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Mittwoch, 25. Juli 1917.
Oer Sieg in Galizien!
(Don unserem militärischen Mitarbeiter.)
Das Leben und die Bewegung, welche mit dem 19. Juti an unserer Ostfront einsetzten, nahmen mit jedem Tage gewaltigere Kraft an, um schließlich aru fünften Kampftage mit einem großen und entscheröen- den Siege in diesem Kampfraum das begonnene Werk zu krönen. Schon der Tagesbericht vom 23. Juli beutete an, daß die eingeleiteten Handlungen sich mcht mehr in einem eng bemessenen taktischen Rahmen bewegen, strategische Ausmessungen und Fernwirkungen zeitigten, wie sie glänzender kaum gedacht werden tonnten. Während an allen Fronten unsere Heere tief im Feindesland standen, an Belgien, Serbien, Rumänien. Montenegro wertvolle Faustpfänder besaßen, blieb allein das vom Kriege 'chwer geprüfte Ostgalizten und die Bukowina in russischem Besitz. Das Ende ist letzt herangenaht. Hindenburgs und Ludendorfss Strategie wählten an der Stelle den Durchbruch, wo unsere Lmien im nördlichen Galizien einen offensiven Halen bildeten, nutzten diesen Umstand meisterhaft aus, rollten die feindlichen Stellungen zwischen Sereth und Strvpa in wenigen Tagen völlig auf und trieben ihre vordersten Linien bis zum 24. Juli vormittags in die Gegend östlich und westlich des Dnjestr. Immer gewaltiger wurde die Ausdehnung der Durch bruchtruppen und umfaßte ani 24. Juli bereits eine Breite von 250 Kilometer. Diese gewaltigen Aus- rnessungen sind einzig dastehend in der Geschichte dieses Krieges, welcher ohnehin schon alle früheren Ansichten über die Grenzen von Zeit und Raum beseitigt hatte. Das sind Zahlen, wie wir sie kaum für möglich hielten und nach den Erfahrungen des Stellungskrieges für undenkbar ansahen. Der. ganze Raunl zwischen dem nördlichen Galizien und dem mittlecen Tniestr ist vom Feinde frei. Der rechte Flügel näherte sich bereits am 22. Juli dem Orte Haliich, welchen die Russen flucht- artig verlassen mußten und gewann die Gefechtsfühtung mit dem Nordflügel der Armee des Erzherzogs Joseph. Abermals löste Hindenburq die 'chwiecige Aufgabe, nicht nur die eiserne Fessel des Stellungskrieges mit Hilfe unserer überlegenen Technik und einer sieggewohnten Truppe schnell zii sprengen, sondern auch die einzelnen Glieder seines Ostheeres zum entscheidenden Schlage in Bewegung zu setzen. Während die Armee Bothmer am 19. Juli, zunächst mit dem linken Flügel eine Rechtsschwenkung von 45 Grad ausführend, zum Stoß ansetzte, dann Mitte und rechter Flügel sich der Vorwärtsbewegung anschlossen, hatte dre benachbarte Heeresgruppe des Erzherzogs Joseph zunächst nur die Aufgabe, den Gegner in der Nähe von Halisch in der Front zu fesseln. Dem fügten sich auch die Russen, setzten immer neue Massen zum Durchbruch bei Halisch an, um den Südfliiqel der Armee Bothmer zu umgehen. Diese verzweifelten Stöße waren gänzlich aussichtslos, da nur ein Teil der Truppen des Feindes sich an ihnen beteiligte und der Tritt der von Norden heranmarschierenden deutschen Korps mit seder Stunde deutlicher zu hören war. Nur geringe Teile der russischen Armee, welche beiderseits des Dnjestr kämpfte, können aus diesem Schlachtranm entwichen sein, da der breite Fluß zwischen ihnen und dem Rück- zugsgelände gelegen ist. Das Ergebnis des 24. Juli ist die v ö l l i g e N i e d e r l a g e d e r 11. r u s s i- schen Armee, nachdem die nördliche siebente bereits am 22. Juli gänzlich geschlagen oder aufgerieben war. Immer weiter klafft das Loch im östlichen Galizien. Es reicht bereits bis in die Gegend von Stanislau und m die Nähe der Bukowina. Am Morgen des 24. hatten die deutschen Truppen in 250 Kilometer Breite den Raum südlich von Tarnopol überschrit- t e n, nachdm am 23. der Serethübergang südlich dieser Stadt erkämpft worden war. Besonders beachtenswert ist der Umstand, daß die Verfolgungsschlacht in der Breite immer mehr gewachsen ist. die feindlichen Gegenstöße auf den Flügeln nicht in der Lage waren, diesen Raum zu kürzen oder zu zerschneiden. Der Ost f l ü g e l der siegreichen Truppen scheint bereits östlich von Tarnopol an der Grenze zu stehen, während der w e st l i ch e bis in die Gegend südlich Stanislaus reicht. Mit vollem Recht meldet der deutsche Heeresbericht vom 23. Juli: „Die strategische
