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Mittwoch» 18. Juli 1917.

Morgenausgabe. -s». . es. s-hrgang.

Der Nanzlerwechsel.

Zur augenblicklichen Lage.

I-. Berlin, 17. Juli. (E'g. Meldung, zb.) Die Frist bis zur großen Donnerstagsitzung verstreicht, und die Ungewiß­heit, wie die doppelte Krise in der Reichs- und der preußi­schen Regierung gelöst werden soll, bleibt dieselbe. Schon hat es den Anschein, als zögen die preußischen Minlster es vor, zu bleiben und als begründeten sie ihr Abschiedsgesuch mit dem Gegensatz zum Ministerpräsidenten v. Bethmann Hollweg in der Wahlrechtsfrage. Jetzt, da er weg ist, halten fie es vielleicht in konservativem Sinne für das beste, zu bleiben und selbst den königlichen Erlaß über das gleiche Wahlrecht in die Hand zu nehmen, d. h. seine Durchführung ad calendas graecas zu verzögern. Am heutigen Tage sind aber von seiten einiger Führer der Mehrheitsparteien freund­liche Warnungen an den neuen Kanzler ergangen. Geneigtheit bei diesen Führern, selbst ein Portefeuille an- zunchmen, soll nirgends bestehen, da sie keiner Regierung an­gehören möchten, die zu Dreiviertel eine Beamtenregie­rung bleiben würde. Obendrein sind die meisten Namen fcer tun Dr. Michaelis bisher ausgewählten Kandidaten sehr ungünstig ausgenommen worden. Insbesondere ist die Kan­didatur des Dr. Helfferich sür das' Auswärtige Amt von der Presse soft aller Parteien aufs entschiedenste a b ge­lehnt Wörden, und in der sozialdemokratischen Partei soll sie scgar der schärfsten Opposition begegnen.

Allen widersprechenden Meldungen gegenüber ist im übrigen festzustellen, daß die Mehrheitsparteien des Reichs.

'tags auf dem Standpunkt verharren, ihre Friedens- reselution zur Abstimmung zu bringen.

I*. Berlin, 17. Juli. (Gig. Meldung, zb.) Bon ange­sehener fortschrittlicher Seite wird uns erklärt: Wenn der neue Reichskanzler bei seiner Absicht verharrt, dem Staats­sekretär Dr. Helfferich das Auswärtige Amt zu unter­stellen, dann bedeutet dies von seiten des Herrn Dr. Michaelis eine starke Verkennung der Lage. Es 'gibt im ganzen Deutschen Reich keinen Mann, der im Reichs­tag so abgewirtschaftet hätte, wie Dr. Helfferich. Gerade für die Leitung unserer Diplomatie ist er nach allge­meiner Ansicht wohl der ungeeignetste Staatsmann, den man finden könnte. Obendrein hat er sich in vielen -Fragen in einer Weise festgelegt, die in offenem Widersprrich zu der Friedensfcrmel der Mehrheitsparteien steht. Die Krise würde turcki diese Ernennung des Dr. Heffferich sich weit von ihrer endgültigen Lösung entfernen.

Sydow und Helfferich beim Kaiser in Audienz

W. T.-B. Berlin, 17. Juli. (Trahtboricht.) Der Kaiser empfing gestern nachmittag zu längerem Vor­trag den Handelsminister Dr. Svdow ltnö den Staats­sekretär des Innern Dr. Helfferich. Zur Abendtafel bei den Majestäten waren geladen- der Reichskanzler Dr. Michaelis, Generalfeldmarschall v. H i n d e n b u r g und Gemahlin und General L u d e n d o r f f. Heute vormittag nahm der Kaiser den Generalstabsvortrag entgegen.

Der Ranzlerwechsel und das Kurland.

Das Urteil in England.

