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Verlag Laaggaffe 21

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wöchentlich

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Beiie8geld. —-^ez»»s - Seieinnge» nehmen euhrrde» entgegen: in ««kdaden die Zwei,stehe «>4. murcknng 19. sowie die Ausgabestellen in alle» Teilen der Sinkt; in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Laukorien und im Rheingau die betreffenden Tagblatt- Träger.

Angei,eu-Lnnali »mag»; sstr die«

Berliner Abteil»«, deS Wies»«»e«erT«,bl«tts:

13 Ausgaben.

Fermmf:

,^«,hl«tttz»us" Nr. MM-»3.

Sen S Uhr morgen» bi» 7 Uhr abends, »»her Senn««»».

u-Brei» fir die geile: *> Pf,, für örtliche »ureigen im UrbeilSmar«" unk -Keiner »ngeiger-

^ ir^ „ KSr die Ausnahme von Anzeigen an »orgeichriebenen

Berlin W., P,t»»««er gtt.121». Aernspr.: «»t Lütz»» 6202 ». 6303. r.gen un» guten wird ime «kwam ubern»m»en.

Dienstag, 24. 3uli 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 371. ♦ 65. Jahrgang.

Die abgeschlagene Krirdenrhand.

Es ist die Frage, ob es nötig war, daß das Wiener „Fremdenblatt" in seiner Besprechung der Reichstags- Vorgänge vom Donnerstag nochmals von einem jetzt freilich überwundenen Zwiespalt zwischen Wien und Berlin sprach. Zwar behauptet das offiziöse Wiener Blatt, da'h '»r Zwiespalt nur von den Fein­den „konstruiert" . uc.t sei, aber das Wort selbst brauchte wirklich lucht angewendet zu werden, selbst wenn die gute Absst-st dabei war. es für gegenstandslos zu erklären. Die F.nide werden sich ja doch nicht aus- reden lassen, daß ec ?e Zeit gab oder daß sie wieder­kehren könnte, wo znn.chen Berlin und Wien ein Keil hineinzutreiben wäre. Wenn 'oöann das ,Freinden- blatt" ausführt, daß sich Deutschland durch den Mund der Reichstagsmehrheit und durch die Rede des neuen Reichskanzlers auf den Boden der in Wien und Buda­pest feit Monaten erfolgten Friedenszielpolitik stelle, so soll das nicht weiter bis in jede Einzelheit nachge­prüft werden, uns indessen erschiene es richtiger, zu sagen, daß sich das befreundete Reich nunmehr auf unseren Boden stellt, und das ist gut so. Denn zwischen den Friedenszielwünschen, wie sie an der Donau in den letzten Monaten w oft und vielleicht all­zu oft ausgesprochen worden sind, und dem, was den Kern und den Wert öqr deutschen Kundgebungen aus­macht, besteht immerhin ein erkennbarer Unter- s ch i e d. Die öfterreichisch-ungarische, Friedensformel bewegt sich im wesentlichen auf der Linie der vom russi­schen Arbeiter, und Soldatenrat aufgestellten. Die deutsche erhält ihre Merkmale nicht bloß durch dre Friedenserklärimg der Reichstagsnrehrheit, sondern ebensosehr durch die Kanzlerrede, von der man doch weiß, daß sie unbeschadet aller unzweifelhaften Zustim­mung einen Standpunkt vertritt, der nicht gerade derselbe wie der der Mehrheit ist. Worte, wie die in der Thronrede des Kaisers Karl vom 31. Mai, die von der „wechselfeitigen Anerkennung einer ruhmvoll verteidigten Machtstellung" sprach, wird nran in den von uns aus ergangenen Kundgebungen nicht finden, auch nicht in der Rede Scheidemanns. Es gefällt uns also ganz gut, wenn das halbamtliche Wiener Blatt jetzt die volle Übereinstimmung der österreichffch- ungarischen Staatslenker mit dem Becständigungs- gedachten betont, wie er vom Reichskanzler und vom Reichstage gefaßt worden ist. Es ist damit gesagt, daß unsere Frermde an der Donau die Richtung innehalten werden, die zu verfolgen wir bereit und entschlossen find. In Wien ist man also auch willens, ganz wie es bei uns geschieht, dein feindlichen Mächteverbande den ersten Schritt zu überlasten und dem hinlänglich erklärten eigenen Friedenswuiffche nichts weiter Nach­folgen zu lassen, bevor nicht von der Gegenseite her er­klärt worden stt, daß man verhandeln wolle. Alles das ist in der Ordnung, alles das bedeutet in der Tat eine wertvolle Übereinstimmung zwischen Berlin und Wien. Man kann jetzt wirklich nichts weiter tun als geduldig abwarten. Die Feinde haben das Wort, an ihnen allein liegt es, die Friedensfrag» ins Rollen zu bringen, und wenn sie das nicht wollen, so muß der Kampf, trotz allen Friedensverlangens des Vierbunds, weitergehen. Die neuest» Rede Lloyd Georges läßt überhaupt für Zweifel keinen Raum. Kann es etwas Lehrreicheres geben als die brutalen Töne, die der englische Ministerpcändent wieder angeschlagen hat? Das österreichische Erbieten zum Frieden hat nichts genützt das deutsche Erbieten war ivie das un- serer Freunde schon vor einem halben Jahre und vor sieben Monaten ausgesvrochen worden und hat uns auch nicht weitergebracht. Seitdeni haben die Feinde freilich viele bittere Erfahrungen machen muffen. aber sie haben ja auch Hoffnungen, vor allem aus Am e r l k a und auf die Wirkung des verstärkten Aushungerungskrieges, der sich mit aller Schärfe gegen unser» noch neutralen Nachbarn wendet. Wir inüsien daniit rechnen, daß fie ihre amerikanische Kart» erst werden ausipielen wollen, und daß sie das Spiel erst werden verloren geben, wenn auchdieseKartekein Glück bringt. Es wird jedenfalls geraten fein, mit einem vierten Kriegs­winter zu rechnen. Wir können, da wir alles getan haben, was in unserer Macht steh», uni der Welt den Frieden zurückzubringen, nichts tun als anshalten. Tie Überzeugung aber, daß wir in allen Lagern des Vierbunds mit reinem Gewissen die Fortsetzung des ungeheuerlichen Krieges verantworten rönnen, weil es nicht an uns liegt, ob und ivie er endigen kann, diese Überzeugung wird uns aber auch über das Schwerste siegreich hrnwegbringen.

