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Donnerstag, 12. Juli 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 349. . 65. Jahrgang.
Die Krifts.
(Won unserer berliner Abteilu ng.)
1t. Berlin, 11. Juli. (Eig. Drahibericht. zb.) Wie wir bereits meldeten, herrscht in paulameutarischen Kreiseu die Auffassung, daß Herr v. Bethmann Hollweg vorläufig im Amt bleiben umd selbst die geplante Reform nuferes Berfaffungslebens durch-fichreu lvird. Eine Jnfor- matirm der „Germania", die das Berliner Zentrumsblatt in auffallender Weise veröffentlicht, scheint durchaus zu bestätigen, daß Herr v. Bethmann Hollwsg sich mit der Mehrheit ins Einvernehmen setzen will. Die „Germania" schreibt: „Aus bester Quelle erfahren wir, daß, wie die augenblickliche Kanzlerkrise - auch ausgchen wird, heute schon fest- stöht, daß der Kanzler sich auf den Boden der in Vorbereitung befindlichem Kriegszielenffchließungeri des Reichstags stellen will." Im Gegensatz zu dieser Meldung, die daraus hinza- denten scheint, daß das Zentrum zu einer versöhnlichen Auffassung der Lage geneigt ist, steht eine ebenfalls „aus guter Quelle" stammende Meldung, der „Boss. Ztg.", die besagt: „Am gestrigen Tag hat die Vorstands schaff des Zen- strums im Auftrag der gesamten Fraktion an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in dem dein Sinne nach folgendes steht: „Die Vorstandsschaft der Zentrumsfraktion des deutschen Reichstags sieht in dem weiteren Verbleiben des Reichskanzlers auf seinem Posten eine Erschwerung der Herbeiführung des Friedens." Auch die Elsässer sollen sich diesem Brief angeschloffeu haben. Daß die Zentrumsfraktion im übrigen entschlossen ist, die in Ge- meinschiaft mit den Fortschrittlern und Sozialdemokraten gefaßte Resolution durchzuführem, beweist die folgende Meldung der „Germania": „Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat alle Mitglieder telegraphisch nach Berlin berufen". Die konservative Presse bemüht sich, noch einen Einfluß auf die Krone dadurch auszuüben, daß sie die Erwartung ausspricht, die vom Kaiser geplante Proklamation werde die Reform auf ein engeres Gebiet beschränken. Die „Kreuzzeitung" meldet gar: „Wie uns aus dem Reichstag mitgeteilt wird,.perlautet dort, daß Personalveränderungen in den höchsten Reichs- und Staatsämtern zunächst nicht in Aussicht stehen. Die Krise soll ihre Erledigung einstweilen durch eine Proklamation finden, die die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen zum Herb st in Aussicht nimmt." Die „Tägl. Rundsch." bringt folgende offenbar tendenziös gefärbte Meldung: „Zu der Be
rufung des Kronprinzen nach Berlin können wir folgendes mitteilen: „Die abweichenden Ansichten, die der Kronprinz betreffs der Politik des fetzigen Reichskanzlers rm .allgemeinen und seiner inneren Politik im besonderen gibt kind, von früheren Gelegenheiten abgesehen, wieder deutlich hervorgetretem, als der Reichskanzler im Auftrag des Kaisers dem Kronprinz Mitteilung von der bevorstehenden Osterbot- . schaft machte. Bei diesem Anlaß hat der Kronprinz nicht ver- absäumt, deni Reichskanzler seine schweren Bedenken hinsichtlich der Bethmannfchen Politik auszudrücken. Der Reichskanzler hat sich den weiteren Auseinandersetzungen über diese Frage damals dadurch entzogen, daß er erklärte, er erfülle dem Auftrag des Kaisers, den Kronprinzen von dem Geschehenen in Kenntnis zu setzen."
Der Kronprinz beim Kaiser.
W. T.-B. Berlin, 1t. Juli. (Drahtbericht.) Der Kaiser empffng gestern abend den österreichisch-ungarischen Botschafter und hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts und die militärischen Vorträge und empffng den Besuch des Kronprinzen.
Ein neuer Kronrat.