W.T-B. London, 17. Juli. (Drahtbericht.) Die .T i m e s" glaubt, daß die Konzentration der militärischen und alldeutschen Elemente gegen Bethmann Hollweg dessen Sturz herbcigesührt habe. Es müsse sich erst zeigen, *it sie dadurch ihre Lage verbesserten. Die Führer der alliierten Demokraten würden ihre ganze Aufmerksamkeit und Vorsicht nötig haben, unr den deutschen F r i e d e u s f a l l e n auszuweichen. Der einzig sichere Weg für sie sei, dem Rat L.'vyd Georges zu folgen und den Krieg fortzusetzen. Die .Daily Marl" schreibt: Vom deutschen Volke seien, wie die Dinge jetzt liegen, kerne Reformen zu erhoffen, die die ganze Pclitik beeinflussen können. Wenn Deutschland jemals modernisiert werde, so werde das nur durch einen Sieg der Alliierten geschehen. DerD aiIh Telegraph" schreibt: Der sechste Kanzler des Deutschen Reiches ist in dem hoff­nungslosen Zusammenbruch des Regierungssqftems mitge­stürzt, das 40 Jahre lang in Deutschland herrscht. Das Blatt glaubt nicht, daß der Rücktritt Bethmann Hollwegs eine so­fortige Änderung in der deutschen Politik in demokratischem. Sir:ne zur Folge haben werde. Erst die weiteren Ent­täuschungen und Leiden des Krieges würden im deutschen Volke den Instinkt verstärken, der es dazu treiben werde, die Widerrufung der räuberischen Kriegszrele durchzvsetzen und die Regierung zu entfernen, von der eS wiffc, daß seine Feinde mit ihr nichts zu tun haben wollen.

Französische Auslassungen.

W. T.-B'. Bern, 17. Juli. (Drcchtbericht.) Die französi­sche Presse ist durch die Evuearnung des Dr. Michaelis zum Nachfolger Bethmann HollwegS übervafcht. Sie erwartete die Ernennung ein«r Persönlichkeit, die bisher in politischer Be­ziehung mehr henvorgetret-en wäre. Die Urteile der Preise sind im «ülgemernen zurückhaltend. DerTemps" schreibt: Der KanzileoweckUel bedeutet nur, daß ein Beamter an die Stelle eines anderen Beamten getreten sei. PetrtPar iffi-e n" schreibt: Die Wahl des Dr. Michaelis hat einen politischen Sinn. Man kennt die Ansichten des Dr. Michaelas rächt. Man kann nur sogen, daß er sowohl auf der LivLo atß auf der Rechten a-u t a n^efich rieben ist.

Augenblicklich halten die deuffchen Liberalen den Rücktritt Bethmanms für eine Niederlage ihrer Partei. Der bisherige Kanzler war ihr Mann geworden, der zurücktreten mußte, nachdem er die größten demokratischen Refocinen in Preußen durchgesetzt hotte. Der Kanzterwechsel erscheint demnach als ein Sieg der rückschrittlichen Parteien, d'.e den Krieg durchführen wollen und einen weisen Frieden ableh­nen, den der größte Teil des Reichstags fordert. Das Blatt schreibt ferner: Das Friedensprogr a m m der

M c hr h e i t s p a r te i hat gleichfalls keinen großen Sinn und gibt der Entente keinerlei Genugtuung. Es hat aber immerhin dadurch eine gewisse politische Bödeu-tung, daß es sich von kriegerischen Absichten, die bisher gang und gäbe waren, entfernt. DerMa t i n" erklärt, es sei natürlich, daß der Kaffer, uen den Anschein der liberalen Entwicklung zu wecken, einen Beamten wählte, der den dreifachen Vorteil' habe, ein Freund Hindenburgs zu sein, keine herausfordernde Politik getrieben und gegen die Junker Stellung genommen za haben. Das Frtedsnsprogramm der MehrüeitSparteien wird auch vomMatin" abgelehut. Deutschland verzichte auf Eroberungen, weil es anerkenne, daß Eroberungen jetzt eine Utopie seien; eS wolle zwar gewinnen, aber .nichts verlieren. Von dieser Lösung wollten die Alliierten nichts wissen; sie laufe der Gerechtigkeit zu­wider. Es wäre unklug, Verbrechern ein Mittel zur Vorbereitung neuer Verbrechen zu lasseer.

Englischer Angriff aus deutsche Handels schisse in holländischen Hoheitsgewäffern.

W. T-B. Vmuide», 17. Juli. (Drahtbericht. Meldung der Niet irländischen Telegraphen » Agentur.) Fünf deutsche Frachtdampfer, die von Rotterdam abge­fahren waren, wurden während der Nacht bei Egmont von drei englischen Zerstörern angegriffen. Drei Dampfer sind anf der Flucht auf Strand gelaufen, von welchen einer durch Granaten in Brand geschossen wurde, während die zwei übrigen von den Engländern erbeutet wurden. Da die Verfolgung innerhalb der niederländischen Hoheitsgewässer stattfand, dampften niederländische Kriegsschiffe von Nieuwediep und Amniden nach der Angriffs- stelle. Granaten fielen bis hart an die nieder­ländische Küste.

