Einzelbild herunterladen
 

Verlag Lauggaffe 21

T<Abl<t1hirus".

Schalter-Halle gtiff»tt>on 8 Uhr morgen« bi« 7 Uhr «Benb«.

wöchentlich

2)eura«>¥rti£ für beide Ausgaben: Ml. 1. monatlich, Wl- 3. vierteljährlich durch den Verlag Lanägaiie M, ohne Bringerlohn, Mk, « vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld. Bezngs-Brftrllnngen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- martlrmg IS, sowie die Ansgabestellen in allen Teilen der «ladt: in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingan die betreffenden Tagblatt-Träger,

LWWKÄLWM-NKZW Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts:

13 Ausgaben.

Fernruf;

Tagblatthaus" Rr. 6K5S-S3.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Eonutag«,

Anseiaen-PretS für die Zeile: so Pfg, für örtliche Anzeigen imArbeitrmarlt" undKleiner Anzeiger in einheitlicher Satziorm: 25 Pfg. in davon abweichender S-Sausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 8S Pfg, für alle auswärtigen Anzeigen: 1.25 Sit. für örtliche Reklamen: 2.50 Mt. sur auswärtige Reklamen. Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechend-» Nachlaß.

. - _ _ Für die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

Berlin W.» Potsdamer Str.121 K. Fernspr.: Amt Lutzsw 6202 u, 6203. Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.-

Montag, 2. lluli Iyl7. KbeNd-KUSgahL.Itr. 551. . 65. Jahrgang.

Die neue russische Offensive.

W. T.-B. Wien, 1. Aull. (Draihrbericht.) Aus dem Kriegspresfeguartier wirb gemeldet: Seit vorgestern ist an der russischen Front die Schlacht in vollem Gange. Die Russen haken für die Offensive die u m r a s s e u d st e n V o r b e- reitu mg e u getroffen. In dem zum Angriff ausersehenen Räume wurden bereltgestellt große Massen besonders gut ausgebildeter moralisch hochwertiger Truppen, so Garde und sibirische und transamu risch e Divi­sionen, dann zahlreiche Minemverier, sowie. Geschütze oller Kaliber, darunter ein Eisenbahngeschütz allergrößten Kalibers, das ein Mörser-Volltreffer jedoch bald außer Gefecht feste. Erhöhte feindliche Artillerie- Tätigkeit herrschte seit einigen Tagen an der g a n z en Front. Um uns über das Angriffsziel zu täuschen, machten die Russen an verschiedenen Teilen der Front DemonstrationS ingriffe. Diese wurden jedoch als solche durchschaut und verfehlten vollkommen ihren Zweck. Der tum Brzezauy ist es, den sich die Russen als Durch bruchsstelle auserwählt haben. Hier schwoll das semdllche Artrllerieseuer ständig an. Am 2V. Juni abends hatte es sogar den Charakter stärksten Trommel­feuers. Die hinter unsere: Kampfstellung gelegenen

Räume wurden sehr stark vergast. Unsere Artillerie blieb dem Gegner nichts schuldig, sie bekämpfte auf das wirkungs­vollste die feindlichen Batterien und nahm, sobald Aus­füllungen in den ruisffchen Gräben beob-.ichtet wurden, diese unter kräftiges Vernichtungsfeuer, so daß die gegnerische Infanterie sich fast zu keiner Angriffsaktion aufraffte. Nur an z w e' Stellen machte sie im Laufe der Nacht mit etwas stärkeren Kräften den Versuch zum Anlauf, der in unserem Sperrfeuer scheiterte. Am Morgen des 30. Juni lebte am Brennpunkte des Kampfes das feindliche Feuer allmählich auf, es steigerte sich stellenweise in erhebliche Stärke, wobei die schweren feindlichen Minenwerser sich sehr tätig zeigten. Am Nachmittag kamen ^üblich und südöstlich von Brg-ezanh und Kanimchh starke Angriffe der feindlichen Infanterie ins Rolle», wurden aber überall restlos durch unser Feuer a b g e w res e n- An numchen Stellen verhinderte unsere Artillerie durch Bernicht-mysfeuer die feindlichen Angriffs- Massen &eim Verlassen der Gräben. Gegen W? Uhr abends fetzten die Russen neuerdings nordwestlich von Zalosze zum Ar lauf an, aber unser Sperrfeuer bereitete auch diesem Ver­such ein schnelles Ende. Das gleiche Schicksal hatte ein Angriffsversuch, den die Russen gegen Mitternacht im Raume südlich von Brzezanh unternahmen. Hier versuchten sie ohne jede Artillerie-Vorbereitung auS ihren Stellungen bkrvrwzuürechen und unsere Gräben zu überrennen. Sie er­hielten hierbei schwere Verluste und mußten schleunigst um­kehren. Ihre Artillerie begann dann wieder zu wirken. Sie steigerte gegen Morgen des 1. .Juli anhaltend ihr Feuer. Die beiden ersten Tage der von Frankreich und England befohlenen Offensive haben den Feinden Nur s ch w e r e V e r- luste gebracht, ohne daß sie auch nur den geringsten Anfangserfolg erzielen konnte: Auf unserer Seite standen Truppen fast aller Verbündeten im Kampfe. Ö st e r- reicker, Ungarn, Deutsche und Ottomanen. Alle hatten den glsichen Anteil an der siegreichen Abwehr der bis­herigen russischen Angriffe. Ae Verluste der Verbündeten sind dank der vorzüglichen Berteidignngsmatznahmen und dem vorbildlichen .Zusammenarbeiten der Waffen überaus gering.

