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Sonntag, 8. 3uli 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 342. » 65. Jahrgang.
Gm bewegte Sitzung der Reichrtags- hauptaurschusies.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 7. Juli. (Eig. Dorhi-bericht. zb.) Im Hcrupt- ' ausschuh ^des Re ich Args hat seit Kriegsbsgtnn keine von größerer Spannung umgebene und bewegtere Sitzung strtt- gesunden wie heute. Das Geheimnis, das sie umgab, verstärkte nur noch dis Interesse. Die Trtsachen, d'e sich m.t- teilen lassen, sind, d-rß in der Reihenfolge sprachen: der Zentrums führer Dr. Sp rhn, der wohl im wesentlichen sagte, drs; «n Fraktionsbeschluß über die von dem Abgeordneten Erzberger abgegebene bede'itsrme Erklärung noch nicht stattge- funden habe, der Abgeordnete Erzberger, Krieqsmirritter von Stein. Dr. Helfferich, Staatssekretär v. Capelle, die Abgeordneten Gras Westarp, Sclseidemann, Gikhein, Schoemrich- Carolath und Stresemann. Nach dieser Reihe von Rednern, die sich zur Lage 4rtzerten, ergriff der Reichskanzler das Wort zu ungefÄhr halbstündigen Ausführungen. Nach chm sprach der Abgeordnete Dtttmann sunrbh. Sog.) und kurz nach 2 Uhr vertagte sich der Ausschuß aus Montag, 9 Uhr. Daß der Eindruck der Kanzlerrede der gewohnt gute war, von der rednerischen Seite beruteilt, ist nicht zu bezweifeln. Ebenso steht fest — und das wußte man schon, ehe der Kanzler das Wort ergriff —, daß die Reichsregierung nicht die Formel der Kriegsziele anzunehmen bereit ist die rhr von der sozialdemokratischen Abordnung (Stet,,s quo) gestern abend nahegelegt wurde. Dagegen siebt sie auf dem Baden der im Reichstag am 4. August 1914 abgegebener: Erklärung, daß Deutschland nur einen Verteidigungskrieg, also leinen Eroberungskrieg führt. Weiteres zu sagen, hatte der Kanzler auch früher adgelehnt. Es fragt sich, ob nrmmehr oie MehrhcitLparteien eine deutlichere Formulierung nicht doch sondern tverden. Dahingehende Bestrrtnmgen lind aus Parteien, oie sich bisher znrück- h-elten. zwe-fellos im Gai ge, und zwar in einer Richtung, der sick> Konservative nrd Alldeutsche wst-ersctzen. Noch hiven ' di« Fraktionen zu beraten, bis zu weichem Punkt sie für eine lolch.' wabrhnft dem Friesen nützliche Forniel gehen wollen. Selbstverständlich erklärte der Kanzler, daß wir die Mittel zum Durch halten haben und durchhalten werden *13 zu einem ehrenvollen Friesen.
In den Fragen der inneren Politik erwartet: man von Herrn v. Berhmann Hollweg kein Entgegenkommen, das i:e Stimmung härte heben können. Nach den Problemen, die der Aügeordnete Erzberger ausger.crfen hat, fai^e die Te- brtle kernen Anklang, der als Lösung der politischen Krise angeseben werden kann.
