Verlag Lauggaffe 21
64oßtr>taEe geiffurt »»» S Uhr m«r«ni» bi» r Uhr aienM.
wöchentlich
Beste! , inarckrmg gabestellen und in den bena>
«ez ugS-Preis für beide «uSg aben: m. I — monatlich, Kt 3 — viertel jährlich durch den veriaa -naRe il, ohne Bringerlohn, Mt 4.05 vierteljährlich durch alle de«,eben Poftanstalten, anbstbsnchlich gcld. — Bezugs-Bestellungen nehmen-nßerdem entgegen, in «ietdaden die Zweigstelle Bid- rng IS. sowie die Auizabestelle» in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Sa».
darren Landorten und im «h-ingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
73 Ausgaben.
Fernruf:
„TagblatthauS" Nr. S6LS-S3.
Bon 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend», «iher Sonnt«»».
Auzrigen-Prcis fiir die Zeile: rs BI,, für ältliche illnzeigen im „Arbci!»marlt" und ^kleiner Anzeiger^ in einyeiläichcr Katzlorm; 15 Pfg. in davon abweichender Sabautführnng, sowie für alle udriaen örtlichen lilnzciaen, 55 Bsg. für alle autwartigen »Njeigen; 1.25 (Bit für ittliche Reklame», 2.50 Mt für auswärtige «rklamen. — Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
»erlmer «teil«-, »es WieStabeuer T-gN-ttS: B-rliu W., P«tsd.«er Str.121 g. Feruspr.: Amt L»tz°« 6202 ». 6203.
Donnerstag, 79. Juli 7977.
klbend-klusgabe.
Nr. 363. . 63. Jahrgang.
vor der großen Reichrtagssitzung.
(Von unserer Berliner ASteilung.)
r.. Berlin. 19. Juli. (Eig. Meldung, zb.) Die Vorbereitungen für die heutige große Reichstagssitzung werden von allen Parteien mit großem Eifer getroffen. In sämtlichen Sälen der Fraktionen wird seit den frühen Morgenstunden eifrig beraten. Die Parteiführer berichten über die Beratungen. die sie mit dem neuen Reichskanzler, dem Generatfrldurarschall v. Hindenburg. General von Ludendorff und dem Kronprinzen hatten. All- Gerüchte, daß wegen des Entgegenkommens des Dr. Michaelis die Meli heitSparteien aus eine Abstimmung über ihre Friedenresolution verzichten würden, beruhen auf Wünschen der Mivdercheitsparteten. Ein Beschluß in dieser Hinsicht ist nicht gefaßt worden. Über den Inhalt der Kanzlerrede wird uns von einer gut unterrichteten Seite erklärt, daß Dr. Michaelis die Formel anwenden werde, über di« Frisdensbe- dingnngen werde die Kriegslage entscheiden. Dabei werde er sich jedoch im allgemeinen auf den Boden der Frie- drnSrrsolution zu stellen suchen. Bestimmt werde der Kanzler von den Alldeutschen abrücken, da er ein Gegner ihrer Politik ,sei. Hinsichtlich seiner auswärtigen Politik wird der neue Kanzler ein besonders warmes Bekenntnis zu unseren Verbündeten, besonders vfrerreich-Ungarn, ablegen. In den inner polltischen Fragen gedenke er in die Futz- tapfen seines Vorgängers v. Bethmann Hollweg zu treten. Es ist möglich, daß nach der Kanzlererklärung und nach knappen Erwiderungen der Parteiredner der Reichstag sich alsbald auf Freitag vertagen wird, um den Parteien erneut Gelegenheit zur intecnen Aussprache zu geben. Für die Sitzung sind wieder wegen des zu erwartenden Andropges die üblichen Vorkehrungen getroffen worden.
Die „B. Z." meldet noch: Der Reichskanzler wird gleich zu Beginn der heutigen Sitzung das Wort ergreifen. Er dürfte ein« halbe Stunde sprechen. Nicht nur der Reichskanzler, sondern auch die Redner der Fraktionen werden sich der Kürze befleißige«. Keiner dürfte länger als eine halbe Stunde sprechen.
