Verlag Lauggaffe 21
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Mittwoch. 11. Juli 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 347. . 65. Jahrgang.
Die schwebenden Entscheidungen.
Die politische Serge noch ungeklärt
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
I* Berlin. 10. Juli. (Ei,. Meldung, zb.) Die. politische Lage hat auch in den Abendstunden noch keine Klärung erfahren. Ein zw etter Kronrat soll bevorstehen- Offenbar n artet man höheren Orts <ib, welche Beschlüsse die Reichs- tagSmebrheit fassen wird, denn die vier großen Parteien sind noch immer nicht zu einer gemeinschaftlichen Aktionssormei gelangt. Jnnerprlrtrsch stehen sie jetzt sämtlich auf dem Standpunkr weitgShend er Parlamentarisierung der Reichsr-egierung. In der Kriegszielfrage ist man seit Verwerfung der Resolution der Nationalliberalen Partei noch nicht zu dem Beschluß gekommen, ob man ^ nicht besser drese platonische Kundgebung überhaupt fallen lassen soll. Jedenfalls mußte die neue interfraktionelle B e r a t u n g, He auf 3^ Uhr heute nachmittag anberaumt war. wieder vertagt werden, da die Nationalliberalen noch einmal allein beraten wollten. Auch die Zentrumsfraktwn hat für die Abendstunden eine Sitzung anberaumt. Die morgige P lenarsitzung des Reichstags, ans deren Tages- mLnr-ng bereits die Arbeit des H-ruptausschuffes angesetzt ist. wird wclirscheinlich nur sehr kurz und wrmell sein. Nener- drngs versuchen die Konservativen einen Schachzug. Sie wollen gegen die Vertagung der zweiten Lesung der Ib-Milliarden-Kreditvorlage protestieren, weil diese d>e Lar-desverteidigung betreffende dringliche Angelegenheit nicht von rrmerpolitischen Fragen aufgebalten werden dürfe. Ans der „Kreuzztg." erfährt man die Beweggründe. Es heißt da: Ob die Sozialdemokratie ihre Zustimmung zu den Kriegs- krediten von einer Einigung unter den Parteien und mit der Regierung über diese Pläne abhängig macht, wissen wir nicht. Sr ungeheuerlich der Gedanke ist. scheint er uns doch nicht außer dem Bereich der Möglichkeit za liegen. — Es hieß heute, daß Graf Westarp einen Versuch machen wird, vorzeitig die sozialdemokratisch: Mehrheit aus ihrer Reserve herarszutr eiben, um die Mehrheit bloßzustellen.
Die bevorstehende Proklamation des Kaisers
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin 10. Juli. (Eig. Meldung, zb.) In der Proklamation des Kaisers, deren Kommen wir bereits meldeten, soll als Ergebnis des ersten Kronrats, dem ein zweiter heute abend folgen soll, eine dreifache Ankündigung enthalten sein: 1. über da? preußische Wahlrecht; 2. über einen Wechsel im preußischen Ministerium und 3. über eene teilweise Parlamentarisierung der Rerchsrcprorung. Da an» gestrigen Kronrat Uirterstaats- sekretär M i ch e l i s und General Grcner teilnahmen, werden ihre Namen mit den neuen ministeriellen Kombinotionen in Verbindung gebracht. Falls Herr b. Bechmann Hcllweg bleibt, wild der heutige Staatssekretär des Kolonialamts Sols Staatssekretär des Inner:» werden. Eine uns noch recht Unglaublich erscheinende Meldung. Ferner heißt es. daß der vor einigen Tagen nach Christrania als Gesandter übergesiedelte Admiral v. Hintze für diesen Posten bestimmt sein feil. Mit größerer Genauigkeit wird gesagt, daß Ge- bermrat Rieß er als preußischer Handelsmrnister ausersehen »ft.
Wieder ein mehrstündiger Vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser.
W. T.-B. Berlin. 10. Juli. (Drahtbericht.) Der Kaiser empfing heute vormittag den Reichskanzler zu einem mehr- sLindtgen Vortrag.
Graf Lerchenseld beim Kaiser.
W. T.-B'. München, 10. Juli. (Drahtbericht.) Die Korresipandenz Hosfmann meldet: Es bestätigt sich, daß der bayerische Gesandte in Berlin Graf Lerchenfeld am letzten Sonntag vom Kaiser -empfangen und hierbei die gesamte politische und militärische Lage eingehend erörtert worden ist. j .
