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Mittwoch, 18. Juli 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 361. - 65. Jahrgang.

vor 6er Abstimmung 2

Die Friedensformel der Mehrheitsparteien.

!* Berlin, 18. IM. (Sig. Drahtiberickft. z/b.) Die Frisdens- oöfoiKttion der Mehrheitspavtei ist unterzeichnet van den FrackttonZvorsländen des Zsntvwms, der Sozialdemokratie und der Fortschrittlichen BolkSpartei. Sie ist gestern im R e i ch s- tag eingebracht worben. Die gesamte Sttmmenzahl der Mgeorbnetvn dieiser drei Parteien beträgt 221, wozu noch Dr. Kaemps, die Polen (18), bie Lothringer (2) und ein Däne kommen, sowie ein Teil der Natto-nalli beraten nnb der Deut­schen Fraktion. Die Annahmeber Resolution m i t g ra­tze r M e h r h «i t ist allso bereits ges i ch er t. Am Donners­tag vor der Wenarfitzung werden die einzelnen Fraktionen nochmals endgültig Stellung nehmen. Einen be­sonderen Charakter wird die Kundgebung dadurch, erihatten, datz die Konservativen eine Gegewaktion unter- i i e h a isn werden.

Tirpitz über die Schädlichkeit der Zriedens- refolution.

chtz Berlin, 18. Juli, (zb.) Der frühere Staatssekretär des ReichSumornemntS v. Tirpitzhatan den erkrankten Abgeordneten Basiermann demDeutschen Kurier"' zufolge d« ritachftehende Telegramm gerichtet: ,Lu meiner Freude ersehe ich aus den Zeitungen, datz die nationallibernle Partei, getreu ihren Traditionen, die Friedensvesolutton a b - lehnt, die nach innen und nutzen verderblich und sakttsch selbst dann verfehlt ist, wenn wir enmn entschä- digunflSlosen Frieden erstreben müssen. Gerade dann müssen wir umgekehrt versahven. Wir brauchen einen solchen Frieden aber sowieso nicht zu erstreben, und dürfen eS auch nicht, sondern müssen unS zu der Zuversicht halten, die in den Äußerungen des Gsveralfeldmarschalls v. Hindenburg zum Ausdruck gelaugt ist. Weder vor­übergehende Verschärfung der Ernährungs­sorgen, noch Sorgen für später in dieser Beziehung dürfen uns heute veranlassen, die Nerven zu verlieren und nach einem Frieedn zu greifen, der unsere Zukunft und ganz besonders die unserer Arbeiterschaft gefährdet. Denn die unbeirrt zähe Fortführung des Unterfeebootskrieges wird uns zwar nicht heute oder morgen, aber sicher recht­zeitig den Erfolg bringen. Im Andenken an unsere langjährige gemeinsame Arbeit für die dem deutschen Volk dnrch seinen Kaiser bestimmten Ziele richte ich anSie, verehrter Herr Daffermarm, den Appell, alles aufzubieten, um di« Resolutton zu verhindern. v. Tirpitz."

Kufrechterhaltung der leidigen Resolution!

# Berlin, 18. Juli, (zb.) Wie dasB. T." meldetest am Dienstagmittag der Verständigungsausschutz der Mehr- hettSparteien des Reichstags zu einer neuen Beratung zu­sammengetreten, bei der noch einmal die Gründe und Gegengründe abgewogen wurden. Darauf sei ein­stimmig beschlossen worden, die Resolutton einzubringen. Bei einer vorherigen Abstimmung der drei Fraktionen hatten die Sozialdemokraten einstimmig, die Fortschrittliche Volks- Partei mit allen gegen eine und die Zentrumspartei mit allen gegen zwei Stimmen ihre Zusttmmung zu dem Standpunkt der Resolution erteilt. Eine erhebliche Mehr­heit sei der Resolution also im Plenum gesichert.

Nur 221 Stimmen dafür?

Berlin, 18. Juli, (zb.) DerB. L.-A." nimmt an, daß nur 221 Abgeordnete tm Plenum für die Resolutton stimmen dürsten. Es bleibe abzuwarten, ob diese kleine Mehrheit aus anderen Parteien Zulauf erhalten werde. Eine endgülttge Beschlußfassung der Parteien über die Stellungnahme und die Behandlung der Resolutton, sei erst am Tonnerstagvormittag zu erwarten.

