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achmiktng
Montag. 9 . ZuN 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 344. . 63. Jahrgang.
Oie ttrisis.
Sie ist da, nämlich die i n n e r c Krisis. Ja, sie bestand als chronische schon längere Zeit. Vor der großen Öffentlichkeit wurde das erst jetzt klar, als sie akut wurde. Es hat auch keinen Zweck, das Bestehen der Krisis zu leugnen, und wenn in einer offiziösen Beschwichtigungsnote verkündet wird, daß die durch die Presse gehenden Mitteilungen über die Verhandlungen im Hauptausschuß in maßgebenden Punkten unrichtig sind und auf willkürlicher Kombination beruhen, io heißt das doch einmal ein bißchen viel dementieren, und zweitens würde damit nur bewiesen werden, daß man angesichts der Vertraulichkeit der Ausschußvcr- handlungen über die Einzelheiten der Krisis im Zweifel sein kann. An der Tatsache der Knsis "clbst ändert das natürlich nich.s, und ihr Vorhandensein wird ja schon durch die Vorträge des Rei chskanzfters, Hindenburgs und Ludendorsfs beim K a i s er erwiesen, woraus zugleich erhellt, daß sich die .Krisis nicht bloß auf die innere, sondern auch zugleich auf die äußere Politik bezieht.
Im übrigen: „Das Moralische verficht sich von selbst." Daß nicht alle von einzelnen Berliner Blättern in die Welt gesetzten Sensationsmeldungen als bare Münze zu nchmen sind, liegt auf der Hand. So ist es lchiglich Kombination, wenn die Ersetzung des preußi- scheu Kultusministers v. Trott zu Solz durch den Wirkl. Geh. Rat v. Harnack und des Handels- Ministers S y d o w durch den Abgeordneten S t r e s e- mann als Tatsache verkündet imd sogar bereits die Ersatzmänner für den Reichskanzler in der Person des Grafen R o e d e r n oder des Griffen H e r t l i n g oder des Surften Bülow oder irgend eines Generals auf- getischt werden. In gut unterrichteten parlamen- tarischen Kreisen glaubt man im Gegenteil nicht an den Rücktritt des Herrn v. Bethmann Hollweg, wenn man es auch nicht für ausgeschlossen hält, daß — mag das auch nicht im Augenblick vor sich gehen — der eine oder der andere Posten in den Staatssekretariaten oder im preußischen Ministerium für den einen oder anderen Parlamentarier freigemacht wird, womit sich ja dann ganz von selbst die Ansätze zu dem vielfach geforderten „Koalitionsministerium" ergeben würden.
Die Schwierigkeit der gegenwärtigen Krisis liegt, wie schon betont, darin, daß sie sich gleichzeitig auf die i n n e r e wie auf die äußere Politik erstreckt, und es zeigt sich hierbei immer mehr, daß der Versuch des leitenden Staatsmannes, den ein bekannter Parlamentarier gestern in den Wandelgängen des Reichstags nicht bloß dank seiner sächsischen Aussprache als leidenden Staatsmann bezeichnere, es nach Mög- lichkeit allen Parteien von der Rechten bis zur Linken recht'zu machen, auf die Dauer nicht durchführbar ist. Das ist erneut durch die scharfen Zusammenstöße klar geworden, die sich im Hauptausschuß zwischen den Wortführern des Zentrums und der Konservativen abspielten. Die auf dem Boden der Neuorientierung stehenden Parteien beabsichtigen, einer die allgemeine Lage betreffenden Entschließung einen Zusatz anzufügen, der nicht nur eine schnellere Durchführung dieser Neuordnung fordert, sondern auch der Volksvertretung hierbei einen größeren Einfluß sichern will, und hierbei hat sich die konservative Partei ganz entschieden mrtzumachen geweigert.
Noch tief- und vor allem weitgehender sind die Gegensätze in bezug auf die äußere Politik, wobei vor allem die Formulierung des Friedenspro-. g r a m m s in Betracht kommt, und es ist kennzeichnend, daß an den interfraktionellen Beratungen, die gestern abend stattfcmden, auf der einen Seite die k o n s erbat i v e Partei und auf der anderen natürlich die «Unabhängige Sozialdemokratie" nicht teilnahmen. Im übrigen - liegen die Dinge nicht so, wie das etliche Zeitungen darstellen, als ob es sich um die Frage „Annerionsfriedm oder Verzichtfrieden" handle, wie überhaupt die Formel „Friede ohne Annexionen und Entschädigungen" den Tatbestand wehr oder minder absichtlich verdunkelt. Bei den Beratungen innerhalb und zwischen den Parteien ist mit Recht zwischen Annexionen einerseits und Entschädigungen andererseits unterschieden worden.