In den Kressen der Zentrumsfraktion hat das TeleMmwm des Grohatnnrrvls v. T i r p i tz an den FvalktionS- vorfitzenden Dr. Spahn sehr überrascht, Don« Abgeordneter Sp,chn soll unter bem Eindruck von Mitteilungen, di« er für zuverlässig hielt, seine Anficht über den Einfluß dec Flottenpolitik des GwßadmirakS auf unser« Lage vor dem Krieg völlig geändert haben. Abgeordneter Spcchn soll dieser veränderten Meinung auch Ausdruck gegeben haben doch ist nicht bekannt, ob diese MeinungSände- vwng auch Herrn v. Tirpitz zur Kenntnis gekommen ist. ES. bestätigt sich, daß mit sti lisch w e i gende r Z ust im - m u n g der ReichSdagAsraktionen die erwarteten Veränderungen in den ,hohen Staats- und Reichsstellen erst nach der Vertagung des Reichstags eintreten werden. Im übrigen wollen sich die Mehcheitsp arteten das verfassungsmäßige Recht des Reichstags aus Kontrolle der ReichZ- «yierimg dadurch sichern, daß sich der Hauptaurschuß etwa am 20. August und das Plenum des Reichstags etwa am 20. September wieder versammeln wird. Der Reichstag würde also in kurzem die Gelegenheit haben, zu den inzwischen voryekomnienen Neubesetzungen Stellung zu nehmen, freilich chrre selbst bei ihnen mitgewirkt zu haben.
«
Ein Kusgleichsweg.
-st- Berlin, 19. Juli. Wie die „Nat>Ztzg." erfährt, ist es anscheinend dom Kanzler gelungen, in der Frage seiner Stellungnahme zur Erklärung der Mehrheitsparteien in der heutigen RrichStagssitzung einen Ausgleichsweg zu firtdem. Dr. Michaelis hat nach dem genannten Blatt den Mehrheitsparteien Erklärungen abgegeben, di« ihnen genügen dürften. Die Vertreter der Mehcheits- parteien haben ihrerseits ihre Bereitschaft bekundet, in der heutigen Sitzung noch der KanAorrede auf eine lange Aussprache zu verzichten und nur kurze Erklärungen alhzuysben. Der.Kanzler nehme eine Haltung ein, durch die er sich auch in keinen Gegensatz zu dem RechSparteien stelle. Wenn dle bevorstehende Vvlffitzung deS Reichstags den evwar- tetm ruhigen Verlaus nehmen wird, so ist dies nicht zuletzt auf die Bemühungen des GereraffÄdmaoschalls v. H i n d e r>- burg »rnd des Genevalguartiermeisters v. Ludendorff ^urückznfliHrsn. — Wie der „L.-A." hört, wird die Polen- fraktion sich der KriegSzielensschließung nicht anschließen, sondern eine besondere Erklärung abgebsn.
In Erwartung des Geschehens im Reichstag.
# Berlin, 19. Juli, (zb.) Der „Vorwärts" schreibt: Wir haben in diesen Tagen der Krise der Welt unser wahre! Gesicht gezeigt, und das ist nicht das Gesicht des kriegswilden Rauboolkes, das wir in der feindlichen Presse so oft abgemalt gesunden haben. Jetzt müssen wir uns zu diesem wahren Gesicht bekennen. Da hilft nur mehr Offenheit, Ehrlichkeit, klares Bekenntnis zu dem, wqs wir wirklich wollen. Damit kann der Reichstig der Welt noch imponieren.
Der ^vrrlirrer aWcfenlarfar" sichet in Erwartung der
kommenden Re ich s tagsfitzuogeu aus: üfai» also fite «----ffch»
Volksvertretung wirklich nur zwei Tage für die Entscheidung der Zukunft Deutschlands verwenden will, so soll sie diese zwei Tage wenigstens voll ausnutzen. Klar sollen die Fächerungen sein, klar die Begründungen. Restlos soll der Standpunkt des neuen Mannes an der Spitze des Reiches erforscht werden.
Die „Tägliche Rundschau" meint: Bor allem würde die Festlegung eines Verzichtsriedens die Einigkeit unseres Volkes in diesem Kriege dauernd zerreißen, denn kein Deutscher, der nicht in die uns schon so oft verderblichen Träume einer auf allgemeine Menschhertsinteressen gerichtete Wunschpolitik verstrickt ist, sondern begriffen hat, daß es zunächst deutsche Interessen zu vertreten gilt, wird die unheilvolle Schädigung unserer Zukunft und freien Entwicklung vergessen, die der deutsche Reichstag unserem Lande zugesügt.
Die „Deutsche Zeituug" führt aus: Ts wird sich zu zeigen haben, ob der Kanzler von vomherein auf die Durchführung seines Programms, die innere Geschlossenheit wiederherzustellen, verzichtet oder ob er staatSmännisch und von lähmender Bevormundung sich freihaltend, seine Stellung über den Parteien und ihren Sonderinteressen nimmt, um von dort aus vermittelnd zu wirken. Vorläufig müssen wir dos letztere annehmen.
Der Abschied des Bundesratö von Bethmann Hollweg.
