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Samstag. 7. Juli 1917. MlvvgeN-KUSgtlbe. Nr. 340. . 65. Jahrgang.
Zusammenbruch neuer russischer . Massenfturme.
ver deutsche Kbendbericht vom b. Juli.
W. T.-B. Berlin, 6. In» bends. (Amtlich. Drahtbericht.',
Sem Westen nichts Besonderes.
In O st g a l i z i e n ist die Schlacht heute neu entbrannt. Massenstürme der Rüsten find zwischen Z b o r o w und Koniuchy und bei Brzezany unter schwersten Verlusten sür den Feind zusammeugebrochrn.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 6. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vl.ni 6. Juli, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Südlich des Casinutales wurden bereitgestellte rurnän'sche Angriffstruppen durch unser Artu- lcriescucr Zerstreut.
Auf dem g -r l i g i f <fj e n Kampfabschnitt hat das feindliche Artilleriefeuer gestern nachmittag und heute früh wieder zngenemn en. Westlich Z b o r o w wurde heute ein Angriff a b g e m i e s e n.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besvvieien Ereignisse.
Der Chef des Generalstabs.
Das Königreich Polen.
Fortschritte im Königreich Polen.
W. T.-B. Warschau, 6. Juli. (Drahtbericht.) In der letzten Plenarsitzung des Staatsrats unter dem Vorsitz des Vizekronmarschalls wurden Beschlüsse gefaßt, welche für den Fortschritt der Bildung des polnischen Staates bedeutungsvoll sind. Der Entwurf des Unterausschusses, betreffend die Organisation der obersten polnischen Staatsbehörden, wurde angenommen. Kenntnis genommen wurde von der Erklärung der Kommissare der Besatzungsbehörden, betreffend die Überweisung einzelner Zweige der Staatsvcr- walti'ng an die pclnischen Behörden. Schließlich wurden in bejahenden! Sinne die Fragen erledigt, welche bisher die Bildung des polnischen Heeres hemmten.
Die Eidesformel der polnischen Soldaten.
\V. T.-B. Warschau, 6. Juli. (Drahtbericht.) Die E'desst-rnlek, tie für die polnischen Legionen festgesetzt werden Ist, lautet in3) dem „Kurjer Werszawski" folgendcrmoßen: „Ich schwöre bei dem allmächtigen Gott. daß ich meinem Vaterland Polen und meinem künftigen König zu Wasser und zu Lande und an jeglichem Ort treu »nd redlich dienen werde, daß ich im g e g e n io ä r i i z >: n Krieg der Waffenbrüderschaft mit den Heeren Diuiich- lauds und Österreich-Ungarns sowie diesem verbündeten Staaten Treue bewahren werre, daß ich meinen Borzesttzlen und Führern gehorche, dw mir gegebenen Befehle und Vorschriften erfülle und mich überhaupt so tcrbaltcn weide, daß ich als tapferer wir braver polnischer Srldat leien und sterben krnn. So helfe wir Gott!" — Die Bereit iaung der in Warschmt liegenden Abteilungen der Legionen soll am 9. Juli feierlich erfolgen, in der Provinz am 11. Juli. _
Rußland.
Die Besorgnis über einen Angriff aus Petersburg.
— Berlin, 6. Julr. (zb.) Über die Wirkung der russischen Offensive in Petersburg wird in der englischen Presse bereits gemeldet, die Volksmenge habe abwechselnd revolutionäre Lieder und religiöse Hymnen gesungen. Von dem Balkon der britischen Botschaft hätten Botschafter Buchcman und Minister Henderson Ansprachen gabalten. In Kronstadt erklärte ein Abgeordneter des Arbeiter- und Scldotenrats, das Schicksal des Krieges hänge im wesentlichen von Petersburg ab. Sei dieses verloren oder auch nur durch das Vorgehen der deutschen Truppen bedrcht, so käme der Krieg zu Ende. Amerikas Hilfe und eine Entlastungsoffenfive könnten dann nichts wehr cm Rußlands Aushalten im Kriege etwas ändern.
