-.z iic krä'iigstc Nnte. stützung des revolutionären Proletariats und der revo­lutionären Regimenter Petersburgs.

Auch die Arbeiterschaft lehnt sich gegen Kerenski auf.

8. Stockholm, 26. Juki. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Ans Petersburg wird gemeldet: In Moskau brach am SamStag ein Streik aus, an dom über 60 000 Arbeiter der Metall, industrie beteiligt sind. Die Arbeiter fordern unerhörte Lohnerhöhungen. In Petevßbuvg wird angenommen, daß die Regierung befürchtet, daß der Streik aus gleich«» Anlaß auch in den anderen Industriezentren sich ausbreite» könne. Dies ist der erste Widerstand der russischen Ar­beiterschaft aus Kerenskis Politik.

Ein Protest gegen die Verhaftung Lenins.

8. Stockholm, 26. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Petersburger Arbeiterrat protestiert jetzt gegen die von Kerenski ausgefertigte Verhaftungsorder gegen Lenin.

Die Machtlosigkeit der provisorischen Regierung gegenüber Finnland.

IV. T.-B. Stockholm, 26. Juli.Stockholms Tidningen" zufolge wagen die leitenden Kreise in Petersburg nicht, den Landtag in Fimckand aufzuilüsen, um ihre Lage nicht noch mehr zu erschweren.

Großer Metaltarbeiterstreik in Moskau.

W. T.-B. Stockholm, 26. Juli.Aftonbladet" er- fährt über Haparanda, daß in Moskau seit Samstag 6000 Metallarbeiter streiken. Nach den letzten Nach- richten b r e i t e t s i ch die Ausstandsbewegung immer mehr aus. In Petersburger Regiecunyskreisen be- fürchtet man, daß sie auch auf andere Industriezweige übergreifen könnte. Die Regierung soll der Bewegung vollkommen machtlos gegenübecsteheu.

Dcr neue Befehlshaber der riMchen Ostserflottr.

# Stockholm, 25. Juli. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Aaentur wurde Konter- admiral Razwozow zum Ches aller russischen See- streitkräfte der Ostsceflotte ernannt.

Oer Tauchbootkrieg.

Seit dem 1. Zebruar bereits über 5 Millionen Tonnen versenkt. Neuerdings 6 Dampfer und 4 Segler.

W.T-B. Berlin, 24. Juli. (Amtlich.) Im Atlantl- schen Citon nnb in der Nordsee wurden durch unsere Unterseeboote wiederum sechs Dampfer und vier Segler versenkt, darunter ein großer bewaffneter Dampfer, wahrscheinlich mit Getreideladun,; drei Dampfer wurden aus Geleitzügen herausgeschosien. Die Ladungen der üb eigen Schisse bestanden, so weit sie festgestellt werden konnten, aus Kohlen, Lebensmitteln, Stückgut, Pferde«, Holz und Salz.

Seit Beginn des uneingeschränkten NnterseebootSkrirges wurden bereits über fünf Millionen Bruttoregister- tonnen deS für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffsranms versenkt. Der Chef des AdmiralstabrS der Marine.

Ein englischer Hilfskreuzer versenkt.

W. T.-B. London, 26. Juli. Die Admiralität teilt mit: Der bewaffnete HilfskreuzerOtwah" (12 077 Bruttoregistertonnen) ist in den nördlichen Gewässern torpediert worden und sank innerhalb 20 Sekunde«. 10 Mann wurden getötet, die übrigen sind gerettet.

Die Admiralität teilt ferner mit: Amtlich wird aus Berlin unter dem 22. Juli gemeldet: Das britische UnterseebootC 34^ wurde durch ein deutsches Unterseboot versenkt. Ein Heizer wurde gefangen ge- nommen.

Weitere Versenkungen.

W.T-B. Amsterdam, 25. Juli. Der holländischeDampser Vreda" wurde versenkt.

W.T-B. Haag, 25. Juli. Das Korrespondenz-Durra« meldet, daß der holländische SchlepperOostzee" von einem Unterseeboot in der Nordsee zum Sinken gebracht wurde.

Aufbringung eines holländischen Dampfers durch ein deutsches Flugzeug.

W. T-B. Berlin, 25. Juli. (Amtlich.) Am 23. Juli, stütz, hat eines unserer Flugzeuge in dem Hoosden den hollän­dischen DampferG e l d e r l a n d" (1877 Br.-R.-T.) ange­halten und mit Unterstützung von Torpedobooten nach Zee- brügge eingebracht.

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Das Getreidedefizit Frankreichs, Englands nnb Italiens.

# Genf, 25. Juli. Nach einer Rechnung des ^Matin" würden, falls Frankreich, England und Italien ihr Getveibe- desizit vom Oktober1Sl7biL Juli 1918 durch gemein­schaftliche MaßnwlMen decken wollten, was unerläßlich ge- wooden sei, täglich etwa 40006 Tonnen «WS Übev- seelänLern eintoeffea müssen,