W.T-B. Amsterdam, 17. Juli. (Drahtbericht. Meldung der Niederländischen Telegraphen-Agentur.) Seit Samstag habe» insgesamt drei Züge von deutschen Frachtschiffen Rotteldam verlassen. Vom erste» Zug, der aus drei Schiffen bestand, strandete eins bei Zandvoorde, zwei kamen durch. Von dem zweiten Zug von zehn Schiffen kehrte eins zurück. Vier wurden von den Engländern in den Grund gebohrt, drei liefen auf Strand, zwei von ihnen brennen, zwei wur­den von den Engländern erbeutet. Der dritte Zug von drei Schissen ist wahrscheinlich zitrückgekehrt.

Die amtliche Untersuchung eingeleitet.

W.T-B. symuiden, 17. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich verläwtet: Es steht noch gar wicht fest, daß der Angriff bezw. die Verfolgung innerhalb der niederländischen Hoheitsge- ivässer stattgefniiden hat. Augenzeugen wollen wissen, daß er mindestens vier Meilen von der Küste entfernt geschehen ist. Eine Untersuchung ist von der Marinebehörde in Niouweldiep eingeleitet worden.

W. T-B. Haag, 17. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich ioird berichtet, daß die englischen Streitkräfte, die den Geleitzug deutscher Frachffchiffe an der holländischen Küste angegriffen haben, aus 19 oder 20 Torpedobooten und Tor- p edojägern bestanden.

W. T-B. Hmniden, 17. Juli. (Drahtbericht. Nieder­ländische Tclegraphen-Agentur.) Wie einwandfrei beobachtet wurde, hießen die angceifenden englischen SchiffeS 67" undS 83".

Die zweifellose Mißachtung der holländischen Neutralität.

Br. Amsterdam, 17. Juli. (Gig. Drohtdevicht. zb.) Das halbamtliche Haager Korrespandenzbursau meldet, daß mich den eimigelaufenen Berichten der Angriff innerhalb der hollän­dischem HoheitSgewässer geschah. Sine amtliche Unter- suchums^ist angeo rdnet.

W. T.-B. Amsterdam, 17. Juli. (Drcchtbericht.) Der von dem Engländovu angegriffene Gelei tzwg bestand vermiutlich aus 9 Schiffen. Die bei Bargen gestrandeten Da-mpfer sind Lavina" aus Hamburg undRenate! Leonhardt" aus Bramen. Die gestrandeten Schiffe sollen flott gemacht Ulid nach De Helden geschleppt werden. Von der Besatzung wurden sechs Mann getötet, ein Mann wird vermißt. Die Granaten der englischen Kriegsschiffe sind wiederholt auf niederländisches Gebiet gefallen und u. a. auch aus das deuffche Internierungslager in Bergen, wo einige Stück Vieh getötet wurden.

Algemeen HandelMaad" schreibt in einem Artikel: ES braucht nicht erst bewiesen zu werden, daß der Angriff inner­halb umiserer HoheitSgewässer erfolgte. Die beschossenem Schiffe lagen einen halben Kilometer vom Strand entfernt, und die neutrale Zone ist mehr als

zehnmal so breit. Die KriegÄharÄnng der englischen Schiffe war also eine er n ft e und flagrante Verletzung unserer Neutralität, die um so ärgerlicher ist, weil man trotz der damit verbundenen Gefahr für die Bevölkerung und trotz der Taffache, daß die Baschietzumg auf unser Land, unsere Häuser und Bahrchöfe gerichtet war, nicht davor zu» rückschreckte.

Hfterreichisch-ungarifcher Tagesbericht.

W. T ; -B. Wien, 17. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 17. Juli, mittags:

östlicher Krregsschauplktz.