Aus parlamentarischen Kreisen wird dem »Berliner Tageblatt" geschrieben: Aus der Linken bis in die Reihen der
Notunalliberalen und des Zentrums hinein ist man der Ansicht, daß jetzt endlich Klarheit über die Frage „An n e x i o n s-' fr-eden oder VerständignngSfrieden" geschaffen ur,d daß unverzüglich die innerpolitische Neuordnung .ruf lreitester Grundlage eiktgeleitet werden müsse. Immer mehr sieht man ein, daß es dabei mcht ohne Koalitions- Ministerium geh- Selbst in siihrenden Reyierungs- kversen scheint man sich dieser Notwendigkeit nicht mehr völlig zu terschlietzen. Ob der Reichskanzler bleiben und an die Spitze eines solchen Reichsministeriums treten wird, ist eine ' andei. Frage.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt: In der Samstag,
sitzung des Hauptausschusses des Reichstags überraschte Herr Erzberger alle Dersrmmelten durch eine Rede über ' U-Boctskrieg. Kriegsziele und Friedensschluß, die von dem Ausschuß mit gutem Fug sofort fiir vertraulich erklärt wurde. Es genügt, zu sagen, drß Herrn Erzbergers Rede aus die Forderung eines neuen verstärkten Friedensangebots unter grundsätzlicher Verzichtleistung in beiderlei Gestalt hinaiis- geht. Niemand fand Worte und Gedanken, um Herrn Erz- bevger entsprechend zu antworten. Unter großer Aufregung beschloß man, sich zu vertagen, um den Fraktionen, auch der «>genen Fraktion Herrn Erzbergers, Gelegenheit zu geben, Stellung zu d'esem unvermuteten Vorstoß zu "thmen ilnd den Reichskanzler, der sich bisher nur höchst unzulänglich bei den Sitzungen des Huuptausschusses hatte ver- iseten lassen, um sein persönliches Erscheinen und um persön- siNe. klipp und Aare Stellungnahme zu dem von Herrn Gr:.;» ^slker aufs Tapet gebrachten Fragen zu ersuchen. In alleii ^ndelgängen rieten Abgeordnete und Zeit-mgsleute an dem herum: Erzberger oder Bethmann! D:tt- stchlich ist die Stunde kritisch geworden. Die Frage, di« in dieser Stunde Geltung und Recht hat, ist die nach unserem Krieg und Sieg. Herr Erzberger hat sie ß!> uE uni in seiner Weise beantwortet. Die Nation hat ein "echt zu erfahren, ob es die Weise auch Herrn v. Bethmanns g«Desx 7 ! sei. Glaubt die Regierung dem Sieg? Will sie ihn?
4-der n>,x glaubt und will sie sonst? Redet das Schicksal des Volkes durch einen Herrn Matthias Erzberger au? «weroch? Herr Helfferich hat sich in diesen Tagen laut zu ^ ükerzeuyung bekannt, daß uns der U-Bootskrieg ans Ziel ^iuyen wird. Und nun Herr Erzberger. redet er für ien ^unz-er? Dann wäre die Regierung von gestern auf heute AE umgefallen. Das Blatt schließt' Wollen wir uns ver- W»»tzen ^ssen von einem Erzbergerstrudel?
Das Organ der Konservativen, die „Kreuzztg.", schreibt: Es ist nur natürlich, daß das Gefühl, ein fester entschlossener Wille fehle an leitender Stelle und daß die Erfahrung, mit jedem Drängen und Fordern etwas erreichen zu können. schl!eßlich zu einem Kampf der Parteien um die Regierung sichren muß. So stehen wir denn vor einer Zuspitzung der Lage, in der sich der Reichskanzler anscheinend der Enffcheidung sür die eine oder andere Seite, die er bisher, zuletzt bei der konservativen Kriegszielinterpellation, immer so ängstlich vermieden hat, nicht mehr entziehe,- kann. Sieg oder Verzichtfrieden, das ist offenbar die große Frage des Augenblicks. Wir können nur erwidern, daß ein Bekenntnis der Reichsleitung zum Ver- zichtfrieden nach unserer Auffassung die Katastrophe bedeuten würde Wir vertrauen auf Seine Majestät den Kaiser, unseren obersten Kriegsherrn, und vertrauen auf den Manu, dem er die oberste Kriegsleitung übertragen hat. Nach seinem Wort werden wir die Nerven behalten und w e i t e r k ä m p f e n, bis sich die Gegner unserem Willen beugen, weiterkämpsen bis zum siegreichen glücklichen Frieden.
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Wichtige Besprechungen beim Reichskanzler.
I~ Belli», 7. Juli. (Gig Meldung, zb.) Im Rcichs- kanzlervalais haben gestern abend, wie wir hören, wichtige Bcsprechu'.^en des Kanzlers mit führenden Abgeordneten stattaefni'den. So hat der Vertreter der national- liberalen Partei vorgesprochen, und Abgeordneter von Payer hat Herrn v. Bethmann Hollweg im Namen der Fortschrittlichen Volkspartei deren Wünsch« vor getragen. Um 9 Uhr abends wurde eine aus sechs Mitgliedern besteheude Deputation der sozraldemolrati- schen Fraktion vom Kanzler empfangen. Die Deputation batte den Auftrag, den Kanzler darüber zu unterrichten, daß die st-sialdemokratische Fraktion von chm eine unzweideutige Erklärung darüber verlangt, daß die deutsche Regierung noch heute auf dem Boden der Erklärung vom 4. August 1914 steht, den Krieg als einen Verteidigungskrieg führt und daß sie jederzeit bereit sei, auf der Grundlage des Status quo allgemeine Friedensverhandlungen einzuleiten. Des weiteren verlangten die Sozialdemokraten Einführung des parlamentarischen Systems und st fertige Ernennung von führenden Abgeordneten von allen Parteien zu Ministern und Staatssekretären, werter die sofortige Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen.