Bei den zurzeit noch stattfindenden Verhandlungen, die noch im Gange sind, dreht es sich darum, für den rm Hmrptausschuß angeregten Gedanken eine Formel zu finden, in der zum Ausdruck gebracht werden soll, daß das deutsche Volk bis zum äußersten entschlossen ist, jeder Beraubung und Demütigung entgegenzutreten, wie es seinerseits nicht an Eroberungen und an Demütigung seiner Feinde denkt, sondern lediglich einen Frieden anstrebt, der ihm seinen Besitzstand ' und die Entfaltung seiner w i r t s ch a f t l i ch en Kräfte verbürgt. Die Fassung dieses Beschluss^ WLt deshalb aut Schwierigkeiten, weit ein TeL der
Parteien auf dem, wie wir meinen, berech - tigten Standpunkt steht, daß die Sicherung unserer wirtschaftlichen Zukunft eine weitgehende Entschädigung für die Opfer dieses uns aufgezwungenen Krieges ein» schließt. Trotz aller Schwierigkeiten besteht die Hoffnung, daß die Grundlage ftic eine solche Einigung gefunden und so die schnelle Beendigung der gefährlichen Krisis ermöglicht werden wird.
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Der heutige Stand der Dinge.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
. h. Berlin, 9. Jul!. (<§,g Drabibeaicht zb.) Ter gestrig: Sonntag war ausgefüllt rr.it kr chprliiischeu VeibondlungM in drei verschiedenen Lagern Be m K a ' > e r nn Bellevue erschien der Kanzler erneut ?rw Virtrch; Hindenlurg und Ludendorff, die bereits cir. Samstag nach dem Haupiguart'ar zmmckkebrien scheinen nicht, wie es Kcnfervatrve tnt> Alldeut- che wünschen, berufen zu sein, zur persönlichen Lösung der Krise beizutragen. Der Kaiser wird keinen Kanzler- Wechsel aus Drängen von Parteien' vrrnelnnen Der Sin- flutz des Reichstags ans die kaiserlichen Entschlüsse darf nicht überschätzt werden, so sagt man in Reg-erungskreisrn. Hinz r- kcmant, daß in den M-elnkeiitrarieien nicht der Wunsch besteht, Herrn v. Berhmann H-llneg zn verdrängen, vorausgesetzt allerdings, daß er zu größerer politischer Klariert beiträgt. Der Kaiser empfing außer dem Kcnzler auch den b iberischen Gesandten v. Lerchenselc, was zu Gerüchten Anlaß gab, weil Graf Herkling unter den Kandchaten für die Nachfolgerschaft BethmannS genannt rvrrooe. Auch der Empfang mehrerer Parteiparlumentarier durch den Kaiser wurde gemeldet DaS Gvrächt, das umlief, eine Abrrdnung, bestehend aus Dr. Sp-chn, v. Payer, Prinz Cchönaich-Carolalh und Scheidcmann, seien im Bellevue erschienen. entbehrt der Grundlage, ebenso d-e verfrühte Behanxtvntz, es wären ihnen Mnisterportefeu:lles angebeien Norden. Eine Nachrichtenstelle glaubt übrignrs m-ekren zu können, daß H'ndenburg und Ludendorff noch cm Samsiag eine Äiizeckl von Slbgeord- neten gesprochen dätt.m, am sich ein Bild Uh den im Reichstag herrschenden Anschi ränge» der verschiedenen Parteien z.i machen.
Jru gweitea Lrger, dem Rcichskauzlerpalads. wurden im Laufe des Nachmüiog? mehrere Pa'iamentcr-er und Parteiführer enip fangen, sc der Vorsitzende des Hauptau-sschuffeS Dr. Cu ahn. Über di« Verhandlungen dort ist wenig bekannt gen ort en. Sie drehten sich um die Formel der Kriegsziele, weniger um die innere Neuordnung.
