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Verlag Langgaffe 21

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Ner!a»en. Bei wiederholter Austrahme unveränderter Anzügen in kurzen Zwl^ch enr-nn n e n rntsprechender Nachlaß, t ' ' "

Brrliuer Abteilung des Wiesbadener TagblattS: Berlin Yt., Potsdamer Str.lSIL. Fernsdr.: A«t Lützow 6202 U.6263. Tagen''und Plätzen°w^lew?Gewäd?^nöm^m,

Sonntag, 22. Juli 1917.

Morgen-klusgabe.

Nr. 368. . 65. Iahrgang.

4b7jOOO Tonnen seit dem j.Zebruar.

In der Biskaja wieder 22 500 Tonnen.

W. T.-B. Berlin, 21. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.)

1. Nach endgültiger Feststellung sind im Monat Juni an Handelsschiffsrwum insgesamt 1016000 Brutto- Registertonnen durch Kriegshandlnngen der Mittel­mächte vernichtet worden.

Au diesen Erfolgen waren in hervorragender Weise be­teiligt die U-Bootskommandanten Kapitänleutnants Wünsche, Wilhelms, Adam, v. Bothmer, Forstmann» Wahner, Biebeg, I. ». k. Linienschiffsleutnant Zdenko Huderek, Oberleutnant z. S. Fürbringer, Boigt (Ernst), Howaldt.

Guten Anteil daran haben auch die Kommandanten un­serer Mitten-A-Boote, die unter besonders schwierigen Berhältniffen und bei stärkster feindlicher Gegenwehr z» arbeiten hatten und deren Tätigkeit daher besonders hervor- gehobe« zu werden verdient.

Seit Beginn des nneingeschränkten N-Bootkriegs mit dem Jnni-Ergebnis sind insgesamt 4671000 Brutto- Rrgi st ertön nen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschisfsraums versenkt worden.

2. Tas englische UnterseebootC 3t" wurde in der Nordsee von einem unserer Unterseeboote (Kapitänlentnant Walther) versenkt. Der einzig überlebende, ein Heizer, wurde als Gefangener eingrbracht.

3. Durch eines unserer Unterseeboote wurden in der Biskaya wieder 5 Dampfer und drei Segler mit 22 500 Bruttoregistertoune« versenkt.

Unter den versenkten Schiffen befanden sich die englischen bewafiiieteu Don pferAnglo Patagonian" mit 7000 Tonnen Stückgut (darunter Flugzeuge. Stahl und Butter), von Amerika nach Frankreich;Trolissick" mit 5080 Tonnen Hafer und 1500 Tonnen Stahl, von Boston nach Bordeaux; der französische SeglerCambronne" <1883 Tonnen) mit Sal­peter nach Nantes;Ceres" <296 Tonnen) mit Wein (und £If (tibtr.cn, von Lissabon nach Brest. Die Ladungen der übrigen versenkten Schiffe bestanden aus 5300 Tonnen Weizen und 500 Tonnen Mehl von New Aork nach Nantes, 2000 Trntien Maschinenöl von New Dork nach Le Havre, 2000 Tonnen Erdnüssen, Palmkernen und Wachs nach Liverpool und etwa 5200 Tonnen Kohle von Glasgow nach Marseille.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

»

W. T.-B. London, 21. Juli. (Reuter.) Der britische DampferKing David" ist am 10. Juli von einem deut- schjen U-Boot nach zwetstünmgem Kampf versenkt worden.

Der deutsche Gegenangriff.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)