I-. Berlin, 11. Juli. (Eig. Meldung, zb.) Gegqn 12 Uhr trat in dem Reichskanzlerpalais ein neuer Kronrat zusammen, dem auch der Kronprinz beiwohnte.
Abreise des bayerischen Ministerpräsidenten nach Berlin.
W. T.-B. München, 11. Juli. (Drahtbericht.) Die Korrespondenz Hoffmann meldet' Staatsminister Dr. Graf von H e r t l i n g hat sich heute abend für einige Tage nach Berlin begeben.
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Die Meinung in Wien.
W. T.-B. Wien, li. Juli (Drahtbericht.) In Besprechung der politischen Krisis in Dcutschlend führt die „Neue Fr. Presse" aus- Von allen Bölfirn der Erde bat der Deutsche in seinen geistigen An- lagen die beste Vorbereitung zur d em o k r a l i > ch en Politik. Deutschland wird durch die Demokratie nur gewinnen und nichts rerlinen. Seine Demokratie wird echt und lauter, aber gewiß kein Umsturz werden. Ob die demokratisch: Einrichtung den Frieden sichert, sei heute kaum zu beantworten. Die Demokratie sei für die Regierung der Entente nur ein Borwand »um Länderrarb. Zum Frieden ohne Eroberungen bekannte sich England nie Es sei aber wicht unmöglich, daß me Volks,nassen, denen beständig versickert wird, daß die Entente den Krieg für die Ansbreitung der Demokratie führe und Frieden nur mit den freien Nationen schließen Ivolle, an diesen Edelmut glauben. Sie werden Kfct hören, daß auch die Deutschen auf dem Wege zur Demokeurie seien mrd daß sich die großen Parteien mit dein Hintergrund der Wollswehrhert pan Frieden ohne Eroberung entschlossen haben.
Die Auffassung in Holland.
W. T.-B. Haag, 11. Juli. <Drahtbericht) „Baderlaub" schreibt über die Vorgänge in Deutschland: Diese friedliche politische Ün< Wälzung, die soeben mit emem.mate vollzogen wird, wen» sie auch seit langer Zeit vorbereitet wurde, ist von großer Tcag- weite, nicht nur für die iuncren Zustände Deutschlands, sondern auch fiir die auswärtigen Beziehungen des Reiches in d:r kommend:» Friedenszeit.
Der Eindruck in Paris.
Bn Karlsruhe. 11. Juli (Eig. Drahtkericht. zb.) Der Pariser Berichterstatter des „Eorriere dclla Sera" meldet: Die Vorgänge in Deutschland drängen in Paris alles Interesse an den Ereignissen auf den Kriez kschauplüben r n den Hintergrund. Tie Zeitungen geben infolge der Beschränkung in der Erscheinungsweise Sonocr- ausgabcn heraus Sic enthalten sich jeder Pros>hezemng und lerer Kritik, da man erst positive Ergebnisse abwarten ivill. Tie Ge- beimsitzung der Kammer steht ganz unter dem Eindruck der Amster» damer und Genfer Meldungen über lie Krise in Deutschland.
V/. T.-B. Bern, Ist. Juli- Der „Temps" erwartet gespannt die Rückwirkung, die die innerpcliiische Krtse in Deutschland in Wien und Konstantinopel haben lvird, und fübrt darüber aus, daß der Bund der Mittelmächte auf der militärischen Kraft Deutschlands dessen Fiuavzkrcdit und seinem politischen Prestige beruhe. Der Bund müsse daher an dem Tage, wo Deutschland, das seinen Verbündeten den Weg zeigen scllte, selbst einen netien Weg suche, eine Krise durchmochen. „Silerte" glaubt die Vorgänge im Reichstag als ein Anzeichen für die C n t m u t t g u n g -der Öffentlichkeit in Deutichland deuten zu können.
Eine englische Pressestimme.