Die amerikanische Mission bei Brussilow.
— Bei liit, 6. Juli. (zo.) Die Führer der amerikanischen Mistion für Rußland sind im Großen Hauptquartier des Generals Brussilow angekommen.
Die Anklagen gegen die früheren russischen Minister.
8. Stockholm, 6 Juli. (Mg. Drahtbericht. zb.) Die Unter- Mchungzkommist.rn gegen die Männer de- alten Resimes schloß der »Rußkoie Slowo" zuwlge ihre Borarbesten mit folgendem dürftigen Ergebnis ab: Der siühere Ministerpräsident Stürmer wird nach 8 361 wegen eines falschen Rapports hinsichtlich der Einberufung der 8renidstämmigen zum Heere angellagt, General Ren » enkampf ^cgen Machtüberlchreitiing rnd Protopoposs, weil er au» °em Archiv de! Telexi aphenamts Rcwputtns Telegrammwechsel mit *** kaiserlichen Familie ausscheiden ließ.
Die Krisis in der russischen Industrie.
W. T.-B. Bern, 6. Juli. (Drahtbericht.) „Corriere dell.r Sera" meldet aus Petersburg' Der englische Botschafter überreichte dem Minister des Äußern einen Brief, in dem eine Reihe Direktoren greßcr Fabriken, an'denen englisches Kapital beteiligt ist, die böse Lage de» russischen Industrie schildern, die mit der Niederlegung der Arbeit rechnen niüssc. Die Industriellen verlangen schleunige Einführung eines Kontrollsystems und Regelung der Erzeugung, um Streitigkeiten zu verhindern.
Die Lage im Westen.
Die neue Entente-Kriegszielkonserenz.
— Berlin» 6. Juli, (zb.) Die neue Ententekonfercnz zur Besprechung der Kriegsziele wird, wie es neuerdings heißt, rächt in Petersburg, sondern in London stattfinden. Auch Amerika wird vertreten sein. Von russischer Sette werden ioahrscheinlich Kerensk: und Terestschenko kommen.
Eine schweizerischeStimme über Frankreichs uferlose Kriegspolitik.
Nr. Basel, 6. Juli, (zb.) Das „Berner Tagblatt" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit der elsässisch- lothringischen Frage und stellt dabei fest, daß Frankreich eine ungeheuerliche Politik treibe, die mit allen morali- schen Grundsätzen, aber auch mit der Politik des neuen Rußland im Widerspruch stehe. Frankreich wage nicht, eine Volksabstimmung zu fordern, da es wiste, daß das Land deutsch bieiben welle. Schließlich meint das Blatt: „Frankreich fehlt das- Recht in der elf äs fischen Frage. Es will sie also mit Gewalt lösen; aoer auch die Gew rlr, die Kraft, fehlt ibm. Das französische Volk unter diesen Um- stinden weiter zur Schlachtbank zu führen und auch die oer- bündeten Völker weiter zum Verbluten zu bringen, das ist eine Politik, die keine Sympathie mehr sinden kann, der Unterstützung nur zu teil werden kann von Regierungen, die uni ähnlicher Ziele willen kämpfen, nicht aber von freien Völkern Der Neutrale auf jeden Fall wird sich von dieser uferlosen Kriegspolitik entsetzt abwenden. Für ihn kommt nur ein Inter esse und ein Wille in Betracht: der de? elsaß-lothringischen Volkes. Dieser Wille ist aber klar und deutlich nun er wieder, ausgesprochen worden: bundesstaatliche Selbständigkeit im Rahmen des deutschen Volkes."
Die ersten Amerikaner an der Front.
W. T.-B. Paris, 6. Juli. (Drahtbericht.) Wie der „Dsmps" meldet, ging heute ein amerikanisches Bataillon zur Front ab.
Die englischen Verluste.