Der Kampf um die Friedensrofolution und die Kandidatur Helfferich.

# Berlin, 18. Juli, (zb.) Die 'Voss. Ztg." schreibt: Nur Kreise, die es darauf'anlegen, einen Bruch mit der Volksvertretung herbeizuführen, können dem Kaiser den ver- hqrMisvollen Rat, die Ernennung des Dr. Helfferich, ertelen. Die Berufung würde für die Kanzlerschaft des Herrn Dr. Michaelis wenig erfolgverheitzend sein. Im übrigen hören wir, datz die Reichstagspcrrteien, die sich auf die Frrcdensresolution geeinigt habe::, unbeschädigt der Haltung, die der neue Kanzler dazu cirmehmen wird, vor­läufig noch unbedingt darauf bestehen, datz über ihre Resolution am Donnerstag a b g e st i m m t wird. Eine Ent­scheidung über das Verbleiben oder Gehen der preußischen Minister ist bisher noch nicht erfolgt. Gestern erhielt sich das Gerücht, daß der (soeben erst mit dem Schwarzen Adler­orden cusgezeichneic) Chef de? Zivilkabutettt v. Valeu- tini seinen Abschied eingereicht habe. Wir geben dieses Gerücht Mit oller Reserve wieder.

Eine Mahnung Hindenburgs.

Br. Berlin, 18. Juli. (Eig. Drahibcricht. z!b.) DieTägl. Ruuidsch." meldet, daß am SamSdag GeuorailfeLdmarschall v. Hindenburg anläßlich einer Kundgebung für ihn vor dem General>1«bsgelbäude der versammelten Menge die Worte zu­rief: i r müssen d u r ch h a l t e n, foulst werden unsere

Feinde uns vernichten. Ich irarne daher vor den unseligen Miesmachern, die laßt in eurer Mitte nicht hoch- kommen. Sie schaden dem Vaterland unenÄlich."

Vormittagssitzungen der Reichstags­fraktionen am Donnerstag.

# Berlin, 18. Juli, (zb.) Der Donnerstagsitzung des Reichstags sieht man in Abgeordnetenkreisen mit der aller­größten Spannung entgegen. Sämtliche Fraktionen, mit Ausnahme der Polen, haben für den Vormittag dieses TageS Sitzungen anberaumt. Ebenso haben alle Fraktionen ihre Mitglieder telegraphisch wieder zum vollzähligen Erscheinen in Berlin aufgefovdert.

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Die weiteren Personalveränderungen.

# Berlin, 17. Juli, (zb.) DerB. L.-A." schreibt: Die Personalfragen, die mit dem Kanzlecwechsel verbunden sind, dürften nur zu einem Teil in der Antrittsrede des neuen Reichskanzlers . ihre Erledigung gefunden haben. Weitere Veränderungen, besonders im preußischen Staatsministeruun. werden Ende der Woche erwartet. Dann werden sich in mehr oder weniger schnellem Tempo eine Reihe von Ver­änderungen ergeben, d:e mit dem Kanzlerwechsel wenig aocr nichts zu tun haben. Vielleicht wird bei dieser Gelegenheit im Reichsschatzamt rieben der Kreditpolittk auch die sehr » cht-gc Steuerpolitik personell mit in den Vorder- gmnd rücke-n.

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Die Meinungen in der Schweiz.

W. T-B. Bern, 17. Juli. Zil der Ernennung Dr. Michaelis führt derBund" aus: An Verttauen stchlt es dem neuen Mann nicht; ganz besonders nicht bei denen, die durch ihr Progrmnm dem deutschen Staatsschiff die Richtung geben wollen. Mchaelis steht an der Schwelle einer neuen Zeit, die ihre Prägung im Zeichen der Demokrati­sierung des polttischen Lebens erhält. Er hat eine ungeheuer schwer lastende Bürde auf sich genommen. Zugleich aber winkt ihm ein Ziel, das zu erreichen wohl die Mühe lohnt. Mchaelis kann der Reichskanzler des deutschen Volkes wer­den; er kann Schöpfer jenes neuen Deutschland werden, das in langen Friedensjahren ersehnt wurde und nun unter den Schrecken des Weltkrieges in heißem inneren Ringen er- strttten werden soll.