Die militärische Lage.

Br. Berlin, 23. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) D:e Schlucht vor Tarnopol gestaltet sich zum größten un» schönsten Erfolg, den die deutschen Waffen in diesem Jcchre errungen haben. Die Operationen in Galizien sind

weiter im Fluß, ohne daß sich zur Stunde von dem. Maß des bisher Erreichten und von den kommenden Dingen ein eini­germaßen genaues Bild geben läßt. Nach den Kampsmel- düngen, die heute früih von diesem Kriegsschauplatz Vorlagen, drängen unsere Truppen nördlich des Dnsestr dem zurück­weichenden Feind nach. Auch südlich des Dnsestr wankt d:e russische 'Front. Im L u ck n a t a l bezeichnet bereits die große Zahl brennender Dörfer den Weg des feind­lichen Rückzugs. Die Bahn Brzezany-Tarnopol ist von unseren Kräften bereits überschritten worden und nur westlich Tarnopol leistet der Russe erbitterten Widerstand. Un­ter den bis gestern vormittag gezählten erbeuteten Ge­schützen befinden sich auch sehr zahlreiche schwere Kaliber. Unsere Kavallerie- hatte Gelegenheit, sich auiszuizeichnen. so nahm eine Ulanonschwadrmr ans dem Bahnhof von Donisow 7 schwere Geschütze fort und zwang einen eingelanfenen russi­schen Zug, schleunigst rückwärts zu fahren.

Um dem bedrohten Fvantteil Erleichterung zu schaffen, verstärken die Russen in anderen Abschnitten ihre Aktionen. Beiderseits Baronowitschi war die feindliche Artillerie sehr tätig. Im Raum südlich von S m o r g o n konnte ein morgens 8 Uhr vovbrechender Angriff sich dank unseres Sperr­feuers nicht -entwickeln. Auch südwestlich von Dünaburg brach ein russischer Angriff in unserem Feuer zusammen. In den Karpathen und an der S e r e t h f r o n t war d'.e Fenertätigkeit erheblich gesteigert. Fliegerbataillone wurden überall abgeschlagen. Ein ohne Artillerievorbereitung südlich Haszuhavas vorbrechender überraschender Angriff kam bis in unsere vorderste Stellung, wurde aber im Gegenstoß unter blutigen Verlusten des Feindes -wieder wettgemacht.