W. T.-B. Amsterdam, 6. Juli. (Drahtbericht.) Die „TimeS" gibt in ihren Nummern vom 28 und 29. Juni die britischen Verluste mit 276 Offizieren und 2990 Mann an.
ver Tauchbootkrieg.
Das deutsche Freigeleit.
W. T.-B. Kopenhagen, 6. Juli. „National Tidende" meldet aus Molmö: Von den Dampfern, die sich des deutschen Freigeleits am t. Juli bedienten, sind sieben in Gotenburg und zwei in Helsingborg eingetroffen. Ihre Ladungen bestehen aus dringend notwendigen Waren und Kohlen.
Die englische „Verse nkunstslistc".
W. T.-B. London, 5. Juli. Die Admiralität meldet: In der letzten Woche sind 15 Schiffe über und 5 unter 1600 Tonnen versenkt worden. 16 Schiffe wurden erfolglos angegriffen. Außerdem wurden 11 Fischerfahrzeuge versenkt.
Die Neutralen.
Das schweizerische Wirtschaftsabkommen mit Deutschland.
W. T.-B. Bern, 6. Juli. (Drahtbericht. Meldung der Schweigetischen Telcgraphen-Agentur.) In einigen Elaüern wird die Nachricht verbreitet, im Bundeshaus bestehe die Auffassung, daß das Wirtschaftsabkommen mit Deutschland nicht erneuert werden würde, vielmehr die Schweiz sich auf einen Kcmflensattonsverkehr von Fall zu Fall beschränken sclle. — Die Nachricht ist, wie wir erfahren, unbegründet und kann nicht aus dem Bundeshaus stammen. Über die künftige Regelung des WirtschaftsverhältnisfeS für Deutschland sind nach keiner Richtung Entschlüsse gefaßt worden.
Der englisch-amerikanische Druck aus Schweden.
W.T.-B. Stockholm. 6. Juli. (Drahtbericht.) „Stockholms Tidningen" bespricht den Tiuck Amerikas und Englands auf Schweden. Es heißt ganz offen, so schreibt das Blatt, daß diese leiden Lände: zusammen ihre wirtschaftlichen Druckmittel vwivenden wollen, um uns dazu zu zwingen, unsere Handclsverbin. düngen niit Deutschland abzubrechen. Schon das ist etwas, was niiimttelhar unsere Neutralität bedroht Im Anschluß hieran erinnert die Zeitung an das Wort. des früheren Ministers der Auswärtigen Angelegenheiten Wallend::;: „Schweden kann einfach nicht mit Deutschland brechen." Des witteren siihrt das Blatt aus: England und Amerika hätten das volle Recht
zu verlangen, laß ihre nach Schweden ausgeführten Waren nickt ihren Feinden zugnte kämen. Aber ebensowenig, wie die Deutschen das Recht hätten, schwedische Schisse mit schwedische: Ladung für England zu verwiikcn, ebensowenig hätte England und Amerika das Recht, Schwitzen daran zu hindern, seine eigen: Ware nach Deutschland auZzuführen. Schweden- handelspolitische Lig: sei anders als die Norwegens, da Schweden in handelspolitischer Beziehung viel abhängiger von Deutschland sei. Man brauche nur an die Steinkohlen zu erinnern, die dank der Ausrechterbaltung der Handelsbeztchnnaen mit Deuischland bisher tn genügender Beenge nach Schweden gekommen fetcn.
Argentinien und Deutschland.
Br. Rotterdam, 6. Juli. (Gig. Drahtbericht. zb.) Einer Exchange-Meldung aus Buenos Aires zufolge hat Argentinien an Deutschland eine Note gerichtet, in der Schadensersatz für die versenkten Schiffe gefordert wird und überdies das Versprechen, daß Deutschland künftig die argentinischen Schiffe schonen weide. (Wie wir von zuständiger. Stelle erfahren, liegt eine Bestätigung dieser Nachricht nicht vor. Schriftl.)_
Aur den verbündeten Staaten.
Das deutsche Kaiserpaar in Wien.