W. T-B. Berlin, 18. Juli. Der Bundesrai entsandte heute eine Deputation zu dem aus dem Amte'geschiedenen Reichskanzler v. Bethmann Hollweg. Der bayerische Gesandte Graf v. Lerchen seid gedachte in einer Ansprache der Größe Vcr Verdienste, die sich der scheidende Reichskanzler um das Reich erworben hat und brachte den Dank des Bundesrats in warmen Worten zum Ausdruck. Herr v. Bethmann Hollweg dankte in einer herzlichen Erwiderung für dos ihm vom Bundesrot geschenkte Vertrauen.
Deutscher Reichstag.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 19. Juli. Die große Sitzung beginnt unter außerordentlichem Andrang von Parlamentariern, Negierungsvertretern, OffizMen des Kriegsministeriums und Generalstabs. Schon lange vor Beginn sind die Tribünen überfüllt. Auch die Hofloge ist stark besetzt, in der ersten Reihe ein fürstliches Trio: Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, der Herzog von Braunschweig und Prinz Max von Baden, der einen Augenblick als Nachfolger von Bethmann Hollweg in Betracht kam. In der großen Wandelhalle staut sich die Menge, die noch auf Einlaß hofft. Während der Scnioren- konvent noch über den Berhandluugsgang berät, verstreicht die übliche Viertelstunde. Kurz nach 3 Uhr sind nahezu sämtliche Staatssekretäre versammelt, alle preußischen M i n i st e r sind zugegen, ob« schon sie nur noch interimistisch im Amte sein sollen. Pünktlich 3 1 /» Uhr ertönt das Klingelzeichen, die Abgeordneten strömen hinzu — sie wissen jetzt, daß die Mehrheitsparteien in der Friedensformel fest geblieben sind und daß nur die Polen sich der Abstimmung enthalten wollen. Als der neue Kanzler den Saal betritt, schütteln ihm Dr. Helfferich und Graf Rödern lange die Hand.
Präsident Dr. K aem pf eröffnet die Sitzung mit der Verlesung der Kaiserlichen Mitteilung über den Wechsel im Kanzleramt. Der Präsident widmet dann Herrn von Bethmann Hollweg anerkennende Worte.
ver Tauchbootkrieg.
Neuerdings 3 Daurpfer und 2 Segler im englischen Kanal.
W. T-B. Berlin, 18. Juli. (Amtlich.) Durch einer unserer Unterseeboote wurden im englischeu Kanal neuer. dingS drei Dampfer und zwei Segler versenkt. Darunter üe. fanden sich zwei bewaffnete beladene Frachtdampfer englischer Nationalität und der englische Dreimastschoner „Occan Swell". Der Chef des Ad tu rat stab es der Marine.
. Versenkt.
W. T-B. Kopenhagen, 18. Juli. Das Ministerium des Äußern gibt bekannt: Der dänische Dampfer „Ceres"
wurde auf der Reise von England nach Jslmch am 13. Juni versenkt.
W. T-B. Christiania. 18. Juki. Laut „Sozialdemokraten ' erzählte die Mannschaft eines heute aus England unter Eskorte zusammen mit acht anderen Schiffen angekommenen norwegischen Dampfers, der englische Kcchlenüampfer „Prime Abbas" (2030 Tonnen), sei von einem deutschen Tamchdoot aus dem Gekeitzug versenkt worden.
Eine Monatsbrlknrz gesunkener Schiffe.
W. T.-B. Rotterdam, 18. Juli. Die Versicherungssirnia Blcm u. Wan der Ae veröffentlicht eine Liste, wonach vom 1b. Juni bis 15. Juli 190 Dampfer und Segler sowie 29Fischerfahrzeuge feindlicher und neutraler Länder infolge von Kriegshandlungen gesunken sind.
Der neue englischeVölkerrechtsbruch.
Die amtliche holländische Darstellung.