In Flandern ist man im Beginn der neuen eng­lischen Offensive, die sich durch die lange vom Regen unterbrochene Artillerievorbereitung angeki'mdigt hatte. Diese Artillerieschlacht hatte gestern und auch in vergange­ner Nacht an HöftigkÄt nicht abg-enommen. Angriffe von Stoßtrupps tu Stärke mehrerer Kompagnien brachen vor un­seren Linien blutig zusamman. Die Engländer ließen nicht, weniger als 40 Fesselballone ausisteigeii, was einen Begriff von der Ausdehnung ihres Plans gibt. Sieben dieser Ballone wurden -durch FlaMeuer bereits zum Niedergehen gebracht, ein Masse nangriff feindlicher Fliegerge­schwader auf unsere eigenen Bcobachterballone wurde durch unsere Abwehr ab g e s ch l a g e n.

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Russischer Heeresbericht vom 21. Juli.

Westfront: Südwestlich von Dünaburg unterhielt der Feind sehr starkes Artilliriefeuer. In Richtung Z l o t s ch o w entwickelte der Gegner den Durchbruch unserer Front und setzte am 20. Juli seinen Angriff in der allgemeinen Richtung Tarnopol fort. Unsere Truppen zogen sich zurück, ohne int allgemeinen den Beweis der nötigen Standhaftigkeit zu geben und stellenweise sogar d-eu Befehlen ihrer Anführer nicht gehorchend und hielten sich am Abend auf der Linie Reneuw-Gliadky-Pokroptvna-Lydabuw. Auf der Front Rischky-Potutory beschoß der Feind kräftig niit Unterbrechun­gen unsere Gräben. Am L o m n i c a - F l u ß ir- der Gegend des Dorfes Nocitzt, ergriff der Feind wiederholt die Offen­sive, wurde aber jedesmal zurückgeworfeu, außer nordöstlich von dem Dorfe, wo es ihm gelang, eine der befestigten Höhen zu nehmen. Auf der übrigen Front Gewehrfeuer von Auf­klärern.

Dev Einbruch in die russische Front.

W. T.-B. Petersburg, 23. Juli. l Drahtbericht. Reuter-Bureatz.) Depeschen aus Galizien melden, daß die Bresche in der russischen Front 12 Werst breit und 10 Werst tief ist.

Die letzten Vorgänge in Rußland.

Ein scharfer Tagesbefehl Kerenskis gegen die Kronstädter Marinetcile.

W. T.-B. Petersburg, 23. Juli. (Drahtbericht.) Kriegsminister Kerenski hat an das Heer einen Tagesbefehl gerichtet, in den: es heißt: Seit Beginn der Revolution in Kronstadt und auf gewissen Schiffen der Ostseeflotte unter dem Einfluß non deutschen Agenten (natürlich!) und von Peuvokatoren sind Personen ausgetreten, die zur Tat ausgewrdert haben, indem sie die Revolution und die Sicherheit des Vater- landes bedrohten. Während unsere tapfere Armee sich heldenhaft opferte, sind Kronstadt und mehrere Schisse mit „Republik", „Slawa" und „Peiorpawlowsk" an der Spitze ihren Kameraden in den Rücken ge­fallen, indem sie einen Beschluß gegen die Offensive annahmen und zum Ungehorsam gegen die revolutionäre Gewalt, dargestellt durch die vor­läufige Regierung, aufforderten und versuchten, einen Druck auszuüben auf den Willen der demokratischen Organe Rußlands, den Arbeiter- und Soldatenrat und den Bauernrat ganz Rußlands. Gleichzeitig mit der Offensive unserer Arme» brachen in Petersburg Un­ruhen aus. Als auf Befehl der vorläufigen Regie­rung der im Einvernehmen mit dem Vollzugsausschuß des Arbeiter- und Soldatenrats und des Bauernrats er­

lassen worden war, Schiffe der Flotte bestimmt wur­den, schnell und entscheidend gegen die Seeleute von Kronstadt vorzugehen, die an diesen Unruhen in Peters­burg teilgenommen haben, rieten die Feinde des Volkes und der Revolution, indem sie sich des Haupt­ausschusses der Ostseeflott» bedienten, durch lügen­hafte Auslegung dieser Maßregel unter der Mann­schaft Unruhen hervor. Diese Verräter hinderten die Entsendung von der Revolntion ergebenen Schiffen nach Petersburg, sowie di» zur schnellen Unterdrückung der vom Feinde (!) angestifteten Unruhen erforderlichen Maßnahmen und uerlsiteten die Mann­schaft zum willkürlick»en Vorgehen, namentlich den Generalgouverneur abzusetzen, die Verhaftung des Ad­jutanten des Marineministers Kapitän Dudorow zu be­schließen und eine Reihe von Forderungen an den Ar­beiter- und Soldatenrat zu richten. Di» verräterische Tätigkeit einer Reihe von Personen zwang die vor­läufige Regierung, unverzüglich die Verhaftung der An­stifter zu befehlen. So ließ die Negierung eine Abord­nung der Ostseeflotte in Petersburg iestnehmen. In Anbetracht des Besagten befehle ich: Unverzüglich den Haupt aus schuß der Ostseeflotte aufzulösen und einen neuen zu wählen, innerhalb von 24 Stunden die Anstifter festzunehmen und sie zur Unter­werfung und Aburteilung nach Peti-csburg zu bringen, sowie die Versicherung vollständiger Unter­werfung unter die vorläufige Negierung abzugeben. Ich erkläre den Abteilungen von Kronstadt und den Mann­schaften dieser Schiffe, daß sie. wenn sie diesen Befehl nicht ausführen, als Feinde des Vaterlandes und der Revolution »erklärt und die schärfsten Maß­nahmen gegen sie ergriffen werden.