Dem Drucke deutscher lind österreichisch-ungarischer Truppen weichend, räumten die Russen gestern K aluc s und das westliche Loninicauser. Die Ver­bündeten rückten nach. Südlich von Kalucs kam es stellen­weise zu stärkeren Kämpfen. Bei Liciany'scher- terten sechs russische Entlastungsstötze am Widerstand kroatischer Bataillone. Bei Landestreu und Ncwica erzielten wir Raumgewinne. Sonst weder von der Ostfront noch aus Albanien Neues zu melden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Auf dem Col Bricon explodierte eine italienische Mine. Unsere Sturmtrnppen besetzten den Trichter.

Der Chef des Generatstabs.

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Die tage bei Stanislau.

Ni. Wien, 17. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Kriegs- berichterstatter derNeuen Freien Presse" meldet: Stach den schweren Kämpfen des ersten Anpralls der russischen Offensive ist ein Abflauen enigetreten. Der russische Vorstoß im Raume von Stanislau ist an der Lomnica zum Stehen gekommen. Besonders heftige Teilangriffe an der unteren Lcmnica führten bisher zu keinem Erfolg. Ebenso ivenig vermochte die Forcierung des Dnjestr durch General Tscherimissow bei Halicz die Verbindung zur Gnila Lipa nud Narc-jcwka zu zerstören. Südlich Kalucz vermochte der Gegner uns nirgends über die selbftgewählle Linie zurück- zud rängen. Alle Vorbereitungen, die die Feind hier trifft, besonders neue Truppeuansammlungen im Raume von Stanislau, zeigen, daß die Operationen der russischen 7. Armee noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden dürfen.

Italienische Bedenklichkeit gegenüber den Aussichten der russischen Offensive.

Br. Lugano, 17. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.)Corriere dellä Sera" meldet aus Petersburg: Der Fall von Halicz gibt doch Veranlassung, in den Erwartungen für die Zukunft Vorsicht walten zu lassen, da die Unternehmungen des Generals Kornilow nur dann Aussicht auf weiteren Erfolg haben könnten, wenn sie von den Heeren der übrigen Fronten unterstützt würden. Diese verhirren aber fortgesetzt in ihrer Untätigkeit, ioährend die Extremisten ihre An­strengungen verdoppeln und ihre Hetze gegenden Krieg mit besonderem Eifer unter die Soldaten an der Front ge­tragen baben. Bei einzelnen Abteilungen baben sie auch Er­folg gebabt und eine Bewegung hervorgerufen. Aber es gibt auch Ausnabmen, wie in Viasja, wo ein Regiment die Waffen- und Munitionsniederlagen geplündert und, so aus­gerüstet, liber 2009 Drückeberger verhaftet hat.

Der deutsche Kbenvbericht vom !7. Iull.

W. T.-B. Berlin, 17. Juli, abendd. lAmtlich. Draht- bericht.) Im W est e n wurde anf dem linken Maa-Zufcr gekämpft.

Im Osten keine besonderen Greiguissc.

Oie Lage im wesren.

Spannung zwischen gewissen Ministern und dem Präsidenten Poincare.

Br. Zürich, 17. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Lausanr.er Revue" meldet aus Paris: Wan schreibt in ver­steckten Worten von der Spannung, die zwischen den Ministecn oder gewissen Ministern und dem Präsidenten der Republik herrscht. Poincare soll dem letzten Ministerrat noch berge- wohnt haben. Die Meinungsverschiedenheiten sollen nach dem Angriff auf den Präsidenten der Republik in der Ge­heimsitzung über die Apriloffensive entstanden sein. Poin­care soll sich durch den Beschluß des Kriegsministers Pam- leve. den General N i v e l l » durch eine Untersuchungskom- missirn aburteilen zu lassen, persönlich verletzt fühlen. Man schreibt dem Abgeordneten Ren-mdel die Absicht zu, in der nächsten Zeit, vielleicht schon am nächsten Dienstag, einen großen politischen Zwischenfall herbeizuführen dadurch, daß er die Forderung stellen wird, den Bericht des Abgeordneten Thomson über die Anträge auf Verfassungsänderung anf die Tagcsordnung zu setzen. Der Bericht Thomsens hat die Ab­lehnung jener Verfassungsänderung beantragt.

Dev amtliche französische Bericht über die Versenkung desSnssren".

W. T.-B. Bern, 17. Juli. (Drahtbericht.) Der Parffer Pvesse zuifotge geht aus d«m amtlichen Bericht ülber^ den Uu- tenganig des LinisnschiiffsSwffrein" an das Zivilgericht Brest