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Die Nassauer unter den Truppen des Gberrheinkreises im Reichskriege gegen Frankreich 1674 -J670.

Bon Th. Schüler.

Während des im Jahre 1672 von König Ludwig XIV. von Frankreich gegen Holland unternommenen sogenannten Rachekrieges - er wollte sich rächen für die Unterstützung, die Holland beit spanischen Niederlanden gegen feine' An­sprüche aus einen Teil derselben geleistet hatte, - - war eine französische Armee unter dem Marschall Turenne über den Rhein gegangen und hatte sich zur Deckung gegen sie ans Deutschland zu erwartenden Hilfstruppen für Holland in den Reichslanden ausgestellt. Sie daraus zu vertreiben, entsandte im August 1673 Kaiser Leopold 36 000 Mann unter dem General Grafen Montecuecoli, deni es auch gelang, die Eindringlinge zum Rückzuge nach der Festung Philippsburg und über den Rhein zu nötigen.

Die Philippsburg, zum Hochstift Speier gehörig und vor> dem Bischof Philipp Christoph von Sötern bei Ausbruch des dreißigjährigen Krieges nach neuerer Art befestigt, war während dieses Krieges von den Franzosen besetzt und ihnen beini Friedensschluß das Besatzungsrecht dort zugesprochen worden Sie verstärkten die Festung, die durch ihre Lage in den sumpfigen Niederungen des Rheins einen wichtigen Stützpunkt bildete, bedeutend und benutzten sie in der Folge immer wieder ais Ausfallstor bei ihren gegen Teile des Herligen Römischen Reiches deutscher Nation gerichteten Er­oberungszügen.

Bon dort aus waren sie auch im Frühjahr 1674 in die Pfalz eingefallen und hatten die Stadt Germersheim besetzt, ivährend andere französische Truppenteile Trier einnahmen. Tie Klagen der betroffenen beiden Kurfürsten bei deni Kaiser und den in Regensburg versammelten Reichsständeu bewirkten, daß diese sich zur Aufstellung eines Hülfsheeres für den Kaiser entschlossen und den Franzosen den Reichs- krieg am 38. Mai 1674 erklärten.

Böm Entschluß bis zur Ausführung aber war ein weiter Schritt, denn die Zerrissenheit des Deutschen Reiches und das Unvermögen der zahllosen kleinen Reichsstände, teil­weise auch der Mangel an patriotischem Gemeinsinn zeigten sich hier wieder einmal iu betrübender Jämmerlichkeit. Im Oberrheinkreise, der hier iu Frage kommt, wollte die An­gelegenheit schon gar nicht in Fluß kommen, weil Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz unter Hinweis auf. seine er­erbten Pfalz-Simmernschcn Lande dem Kurfürsten Lothar Friedrich von Mainz die Direktion des Kreises streitig machte. Die dadurch veranlaßt«: Korrespondenz unter den Kreis­ständen und die endliche Einigung der beiden Kurfürsten zu gemeinschaftlichem Handeln zogen sich derartig in die Länge, daß Hessen-Kassel den diesseits des Rheins gelegenen Ständen für den 11. Juni eine Zusammenkunft in Friedberg Vorschlag, um dort zu beraten, was für das notleidende Baterland zu tun sei.

Zu den diesseits des Rheins gelegenen Kreisständen zählten Stift Fulda, Hessen-Kassel, Nassau-Jdstein-Wiesbaden,

Nassau-Weilburg, Nassau-Usingen, Nassau-Otiweiler (wegen seines Anteils am Amte Kirberg), das Haus Solms, Hanau- Münzenberg, Jsenburg-Offenbach, Isenburg-Büdingen, Wal­deck, Wittgenstein und die Reichsstädte Frankfurt, Friedberg und Wetzlar. -- Außer den Bevollmächtigten dieser Stände fanden sich auch Abgesandte von Knrpsalz in Friedberg ein, die zur Eile mahnten, weil nicht nur die französische Garnison in Philippsburg die pfälzischen Lande brandschatze, sondern auch zu befürchten stehe, das; Turenne vermittelst der bei Philipvsburg aufgestellten fliegenden und xiner zu fertigenden Schiffbrücke den.Rhein überschreiten und den Krieg in die obere Rbeingegeud tragen werde. Doch weder dieses Drängen seitens Kurpfalz, noch die ausmunternde Mitteilung seitens Kurmainz, daß seineBolkshülfe zu Fuß und zu Roß" stündlich abrückeu könne, vermochten die versammelten Ab­geordneten zu schnelleren« Handeln zu bewegen. Bis sie alle üblichen Formalitäten erledigt, die Rang- und Alters- Verhältnisse festgestellt und alles das zu Gehör gebracht hatten, was ihren Auftraggebern eine, möglichst geringe Leistung in Aussicht zu stellen schien,, waren die Franzosen wirklich im Anmarsch begriffen. Sv betonten die Wort­führer des Grafen Johannes von Nassau-Idstein, des Hauptes der hier vertretenen Linien des Hauses Nassau, wie sehr dieses durch die linksrheinischen Bedrängnisse geschwächt und zu merklichen Anstrengungen unvermögend sei. Dem Grafen Johann Ludwig zu Nassau-Ottweiler könne nicht zugemutet werden, Völker für die rechtsrheinischen Besitzungen ans die Beine zu bringen, da die französischen Garnisonen der Umgebung und die Besatzung von Saarbrücken es unmöglich machten. Bei deni pfälzischen Abgeordneten hatten sie dafür einzutreten, daß dem Haus Nassau ein Nachlaß an der Zahl der für Kurpsalz zu stellenden Lehnreiter (12 für Nassau und 4 für das Stvckheimer Gerichts zugebilligt werde.

Nach siebentägigem Beraten und Protokollieren war inan endlich über folgende Punkte einig geworden:

1. Bon den aus dem Oberrheinkreis zur Reichsarmee zu stelvenden 2100 Mann wollten die in Friedberg ver­tretenen Stände 303 Mann zu Roß und 606 Manu zu Fuß aufbringen. Die Reiterei war nach langem Streit aui das Stift Fulda und das Haus Solms entfallen. Aus 303 Manu waren 3 Kompagnien zu je 80 Pferden ge­worden, die eine Eskadron formieren sollten. Die Infanterie sollte zu 5 Kompagnien von Hessen-Kassel, den übrigen gräf­lichen Häusern und den drei Reichsstädten zusammengebracht werden i sie wurden in der Folge die Hessische, die Nassauische (auch Nassau-Waldeckische), die Hanauische und die zwei Frankfurter benannt.

2. Die Reiterei sollte ein Obristleutnant kommandieren, der zugleich eine Kompagnie als Rittmeister führte. Die 5 Kompagnien Infanterie sollten einem Obristwachtmeister als Regimentskommandeur unterstehen, dem als Stab 1 Re?