Der Kaiser beim Reichskanzler.
W. T-B. Berlin, 7. Juli. (Amtlich. Drahtb nicht.) Der Kaiser hat sich nach seinem Eintreffen vom Bahnhof zum RtichZ. kanzler begeben und dessen Vortrag entgezenzenommen.
Hindenburg und Ludendorff znm Bortrag beim Kaiser in Berlin.
W. T.-B. Berlin, 7. Juli. (Amtlich.) Generalfeldmarschall v. Hindenburg und General der Jnfantecie Ludendorsf stnd zrm militärischen Vortrag bei Seiner Majestät dem Kaiser in Berlin eingetroffen.
Aeutzcrst blutige Niederlage der Russen
Oer Tagesbericht vom 7. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Juli.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Gute BeobachtungSmöglichkcit steigerte gestern den Ar- tilleriekampf in einigen Abschnitten der flandrischen und
ArtoiS-Front ;u erheblicher Stärke.
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Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Das durchweg lebhafte Feuer verdichtete sich besonders bei Ccrny, am Aisne-Marne-sKanal und in der westlichen Champagne.
Nach schlagartig einsetzrndcr Artivericwirknng griffen die Franzosen mit starken Kräften vom Corutllet bis zum Höchberg an. Südöstlich von Nancy wurde der Angriff durch Feuer und im Nahkampf durch Gardetruppen abgewiesen. Am H o ch b e r g wurde der Gegner, der in Teile des vorderen Grabens eingedrungen war, durch kraftvollen Gegenstoß hannoverscher R»gimenter vertrieben. Hier stießen die Franzosen erneut vor und brachen nochmals ein. Mederum wurden sie durch Gegenangriffe und in erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann völlig zurückgeworfen.
Erknndungsvorstöhr am Brimont und bei Cernay-ea- Dormois brachten uns eine große Zahl von Gefangenen ein.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Bei vielfach auflebendem Feuer keine größere Gefechts- Handlung.
Bei Tag und bei Nacht war die Fliegertätigkeit sehr rege. 8 feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon wurden abgeschsssen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Hecresfront des Generalfeldmarschalls Prinz LcopolL von Bayern.
Heeresgruppe des Generalobersten p. Bötzm-Ermolli.
Die Schlacht in Ostgalizien hat gestern zu einer äußerst blutigen Niederlage der Nüssen geführt.
Nach inchrstündigem starkem Zerstörungsfeucr setzte au» frühen Morgen der Russe einen Angriff zwischen Koniuchh . und Lowrykowce ein. Mit immer neuen ins Feuer geworfenen, tief gegliederten Truppen stürmten die russischen Divisionen gegen unsere Front. Bis zuio Mittag wiederholte der Feind seine Angriffe, die sämtlich unter den schwersten Verlusten zusammenbrachen. Auch die Verwendung von Panzerkraftwagen blieb für die Russen nutzlos, sie wurden zerschossen. Gegen die znrückllntenden Massen griffen unsere Jagdstaffeln aus der Luft ein. Bereit gestellte Kavallerie wurde durch Fernstuer zerstreut. Später griff der Feind in einem keine Opfer scheuenden neuen Sturm weiter nördlich bis zur Bahn Zlorzvw Tarnopol und zwischen Batkow und Zwizyn an. Auch hier kam er »eicht vorwärts, überall wurde er geworfen.
Bei Brzezany-Stanislau sowie an einrgrn Stell-» im Karpathen-Vorland sind gleichfalls starke russische Angriffe verlustreich gescheitert.
Erbeutete Befehle in französischer Sprache zeigen, von wem das russische Heer zum Angriff getrieben wurde, der ihm keinerlei Erfolg gebracht, dagegen blutigste Opfer gekostet hat.
