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Verlag Laaggafse 21

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Dienstag, 24. Juli 1917.

fibenöRusaabe.

Nr. 372. . 65. Iahrgang.

Unserkraftvolles Vordringen in Ostgalizien.

Bisher 47 Geschütz: eingebracht.

Riesige Muuitions- «nd Berprlegunqsvorräte erbeutet.

W. T.-B. Berlin, 23. Juli. In Ostgalizien blieb die kraftvolle Vorwärtsbewegung auch am 22. Juli im Fluß. Das ungestüme Nackdräugen unserer, Truppen hat die russische Front von T a r n o p o I bis ins K a r- pathenvorgelände ins Wanken gebracht. Un­sere Truppen zwischen Halicz und Brzezany sind ebenfalls im Vorgehen. Die Zahl der Ge­fangenen steht noch nicht fest. Bisher lind 4 7 Ge­schütze, darunter eine große Anzahl schwerer, cin- gebracht worden. Trotzdeui die Russen die^Absicht hat­ten, wie bei früheren Rückzügen alles in Flammen aufgehen zu lassen, können sie diewn Plan in der Eile des Rückzugs nicht voll verwirklichen. Bei Zborow haben sie lediglich die große Chaussee-Bnicke verbrarmt. Die zahlreichen rechts und links davon über den Stry p a- Grund führenden Holzbrücken mußten sie unzerstört lassen, ebenso die große Straßenbrücke von Jezierna über die Wosuszka. Die russischen Quartiere in den Ortschaften hinter der Front bezeugen überall den überstürzten Aufbruch. Vielerorts sielen be­deutende Mengen von Nahrungsmitteln und Munition in die Hände der Versorger. Die De i suche der Russen, die Munitionslager in Jezierna in die Lust zu spren­gen, gelangen nur zum Teil. Gewaltige Bestände blie- den unversehrt und bereits am Vormittag des 21. trafen deutsche Lastzüge ein. um sie zu eigenen Verwendung abzutransportieren. Auch die riesigen Verpflegungs­vorräte in Jezierna konnten die Russen nur teilweise durch Übergicßen mit Petroleum unbrauchbar machen. Bereits gegen Mittag des 2l. waren die Ortschaften Medowa und Kozlow, 10 Kilometer mdwestlrch und südlich von Jezierna erobert, während unsere Truppen bereits bis auf 9 Kilometer gegen die Stadt Tarnopol vorgedrungen waren, die 'eit Beginn des ersten Krieqs- jahres in russischer Hand ist. Von den genvrnmenen Höhen sahen die Verfolger bereits deutlich den Kirch­turm von Tarnopol. Weder durch znsammengefaßtes Feuer auf die große Landstraße noch durch starke Gegenangriffe vermochten die Russen den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Auch ein Vorstoß mit von Tarnopol heranqeführten Panzermitos schlug fehl. Das Sperrfeuer der deutschen Geschütze zwang die Panzer- wagen zur raschen Umkehr.

Der 22. brachte ebenfalls gewaltigen Raum­gewinn für die Verfolger. An: östlichen User der Strypa vorgehend? Kolonnen erreichtem bereits in der Nacht zum 22. bei der Station D e n g s o v an der Strypa die Eisenbahnlinie Kozloiv- Tarnopol. Die ostwärts abziehcnden russischen Kolonnen wurden häufig mit vernichtender Wirkung von unserer Artillerie gepackt. Auf allen Straßen und Wegen liegen Reihen russischer Gefallener verstreut. Ein Eisenbahnzug, der nach Osten zu entkommen versuchte, wurde vorDcnysow voN'Ulanen und Jägern zur Umkehr gezwungen. Außer Unmengen von Munifion unt> Lebensmitteln wurden hier sechs schwere Flachbahngeichütze erbeutet, die im Bahnhof zum Verladen bereitstanden. Am Vormittag des 22. wurde die Bahnlinie mit Infanterie in breiter Front überschritten. Obwohl die zahlreichen Verwidi- gungsanlagen am östlichen Strypa-User mit ihren weitausgedehnten und noch völlig intakten D^chthinder- nissen eine vorzügliche Gelegenheit zur ad^chnittsweisen Verteidigung boten, leisteten die Russen nirgends ernst­haften Widerstand. Ihre Nachhuten wurden überall geworfen. Weithin am Horizont sah man zu beiden Ufern der Strypa die weichenden russischen Kolonnen, deren Rückzug stellenweise in Flucht ausartete. Das warme trockene Wetter begünstigte das rasche Vordrin­gen unserer Truppen. Die W e a e haben sich g e- bessert. Die Feldbatterien ziehen mit ddr vorder­sten Infanterie irnd auch die schwere Artillerie bis zu den schwersten Kalibern wird init bemerkenswerter Schnelligkeit nachgezogen.