Eine fälschlich dem Kanzler zugeschriebene Äutzernng.
(,Von unserer Berliner Abteilung.)
' I*. Berlin, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die offiziöse „Rordd. Allg. Ztg." nimmt heute ab«lb Stellung zu der Krisis und schreibt an erster Stelle unter der Überschrift «Politischer Tagesbericht": Dem Vorgehen des ...Berl. Lok.- Anz." entsprechend, verbreiteten heute auch die «Berl. N. N." die Angabe, der Reichskanzler habe gestern im Hauptausschuß sein Verbleiben im-Ami aus vaterländischem Interesse für notw-endig erklärt. Wir stellen fest, daß diese Angabe eine reine Erfindung ist.
Die Vertagung des Reichstagshauptausschusses.
W. T.-B. Berlin. 10. Juli. (Drahtbericht. Ergänzende Machricht.) ‘ Der Hauptausschuß des Reichstags trat heute zur Fortsetzung der vertraulichen Aussprache zusammen. Ja Beginn der Sitzung fragte ein sozialdemokratischer Abgeordneter den Kanzler nach dem Ergebnis des gestci- ßfflt Kronrats. Der Ka nzle r erwiderte, er habe heute vrorgen Mitteilung«! in der Presse geles«l, die der. Phantasie k« Verkäster-- alle Ehre machten. Der Kronrat habe statt-
gesunden. über die Ergebnisse könne er aber zur Stunde noch nichts mitteilen und er müsse bitten, noch weiter Geduld zu haben. .
Ern nationalliberaler Redner bezeichnete die Meldung, seine Fraktion hätte den Reichskanzler Dr. v. Deth- mann .Hollweg ein Mißtrauensvotum ausgestellt, für fa lsch.
Hierauf beanivogte ein' sozialdemokratischer Redner, die Beratungen abzubrechen, da sie nach der Antwort des Kanzlers keinen Sinn hätten. Der Antrag wurde angenommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen.
*
Eine Wnrnnng des früheren Botschafters Gerard.
In der Liverpool«: „Daily Post" wird aus amerikanischer Quelle folgende Äußerung des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin Gerard mitgeterlt« «Zwei Hoffnungen müssen sich die Engländer in ihren Vorstellungen über Deutschland völlig aus dem Kopf schlagen. Nämlich die. daß Deutschland j«nals ausgehungert werden könnte, und die. daß die deutschen inneren Angelegenheiten wirtschaftlicher und politischer Natur jemals einen derartigen Zustand erreichen könnten, daß Deutschland der inneren Lage nicht Herr bliebe. Irgend welche englischen Hoffnung«», die auf das Ernährunyssystem oder auf politische Umstände sich gründeil. führen zu erner absolut sicheren Enttäuschung.'
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 10. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 10. Juli, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Bei der
Heerrsfront des Generalobersten Erzherzog Joseph
regere Erkundung?- und Artillerietätigkeit.
Bei Stanislau entbrannten gestern erneut heiße Kämpfe.
Die verbündeten 'Truppen schlugen mehrere Angriffe ab, wurden jedoch abends vor dem z umhin enden Druck der feindlichen Muffen hinter den unteren Luk o- wica-Bach zurückgeführt., Der Gegner drang die Nacht über nicht nach.
Nahe dem D n jest r verhielten sich die Russen ziemlich, ruhig. Unsere Sturmtrupps arbeit«en mit Erfolg. Zwischen der galizischen Grenze und der Osffee lebte vielfach das Geschützfeuer auf.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabs.
» ,
Der deutsche Abendbericht vom 10. Juli.
W. T.-B. Berlin, 10. Juli, abend?. (Amtlich. Draht- bericht.) Im Westen und Osten keine besonderen Ereignisse.
Der Uriegrzustand mit Amerika.
Die Regieruusskontrolle über die amerikanische Ausfuhr.
