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Verlag Langgaffe 21

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Samstag, 14. Juli 1917.

kibend-Kusgabs.

Nr. 354. * 65. Jahrgang.

Reichskanzler Michaelis.

Der Rücktritt Bethmann hoüwegr bewilligt!

I- Berlin» 14. Juli. (Eig. Dvahtbericht. zlb.) Bon amt­licher Seite wird «nS erklärt, durch Allerhöchste Order des Kaisers und Königs ist dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg der erbetene Rücktritt bewilligt worden. Der bisherige StaatSkommiflar Dr. Georg Michaelis ist zu seinem Nach­folger ernannt worden.

«

Mit Dr. Michaelrs wird wieder ein Mann an die Spitze der Reichs oegierung treten, der nicht aus dem auswärtigen Dienst hervorgeht. Er ist in Hahnau im Jahre 1855 geboren und 1879 in den preußischen Dienst getreten, nachdem er kurze Zeit als GerichtAassessor tätig gewesen war, ging er 1885 als Dozent an die Schule für -deutsche Rechts- und Staatswissen- fchaft nach Tokio. 1898 trat er in tan Staatsdienst zurück. Rach kurzer Tätigkeit als Staatsanwalt trat er 1892 in die allgemeine Staatsvevwaltung über, wurde zunächst Regie- vungSrat in Arnsberg, später Stellvertreter des Regierungs­präsidenten in Liegnitz und 1902 Oberpräsidialrat in Breslau. Van dort wurde er als Unterstaatssekretär in das Finanz­ministerium berufen. Zu Beginn des ttriegs, als die staat- lrch« Regelung der Vallsernährung und vor allem unserer Brotversorgunp notwendig wurde, trat er an die Spitze der Reichsgetreidostelle, und im Februar dieses Jahres wurde er zum Staatskommissar für Volksennährung ernannt.

Dr. Michaelis wird der erste bürgerliche Reichs­kanzler des Deutschen Reichs sein. Schon seine Laufbahn beweist, daß er jedenfalls ein ungewöhnlich begabter Mann ist. Um unser Durchhalten hat er sich große Ver­dienste erworben und der starke Wille, mit dem er seine Maßnahmen dnvchzussetzen wußte, hat ihm auch in den Volksvertretungen viel Sympathien eingebracht. Wir er- iitnern nur an feine berühmt gewordene Rede im März d. I.. in der er seine Rechte gegenüber von anderen Ressorts ver­suchtem Angriffen verteidigte:Wer will mir in den Arm fallen?", rief er damals drohend.Wer will m:r mit Erfolg in den Arm fallen, wenn ich meine Pflicht auf diesem Gebiet tue?" Diese Rede berechtigt zu der Hoffnung, daß seine Amtsführung als Reichskanzler ebenso energisch als zielsicher und mit den Wünschen und Meinungen der Volks­vertretung übereinftimmen wird.

Das Programm des neuen Kanzlers.

L. Berlin, 14. Juli. (S. D. }&.). Nur 1 Uhr nach­mittags ist nn» die Ernennung des GtaatSkommissarS Dr. Michaelis amtlich bestätigt worden. Sei« erstes für die veffeatlichkeit bestimmtes Wort lantet: DaS Ziel meiner Politik ist, die innere Geschlossenheit des deutschen Volkes zuförder«, de« deutschenEinigkcitSwille« «ach außen mit kraftvoller Entschlossenheit z« stär­ke» und an der bewährte« deutsch e« Bündnispolitik festzohalten. Neber die innere« großen Fragen behält sich der neue Reichskanzler sein« Stellungnahme vor.

Oie Aufnahme der Ernennung in parlamenlskrreisen.

L. Berlin, 14. Juli. (E. D. zb.). Die Aufnahme von der Ernennung des Dr. Michaelis in Abgeordnetenkceisen ist günstig. Welche Stellung er zu den innerpolitischeu Fragen der Reichstagsmehrheit einnehmen wird, kann mit Gelassen­heit abgewartet werden, zumal die meist fordernde sozial­demokratische Partei nach einem Ausspruch Dr. Davids ihre Zusicherung erhalten hat. Auch der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Dove erklärte uns: Was Preußen anbetrifft, so haben wir unseren Schein, wir haben die kaiserliche Zusicherung des gleichen Wahlrechts.