Rheinische, badische, thüringische, sächsische und österreichisch-ungarische Truppen teilen sich in die Ehren deS Schlachttages.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph
In den Karpathen vielfach rege Ctefechtstäftgkeit. An mehreren Stellen wurden Vorstöße der Russen zurück- gewiesen.
Bei der
Heeresgruppe des Generalseldmarschakls v. Btackeuieo und an der
mazedonischen Front ist dir Lage unverä^rrt.
Der Erste Generaiquartirr-meister: Ludendorss. Der deutsche Kbendbericht vom 7. Juli.
W. T.-B. Berlin, 7. Juli, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Im W e st e n nichts Besonderes.
Auf dem Schlachtfelde in Galizien haben die schweren Verluste den Russen eine Kampfpause ausgezwuiigen. Bei StauiSlau sind kleinere Angriffe des Feindes gescheitert.
Ein feindlicher Fliegerangriff in Westfale»
W. T.-B. Münster, 7. Juli. (Drahtbericht.) In der Nacht haben l-iuige feindliche Luftfahrzeuge dem Industriegebiet einen Besuch abgesiattet. Im ganzen wurden acht Bomben a b g c w o r f e n, die einen Sachschaden von etwa 2090 M. angerichtct haben. Industriegebiete wurden nicht getroffen. Niemand ist verletzt.
Hfterreichisch-ungarischer Tagesberlcht.
IV. T.-B. Wien, 7. Juli. (Drahtbcricht) Amtlich verlautet vom 7. Juli, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
An mehrere» Stellen der Kerpathensront lcbte das feindlich« ArMeriefeuer gestern merklich auf. In der Gegend von Dorna» Watra, Kirli-Boba und im Ludowagebiet. daun beiderseits des Jablonitzabaches erreichte es zeitweilig größte Hesüg- leit. Unsere Arrillerie erwiderte niit kräftigem Zerstoruugrssuer von guter Wirkung. Bei Kirli-Baba räumte der Feind seine Deckungen gruppenweise. Erkundungsabteilur-geil des Gegners, die an mehreren Stellen vorzugche» versuchten, wurden abgewiesen. Bei S t a » i s l a u habe« die Rassen nach heftigster ArtMrrievorbereitmr, mehrere starke, aber erfolglos« Angriffe geführt. Den Hauptstoß hat das tapfer ausharrende ungarische HeereSiafanterie- Regiment Nr. 6ss abgeiricfen. Auch bei Hutta und S o I»t- w i n a find in den späten Nachmitiagsstuuden russisch« Angriffe gr- kchettert. Im Raume um Brzezauh kan- es gestern nur zu einem kurzen seirdlichen Borstoß, der abgewehrt wurde. Wie erfolgreich die Verteidigung der hier lämpfrnden deutschen und osma» Nischen Truppen und der tapfer mitwirkende» Honved-Regimenter Rr. 308, 309 und 3J0 in den Vortagen war, zeige» die anf etwa 13 vüü Mann geschätzten Feindesleiche» im Borkelde. In unbegründeter ttberfchätzuug ihres begrenzten Zusallerfolges vom 2. Juli hofften die Rossen, gestern die Evischridung südwestlich von Z b o r o w durch einen Massen st oß herbeizuföhre». ttnte, Heranziehung eines Gardekorps, weiterer neuer Kräfte und starker Artilleriemassen setzten die Russen in einer Froutbreite von ±6 Kilo- unter etwa 9 bis 10 Divisionen stellenweise 15 Wellen ttes zu wieder» hotten Angriffe» ein. An der heldenmütigen Halttmg deutscher Regimenter brachen alle »ach mehrstündigem Vorberrttnngssener vom frühen Morgen bis zum Mittag vorgetriebene« Massenstürme erfolglos und blntisg zusammen. Dem tapse«» Souborer-Jnsavtcrie-Rcgimcnt Nr. 23 und der vortrefflichen mit- wirkenden K. und K. Artillerie gebührt ein rühmlicher Anteil an dem großen Erfolg des gestrigen Tages. Mehrere Paazerkcaftwazea, die anzngreise» verfocht,«, wurde» zerschossen. In den Nachmittags» staube» wm di« Angrisiskrsst des Gegners derart gebrochen, daß.er,