Vor Tarnopol leisteten di? Russen hartnäcki­gen Wider st and. Auf den Höben östlich der Stadt hatten sie eine große Masse schwerer und leichtcr Ar­tillerie zusammengezogen. Am Morgen des 22. Juli erreichte die deutsche Infanterie den vor Tarnopol see- arfig erweiterten Sereth. Die russische Artillerie überschüttete das Westufer dieses Flusses mit einem Hagel von Schrapnells und Granaten. Gleichzeitig ec- öffneten zahlreiche Maschinengewehre, die auf dem Kirchturm und auf Gebäud-n der Stadt aufgestellt sind, ein heftiges Feuer. Es wäre ein Leichtes, den russischen Widerstand durch schweres Feuer auf bie Stad t, die ihnen Schutz und Deckung bietet, zu brechen, ähnlich wie die Franzosen in solchen Fällen sich nicht scheuten, ihre eigenen Städte in Grund und Boden zu schießen. Stimmung und Geist unserer

Truppen ist den glänzenden Erfolgen ent- sprechend siegesfroh und angrrsfs- freudig.

Erfolg an Erfolg.

Der deutsche Abendbericht vom 23. Juli.

W. T-B. Berlin, 23. Juli, abends, (Amtlich, Draht­bericht.) Artillrrieschlacht in Flandern unvermindert.

Starke russische Angriffe südwestlich von D u n a- b u r g sind gescheitert.

In O st g a l i z i e n reiht sich in raschen Fortschritten Erst lg an Erfolg.

Unsere Truppe«, die den Befehlen ihrer Anführer jeden Gehorsam verweigerten.

Ein kennzeichnender russischer Bericht.

Russischer Heeresbericht vom 22. Juli. Westfront: Süd­westlich von Dünaburg, in der Richtung auf Wilna und B a r a n o w i t s ch i, Artillerieseuer auf beiden Seiten. West­lich von Tarnopol setzte der Feind seine Offensive in der allgemeinen Richtung Tarnopol und mehr südlich längs der Strypa fort. Unsere Truppen, die den Befehlen ihrer Ai führer jeden Gehorsam verweigerten, zogen sich weiter über den Sereth zurück und ergaben sich hier und da dem Feinde. Einzig und allein die 165. Infanterie- Division leistete dem Gegner Widerstand in der Gegend Doljanke-Douonerytscha, desgleichen Panzerautomobile, die die deutsche Kavallerie auf der Straße nach Tarnopol be- jchrfsen. Am Abend des 21. Juli hielten sich unsere Truppen am Sereth auf der Front Zalotsche-Tarnopol- N a s ch k o w t s e. Das Dorf Zagerbella, ein Vorort Tarnopols, ist in die Hände des Feindes übergegangcu. Trotz unserer erdrückenden Überlegenheit an Streitkräften und rechnischen Mitteln in allen An- grrfftabsch,litten dauert unser Rückzug ununter­brochen an. Unseren Truppen feblt es völlig an Stand­haftigkeit. Sie erörterii unaufhörlich die Frage, ob diese oder jene Staatssorm durchzuführen sei und leihen aufmerk- san: ihr Gehör dem verbrecherischen Programm der maxi­mal i st i sch e n Sozialdemokraten. Auf dem Lomnica-Ufer in der Gegend des Dorfes Babin und von Sdoudzianken er­griff der Feind nach Artillerievorbereitung die Offensive und zwang unsere Truppen, die das Dorf Babin hielten, auf das l echte Lomnica-Ufer hinüberzugehen. An der übrigen Front Gewchrfeuer. Kaukasus- und rumänische Front: Die Lage ist unverändert.

Wie die Schuldigen ihre Verantwortung ans die Truppen abwälzen!

Ein scharfer und gefahrdrohender Umschwung in der Stimmung der Truppen."