Oer neue Kanzler.

I* Berlin, 14. Juli. (Gig. Drahtbericht. zb.) Lion dem neuen Kanzler, dem bisherigen Staatssekretär Dr. Michae­lis, erhalten wir von unserem Berliner Vertreter auf gern Drahtwege die folgende Portraitsskizze: Ein untersetzter, in Kriegsarbeit hager gewordener, hartknochiger Dkann, mit kleinem, von Willen und Wissen zeugendem Bismarckkopf, unter buschigen Brauen ein durchdringendes Auge, abwech­selnd kühl und gütig blickend. Ein hell ergrauter gestutzter Schnurrbart über den zusammengekniffenen Lippen. Immer mit ganzer Seele bei der Frage, die zur Behandlung steht. Ein leidenschaftlicher Redner, wenn cs darauf ankommt, eine Überzeugung durchzusetzen. Unter den preußischen Beamten einer der Tüchtigen, für die freie Bahn von dem gestern mächtigen Manne gefordert wurde, den der nod) vor wenigen Monaten in weitesten Kreisen unbekannte Ministerial­direktor jetzt m ersetzen berufen ist. Als unser Diktator hat

er sich mit Energie und Erfolg bei der LebenSmitielerfaffung bewährt« ein moderner Mann. Hoffentlich ist er der Staats­mann, der die Zeichen der Zeit versteht, führt er zum freien Vclksjtaat, der an der Regierung den gebührenden Anteil hat. Auf jeden Fall hat der scheidende Reichskanzler Herr von Bethmann Hollweg die Genugtuung, daß der Kaiser den von ihm bezeichneten Nkann berief.

Die letzten Meldungen vor der Entscheidung«

I*. Berlin, 14 Juli. (Gig. Meldung, zb.) Heute erscheint jetzt zweifellos, daß dos Rücktrittsgesuch Herrn v. Bethmann Hollwegs die kaiserliche Bestätigung bereits er­halten bat. übereinstimmend melden es die Blätter aller Parteirichtungen. Die offizielle Erklärung dürste aller­dings noch auf sich warten lassen, da nach dem bisher übliche» Brauch der Rücktritt des Kanzlers zugleich mit der Ernennung seines Nachfolgers angekündigt wird. Die Entscheidung über den neu«: Manu aber wird um so weniger in kurzer Frist fallen, als der Rücktritt Bethmanns von einem umfangreichen Wechsel in der Leitung der Reichsämter begleitet sein wird. DasB. T." schreibt: Wer nun der Nochfolger des Herrn v. Bethmann Hollweg sein wird, scheint noch ganz unbe­stimmt zu sein. Wie schon vor dem Entlassungsgesuch, werden auch jetzt viele Namen genannt. In allen politischen Kreisen und Gruppen, in allen Klubs, Wandelhallen und Bureaus sucht man nach dem geeigneten Mann. Freiherr v. Hertling, der in Berlin weilt, fühlt sich zu leidend, um die schwere Bürde auf sich zu nehmen und weicht allen Anerbieten aus. Die Namen des Ernährungskommissars Dr. Michaelis, des Reichsschatzsekretärs Grafen Roedern, des Grafen Bern» ftorff, des Gesandten im Haag, Grafen Brockdorff-Ranhau, des Dr. Sols und zahlreiche andere tauchen auf, teils für den Kanzlerposten, teils für den Posten des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes. Auch zwei Generale sollen auf der Kandidatenliste stehen. Den Fürsten Bülow halten wir für viel zu klug, als daß er die Bemühungen, seinen Namen ui den Vordergrund zu schieben, wünschen und billigen sollte, denn er kennt sehr genau nicht nur die allgemeine politische, sondern auch seine persönliche Situation. Er weiß, daß er viel zu viel Vergangenheit hinter sich herschleppt, daß er vom ersten Augenblick an mit scharfer Gegnerschaft zu rechnen bätte. Der Reichskanzler, der Herrn v. Bethmann Hollweg ablost, muß durch feine Person und sofortige Tat die Ge­währ dafür bieten, daß er entschlossen ist, den Verstän­digungsfrieden vorzubereiten und der Volksver- tretung das volle Recht der Mitregierung, Mitverant­wortung und Kontrolle zu verleihen.