Br. Haag ll. Juli. (Eig. Trohtbericht. zb.) Aus London wird berichtet- „Daily Mail" schreibt. Was geht in Deutschland vor und was bedeuten diese Vorgänge? Sie beantwortet diese Frage wie folgt: Wir wissen es nicht und es interessiert uns auch nicht. Die Vorgänge im Reichetag »nd die sogenannte Krise hat für ans wenig Bedeutung, denn wir wissen, daß die Deutschen Meister darin sind, politische Konälien zu inszenieren und damit di: öffentliche Meinung im Ausland zu täuschen. Wir haben Zeit, mit aller Ruhe abzuwertm, was sich aus allen gemeldeten Vorgängen ergeben wird.
Oie Lage im Westen.
Eine wichtige Enteutekonserenz in Paris.
Br. Genf, 11. Juli. (Eig. Drabtber:cht. zb.) Die wegen ihrer angeblichen Friedenspropaganda von den französischen Gewalthabern so viel geschmähte neue Pariser Zeitung „Le Pays" meldet: Am 18. Juli trete in Paris die wichtigste Konferenz der Verbündeten seit Ausbruch des Kriegs zusammen. Auch Vertreter der russischem Regierung würden daran teilnehmen. Zur Erörterung kommen alle auf die Kriegs- kübrung sich beziehenden Fragen, darunter auch die militärische Entlastung Frankreichs. Der Ausgleich Krischen den Truppenbeständem der Verbündeten sei für Frankreich jetzt die wichtigste Frage.
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Oer deutsche Kbendbericht vom 1t. Juli.
W. T.-B. Berlin, 11. Juli, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Im W e st e n vielfach gesteigerte Artillerictätigkeit.
Im Osten stehen südlich des Dnjestr deutsche und österreichisch-ungarische Truppen an der Lomnica wieder in Gefechtsfühlung mit den Russen.
Der Tauchbootkrreg.
Neue Versenkungen.
W. T.-B- Kopenhagen, 11. Juli. (Drahtbericht.) Das Ministerium des Äußern meldet' Der Schoner „Cimbria", der Schoner ,,K o d a n" und der Mvtocschoner „M o t o r" sind versenkt worden.
Tiefgehende englische Besorgnisse über den U-Bootskrieg.
W. T.-B. Bern, 11. Juli. (Drahtbericht.) Trotz der Versicherung Lloyd Georges in Glasgow, daß England anfange, des Tauchboots Herr zu werden, äußert die „Daily Mail" über-die fortgesetzt«! Schiffsverluste tiefgehende Beförgnisse. Nach der Aufstellung der Admiralität, schreibt die Zeitung in einem Leitartikel, betrugen unsere Verluste seit März nie unter 15 Grotz-schiffen in der Woche. Die Ziffern sind indessen unvollständig. Sie schließen die versenkten Schiffe der Alliierten und Neutralen nicht ein, und nach der Behauptung der Deuffchen auch nicht die von der britischen Regierung gecharterten Schiffe, außerdem auch nicht die beschädigten Schiffe, die vielleicht monatelang aufliegen. Wiewohl nach den riesigen Verlusten im April eine gewisse Abnahme zu verzeichnen ist, mutz die von Bathurst betonte Tatsache in Betracht gezogen werden, daß sich neuerdings die Tauchboote Schiffe mit größerer Tonne uDahl aussuchen. Dies ist aus den Verlustlisten nicht ersichtlich. Die Gefahr ist nicht g e m e i st e r t. Die Deuffchen behaupten, während de: ersten drei Sperrmonate monatlich über 800 000 Tonnen versenkt zu haben; sie versenken selbst nach französischen Angaben 600 000 Tonnen. Tie Alliierten hatten um Jahresanfang 40 Millionen Tonnen, aber wenn die Verluste in dieser Weise weitergehen, so drohen uns sichere Entbehrungen und möglicher Verderb.
Oer Krieg gegen England.
Eintritt Balfours in das Kabinett?
# Rotterdam, 11. Juli, (zb.) „Daily Chronic!:' meldet: Bal. four wird wahrscheinlich in das Kriegskabinett ausgenommen werden.
Vernichtung zweier Wasserflugzeuge durch einen englischen Trawler.
W. T.-B. London, 1t. Juli. (Drahtbericht. Reuter.) Die Admiralität gibt bekannt: Der Kommodore von Lawejtoft meldet, daß der Trawler „Jrelaud" am Montag zwei feindliche Wasserflugzeuge zerstörte und vier Gefangene einbrachte.
