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Aufnahme unveränderter Batzen in kurzen 8»>tche»r»>r»e» \

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§r eitag, 20. Juli 1417.

Morgen-KuZgabe.

Nr. S64. . 65. Jahrgang.

Der neue Kanzler vor dem nelchrtag.

Erfolgreich« deutsche Gegenoffensive in Galizien!

Die russischen Stellungen bei Zlotzow in breiter Front durchbrochen!

Der öerrtfche Kben» 6 ericht vom ! 9 . 2 r»li.

W. T.-B. Berlin, 19. Juli, abends. (Amtkich, Drcchtibe- rirht.) In Flandern dauert die Artillerieschkacht an.

Herausgefordert durch die Offensive, welche die rnfsischc Armee aus Befehl ihrer Regierung t r o h ihrer Fjriebensbjestrebungen an unseren Fronten unter­nommen hat, sind wir in Ostgalizien zum Gegen- a m g r sl f f übergegangeu. Deutsche Korps haben die Stellungen der Russen östlich von Zlotzow in breiiter Front durchbrochen.

Der große Tag im Reichstag.

Der Reichskanzler der Uebsrgangszeit.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Es war die Rede eines Reichskanzlers der Üb e r q ci n g s z «i t. Man muß sich fragen, wie sie anders hätte lauten sollen. Ein äußerst befähigter Beamter wurde beauftragt, das Mittelding Avifchen der hergebrachten Ver­waltung der Kommenden parlamen- tarisierten Regierung zu schaffen. Pflicht­gemäß stellte sich der neue Kanzler mit dem einen Fuß in die Vergangenheit, mit dem audecen in die Zukunft. So erweckte er iu gewisser Beziehung den Eindruck des Schwankens. Nur ein Equilibrist hätte Len Ritt auf zwei ungleich laufenden Rossen eleganter vollziehen können. ReichÄommissar Michaerlis hatte das Land gleichmäßig mit Getreide zu versorgen gewußt; es war eine unendlich schwierige Äufgabe die heutige war eine unlösbare.

Als der neue Herr beim Glockenzeichen in das Haus eintrat, mochte die aufgebürdete Last wirklich, wie er nachher sagte, zentnerschwer auf ihm lasten. Da drängten sich vor ihm die Menschen Kopf an Kopf bis zur Saaldecke hinauf, blickten aus der Hofloge hohe Fürstlichkeiten herunter, saßen die Parteien vollzählig und entschlossen, standen ringsum Hunderte von Dezer­nenten, Ministerialdirektoren, Minister, Untcrstaats- und Staatssekretäre, BundssratLbevollmächtigte, für die dasHeute" der Anbeginn einer einesteils schmerz­lich empfundenen Umwälzung bedeuten konnte. In solcher Arena für unser kämpfendes friedliebendes Deutschland zur lauschenden Welt sprechen zu müssen, wo keine staatsmänrnsche Laufbahn auf solches Moment vorbereitet hatte wcchrlich hier nicht zu versagen, hieß, eine Probe p e-rf o n l r He r Tüchtigkeit be­stehen.

Dr. Michaelis hörte wohl kaum die Wünsche, mit denen ihn die vorläufigen Mitarbeiter Dr. Hekfferich und Graf Roedern empfingen. Er stand in sich ge­kehrt da, als Präsident Dr. Kaempf dem scheidenden und dem kommenden Kanzler den Gruß des Hauses entbot. In sich gekehrt sprach er. frei vom Manuskript, das vor chm lag, vollkommen Herr der wörllich dem Hirn eingeprägten Gedanken, leider auch ohneSchwuncß den seine Rednergabe bei Ernährungsdebatten zuweilen erreichte. Mit nicht überlauter, gut verständlicher, zu­weilen Hartmetallen gepreßt klingender Stimme über­wand er Anfang und Ende., Kraftvoll war die Würdi­gung des Vorgängers, geschickt nocaugeftcllt die Dar­stellung der Kriegsentwicklung, klug sein heißes Lob der U-Bootswaffe und ebenso sein Tadel, daß man Erz­bergers Rede irrtümlich als eine Verurteilung des Seekriegs gedeutet hätte.