Im dritten Lager, !m Ne!chstag, waren die interfraktionellen Beratungen am gestrigen Tage sehr langwierig und zu einem endgültigen Ergebnis kam e§ nicht; ebenso kam man innerhalb der gvrveunt beratenden Mehr- heitsparteien nicht überall zu klaren Beschlüssen. Am leichtesten verständigten sich Zentrum, Nationalliberale und Fortschrittler über die Formel für eine Kriegssielerklärung, wobei man sich auf d?u Standpunkt »am 4 August wl4 stellte. Das heißt: Deutschland, das eiren Verteidig'.!ngs- und keinen Eroberungskrieg fuhrt, wünscht einen für alle Völker «rträg- lick-en, die Dauer verbürgciiiden Frieden. Hier ist eine Einigung mit dem Kanzler tuvckauS wahrscheinlich, ja gewiß schm wähnend einer der verschiedenen Besprechungen mst oon Parteisuhvern gefunden werden Ob diese Formel freilich orn geringsten Eindruck auf des feindliche Ausland machen wird, da sie kaum et te a S Sie u e s entfalt, ist die Frage. Jedm- fallS scheint dar:n die Erzkergersche Annäherung an tue sozi rl- demokratische Forderung em.cS annexiors- und eut- schädigungSlosen Fwdens nicht sc spürbar, daß mau von einer Überraschung drinne i und draußen reden könne. 'Ol>endrein heißt es, daß das Zentrum sich lei seiner internen Aussprache kir aus eme gennge Minderheit vollkommen zu d-n Ansichion des Abg. Erzbenger bekannte Die Fortschrittliche BolkSpartei beriet gestern bi? in dit Akendstundeu in streng vertraulicher Sitzung, und zwar vor allem über ibre inner- pMtischen Wünsche. Zentrrui und Sozialdemokraten hatten schon ihren Vertreter» für die interfraktionellen Beratungen Vollmachten gegeben, nicht so die liberalen Parteien. Diese möchten anscheinend verhüten, durch zu weitgehende Forderungen in der »nneren Politik, z. B. parlamentarische Beteiligung an der Regierung, wie Erzberger si: verlamfte, und Koalitionsministe'ium, die Stellung von Betli- mann Holl,reg? zu erschüttern. Di« interirakuonelle Einigung wird wahrscheinlich ^ heur» nicht ganz gelingen, so daß die Krise fortxeuert. Der einz-ge positive Gewinn ist bisher, daß die Mehrhowspirieien zum Entschluß gekommen sind, ein Programm aufziÄ-llen das ihre gemeinsame Arbeit ermöglicht.
Ereignisse von geschichtlicher Bedeutung?
41 = Köln, 9. Juli. <;l ) Tie .Köln. Volksztg." schreibt: Die diesmalige Trgrnz des Reichstags wird nach den Ausspruch m im Hauptausschuß i'nd » den Fraknonen virllriht den Anlaß zu Eccrgiii'se m historischer Bedeutung geben. WrS drrt -."'prochen, gepl-uit und be- schlossrn ward;w ist, sind A '.sstr.ü'lui.gen von Entwicklungen, der?» Ende nicht ab-ustleu ik u-eim nickt rechtzeitig mit srarkw H.nd in die Ereignisse emgkgr:?scn. dem Volke längst c sw art etu: z, gLW-chtr «^ ap^ ,M.aL« rotk
Zielbewußts-in und md't Geschick als bisher die Möz. lichkeiten baldigen Friedensschlusses ausgenrchl werden.
HindenHurg und Ludendorff wieder «n Hauptquartier.
Vp'. T.-B. Berlin, 8. Juli. (Amtlich ) Generrlfeldmarschall v. Hin de» bürg und der erst? General quartiermeister. General der Infanterie Ludendorff, sind nach Sr- , ledrgunq ihres militärischen Vortrages bei Seiner Majestät am Samstagabend ins Große Hauptqu.rrfter zu- ' rückgekchrt.
Die Vorträge Hindenburgs und Ludendorffs ' beim Kaiser.
Nr. Berlin, 4. I cki. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die gestrigen Vorträge Hindenburgs und Ludendorffs beim Kaiser betraten, wie mitgeteilt wird, die militärische Seite der Fragen, die im' Hr-rptaisschuß angeschnitten worden und. 'Nach den Vorträgen der beiden Fübrer unteres Heeres ist ei« völlige Klärung herbeigesührt worden, so daß toniext Vorträge vorlaui-g nicht in AuSiicht aenammem find. I» Gegensatz dazu ist die p,Milche Seite aller Frag«« noch nicht gekläri.