Wirkung unserer Operationen in Ostgalizten wird immer gewaltige r." Schon wankt die Kar- pathenftont von dem Loclande oiZ in die Waldkarpathen, bis in die Gegend des Länderdreiecks. Durch den Durchbruch ist nicht nur das östliche Galizien befteft worden, sondern auch die Säuberung der südlichen Bukowina vom Feinde ist eingeleitet. Die strategischen Wirkungen dieses Siegeszugs ohnegleichen sind in der Zerreißung der russischen Kampflinien zwischen Galizien und der rumänischen Front zu sehen, denn auch letztere ist beim Forffchreiten unserer Offensivbewegung in drohender Gefahr. Die breite Lücke, welche die verbündeten Truppen in der
Kbend-Kusgabe.
Front des Feindes schufen, läßt sich nicht schlreßen, nicht mehr abriegeln, nicht durch ecn? Umgruppierung wieder gutmachen. Der Durchbruch vom 19. zeitigte demnach einen völligen Z u s a m m e n b r u ch d e r russischen Westfront. Vor schweren Aufgaben steht die russische Heeresleitung, vor politischen und strategischen Entschlüssen weitreichender Art. Nicht minder bedeutend ist die moralische Folge dieses Herr- lichen Sieges, welchen untere braven Truppen in mustergültigen Leistnng>'n als schneidende Waffe in der Hand unserer vortrefflichen Heeresleitung vollbrachten. Sie wird noch gesteigert durch die glan- zcnde Haltung an den übrigen russr'chen, Frontteilen, an welchen der Feind verzweifelte Gegenstöße machte. Für ewige Zeiten wird der 23. Juli ein schwarzer ^.ag in der Geschichte Rußlands bleiben. M-
Die Verfolgung.
W. T.-B. Berlin, 24. Juli. In Ostgalizten drang, ten unsere Truppen am 23. Jilli dem weichenden Feinde wie an den Vortagen unaushaltsam nach. Der russische Rückzug nimmt immer größeren Umfan g an. Die Reichenden russischen Verbände konn- ten sich nicht einmal längs des Sereth, uidlich von Tarnopol, zu einem ernsthaften Widerstande aus- raffen. Erst östlich des Sereth begannen sie sich wieder zu sammeln. An der Straße Trenibawla-Nikolinoe, zwanzig Kilometer südlich Tarnopol. wurde ein Angriff starker feindlicher Massen, der l.on Panzerauto, mobilen unterstützt war, unter außerordentlich schweren russischen B e r l u st e n abgewiesen. An der Straße Burkanow-Podhejca. 15 Kilometer südlich der Eisenbahnlinie Kozowa-Tarnopol. wurde ebenfalls feindlicher Widerstand gebrochen. - ...
Am Nachmittag des 22. Juli wurde von unseren Truppen südlich des Dnjestr bereits in breiterFront die L u k w a überschritten, um am Abend die alten Stellungen an der Bystryca zu erreichen. Der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Halicz wurde wieder genommen. Die Bystryca-Solotwinska wurde überschritten. In der Nacht zum 23. Juli fiel starker Regen, dem im Laute des Tages mehrere wol- kenbluchartige Gewittergüße folgten. Tie Ungunst der Witterung konnte indessen die Geschwindigkeit des Vormarsches Nicht aufhalten. Unsere Truppen, die im Regen auf der bloßen Erde biwakiert batten, setzten mit der gleichen Frische, wie an den Vortagen, den Vormarsch fort und trieben in alter Ungrffssfrffche den Gegner vor sich her. Die Beute an Geschützen, Maschinengewehren, Minenwer'rern. Panzerwagen, Schießbedarf und Kriegsgerät ist nicht zu über- s e h e n. Ans dem Bahnhof Korowa inurden etwa fünfzehn Geschütze, im Walde Eidlich Kitiztin si-chs Geschütze, Kaliber 28 bis 30 Zentimeter, und ein Eisenbahngeschütz schwersten Kalibers erbeutet. Im befreiten Gebiet sielen den siegreichen Truppen, abgesehen von ungeheuren Lagern an Lebensmitteln, die reiche Ernte und eine große Menge Vieh in dre Hand.