Seitdem die verbündeten Truppen an der rumäni­schen Grenze den erfolgreichen Durchbruch ausführten und ihnen Hindenburgs Genie den Weg zum gemein­samen Schlagen wies, versuchten unsere Gegner auch ihrerseits immer von neuem das gleiche an unseren Fronten. DerDurchbruch" wollte ihnen aber trotz aller Anstrengungen und allen Machtaufgebotes nicht gelingen. Dasselbe hofften sie dann jedoch auch von ihren Linien und glaubten, daß ein deutscher Durch­bruch nicht möglich *ei. Dieser Glaube ist nun aber­mals bei ihnen erschüttert worden. In nutzlosen An­griffen hatten die Armeen des russischen Revolutions­heeres ihre Kräfte nördlich und südlich des Dnjestr auf­gebraucht und nur geringen Geländegewinn erzielt. Vergeblich wckr das russische Blut in breiten Strömet in Ostgalizien geflossen. Mitte Juli hatten deutsche Gegenangriffe in dem Raume westlich Stanislau an der Lomnica den Feind auf das Ostufer zurückge- 1 rückt und alle neuen Gegenstöße erfolgreich abgemiesen. Während an den übrigen Frontteilen der russischen Front die Gefechtstätigkeit oon neuem auflebte, die feindliche Heeresleitung zu neuem Schlage sich vorbe­reitete, traf den Gegner völlig überraschend der deutsche Gegenstoß im n o r d ö st l i ch e n Galizien. Unser neuer Reichskanzler war der erste, welcher diese erfreuliche Meldung dem versammelten Reichstag und dem deutschen Volke mitteilen konnte. Der Wiener Abendbericht vom 19., der deutsche von demselben Tage und vom 20. Juli geben über das Durchbcuchsgelände genaue Angaben. Deutsche Armeekorps griffen zu bei­den Seiten der Bahn, welche von Tarnopol nach Lem­berg führt, in der Gegend von Zborow die feindlichen Stellungen an, mit dem rechten Flügel im Raume von Koniuchy, dem linken im Oberläufe des Sereth. Der Raum wird vom deutschen Heeresbericht zahlenmäßig nicht genau festgelegt. Ec umfaßt jedoch nach der Karte eine Breite von üb >' r 40 Kilometer. Zuin Teil laufen hier die russischen Linien noch in derselben Richtung wie vor der Jnlt-Offensin». nur beiderseits von Zborow eroberten die Russen neue Höhenstcllungen cm der Bahnlinie. Sie umfaßten eine Ausdehnung von rund 2 Kilometer Tiefe. Der deutsch» Gegenen-rifs

vom 19. Juli traf denjenigen Frontteil des Gegners, an welchem der galizische Nordftiiael den wolhynischen Südflügel berührt und in bedrohlicher Nähe auf Gali­ziens Hauptstadt, Lemberg, zeigt. Ihrer Eroberung galten die blutigen Anläufe des Feindes in den ersten Julitagen, ohne daß der qegneri'che Einbruch zu einer Zerreißung unserer Linien geführt hätte. Trotzdem bildete der nordgalizische Kampfabschnitt eine dauernde Gefährdung unserer südöstlichen Front. Es, stand zu erwarten, daß das Marschziel Lemberg abermals mit neuen starken Kräften oon der russischen Heeresleitung würde angestrebt werden. Auf deutscher Seite mußte alles darangeseht werden, um dies zu vereiteln, damit der Zusammenhalt zwischen der Armee Bothmer und der des Generalobersten Koeveß gewahrt würde. Die Trennung dieser beiden Kampfgruppen, die Umfassung des Nordflügels Bothmer und die Einreihung unserer ostgalizischen Mauer bildeten das Streben aller russischen Heeresleitungen, seitdem Ende Jüußuft 1915 diese Gegend von uns erreicht wurde. Die deutsche Heeresleitung bezeichnet den Angriff vom 19. Juli als eine Erwiderung des russischen Vorstoßes. Abermals mußte der Gegner das deutsche Vergeltungs­schwert fühlen, womit unter Lehrmeister Clausewitz den Gegenstoß nach einem erfolglosen Angriff des Feindes bezeichnet. Tausende von Gefangenen wurden gemacht und eine Reihe schrk befestigter Verteidrgungszonen wurden von den deutschen Angriffstruopen in einem Anlauf überrannt. Die deutsche Überlegenheit erwies sich auf den nosrdgalizischen Schlachtfeldern in doppelter Hinsicht. Die sorgsam ausgebaut.m Befestigungszonen, mit Hilfe englischer und französischer Offiziere nach den Erfahrungen in Frankreich erbaut, widerstanden nicht der überwältigenden Wucht unserer Fernkampf­mittel. Der deutsche Sieg vom 19. ist daher auch ein Triumph unserer ganzen Technik und I n d u st r i e. Sie bewiesen, daß kein Eisenbeton stark genug ist, als daß er nicht von ihnen in Schieft und Asche gelegt wer- den könnte. Von unseren westlichen Kampflinien kön­nen unsere Gegner nicht das gleiche behaupten. In zweiter Linie errang die höhere Moral unserer Truppen diesen raschen Sieg. Was dem Feinde trotz aller Bluts­opfer in wochenlangen Kämpfen nicht möglich war. woran er tagaus tagein Taufende oon Menschenleben setzte, das erreichten unsere braven Truppen im ersten Ansturm. Dieser durchschlagende Erfolg ist in morali­scher Hinsicht auf unserer Seite in demselben Maße wertvoll, wie er auf gegnerischer Seite zur Hebung der Stimmung schwerlich» beitragen kann. Die taktische Be­deutung unseres Erfolges besteht darin, daß wir den Gegner von seinem nahen Ziel Lemberg zurückwarfen, die Verbindung zwischen seinen Armeen lockerten, ehe­mals uns gehörige Stellungen wieder in unsere Hgnd brachten und dem wichtiaen Eisenbahnknotenpunkt Tarnopol, welcher die russischen Armee Galiziens verbindet, in bedroblicher Weste näher rückten. Der Umstand, daß der Erfolg in so kurzer Zeit errungen wurde, berechtigt zu der Annahme, daß er verhältnis­mäßig geringe Blutsopfern bei uns forderte. Unsere Heeresleituna bewies mit diesem Teilsiege, daß sie die Kampftage völlig beherrscht. In operativer Beziehung ist der Sieg nnr als eine Störung der russischen Offen- sivpläne zu bewerten, denn das politische' und militäri­sche Interesse dieses Feindes beruht in dem Besitze Ost­galiziens.