Das endgültige Abschiedsgesuch von vethmann Hollweg.

# Berlin, 14. Juli. Im Verkauf der Freitags-Reichs- tagssitzung wurde bekannt, daß ReichskanAer v. Bethmann Hollweg sein Abachi edsgefuch -dem- Kaiser unterbreitet habe, und daß der Kaiser das Gesuch bereits angenommen habe. Mit der provisorischen Wahrnehmung der Geschäfte soll der Kaiser den preußischem Minister des Innern v. Lvebell betraut haben. DerB. L.-A." schreibt: Das Bild der Lage, wie sie sich im Lauf des gestrigen Tages ge­staltet hat, läßt sich dahin Misammemfassen, daß das Ende 'der Ära Bethmann Hollweg tatsächlich eingetreten ist. Damit hat sich eine Entwicklung vollzogen, die der Tieferblickemde schau feit Wochen und Monaten zu erkennen vermocht und deren Eintritt unsere Leser nicht unvorbereitet getroffen hat. Wenn die formelle Bekanntgabe des Rücktritts des Herrn v. Bethmann Hellweg erfolgen wird, die nach alter Tradition erst gleichmäßig nsit der Ernennung des Nach­folgers statff'uden dürste, läßt sich zur Stunde »wch nicht sagen. Die jetzt zu treffenden personalpolitischen Enffcheidün­gen sind von außerordentlicher Bedeutung. Das deutsche Volk w:rd dem Kaiser Dank wissen, daß er diese Ent­scheidungen mit aller Rübe und nach genauester Prüfung vollziehen will. Die Bedeutung der kaiserlichen Entschlüsse wird um so klarer, da, wie wir hinzufügcn möch­ten, der Rücktritt des Herrn v. Bett-,mann Hollweg von einem sebr umfangreichen Wechsel in den leitenden Stellen im Reich und in Preußen begleitet sein wird. Weiterhin erklärt derB. L.-A.". daß Entscheidungen über die Männer, die die Zurückgetretcnen ersetzen sollen, nvih nicht getroffen sind. Eine große Reihe von Kandidaten M>en in Frage. Wir verzichten darauf, eine Aufzählung ihrer Namen zu geben, da sich noch nicht abschen läßt, welche von ihnen das kaiserliche Vertrauen auswählen wird. Aus­drücklich hinzunigen möchten wir, daß Herr v. Loebell nach den uns vorliegenden Informationen in keiner Weise die Rachfolgeschast Bethmanns erstrebt. Die an seine Person geknüpften Gerüchte sind irrig, darunter auch das, daß er mit der Wahrn«hmung der Geschäfte des Reichskanzlers bis zur Erucnnuiig des Nachfolgers für Bethmann Hollweg be­auftragt jeu

Herr v. Loebell preußischer Ministerpräsident %

Berlin, 14. Juli, (zb.) In parlamentarischen Kreisen wurde die angebliche Absicht der Regierung erörtert, unter gewissen Umständen die Personalunion zwischen dem Reichskanzlerposten und dem Amte des preußi> fdben Ministerpräsidenten aufzuheben. Man nennt laut »Voss. Ztg." für diese Stelle den bisherigen Minister des Innern v. Loebell als zukünftigen preußi­schen Ministerpräsidenten.

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Der Empfang der

Zraktionsvorsitzenden bei Hindenburg.

Die beiden Heerführer über de» sehr günstigen militärischen Stand der Dinge.