Während die russische Arniee im Südosten in drei- ter Front zurückweicht, verbluten sich weiterhin die in cinem aussichtslosen Kampf vorgejagten russischen Divisionen südlich von Smorgon, bei Kiew o, südwestlich von D ü n a bürg und bei I a k o b st a -d t.
Unter der Einwirkung unserer siegreichen Operationen in Ostgalizien wurde am 23. Juli auch die Front von den Karpathen bis zur Donau unruhig. Ein in den Karpathen südlich der Säge von Neu-Jtzkany nach einem außerordentlich heftigen Zerstörungsfeuer vorgetragener feindlicher Jnfanterieangriff brach in unserem Vernichtungsfeuer blutig zusammen. Nördlich der Bistritza und beiderseits von La Catriner heftiges feindliches Artilleriefeuer, das sich gegen Abend zu großer Wucht steigerte. Ein vorbrechendes Bataillon blieb in unserem Feuer liegen. Das gleiche Schicksal erlitten feindliche Angriffsversnche südlich des Susita- Tals, nördlich der Oituz-Straße und des Prall i I a.
An der rumänischen Front lebhaftere feindlich? Artillerietätigkeit besonders in der Dobrudscha und westlich der Donau, wo es sich von 2 Uhr bis 2 Uhr 30 Minuten zum Trommelfeuer steigerte. Russische Angriffe ersffckten in unserem Abwehrfeuer. Bei Bra- riftea auftauchende feindliche Kavallerie wurde durch Artilleriefeuer gefaßt und zersprengt. Seit 5 Uhr vor- mittags ist Trommelfeuer an der Rimnicul-Mündung.
Verschärftes weiteres Nachdrängen.
Br. Berlin, 25. Juli. (Eig. Drahtbericht. ch.) Dem „23. T." wird von feinem Kriegsberichterstatter Leonhard Adelt aus dem k. u. k. Kriegspressequartier unter dam 24. Juli gemeldet: Die deutsche Vorhut hat bei Trembowla bereits den Sereth überschritten und dadurch den zersprengten Nachzüglern der 11. russischem Armee den Weg nach Süden ver-
Nr. 374. . 65. Jahrgang.
legt. Das Zentrum der deutschen Durchbruihstrupp« hat im Verein mit üsterreichisch-ungarischen Truppen die Bezirksstadt Podajce, die Endstation der Nebenbahn von Brzezany, besetzt, und jenem Teil der 7. russischen Armee, die sich aus dem üiberstürzten Rückzug von der Zlota-Lipa und der Rarajowka hier zu stellen suchte, auf der h i st o r i s ch e n Stätte des Sieges Johann Sobiewskis über die Tataren, eine blutige Schlappe zugefügt. Die Berbünde- ten verfolgen den geschlagenen Gegner längs des Korpicc- bachs und der Strypa auf Monastercyska und Bucchacz, um ihm damit auch die letzte Bahnverbindung nördlich des Dnjestr, wegzuneihmeu. Auch südlich des Dnjestr Hassen sie der russischen 8. Armee k e i n e M u tz e, sich in Rübe znrückzuz'chen, sondern setzen ihr in verschärftem Nachdringen zu und vermehren dadurch die Verwirrung und Disziplinlosigkeit bei der Heeresgruppe Kvrnilow.