Eingeweihte wußten, daß Feldmarschcckl von Hi n d e n b n r g im entscheidenden Augenblick mit blin­kendem Degen parierend dem neuen Kanzler zur Seite stehen wollte. Das Telegramm, das den Durch­bruch der russischen Front meldete, war allen als Antwort auf die revolutionäre Offen­sive Kerenskis willkommen. Niemand setzte den gering st en Zweifel in die unbezwin gliche Wider­standskraft unserer und der verbündeten Truppen und gerade, weil der neue Kanzler mit der Mehrheit in. die­ser Zuversicht übereiaftimmte Fehrenbach, p Payer, Schetdemaun sagten es »sie aus einem Munde konnte er sich auf den Boden der Fciedens- veftstution steüen. Fast im W»rtU-a»t feieberfc&e

Dr. Michaelis die Mehrheitsformel der Kriegsziele und betonte unter dem Beifall des Zentrums und der Lin­ken, daß dieses Zielsich im Rahmen der Reso­lution erweichen lasse". Der Kanzler setzte hinzu: Wenn die Feinde ihre Eroberungsgelüste, ihre Ried er w e r f u n g s g e lüste aufgegeben haben und eine Verhandlung wünschen, dann ist das gesamte deutsche Volk und die deutsche Armee mit ihren Fuhren, die mit diesen Erklärun­gen einverstanden sind, darin einig, daß wir den Gegner, der die Fühler aus st reckt, fragen, was er zu sagen hat. Dann wollen wir ehrlich und friedensbereit in die Verhandlungen eintreten." Mit diesem kapitalen Satz der Rede war die Mehrheit ein­verstanden.

Gern hörte man die angenehme Voraussage des Er- nährungsspezialisten über unsere Ernöhcungsaussich- ten und Vorkehrungen für das wirtschaftliche Durch­halten. Innerp-oliti'sch waren die Erklärungen kürzer und nicht durchstieg erfreulich. Zwar übernimmt Dr. Michaelis das allgemeine gleiche Wahlrecht für Preußen, befürwortet er engeres Zusammenarbeiten mit dem Parlament und gar Berufung von Männeru in die leitenden Stellen, die das volle Vertrauen der großen Parteien und der Volksvertretung genießen, aber er versah die ungenaue Verheißung mit fe l t s a m viel Kau tele n. Mit einer Verneigung nach rechts rief er:Ich bin nicht willens, mir die Führung aus der Hand nehmen zu lassen." Voraussetzung dafür ist, daß in Wirklichkeit seine Führung auch das Vertrauen der Volksvertretung erhält. Der Beifall im Zentrum war höflich. Die anderen Parteien schwiegen, als der Kanzler mit dem patriotischen Auf­ruf an ein neues, an ein herrliches Deutschland geendet hatte. Es sollte nicht scheinen, als wünsche man der Rede in ihrer Gesamtheit zuzustimmen. Sie war zu unklar, bot vieles der Mehrheit, nicht weniges aber auch der Mnderheit. An Taten muß man den Kanzler dieser Übergangszeit erkennen.

Der Zentrumsredner Fehrenbach, der dann namens der Mehrheit die F-ricdensresolution verlas, und sie namens seiner Partei begründete, verlangte vmn Feinde, daß er an der Ehrlichkeit der Mei­nung des Reichstags nicht zweifele: er ließ die Er­klärungen des Dr. Michaelis schonnngsvoll aus dem Spiel. Die Rede S ch e i d e m a n n s, die dann folgte, war eine der besten, die er seit langem gehalten hat. Es war taktisch fruchtbare Politik einer extremen Par- tei, die praktische Erfolgs erreichen will. Nach dein Ab­geordneten Scheidemann sprach Abgeordneter v. Payer ttir die Fortschrittliche Bolkspartei. Er widmete, wie der Vorredner es getan, Herrn v. Nethmnnn Hollweg lobende Abschiedsworte und erklärte abermccks die Gründe, warum die Mehrheit an ihrer Resolution fest­hielt. Mit größter Airfmerklamkeit hörte man, was der Redner zur unvermeidlichen, bald bevorstehenden deutschen Parlamentaristernng sagte: Er sieht einen