Die Parlamentarier beim Kanzler.
— Berlin, 9. Juli, (zbs Ter Neichskanzler hat nach, der ..Boss. Zig." gestern nachwlittag einige führende Abge-- ordnete und am spätn, Abend den Bcrsttzenden des HauS- baltsausschufses Spohn br. ntfc gewl'en. Am späte» «den», habe das preußische Staatsmini-ste-r-inm etne Sitzung abgehalten.
Erzberger bei Kaiser Karl.
' Wien, 9. .Juli, (zb.) Du Abgeordnete E rzb-er^.c, weilte vor einigen Tagen in Wien und wurde, aste tmSecitt, von Kaiser Karl in Audienz empfangen.
Oer Tauchbootkrkeg.
Wiederum 25 OVO Tonnen!
w. T.-B. Berlin, 8. Juli. (Amtlich.s Durch dir TMg- keit unserer Unterseelwitte wurden im Sperrgebiet mn Eng. land wiederum 25 00Ü Briittoregistertvnnrn versenkt. Unter den versenkten Schissen lesenden sich sechs Dampfer, dift in Geleitziiffe» fuhren. Bier von ihnen wnrde« a»S ei« und demftlben Geleitzm, hrr»«sgeschosseu. Ferner w«r- den versenkt die englischer Sezier „Ganntleh" und .Lizzie Ellen". Der Chef des Admiralstabrs der Marine»
Der neue ziiegerangrlff auf dir Kestung London.
W. T.-B- Berlin, 8 Juli. Dir befestigt- Stadt L»M«» wuide am 7. Juli erneut von deutschen Flugzeugen m8 Bomben belegt. Ter Augrift gegen den Hanptquell der englischen Kriegsstärke erfolgte wiederum am hellen Tage. Ein Geschwader unserer Großflugzeuge unter Führung seines Kommandeurs, des Hauptmmo-S Kleine» stieß um 11 vhr vormittags «egen London vor. Der Augrist richtete sich in erster Linie gegen die am Ostnmde der Crttz gehäuften Magazine, die Rüstungsbetriebe und die London- und St.-Katberine-D - rf 8. Bei klarer Sicht belegte das Geschwader Speicher, Lagerhäuser, Bahnanlagen und die Docks auf dem Nordufer der Themse, zwischeu dem Bahnhof Chnringeroß und die Docke östlich T»wer-Brid«e i, einviertelstündigem Angriff mft geuau gezielten Bombe«. Die Eirschläge lagen gut, ihre Wir. kung zeigte sich in dichten Ranchwolkea und starken Explosionen. 1l. a wurde der Bahnhof Clmringrrotz mehrfach getroffen, die London-Bridge erhielt ehensttl« einen Volltreffer.
Ein Nebenangriff richtete sich zn gleiche,' Zeit gegen deq befestigte» Hafen N a r ate; auch hier wurde gute Wirkung erreichst. DaS Abwehrfeuer der englische» Artillerie seyte ein, als unsere Flugzeuge sich der Küste näherten. ES folgte dem Geschwader «abre'-d der ganzen Dauer seines Fluges über englischem Boden und steigerte sich über Lmckmr zu äußerster Heftigkeit. Feindliche Flugzeuge stiege» te großer Zahl bot, und warfen sich nuferen Flugzeuge« entgegen. Sie vermochten aber ebensowenig wie daS Nrtll- lerirseuer das Geschwader an der plangemäßen Durchssihrung seines Auftrages zn hindern. Ein feindliches Flugzeug wurde im Luftkamps abgeschrssen. Unsere Flugzeuge sind bis auf eines, das ohne feini-liche Einwirkung infolge Motorschadens auf See uiedergehen mutzte, sämtlich in ihre Heimat» Häsen znrückgekehrt.
Reuter über die Kühnheit der deutschen Flieger.
# Amsterdam, 9. Juli, (zb.) Londoner Privabberlch^ hllländischer Blätter find darin emig, daß sich der letzt, Lüste,griff auf Landcm dvrck, besondere Kühnheit anSzeichnete. Selbst Reuter gibt zn, d-rß die Flieger eine ' ungewöbnliche Kührheit an den Tag gelegt haben, indem sie ganz u i? d r i i flogen und zielbewnßt Bomben warfen. Nur die in der Mitte beimdlsteu Flugzeuge warten ichunbeu ob. umhreud Ke öak&aa «Ü Leckum iwtota,
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