Die Würdigung des Vorgangs in Bulgarien.

W. IVB. Sofia, 17. Juki. (Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Die Blätter widmen den: Wechsel im deutschen Reichskanzleramt lange Artikel, in denen sie ihr Bedauern über den Rücktritt Bethmann Hollwegs ausdrücken und die hohen Fähigkeiten und Verdienste des neuen Kanzlers betonen, dessen Programm darin bestehe, die nationale Energie zu stärken, um mit erneuter Kraft den Kampf bis zu einem glücklichen Ende führen zu können. Der kaiserliche Erlaß für die preußische Wahlreform sei ein klares Zeichen für die Richtung, welche die inneren Ereignisse in Deutschland nehmen würden.

Französische Auslassungen.

W. T.-B. Bern, 17. Juli, (zb.)Petit Journal" sagt: ^ Kaiser Wilhelm kann ernennen, wen er will, das Schicksal hängt aber nicht mehr von ihm und seinen Prinzen uird Heerführern, sondern von der E n t e n t c ab. Noch vor dem Eintreffen der Nachricht von der Ernennung des Dr. Michaelis schreibt dasEcho de Paris", nur das Gefühl des Siegers könnte eine Einigung zwischen Regierung und Volk in Deutschland wiederherstellen. Deutschland aber sei von Zweifeln befallen. Bethmann Hollweg sei durch Kon­zessionen vom parlamentarischen Gesichtsvunkt aus im Be­griff gewesen, das Bestehen der deutschen Zweifel amüich zuzugeben; daher rühre der Ursprung der militärischen, kon­servativen und alldeutschen Reaktion.Excelsior" er­klärt, die konservattven Annexionisten hätten eine Reaktion versucht. In derHuman ite" sagt Renaudel, es sei offensichtlich, daß man in Deutschland die Hoffnung auf den militärischen Sieg verloren habe.

Das Urteil in England.

W. T-B. London, 17. Juli. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) TieWestminsterGazett e" sagt über den Rücktritt des Reichskanzlers Dr. v. Bethmann Hollweg: Der Rücktritt des Reichskanzlers kann ausgelegt werden entweder als ein Triumph der Militärpartei oder als der erste Schritt in der Richtung der Fliedensregierung. Die Ernennung des Dr. Michaelis bedeutet wahrscheinlich, daß sich der Reichs- kanzler gescheut hat, den Fürsten Bülow oder irgend einen anderen statten Mann von der bekannten Überzeugung zu ernennen, bis er Zeit gehabt, die neue volkstümliche Bewegung zu prüfen. Derffllobe schreibt: Unboweint, ungeehrt und^lnbesüngen ist Bethmann Hollweg gefallen. Er hat mit der Forderung nach Demokratie ebenso gespielt wie mit dein Frieden und dem Kriege, und er brachte die Junker in Er­

regung, ohne auch nur für einen Augenblick die Demokratie zu befriedigen.Pall Mall Gazette" bemettt: Die Lage gibt uns einen klaren Augenblick fiir unsere eigene Pflicht, die darin besteht, den Krieg und die Blockade mit aller Macht aufrechtzuerhalten, bis Deutschland einsieht, datz es die Bedingungen seiner Feinde annehmen muß.

23000 Vr.-N.-Tonnen!

W. T-B. Berlin, 17. Juli. (Amtlich.) Neue Untersee­bootsetfolge im englischen Kanal: 23 008 Bruttoregistertonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich drei bewaff­nete tiefgeladene Dampfer, von denen einer Munition geladen hatte und in 5 Sekunden nach dem Torprdotrcffer in die Luft flog; ferner ein ticfgeladener großer Tankdampfer, der aus einem statt gesicherten Grlcitzug herauSgcschoffen wurde.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Weitere Versenkungen.

W. T-B. Amsterdam, 17. Juli. Die Nederlandsch Teke- graaf Agentschap meldet auS Dmuiden, datz der holländische

Schoner ,.T i m o r" auf der Reise von London nach Rotter­dam versenkt wurde.

W. T-B. Stockholm, 17. Juli. LautDrrmpounS Tid- ningen" wurde der schwedische DampferFredrika" mit rund 1200 Tonnen Raumgehalt auf dem Wege nach HM versenkt.