W. T.-B. Washington, 10. Juli. (Drahtbericht. Reuter.) Es ist angeordnet wurden, die Regierungskontrolle über die amerikanische Ausfuhr am 15. Juli in Wirksamkeit zu setzen, und zwar zusammen mit der abends anskegebenen Erklärung Wilsons, die verlangt, daß die Verschiffungen der wichtigsten Ausfuhrgcgenstände besonderer Bewilligung bedürfen sollen. In de: Erklärung, die die Proklamation begleitet, sagt der Präsident, daß die Politik der Negierung zunächst die amerikanischen Bedürfniisc in Betracht ziehen müsse, dann sov-en als möglich die Bwürfmste der Alliierten und schlieflich die Befforgnng der Neutralen, soweit Tic sich durchführen lasten. Cs wird klar igemachk, daß alle Anürmgungen gemacht werden sollen, zu verhindern, daß Waren zu den Zentral machten xclangen. Die unter Aufsicht gestellten Waren sind Kohlen, Koks Bremföl, Petroleum, Gasolin, ein- schließlich des füc Bunker verwendeten, von NahrungsmNtcln Korn, Mehl, Butter, Fleisch, Fett, ferner Roheistn, Stahlbarren, Platten, Bauteile für Schiffe, Alteisen, Altstahl, Manganeiien, Dimgemirt-l, Waffen, MuniticnSsprengstoffe Der E i n s ch l u ß der Rah- rungsmittel läßt die Erklärung wahrscheinlich rrschrinen, daß die Regierung prüft, cb es ratsam ist, ein vollständiges Ausfuhrverbot von zwei Monaten auf jede Verschiffung von Nahrungs- Mitteln zu legen, um den Umfang Amerikas an Vorrät tn festznstcllen und den Alliierten und Neutralen Gelegenheit zu geben, ein vollständiges Programm ilwes Bedarfs vorzulegen. Die Erklärung des Präsidenten fährt nach Zitierung des Gesetzes fort, daß die Regie, rung ermächtigt fei, nach der -vorgenannten Liste de: unter Aufsicht gkstellten Waren vcizugchen, baß die Bestimmungen oom 15. Juli für jedes Land der Welt und die von ihm abhängigen Feile Gültigkeit haben sollen, die dann cinzlln von Abessinien dis Venezuela aufgrzählt werden. Weiter heißt eS: Di-: Regierung hat zunächst und honvffächlich im Auge, die Bedingungen des Lcbe-nsnsittelmarttcs. wie sie sich im eigenen Lande gebildet oder wahrscheinlich bilden werden, bevor die neue Ernte emgebricht ist, zu bessern. Nicht nur die Bewahrung unserer wichtigsten Nahrungsmittel und Futter Vorräte ist eine Ang:lege»cheit, die für unser Volk hochwichtig ist, sondern die Haltung eines angemessenen Vorrats von Rohstoffen ist für die Ausführung unseres Programms der milii/- tischen Rüstung und Warwebauten. für die Fortführung unserer
notwendigen einheimischen Lebens unerläßlich. ES «rüsten daher alle unsere notwendigen Vorräte st.chergestellt werden. ES ist offrnbare Pflicht der Beieinixten Staaten, bei der Freigabe uBfetct Erzeugung über den eigenen Bedarf hinaus zunächst die fehlenden Bedünfnisir oller Nationen zu berücksichtigen, die am Kriege gegen die Zentral- möchte teilnehmen War die Neutralen anbetrifst, müiswr wir indesten auch nufere Pflicht erkennen. Die Regierung wünscht ste nicht zu behindern sondern ivünscht im Gegenteil sie mit allen gerechten und billiger. Mitteln in ihrer schlvieriqen Ausgabe zu untere stützen und von unserem libtifiuß ihre Vorräte zu ergänzen und dem dringenden Mangel abzuhelfen. Wenn die Regirru-rg die Fehlbe. träge an Leben-Mitteln in Betracht zieht und deni drückeirden Mangel abhilft, so erfüllt sie nur ihre klare Pflicht, wenn ste sich besten versichert, daß die Neutralen mit ihren Vorräten sparsam umgehen, so daß unsere Waren weder dnekt, noch indirekt dazu dienen, den Feind zu versorgen.
Oer Tauchbootkrieg.
Vermißte und versenkte Schiffe.
W. T.-B. Rotterdam, 10. Juli (Drahtbericht.) Nach dem «Maasbode" werden folgende Schiffe vermißt: „Prrn- zest:ii", am 22. März von Holl nach Guersneh aögereist; . Malter Ullrich", am 22. März von Falmonth nach Caen ab» gereist; der amerikanisch? Schoner, „Ghvsnmempreß", am l7. 2>ka: von der Mannschaf: aus dem Meere Verlusten;
„Mobrouka", am 20. Mai bei Talousa gestrandet; „Stal- Heim". an» 1. Juli gesunken, die Bemannung in Lervick gelandet. Folgende Sadiffe sind gesunken: «Lord Roberts" (1166 Br.-R.-T.). «Sruth Wales" 13668 Br.-R.-T.), „Oest- rian" (8012 Br.-R.-T.), „Rupecra" (4232 Br.-R.-T.), „Bic- doswald" (4013 Br.-R.-T.), „Tonghonz" (2181 Br.-R.-T-). „Asiffla" (2848 Br.-R.-T.), «Orleans' (2853 Br.-R.-T.). „Craonne' (4264 Br.-R.-T.), „Diajasse", „Lizzie Ellen" (114 Br.-R.-T.) und ,Gauntlei" (58 Br.-R.-T.).