Der deutsche Gegenangriff in Ostgalizien ruft uns in Erinnerung die aufsehenerregenden Vorgänge, welche sich Ende Mai in Petersburg abspielten, als von unbefugter Hand eine Depesche des Schweizer Bundes­rats Hoffmann an den Sozialisten Grimm geöffnet wurde und ibr Inhalt in einer schwedischen Zeitung er­schien, daß Deutschland keine Offensive unternehmen werde, solange mit Rußland eine gütliche Einigung möglich sei. Als Opfer dieser FrredeasbestreLtMg mußte der Bundesrat Hoffmann von seiner Stellung zurücktreten. Die von Enaland und Frankreich gefor­derte Offensive brach vier Wochen später los und löste jetzt, nachdem sie kläglich gescheitert war. diesen erfolg­reichen deutschen Gegenstoß aus. 21.

Hsterreichisch-iulgarifcher Tagesderkcht.

W. T.-B. Wien, 21. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 21. Juli, mittags;

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bei N o v i c a, südlich von Kalusz, baute« öfter- reichisch-ungarischc und deutsche Truppen ihre kürzlich er­kämpften Erfolge durch Eroberung einer wei- teren Höhen st eil nng aus. Bei Babin wurden feindliche Abteilungen über die untere Lomnica zurück» geworfen. Unmittelbar nördlich Dnjestr scheiterten russische Teilvorstöße. Die beiderseits der Bahn L e m- berg-Tarnopol unter dem Befehl des Gcueral- feldmarschalls Prinz Leopold von Bagern geführten Gegenangriffe schreiten erfolgreich vor­

wärts. Österreichisch-ungarische Regimenter gewannen nordöstlich von B r z e z n n n die anfangs Juli ver­lorene erste Linie zurück. Die bei Angustowka, Jozierna und Nestcrewka vorstehenden deutschen und österreichisch-ungarischen Ztrritkräste haben diese Orte überschritten. Die Russen setzten dem Vordrin­gen der Verbündeten stellenweise heftigen Wider­stand entgegen, der durch scharfes Zugrcifcn g e- brachen werden mußte.

Gegenüber Italien und in Albanien keine beso», deren Ereignisse. Der Chef des Generalstabs.

Unsere Truppen vor Tarnopol!

Der deutsche Kbendbericht vom 2l. Iuli.

W. T.-B. Berlin, 21. Juli, tfberibS. (Amtlich. Drahkbe- bericht.) Unsere Truppen stehen vor Tarnopol.

*

Bereits 150 Kilometer Gebietseroberung 1 im Osten.