W. T-B. Berlin, 23. Juli. . Das Komitee der ge» schlagenen elften russischen Armee, in dem die Mitschuldigen Keren skis und B r u s s i l o w s an dex verhängnisvollen ruffischen Offensive gegen Lemberg sitzen, richtete folgendes drahtloses Telegramm nach Peters­burg:

An den Kriegsminister, die provisorische Regierung, das Zentralkomitee des Rates der Arbeiter- und Soldaten­deputierten, das Ausführungskomitee der Bauernabgeord­neten und an den Oberbefehlshaber des Feldheeres.

Die deutsche Offensive, die am 13. Juli vor der Front der 11. Armee ihren Anfang nahm, entwickelt sich zu einer furchtbaren Katastrophe, die unter Umständen den Untergang des revolutionären Rußland zur Folge haben kann.

In der Stimmung der Truppen, die vor kurzem durch die heldenmütigen Anstrengungen der zielbewußten Mim- malisten gehoben wurde, hat sich ein scharfer und gefahr­drohender Umschwung vollzogen. Die Angriffslust er- schöpfte sich rasch, die meisten Truppenteile befinden sich im Zustand einer zunehmenden Zersetzung. Von einer Averkennung des Vorgesetzten und einer Subordination ist keine Rede mehr. Zureden und belehren sind völlig wir­kungslos geworden. Sie werden durch Drohungen, zuweilen sogar durch Erschießen der Zucedenden beantwortet. Manche Formationen verlassen die Schützengräben, ohne das Heran­kommen des Feindes abzuwarten. In einigen Fällen wurde der Bcfcbl zur Unterstützung der Kämpfenden vorzurücken, webrere Stunden hindurch in Versammlungen besprochen. Die Folge davon war ein L e r s p ä t e n der Unterstützung um 24 Stunden. Wiederholt haben Truppen auf den ersten Schuß ihre Stellung verlassen. Hinter der Front ziehen sich kilometerweise Züge von Flüchtlingen, mit ur:d ohne Gewehr gesund, frisch, aber bar aller Scham und im Gefühl völliger Sicherheit vor Strafe. Zeitweilig ent­fernen sich ganze Truppenteile.

Die Mitglieder des Armee- und Frantckomitees erkennen an, daß die Lage die äußersten Mittel und Anstrengungen erfordert, und daß man vor nichts Halt machen darf, um die Revolution vor dem Untergang zu retten. Heute haben der Oberöefehlshaber der Südwestfront und der Kommandeur der 11. Armee in Übereinstimmung mit den Kommtffareu und dem Komitee den Befehl erlaffen, auf die Fliehenden zu schießen. Das ganze Land soll die volle Wahr­heit über die vor sich gehenden Ereignisse erfahren, soll erschaudern und in sich selbst die Entschloffenheit finden, sich auf diejenigen zu stürzen, die kleinmütig die Revolution vernichten.

In diesem Telegramm versuchen die Schuldigen. ^ die Verantwortung für ihre Niederlage aus die schleckst geführten und zu nutzlosen lOpsern verführten Truppen zu schieben. Der Blick Rußlands soll von dem verhängn'. s- vollen Ausgang des Angriffs seiner besten Truppen auf Lemberg und Drohobyca durch die Behauptung von der bedrohten russischen Revolution sbgelenkt werden. Tatsächlich ist die Niederlage die operative Folge des Durchbruchs der deutschen Truppen bei Zborow. der. als Ver­geltung unternommen, sich pll-nmäßig zu einer sieg­reichen Operation der verbündeten Armeen erweitert und das Zurückgehen des ruWchen Heeres erzwingt.

Erst dieser Rückzug har den englischen, franzö­sischen und russischen Führern die Macht über die Truppen genommen, die jetzt einzusehen beginnen, wozu sie m i ß b r a u ch t wurden. Jetzt wollen die Machthaber 2ie Trupven wieder in ihre Hand bringen, indem sie auf sie schießen lassen. Auch hierfür soll die Lüge von der bedrohten rüsstscben Revolution als Entschuldigung dienen. Nicht d:e Revolution wird durch das siegreiche Vordringen deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen bcdroiht. sondern . die Verführungskünste der Entente und der jetzigen russischen Machthaber. Es soll verschleiert werden, daß die Mittelmächte um den Frieden, die Entente um die Fortsetzung des verlorenen Kriegs kämpfen.

Ein Aufruf der Regierung an die Operationsarmee.