«
Das Schicksal des schwedischen Dampfers „Aspen".
\V. T.-B. Stoäholni, 10. Juli. (Drahtbericht.) Unter ten bisher eingelausenen 21 schwedisckcn Dampfcrn nsit rund 30 '»> Tonnen Raumgehalt, die das deutsche Juli'-Freigeleit benutzten, ist auch der Dampfer ,.Alpen" eingetrrfsrn, der bekanntlich an- 19. Mai gleichzeitig mit den Schiffen „Wcsterland" und „Drikm" torpediert wurde, weil die Engländer die Erlaubnis zum Ausfahren erst eimge Tags nach dem 1. Mar, dem Endtermin des deutscherseits bewilligten ersten Freigelcits, nach der Veröffentlichung d»I uneingeschränkten U-Bootskrrcges erteilt hatten. Er wurde dann bekanntlich von einer englischen Prisenmannschaft nach einem englischen Hasen gebracht und a u s g e p l ü n d c r t. Die Schändlichkeit des Verfahrens kann durch keine Entschuldigung oder Ent- fchädigung wieder al-c:cnälzt werden. Es stellt sich j:tzt heraus, drß der Dampfer «Aspen" statt geblieben ist.
Oer Krieg gegen England.
Lloyd Geonge über die deutschen Luftangriffe
Nr. Rotterdam, 10. Juli. (Erg. Drahtbericht. zb.) Lloyo Ge«ge erklärte rm Unterhaus, daß es unmöglich sei, die Luftangriffe vollständig zu verhindern. Alles, was man hm könne, fei, an der Front unaufhörlich gegen die Flugstationen der Feinde vorzugehen. Er sei überzeugt, daß das Volk noch kurze Zeit der Gefahr standbalten werde, bis die Cl-ßländec eine derartige Vorherrschaft in der Luft errungen hätten, daß die. Deutscl-en es für klug halten würden, ihre Angriffe nichr zu iricderholen. — Bonar Law sagte, daß die Sachverständigen die englischen Flugzeuge für ebenso gut halten, wie die deuffchen.
Die englische Buumwollkrife.
W. T.-B'. Bern, 10. Juli. (Drahtbericht.) Infolge der Baurmwollkrise stehen d«n «Manchester Guardian" zufolge 20 bis 25 Spinnbänle von Lanoashlre still. Das Geschäft liegt ganz darnieder. -Die zur Ergreifung geeigneter Maßnahmen eingesetzte Barrmwollkontrollkam-mer sandte Forrmr- lare zur Ermittln-ng der Rohbaumwollbcstände in die einzelnen Spinnereien sowie de? Verbrauchs. Wie pessimistisch die Lage bewrteilt wird, ergibt die- Taffache, daß einige Spinnereien, ohne das Ergebnis der Ermittlung ab- zuwartem, bereits die Betriebe gänzlich eingestellt haben.
Rutzland.
Eine Eharakterisierung der russischen Offensive.
8. Stockholm. 10. Juli, (zb.) Die russische sozialdemokratische Zeitung „Rutzkoje -Wollja" charakterisiert die russische Offensive folgendermaßen: Die vom Kriegsmrni'ster ao- bofo'hlene Offensive muß unter den gegmowärtigen Verhältnissen in Rußland als ein schreiendes Verbrechen angesehen werden. Die interimistische Regierung hält zynisch an der» Aimexicmsplänen. fest und bringt, damit das arme Land an den Abg ru-n d. Diese Offensive, die in- einem Augenblick ilnternoni-mcii wird, wo Rußlaird von einer un-- fähigen' R c g i e r u n g geleitet wird, die den- Frieden weder geben-will noch kann, bedeutet einen Hieb g-egem die R : v o l n t i o n. Sic ist nur eine Stärkung der Armee der deuffchen Penerale mrd Entkräftung der Armeen Lreb- knechts und Friedrich Adlers. Die gegenwärtige- QffsuH«