8*. Berlin, 14. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Empfang der Fraktionsvorsitzenden des Reichstags bei Gene­ralfeldmarschall v. Hindenbucg hat gestern in den späten Nachmittagsstunden stattgefu.rden. Von jeder Fraktion er­schien außer dem Vorsitzenden auch der eiste stellvertretende Vorsitzende; so von den Sozialdemokraten die Abgeordneten Scheidemann und Sbert. Zweck des Besuche» war der Wunsch des Feldmarschalls, sich über die Ansichten per einzelnen Parteien zur Lage unterrichten zu lassen. Der Feldmacschall verhielt sich dabei genau, wie eS bet Kronprinz getan hatte. Die Fraktionsführer bewahren selbstverständlich über den Verlauf ihres Empfanges strengstes Stillschweigen. Innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion bestand nach der Unterredung vollste Zuversicht, daß die Lösung der Krise in keinem Falle einen rückschrittlichen Nach» folger für Bethmann Hollweg bringen wird. In dieser Hin­sicht soll sie die bestimmte Zusicherung eichalte» haben, daß der neue Kanzler auf jeden Fall die innerpolitischen Wünsche der Mehrheilsparteien und auch ihr Friedensprograrnm annehmen werde.

»B. T." meldet noch über den Empfang: Zuerst sprachen die Fortschrittler v. Payer «nd F i s ch b e ck, dann die Konservativen und Nationalliberalen bei Hindenburg vor. Schließlich kamen die Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei und des Zentrums an d« Reihe. ES war inzwischen, da die verabredete *4 Stunde m e h rf ach überschritten worden war, spät geworden und die Führer des Zentrums und de: Sozialdemokratie muhten deshalb zusammen empfangen werden. Ludenüorff wohnte den Besprechungen bei. In diesen Besprechungen wurde die Frage des Kanzlerwechsels und also die Nachfolger» stage nicht berührt. Hindenburg und Ludendorff halten nur den Wunsch, sich mit den Parteiführern über die Frie­densresolution zu besprechen, die in der gemeinsamen Parteikonferenz aufgesetzt und angenommen worden ist. Sie gaben den Abgeordneten ein Bild der Lage an den Fronten und der militärischen Gesamffituatio» und wiesen auf die völlig ungeschwächte Schlagkraft der Armee und auf den sehr günstigen Stand der Dinge hin. Zumeist führte Ludendocff drS Gespräch mit den parlamentarischen Besuchern und, so weit Wünsche ge­äußert wurden, geschah eS in der entgegenkommendsten ver­bindlichsten Form.

H- Berlin, 14. Juli, (zb.) über die Zusammenkunft der Parteiführer mit Feldmaöfchall v. Hindenburg und General Ludendorfs verlauten weiter folgende. Einzelheiten: Vertreten waren mit Ausschluß der sozialdemokratischen Arbeiter­partei alle Fraktionen durch je zwei ihrer Mitglieder. Die Z lsammenkunft fand im Reichstcgsgebäude statt. Wie den Herren durch den Generalfeldmarschall und seinen Genecal- stabschef eröffnet wurde, sei der Beweggrm d, eine solche Konferenz yerbeizuführen, der gewesen, daß eS für beide Teile wohl wünschenswert erschienen sei, sich gegenwärtig jeder von seinem Gebiete aus zu informieren und informiere« zu lassen. Dementsprechend nahm besonders General Ludendorfs die Gelegenheit wahr, den Parlamentariern Aufschlüsse zu geben. Er war es fast ausschließlich, der das Wort führte, während Hindenburg mrr gelegentlich gleichzeitig bestätigend und ergänzend eingriff. Dann war die Reihe an die Abgeordneten gekommen, um wiederum de« Militärs über die politische Lage Auffchlntz zu geben, ruS» besondere, wie sie sich im Rahmen der Kaazlerkrise gestaltet hat. Hier war es, wie man uns mitteilt, in erster Linie Graf Westarv, der den Sprecher machte. Selbstverständ­lich kamen auch die anderen Herren zu Wort. Die Be­gegnung hatte etwa eine Stunde gedauert, und sichtlich bv- sriedigt schieden beide Gruppen in herzlichster Weise einander.

Eine Huldigung für Hindenburg.

G Berlin, 14. Juli, (zb.) Vor dem GeneralstabSge» taube ist Tiergwten hatte sich tan Freitag, «"chmiftqg,