W. T.-B. Wien, 6. Juli. Das deutsche Kaiserpaar traf heute, um 9 Uhr vormittags, in Laxenburg ein. Zum Empfang am Bahnhof hatte sich das österreichische Kaiserpaar mit großem Gefolge eingefunden. Nachdenr die Majestäten sich in herzlichster Weise begrüßt hatten, erfolgte die Fahrt zum Schlosse unter lebhaften Ovationen der Bevölkerung. Bald danach hat Kaiser Wilhelm in Audienz empfangen: den Minister des Äußern Grafen Czernin, den österreichischen Ministerpräsidenten Dr. Ritter v. S e i d l e r, den ungarischen Ministerpräsidenten Grasen Esterhazy, den BizPräsidenten des Herrenhauses Max Egon Fürst zu Fürsienberg und den Grafen Jcbonn Wiltscek sein Um 11% Uhr holte Kaiser Karl den deutschen Kaiser ab. Beide Majestäten traten die Fahrt zum Sitz des Armeeoberkommandos an, wo sie bis zur Mittagsstunde verweilten.
Ein tschechischer Vorstotz im österreichischen AbgeAkdnetenhnus.
W. T.-B. Wien, 6. Juli. (Drahtberichtv.) Don Blättern infolge beschäftigte sich der Verfassringscrusschuß i^> Abgeordnetenhauses in unnerb'ndlicher Debatte mit der Reform der Verfassung Im Laufe der Debatte sprach der Jungtscheche Stransky von unerfüllten, jahrhundertealten Idealen der tschechischen Nation. Er erklärte, daß sie, dr man wisse, daß eine Nation, in diesem Falle die deutsche, die bessere Stellung innehabe und diese bessere Stellung nicht ausgeben wolle, ein Einvernehmen auf diesem Wege nicht erwarte, daher sei es jetzt nicht cmgeze igt, über diese Dinge zu sprechen, und er sei besser, die F r r e- denskonferenz abzuwarten. Professor Redlich trat Stransky entschieden entgegen und erklärte, daß jeder Österreicher diesen Gedankengang ab lehnen müsse. Gerade Österreich habe im Kriege gezeigt, daß es beisammen bleiben wolle. D'e „Zeit" schreibt' Die Erklärung StvanSkyS fei als nur fiir seine Perlon abgegeben anzusehen, da der tschechische Verband noch nickt endgültig Stellung genommen habe.
Auflösung des ungarischen Parlaments?
Br. Budapest, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie in gut informierten Kreisen verlautet, hat Graf Esterhazy die Absicht, demnächst das Abgeordnetenhaus infolge der jüngsteil Ereignisse (Widerstand der Tiszapartei gegen die Wohlreform) aufzulösen. Die Neuwahlen sollen nach der Ernennung der Obergespane stattfinden.
Deutscher Reichstag.
# Berlin, 6. Juli.
Am Bundesratstisch: Dr, Helfferich, Dr. Law old,
Dr. Richter, Wahnschaffe.
Präsident Dr, Kaempf eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 20 Minuten.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst
Kurze Anfragen.
Abg. Kuckhoff (Zenttum) wünscht Auskunft über Maßnahmen gegen die K o h l e n n o t.
Unterstaatssekretär Richter: Vorkehrungsmaßnahinen
find im Gange durch Vermehrung der Arbeitskräfte und Regelung der Verteilung,
Abg. Dove (Volk-p.) fragt nach der Regelurig des Verbrauchs elektri scher Kra ft.
Unterjtaatssekretär Dr. Richter: Die Angelegenhstt,
deren Bedeutung der Reichskanzler nicht verkennt, unterliegt zurzeit der Prüfung.
Abg. List-Eßlingen (nat.-lib.) fordert Maßnahmen zur Einziehung uni a u teuer K r i e g 8 g e to i n n e. (Anläßlich des Prozesses Kupfer.)
Ministerialdirektor Dr Delbrück: Es schweben lsierüoer Erörterungen, von deren Ergebnis die Maßnahmen abhange« werden, '