1V.T.-B. Christiania, 17. Juli. (Meldung des Nvrwe- gischen Telegrammbureaus.) In Eyersund ist ein schwe­disches Fischerboot mit elf Mann vom Christianiaer Motor­schiff ,.L e i" eingetroffen, daS, mit Kohlen beladen, IM See­meilen vor Lindesmaes von einem deutschen Tauchboot ver­senkt wurde.

In 50 Sekunden gefunken.

W. 1-B. Bern, 17. Juli.ProgveS de Lyon" meldet

aus Toulon: 19 Überlebende des belgischen Dampfers

^Clqire" (1187 Br.-R.-T.), der am 12. Juli 250 Mellen twe Böne bon einem deutschen Unterseeboot versenkt wurde, trafen in Toulon ein. Der Dampfer war von Saloniki nach Marseille mit Eisenerz unterwegs. Die Besatzung war griechischer, der Kapitän und der zweite Offizier belgffcher Nationalität. An Bord befanden sich ferner französische Matrosen zur Bedienung der Geschütze sowie einige Passa­giere. DaS Schiff versank in 5 0 Sekunden. Die Rettung war sehr schwierig. 26 Personen find umgttoemwen.

*

Der neue englische NeutraMatsbruch gegenüber Holland.

# Haag, 17. Juli. Zu dem Angriff englischer Tor­pedoboote auf die deutschen Dampfer in holländischen Gewässern ist eine spätere Meldung des Amsterdamer Telegraaf" von Bedeutung, dritz diese sieben Dampfer nicht wie die zuvor abgefahrenen 11 Dampfer von einem holländischen Kriegsschiff begleitet waren. Die Be­schießung begann um 6 Uhr 30 Min. und dauerte bis 8 Uhr 30 Min. morgens, als das erste holländische Tor­pedoboot zur Stelle kam. Darauf wurde vom britischen Admiralschiff. das Signal gegeben, das Feuer einzu­stellen und zum Hauptgeichwader zurückzukehren. Auch derTelegraaf" bestätigt, daß die britischen Kriegsschiffe sich zweifellos in holländischen Ge­wässern befanden, wie sie den Angriff unternahmen.

W.T.-B. Amsterdam, 17. Juli. Meldung der Nederlandsch Telegraaf Agentschap aus A.nuiden: Nach einer Unterredung mit dem Kapitän des nach Amurden geschleppten deutschen DampfersLavinra" kann fest­gestellt werden: Von den zehn Schiffen, die aus Rotter- danr ausfuhren, sind der DampferHeinz Blumberg" gesunken, dieLaöinia" nach Vmuiden zurückgefchleppt und dieRenate Leonhardt" gestrandet. Entkommen sind die^ zlvei DampferWilhelm Velsner" und Ariadne", von den Engländern genommen: die DampferBrietzig",Pellworm" undMarie Horn". Der DampferCarsten Ruß" dürfte wahrsicheinlich von den Engländern aufgebracht worden lein. Der Dampfer . Alpha" ist kurz nach der Abfahrt von Rotterdam nach den: Hafen zurückgekehrt. Es besteht alle Aussicht, die Renate Leonhardt" zu bergen.

Die Warnung für Holland.

# Berlin, 17/Juli, (zb.) DieVoss. Ztg." schreibt: Die neueste Verletzung neutraler Rechte durch England ist so kratz, daß man auf alles weitere gefaßt sein muß. Was hätte diese erhebliche englische Flotteneinheit von 14 großen Zerstörern gehindert, nach Amsterdam zu dampfen? Die Reise von Bergen nach Amsterdam hätte höchstens 20 bis 30 Minuten gedauert. Dies ist eine Frage, die zweifellos auch die Holländer gern beantwortet haben möchten. Einen anderen Grmtd kann es gar nicht geben. Es war ein Versuchsballon, ein Fühler, um zu sehen, wie weckt man sich vorwagen darf; vielleicht auch eine Provo- katron, um die holländische Frage zu regeln. Englische IRaß nahmen zur Regelung der holländischen Frage sind auch in Holland läitgst erörtert worden. Die Kartoffelkrawalle in Amsterdam waren der erste Schritt. Die Verletzung der hclläudischen Hoheitsrechtg ist schon ein bedestender