Br. Berlin, 21. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einer Drahtung desL.-A." von der Ostfront wurden innerhalb der ersten 3 6 Stunden deutscher Offensive bereits 150 Kilometer neuen Gebietes besetzt.

Kctensfi Ministerpräsident an Stelle des Mrsten Lwow!

W. T.-B. Petersburg, 21. Juli. (Drahtbericht.) Ministerpräsident Lwow ist z n r ü ck g e t r e t e n. Kerenski ist zum Ministerpräsidenten ernannt worden; er bleibt vorläufig auch Kriegsminister. Zeretelli wurde Minister des Innern und bleibt Minister für Post und Telegraphie. N e k r a s o w wurde provisorisch zum Justizminister ernannt.

Kaffer und Volksvertretung.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

I*. Berlin, 21. Juli. (Eig. Drahtbeoicht. zb.) Die Be­gegnung Kaiser Wilhelms nnt den Vertretern des RetchS- tags darf als ein politisches Ereignis von großer Be­deutung bezeichnet werken. Mit dem alten preußischen Vorurteil, daß der Herrscher nicht persönlich mit den Parteieit in Berührung kommen darf, ist gebrochen worden, gerade wie in Wien, wo der junge Kaiser Karl das schöne Beispiel gab, sich unmittelbar von den Vertretern der Reichsratsfraktionen über die parlamentarische Lage aufklären zu lassen. In Spanien, Italien, England, überall empfingen die Monarchen bei Regierungskrisen die Führer der großen Parteien, tim sich über die Lage unterrichten zu lassen. Mag man auch der Ansicht fein, der gestrige Empfang wäre nichts weiter als der Verzicht auf ein mehr äußerliches Vorurteil, wonach allein der Kanzler den Verkehr mit dem Parlament zu ber- mitteln höbe, so bleibt doch dieser Verzicht auf das Her­kömmliche ein wichtiges Symptom, daß eine neue Zeit begonnen ^jai. Das Eis ist gebrochen: der Verkehr zwischen Krone und Volksvertretern ist eröfsttet.

Eine Entscheidung über die wichtigen Personal­fragen ist gestern natürlich nicht getroffen worden, aber allgemein konnten die geladenen Parteiftihre'r den Ein­druck gewinnen, daß man an höchster Stelle >oeit mehr, als sie selbst es'für wahrscheinlich hielten, der Parlamentari­sierung und der Mitverantwortlichkeit des Reichstags zrneigt. Der Kaiser wird anscheinend die Männer näher kennen lernen, unter denen er in Zukunft seine Wahl treffen soll. Um ein Haar verstärkte sich der Ein­druck, daß der Reichstag bei dieser Neuordnung weit mehr der Geschobene als der Schiebende ist. Da sich dje Demokrati- sierung ,n Europa mehr und mehr ansbreitet, braucht DerEchland, um zu Fricdensverhandlungen zu kommen, die Mitwirkung der Volksvertretung. Davon ist man oben jetzt vollkommen übeczeugt und auch bereit, die Kons e- quenzen zu ziehe«. Sehr auffällig ist es, daß gerade Staatssekretär Dr. Helfferich, der sich bei sämtlichen Parteien durch sein herrisches Auftreten unbeliebt gemacht hotte, der Organisator der Begegnung mit den Parlamen­tariern war. Es ist das ein unstreitig- sehr wirksames Mittel, sich wieder beliebt zu machen. Freilich ist auch das Reicksamt des Innern jetzt der einzige neutrale Ort für solche Begegnungen, da das Kanzlerpalais von seinem neuen Herrn noch nicht bezogen wurde.

Über die Unterredung des Kaisers mit den Parlamen­tariern meldet dieB. Z." noch folgende Einzelheiten: Schon bei der ersten Begrüßung entwickelte nch zwisck,en dem Kaiser und den Vcrgestellten ein lebhaftes Gespräch, und nach der Vorstellung alsbald eine zwanglose Unterhalt rng. Der Kaiser zog die Abgeordneten einzeln ins Gespräch und bildete selbst Gruppen, die nicht mehr fraktionsweise verschieden waren. Der Kaiser führte die Unterhalt rng. Die Ereignisse der letzten Tag«, ebenso die alle volitischen Kreise unmittel­bar beschäftigenden Fragen wurden nichr berührt, wohl abec