Kriegs- rmd Friedensrat kommen, der nach un­serer Kenntnis tatsächlich in den Absichten des neuen Kanzler liegt und der sich aus parlamentari­schen Vertretern und Vertretern der Reichs- rmd einzelstaatlichen Regierungen zufammen- sctzt. auf die Kriegs- und Friedensfragen einen zwi­schen Reichsleitung und Parlament liegenden m i t- bestimmenden Einfluß ausüben und vielleicht eine Vorstufe zu einem von manchen Sciterl empfohlenen Reichs ober hau s sein wird weitzügige Gedan­ken, über die viel zu sagen ist.

Graf Westarp begründete die ablehnende Haltung der Konservativen, Prinz Schoennich-Carokath mit weniger Schärfe die der großen nationalliberalen Mehr­heit. Nach kurzen Eröffnungen des Abgeordneten Wermuth namens der Mehrhett der Deutschen Fraktion und sehr langen des Abgeordneten H a a s e namens der unabhängigen Sozialdemokraten, die beide die Resolution ablehnten, wobei Haafe noch durch Reso­lution die Einführung einer sozialistischen Re­publik forderte, nach Bemerkungen des ebenso ent­haltsamen Polen S e y d a und des beficheuden Dänen Hansen wurde zunächst die Kreditvorlage der neuen 15 Milliarden mit V 1# -Mehrheit angenom­men. Dann kam di« namentliche Ab st i m m u n g über die Fr i e d e n s r e s o l u t i o n. Mit lebhaftem Beifall bei der Mehrheit wurde das vom Präsidenten verlesene Ergebnis begrüßt:

Annahme durch 214 gegen 118 Sidlumsrdsr 17 Ent- q gi t u ag ro.

Möge die Tat wirken, wie sie gemeint ist, mögen die Schwarzseher nicht recht behalten! Die Freitachitzung vor der Pause bis September wird der Vorlage über die Handelsflotte gewidmet sein.

*

Sitzungsbericht.

(Eigener Drahtbericht desWiesbadener Tagblatts".)

° # Berlin, 19. Juli.

Am Bundesvatstisch: Reichskanzler Dr. Michaelis, Dr. Helsferich, Graf Roedern, Zimmermann, v. Breiten back, b. Loebell, Dr. Befiler. Dr. Sydow, Kraetke, v. Eapelle, Dr. Sols, Dr. Lende, v. Stein, Dr. Lisco und v. Batocki.

Das Hans ist sehr gut besucht. Sämtliche Tribünen sind überfüllt. In der Hoflvge: Grotzhecz^ von Mecklen­burg-Schwerin, Herzog Ernst August zu Brairn- schweig, Herzog Johann Albrecht.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 3,18 Uhr. Der Präsident zollte dem aus dem Amt geschiedenen Reichs­kanzler Tr. v. Bethmann Holdveg herzliche Worte des Dankes für sein Wirken und begrüßt den neuen Reichskanzler Dr. Michaelis und wünscht ihm Glück und Erfolg in der Verant­wortlichen Führung der Reichsgeschicke. Der Präsident ver­liest ferner ein Telegramm der helle n i s ch e n Ber­einigung aus der S<hw e i z, in dem gegen das ver­brecherische Attentat auf die Freiheit des griechischen Volkes protestiert wird.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Lesung der Kreditvorlage.