W. T.-B. Haag, 18. Juli. (Korrespondenzbureau. Amtlich.) Das Marinedeprcteuent teilt folgendes mit: Am
frühen Morgen des 16. Juli sichteten die Posten der Küstenwachen sieben Frachtschiffe unbekannter Nationalität, die durch die HoheitSgewäffer in nördlicher Richtung fuhren. Um 6,15 Uhr wurden von einem der Küstenwächter etwa ? 0 britische Kriegsschiffe gesichtet, die um 6,50 Uhr in die Höhe von Pleiten kamen und innerhalb der Hoheitsgewässer die Handelsschiffe zu beschießen begannen. Vier Frachtdampfer wurden, obwohl sie innerhalb der Hoheitsgewässer fuhren, weggenommen. Zwei fuhren direkt auf den Strand zu und wurden, nachdem sie schon festgelaufen waren, noch immer beschossen. Mehrere Geschosse sielen aus das Land. Ein anderes Handelsschiff ankerte bei dem Untersuchungsfahrzeug am Eingang nach dem Skulpengat. Als daS^ UnterfuchungSfahrzeug 18 englische Torpedojäger sichtete, löschte es die Anker und legte sich zwischen das Handelsschiff und die Torpedojäger, worauf diese in südlicher Richtung wegfuhren. Als um 6,50 Uhr in dem Helder die Nachricht eintraf, daß britische Torpedojäger innerhalb der Hoheitsrechte auf Frachtschiffe Jagd machen, wurde das Kriegsschiff „Kortenaer" und vier Torpedoboote abgeschickt, die um 8,25 Uhr an Ort und Stelle kamen. Zwei arüere Torpedoboote erhielten den Befehl, bei Texel im Sch.lpengit zu kreuzen, zwei mußten zwischen Meland und Texel kreuzen, und zwei bei dem am Sonntag gestoandeten deutschen Schrss. Es steht fest, daß der Angriff innerhalb der Hoheits- gewasser stattgeftmden hat.
Die freie Fahrrinne durch die Nordsee.
W. T-B. Amsterdam, 18. Jüli. „Algemeen Handels- blad" erfährt, daß die englisch? Regierung Zugeständnisse ge» macht hat, durch die die freie Fahrrinne durch die Nordsee erhalten bleibt. Die Verhandlungen über die definitive Regelung sind im Gange.
Rußland.
Die Kämpfe bei Zkalusz.
W. T-B. Wien, 18. Juki. Aus dem Kriegspress:g-rartie> wird über die Kämpfe bei Kalusz ^meldet: Besonders heftig waren die Kämpfe bei N o o i r a, einem Dorfe, das bereits auf dem dem Feinde zugekehrten Lamnica-Ufer liegt. Am Dienstagnachmittag waren die Höhen östlich dieses Ortes in den Händen de: siegreichen österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen. Gegenangriffe der Russen scheiterten in unserem Artillerie-' und Maschinengewehrfener. Auch bei L d z i a n h suchten sich die Russen durch heftige Angriffe für ihre gefährdete Novica-Stellung Luft zu schaffen. Sechsmal rannten sie an, sechsmal warfen sie die kroatischen Bataillone zurück. Die Verluste des Feindes in allen diesen Kümpfen waren ungemein schwer, so bei Novica, besonders bei Ldziany, wo die russische Führmig mit echt moskowitischer Rücksichtslosigkeit die Truppen immer wieder vcn neuem vorjagtr. Bei KatuSz litten dir 117. und 164. russische Division, zumeist Regimenter aus dem Odessa« Militärbezirk, furchtbar. Sie wurden in unserem Feuer dezimiert. Die Gefangeuenauösagen werfen ein charakteristisches Licht auf die unter den Truvpen des vevolntronärev Rußland herrschende Stimmung. So erklärten Mannschaften der 106. russischen Division: Das Infanterie-Regimen)
Nr. 638 habe sich bis 16. Juli jedem Angriffsbefehl wider- fetzt. Erft dem neu eingetroffenen Oberst gelang cs, dr« Leute ani 17. Juli zuni Angriff zu überreden. Dabei wurde bas Regiment derart zusammengeschossen, daß nur 366 Mann übrigblieben. Viele Soldaten konnten nur dadurch vorwärts gebracht werden, daß man ihnen vorspiegelte, Lemberg fei bereits gefallen.
W. T-B. Wien, 18. Juli. Aus dem Kricgspreffeqwrrtiei wird gemeldet: Bei Katusz schreiten unsere Operationen viun- mätzig fort. Nördlich von H a l i s z war das russische Artilleriefeuer lebhafter. In Rumänien und in den Waldkav- pathen das übliche Störungsfeuer. Gegen 2000 Kilogramm Bomben fielen von unseren Flugzeugen auf die Militärobjekte von M o n a st e r z y s k a, dessen Bahnhof Feuer fing,
Der Exzar geistessestört?
# Lugano. 18. Juli. Nach dem „Secolo" berichtet die vatikanische „Correspoitdenza" aus Petersburg, daß Exzar Nikolaus Zeichen von Geistesstörung zeige. Die Besorg- n i s bestehe, er könne Selbstmord unterneihmM. JnsÄlge- dessen s<i sein« Überwachung sehr verschärft worden.
Auch der russische Justizmirüfter zurürkgetreten.
G Petersburg, 18. Juli. Der Justizmimst« r genießt nicht melbr die Unterstützung seiner soziaiistrschLn Parteigvnojft» umld hat sotnen Auckttält erklärt.