Rußland.
Agitation der provisorischen Regierung an der Front.
8- Stockholm, 11. Juli, (zb.) Die provisorische Regie- ruug betreibt an >der Front-eine lebhafte Agitation gegen den Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat, welchem die Entziehung der Soldaten von den Pflichten an der Front vorge- worfen wird. Nach einer Petersburger Drahtung hatte diese Agitation bereits Erfolg. Die 12. Armee veröffentlicht einen Auftuf, der besagt: Unsere Delegierten sahen in Petersburg eine große Anzahl von Maschinengewehren, die unbenutzt umherstehen, sie sahen Zehntaufende von Soldaten, die spazieren gehen. Wir fordern energisch ihre sofortige Absendung als Verstärkung an die Front. Der Aufruf richtet sich besonders gegen die in Petersburg stehenden Bolschewiki- Regimemter. Die Regierungsagitatoren reizten außerdem die Soldaten zur Ermordung des Advokaten Sokolow auf, der den bekanriten Aufruf der Boffchewiki an die Armee zur Auflösung aller Ordnung abgefaßt hatte. An der Stelle, wo gegenwärtig Kämpfe stattfinden, soll die Haltung der Truppen sich wesentlich gebessert haben und besonders ein Vertrauensverhältnis zwischen Offizieren und Soldaten bestehen. Zahlreiche Offiziere wurden durch ihre Soldaten zur Auszeichnung mit dem Georgskreuz vorge- schlagen.
Keine Veröffentlichung der Geheimverträge.
Berlin, 10. Juli. Die „Boss. Ztg." meldet aus Amsterdam : Der russische Ministerpräsident Fürst Lwow äußerte sich dahin, die Veröffentlichung der Geheimverträtze der Alliierten werde nicht erfolgen. Die Verträge mit Rußland würden abgeändert, wodurch Rußlands Interesse an de: Veröffentlichung erlösche.
Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht,
W. T.-B. Wien, 11. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 11. Juli, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
In den Karpathen hält die regere Gefechtstätigkeit an. Südlich des Dnjestr wurden die Bewegungen der verbündeten Truppen ohne Störung durch den Gegner vollzogen. Sonst nichts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Jsonzo gewinnt das feindliche Geschützfeuer stellenweise an Stärke.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabs.
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Ein neutrales Urteil über die russische Offensive.
W- T.-B. Bern, 11. Ink. Das ,Berner Jntelligenzblmt" sngr, die russische Offensive flackere, nachdem ibr erster einziger großer Schlag, der Fromtuvchbruch bei Zloezow-Loinuchy-Brzezann, nichts erreicht hat, in unablässigem Abtasten den ganzen südlichen Teil der Ostfront binauf und hinab. Aus der ganzen Art der neuen russischen Offensive Brussilows spreche nichl mehr das Zick und die überlegte ruhige Kraft jenes Stürmers vom Sommer 1916 ans die Stockadlinie, srndeiu seine aufgepeitschte Nervosität, an deren Grund die znnehmcrde Cimndung und die Erschlaffung lauere.
Der liriegrzuftand mit Amerika.
Die Einreihung der Miliz in die amerikanische aktive Armee.
W. T.-B. Washington, 10. Juli. (Reuter.) Wilson erließ eine Proklamation, durch welche vom 5. August an die Nationalgarde des ganzen Landes in die amerikanische Armee eingereiht und zum aktiven Dienst aufgerufen wird.
Der Druck aus die Neutralen.
W. T.-B. Amsterdam, 11. Juli. (Drahtbericht.) „Daily News" melden aus Washington: Die amerikanische Regierung tourde von den Alliierten ersucht, alle Ausfuhrbewilligungen nach Schweden so lange zu verweigern, bis die jetzt schwebenden Verhandlungen mit dem Lande beendet sind. Im Kongreß ist eine Bewegung im Gange, um mit gewissen europäischem Staaten über ihre Teilnahme am Krieg an der Seite der Alliierten zu verhandÄm. ' * ' "