W. T-B. Petersburg, 22. Juli. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet: Die vorläufige Regierung hat an die Operattonsarmee folgenden Aufruf gerichtet: Vor drei Wochen haben die Armeen der Südwestfront auf Befehl des Kriegsministers und unter dem Befehl des Generalissimus mit einem mächtigen revolutionären Schwung die Offen­sive ergriffen. Mehr als 36 000 Gefangene, mehr als 90 Kanonen, mehr als 400 Maschinen­gewehre wurden von dieser Armee erbeutet. Die glor- reiche BezeichnungRegimenter des 18. Juli" wird hinfort in dn Annalen der Revolution verzeichnet sein. Diese Helden stellten über das eigene Leben die Sicherheit und das Be­stehen eines fieien Vaterlandes und das Wohl der russischen Revolutton, die bedroht sind von der Front von den Wilhelm ergebenen Bajonetten und im Hinterlande durch einen der- räterischen Aufruhr. Der Aufruhr im Innern wurde durch die Macht des Volkes zu Boden geschmettert, doch bedroht noch größere Gefahr die Revolution. Nach Zusammenziehung seiner Kräfte ging der äußere Feind seinerseits zum A ii a r i f f über. Daß sein Plan, die Front zu durchbrechen, gelang und gleichzeitig der Krieg im Hinterland los- gehen kennte, schließt alle diejenigen, für die Rußland und seine Freiheit nicht eitle Worte sind, noch mehr zusammen.

Truppen der revolutionären Armee! Eure Brüder, die mit roten Bannern in den Kampf gezogen sind, rufen euch, sich ihnen anzuschlietzen. um gemeinsam für die Verteidigung der Freiheit zu kämpfen im Namen gerechter Bedingungen kür einen dauerhaften Frieden. Nach dem Willen des revo- I.itionären Rußlands und auf Befehl eurer militärischen Fübrer vorwärts die Reihen, ohne aus die Feiglinge und die Vaterlandsvcrräter zu achten! Rettet die Freiheit! Rettet das Vaterland!

Die Hälfte der Kvrnilowfchen Armee schon vernichtet.

Räumung von Drvdn?

Berlin, 24. Juli, (zb.) DieVoss. Ztg." bringt nich einer Stockholmer Meldung einen Aufruf der Kriegssektion der allrussischen Arbeiter- und Soldatenräte an die ruffischen Reserve- und Ersatzfoc mationen. Danach haben allein bis zum 14. Juli aus dem Bereich der 11. russischen Armee 21 000 russische Verwundete den Berteilungspunkt Preskurow passiert. Beim Hauptquartier der 8. Armee lief schon am 12. Juli die Meldung ein, daß für jedes Regiment rund 20 0 0 Mann Ersatz nötig seien, so daß bis dahin schon die Hälfte der Kornilowschen Armee vernichtet war. Nach einer Meldung desB. L.-A." berichtet dieMorning Post", daß die russischen Banken und Zivilbehörden Brody ver­lassen hätten. Nach demselben Blatt meldetEcho de Paris", daß die bisherigen Besatzungstruppen von T sch er- nowitz aus unbekannten Gründen durch Truppen der K i e w e r Garnison abgelöft worden sind.

Französische Besorgnisse zum deutschen Durchbruch in Galizien.

W. T-B. Bern, 24. Juli. (Drahtbericht.) Die deutsche Offensive in Rußland ist der französischen Presse nur durch, deutsche Telegramme bekannt, da der russische Heeresbericht seit zwei Tagen nicht mehr veröffentlicht ivird.L'Heure" stellt fest, daß die Zensur ben letzten ruffischen Bericht vom Freitag unterdrückt habe. Seither durfte nichts mehr bekannt gegeben werden. DerMatin" erklärt, der deut­sche Durchbruch sei gefährlich. Es bedürfe einer wucktiaen Kraftanstvengung. um die ruffischr Eroberung in Galizien zu halten. DerTemps" ist gleichfalls- peffimistisch. Er führt die russische Niederlage auf die F ried enspro­tz a a and a zurück. Die Vorgänge in Rußland wer­den' von der französischen Presse eifrigst besprochen. Die Blätter erklären, es sei ein Glück, daß Kerenski jetzt di«, leitende Stellung bekomme; er habe die notwendige Energie. ^Petst Porisien" erklärt, Kerenski sehe sich einer crrktzLv-