W. T.-B. Petersburg, 23 Juli. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Soldaten- und Offiziers rat der rumänischen Front hat an Kerenski und den Arbeiter- und Soldatenrat in Peters­burg ein Telegramm gerichtet, in welchen: er die vor- läufige Regierung auffocdert, im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldat»nrat di» schärfsten Maß­regeln einschließlich des Gchrauchs der bewaffneten Macht gegen die Empörer anzuwenden.

Diktator Kerenski.

W. T-P-. Petersburg, 22. I ili. (Meldung des Reuter - scheu Bureaus.) Ministerpräsident Kerenski ist Samstag an die Front abgersist. — Wie die .Wrsenztg." berichtet, faßte eine Versammlung von Vertretern des Preobraschensky- Regiments mtd der Regimenter an der Front den Beschluß, daß die unmittelbtre Notwendigkeit bestehe, die unbe­schränkte Machtvollkommenheit in die Hände Kcrenskis zu legen.

Der Grund für den Rücktritt des Fürsten Lwow.

W. T-B. Petersburg, 23. Juli. (Drahtbericht. Reuter.) Der Rücktritt des Fürsten Lwow ist oaoanf zurückzufiihren, daß er die sofortige Ausführung der Teile deS Pro­gramms der sozialistischen Minister mißbilligt bat, die eine Verletzung de: iiiechte der konstituierenden Ver­sammlung darstellten.

W. T.-B. Petersburg, 22. Juli. (Drahtbericht. Peters­burger Telegrophenagentur.) Uber die Gründe seines Rück­tritts befragt, erklärte Fürst Lwow: Im gegenwärtigen

Augenblick glaube ich die Gründe meines Rücktritts nicht mitteilen zu können. Die Regierung ist noch nicht ge­bildet. Erst ivenn die Krisis in der Regierung beendet ist, wird man über Einzelheiten strecken können. Jedenfalls be­halte ich noch die Leitung der Angelegenheiten, bis mein Nach­folger ernannt ist Diesem werbe ich meine Macht voll und ganz übertragen. Dies wird voraussichtlich in ein oder zwei Togen der Fall sein. Nach Mitteilungen von der Regierung nahestehender Seite ist der Rücktritt des Fürsten Lwow auf Meinungsverschiedenheiten mit der Mehrheit der Regierungsmitglieder in grundlegenden Fragen zurückzn- führen, nach deren Ansicht Lwow der versafsungsgebenoen Versammlung angehören sollte. Lwow schlug Kerenski als Ministerpräsident vor. Dieser soll gleichzeitig das Amt des Kriegsministers beibehalten.

Ein besonderer Ausschutz zur Verhütung von Unruhen.

Ein Leutnant als Petersburyrr Oberbefehlshaber.

ZV. T-B. Stockholm, 22. Juli. Nach einer Meldung des „Svens ka Dagblad" aus Haparanda hat die einstweilige Regicrnrg beschlossen, einen Ausschuß einzusetzen, der im Einveiständnis mit dem Kommandanten von Petersburg Unruhen verhüten soll. Mitglieder sind S k o b e l e w, L e b e d o w und Rotz. — Bei der Zeitung „Prawda" wurde Haussuchung abgehalten. Kriegsinvaliden zerslörien sämt­liche Nummern" des Blattes. — Nach „Rjetsch" kehrte K e r e n s k i Donnerstag nach Petersburg zurück. Er hat den Kommandanten von Petersburg abg es-etzt und eilten Leutnant vorläufig mit dem Oberbefehl über die Peters- bilrger Truppen betraut.

Verhaftung Lenins u. anderer Maximalistcrl

Br. Zürich, 22. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Ans Petersburg wird berichtet: Leuin und mehrere andere An­hänger der Maximalistenpartei sind verhaftet worden.