ReichsstanAer vr. Michaekksa

Meine Herren! Nachdem Seine Majestät der Karfer-mich zum Amt des Reichskanzlers berufen, habe ich heute zum erstenmal die Ehre, mit dem Hohen Hause in Verbindung zu treten. In ernster Zett ist die zentnerschwere Last auf. meine Schulter gelegt. Im Ausblick auf Gott und im Ver­trauen auf die deutsche Kraft habe ich es gewagt und. werde nun der Sack>e dienen bis zur letzten Hingcke. (BeifalllFPon Ihnen erbitte ich vertrauensvolle Mütarbeit in dem Geiste, der sich in diesem dreijährigen Kriege so herrttch bewährt hat, und im Geiste gegen den hrchverdrenten Mann, der an diesem Posten vor mir acht Jahre gestanden hat. Au seiner Tättgkeit ist herbe Kritik geübt'worden, Kritik, die vielfach mit Feindschaft und Haß durchsetzt löar. Ich habe die Empfindung, es wäre würdiger gewesen, die Feindschaft und der Haß hätten Halt gemacht hinter ver­schlossenen Türen. (Sehr richtig! links und im Zentrum.)

Erst weun das Buch dieses Krieges geöffnet vor miS liegen wird, werden wir voll würdige« können, «öS Bethmann HollwegS Kanzlerschaft für Deutschland be­deutet hat.

(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Wenn ich nicht den fisten Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache hatte, ich hätte die Ausgabe nicht übernommen.

Wir müssen u«s tätlich die Ereigniffe von vor drei Jahren tor Augen halten, die geschichtlich feftstehen und die beweisen, daß wir zu dem Krieg gez-wun^-e-n sind. Ruß­lands Rlfftungcn, seine Mobilmachung waren eine große Yiefabr für Deittschland. An einer K on f erenz tetlzimehraen, N-ährend welcher die Mobilmachung weitergegangen wäre, märe politischer Selbstmord gewesen. (Sehr richtig!) Obwohl die englischen Staatsmänner, wie aus ihrem Blaubuch her­vorgeht, wußten, daß die russische Mobilmachung zum "Kriege mit Deutschland führen müsst (Sehr richtig!), haben sie kern Wort der Warnimg gegen die militärischen Maßnahmen Rußlands gerichtet, während mein AmtSborzchnger in einer Instruktion vom 29. Juli 1914 an den kaiserlichen Botschafter die Direkttve gab, zu sagen: Wir erfüllen gern unsere Bünd­nispflicht, aber wir müssen es ablehnen, uns durch Öster­reich-Ungarn wegen Mchtachtung isrserer Ratschläge in einen Weltbrand verwickeln zu lassen. So spricht kein Mann, der einen Welttrieg entfachen will, so schreibt und spricht ein Mann, der für den Frieden ringt, und der am den Frieden gerungen hat bis zum Äußersten. (Sehr richtig!) Uns blieb kein« andere Wahl, und was vom Kriege selbst gilt, gilt auch von unseren Waffen, insbesondere von der Unterseeboots- waffe. Wir weifin den Vorwurf zurück, daß

der Unterseebootskrieg

völkerrechtswidrig sei. (Sehr gut!) Daß er gegen die Menschenrechte verstoße. (Bravo!) England hat uns die Wusse in die Hand gedrückt durch seine völkerrechts­widrige Seesperre. (Sehr richtig!) Es hat den neutralen Handel mH Deutschland unterbunden und den Aushunge- rnngskrieg proLamiert. Unfire schwache Hoffnung, daß Amerika an der Spitze der Neutralen der englischen Rechts­widrigkett Einhalt gebieten werde, war eitel gewefiu. Und der letzte Versuch, den Deutschland gemacht hat, durch ein ehrlich grmeintrS Friedensangebot daS Äußerste zu vermeiden, ist fihlgefchlagea. Da durste urü> mutzte Deutschland das fitzte Mittel als in der Notwehr gebotene