V/. T.-B. Wien, 24. Juli. Aus dem Kriegspressequaitier wird gemeldet: Die zwischen der Zlota-Lipa und dein Sereth südwärts gegen den Dnjestr vorstotzenden Truppen der Verbündeten sind kaum einen Tagesmarsch von 4*r Eisenbahnlinie Monasterzyska-Buczacz entfernt. Unsere alten Stellungen welsüich Stanislau sind wieder in unserer Hand. Auch die an'den StaniSlaübecken anschließende russische Front in den Waldkavpathen beginnt ab- znbrocke ln. Dagegen greift der Rusie und Rumäne weitert südwärts in der Dreilänberecke, am Tölgyespaß, bann zwischen Putma- und Casimital vergeblich an. In Rumänien erstickten russisch-rumänische Angriffe bereits im Feuer unserer Artillerie. Das eroberte Gebiet nördlich des Dnjestr ist fruchtbare schwarze Erde. Es ist zum größten Teil unbebaut. Auf ten Feldern wächst,üppiges Unkr aut. Die eroberten russischen Stellungen lassen sich bezüglich technischer Ausgestaltung nicht mit den unserigen vergleichen. Sie sind vernachlässigt; auch die Straßen sind ungepflegt.
25V Kilometer: Breite, bis 5V KilometerTiefe
Enfftellte Lyoner Funkspruchberichte.
W.T-B. Berlii, 24. Juli. Die letzten französischen Funksprüche unterschlagen den russischen Heeresbericht. Da» gegen gibt der Funkspruch Lyon vom 22. Juli, 8 Uhr nwrgenS, über die russische Lage in Ostgalizien ein völlig entstelltes Bild. In diesem Funkspruch erklärt Lyon, daß die Truppen des Prinzen Leopold von Bchnm südlich von Brody bei Sloczow zu einer sehr heftigen Offensive übergingen, und fährt wörtlich fort: Der Kampf dauerte mehrere Stunden. Dann wurden laut Bericht infolge der Nichtausführung gewisser.militärischer Befehle, durch die sich die Widerstandskraft der Russen als nicht genügend beweist, drei Verterdigungslinien in einer Ausdehrung von mehreren Kilometer genommen, doch muß hinzugefügt werden, daß durch die Ankunft eines durch die maximalrstische Propaganda nicht berührten Regiments die Lage wiedechecgestellt wurde. Es bildete sich m der russischen Front nur eine Ausbeulung.
Dieser entstellte Bericht Lyons muß dahin berichtigt werden, daß die g e s a m t e r u s s i s ch e F r o n t in Ost- galizien vom Sereth vis zu den Karpathen ins Wanken gekommen ist und der Russe sich in.einer Breite von 250 Kilometer im Riickzug befindet. Der Einbruch erfolgte in einer Tiefe bis zu 50 Kilometer. Der russische Heeresbericht aus Petersburg vom 23. Juli, 2i/ 2 Uhr nachmittags, gibt die Sachlage klar. Die im russischen Bericht genannten Orte liegen 10 Kilometer südlich der Eisenbahnlinie Tarno- pol-Kozowa-Brzezany.
Ein Schreckensbild von dem Rückzug der Russen.
8. Stockholm, 25. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Utro Raffte" entwirft ein Schreckensbild von der aus dem Rückzug befindlichen russischen Armee. Wenn sich das Letzte Regiment zurüötzieht, brennen alle Dörfer und Gehöfte im ganzen Land, teils vom deuffchen Artilleriefeuer in Brand gesteckt, teils aus Besehl Brussilows, der die Taktik des Jahres 1915 fvrtsetzt. Die brennenden Städte werden vielfach zuvor geplündert.. Die Stadt Koserew, welche in bedeutender Entfernung hinter der Front liegt, wurde von einem transamurischeu Regiment angezündet. Darauf veranstaltete die 8. Rotte des Regiments einen Judenpogrom. ES begann, die jüdischen Läden zu plündern, und setzte später die schon vom Regiment voryenommenen Plünderungen fort. Die Annäherung des Feindes erschreckte sie nicht. Man mußte sie von Kavallerie umzingeln lassen. Die Anführer der Rotte iourden verhaftet. Dieses Mispiel ist typisch für die Zustände an der Front.
An der galizischen Front vollzieht sich unausgesetzt das Ausscheiden der ukrainischen Truppen, die sich zu besonderen Regimentern zufammenMießen. Di» kleinrussische Generalkommission des Heeres ordnet die Auflösung der neugebildeten Regimenter an und verbot alle Neu- formierunyen. Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt.
Ein neutrales Urteil über die ssvotze Bedeutung der deutschen Offensive.
— Berlin, 25. Juli. Der „Zürcher Tvgesanzeiger" schreibt zum deutschen Vorgchen gegen die Russen: Vermögen die
Mittelmächte die Offensive noch eine -Woche mit voller Kraft weiterzuftihren, so kann den jetzigen Ereignissen in GalizieL