Die Proklamation der selbständigen Itkraine.

S. Stockholm, 2. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Autonomie der Ukraine ist jetzt tatsächlich durchgeführt wor­den. Der ukrainische Zentralrat erließ eine Proklamation an das ukrainische Volk, die mit den Worten beginnt: Es lebe die auferstandene Ukraine. Weiter heißt es dann, der Zentralrat übernehme die Verpflichtung, die Ukraine zn retten; da die interimistische Regierung die Unterstützung ablehnte, 'muß die Ukraine zur Selbsiwehr greifen. Sie wolle keine Zersplitterung und Anarchie dulden, weil die Rergieruug unfähig fei, Ordnung zu schaffen. Nach Kiew wurde ein Kongreß aller in der Ukraine wohnhaften Nationalitäten be­rufen, welcher die Regierungssorm ausarbeiten soll. Der Zentralrat ordnete ferner die Einziehung allgemeiner Steuern an und entsandte zur offiziellen Mitteilung des Ereignisses nach Petersburg eine Kommission.

Ei« vielsagender Appell der Regierung an die Ukraine.

W. T.-B Petersburg, 1. Juli. Die Regierung richtete an die Bevölkerung der Ukraine eine Kundgebung, in der es heißt' Brüder aus der Ukraine! Folgt nicht dem verderb­lichen Wege, der die befreiten Kräfte Rußlands zersplit­tert! Reißt euch nicht los vom Vaterland e! Schaltet nicht die gemeinsame Armee im Augenblick der großen Gefahr ans! Schleudert nicbl Zwietracht und Brudermord in die Reihen der Nation in einem Augen­blick, wo sie sich eng .aneinander schließen mutz, um d.,Z Vaterland vor kam militärischen Zusammenbruch zu retten, und zeigt Vernunft angesichts der inneren Schwie­rigkeit! Beryeßt euch nicht in eurem ungestümen Drang, die politische Neperungform der Ukraine schon setzt fest zn be­gründen! Versetzt euch nicht selbst einen tödlichen Schlag! Denn der.Umtgergang Rußlands würde euch mit sich ziehen. ' ~ . ~

Die englisch-französische Wühlarbeit in Rußland.

= Amsterdam, 1. Juli, (zb.) Ein Londoner Gewährs­mann neidet, die Engländer und Franzosen sehen die Lage. Rußlands noch immer als u n g ü n st i g ftlr die Entente an und haben zu der russischen Regierung wenig Ver­trauen. Die Kcmitees der Alliierten in Rußland suchen eine Einigung oller Parteien herbeizuführen, die die Fort­setzung des Krieges wünschen und nach dem Sturz der jetzigen Regierung ein KoalitionSkabinett zu bilden, das ententefreundlich bleibt. Henderson sucht M o s k a u, die Garnison und den Arbeiterrat zu gewinnen. Di« Londoner Politiker halten die Abreise der englischen und französischen Sozialisten nach Stockholm für ausge­schlossen, weil England, Frankreich und Amerika be­schlossen hoben, die Radikalen nicht außer Landes zu lassen. _ _

von Krieg und Frieden.

O Berlin, 80. Juni.

Die Kundgebungen der Heeresleitung werden zwar, wie selbstverständlich, überall stets mit größter Auf­merksamkeit gelesen, und insofern scheint es nicht nötig zu sein, auf eine dieser militärischen Kundgbungen noch besonders hinzuweisen. Trotzdem glauben wir, auf eine Veröffentlichung vom 28. Juni ausmerksani machen zu dürfen; man muß sie sorgfältig beachten, um die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. _ Die Ver­öffentlichung wendet sich gegen die englische Dar­stellung, wonach die Stimmung bei unseren Truppen an der Wesffront jetzt so schlecht und gedrückt sei wie gegen Ende der Sommekämpfe. Diese Vergleichung wird für etwas unvorsichtig erklärt, da als deutsche Antwort aus das trostlose Versinken des damaligen britischen Angriffs der Siegeszug durch Rumänien erfolgte. Es wird hinzugesügt:Da

englische Militärkritrker selbst zugeben mußten, daß die deuffche Verteidigungskraft gegenüber der Somme­schlacht erheblich zugenommen hat, könnten sie die logische Folgerung daraus auf die kommen­den Sommer- und Herbstoperationen leicht selbst ziehen." Dieser letzte Satz ist es nun, den man sich mit seinen darin steckenden Folgerungen einzu- prägen hat. Unsere Heeresleitung hat hiernach mit der gegenwärtigen Kriegführung, bei der es gilt, die feind­lichen Angriffe abzuwehcen, noch lange nicht ihr letztes Wort gesprochen, und Franzosen und Eng­länder könnten nach den ihnen mit aller Offenherzig­keit gemachten Andeutungen noch sehr erhebliche Über­raschungen erleben. Mit den Möglichkeiten, die sich hiernach darbieten, stimmt es gut überein, wenn in einer nationalliberalen und jungliberalen Mitglieder­versammlung in Karlsruhe der Abgeordnete Reb­mann den überwältigenden Eindruck feststellen konnte, den maßgebende Stellen von der im Großen Hauptquartier über den Ausgang des Krieges herrschenden Ruhe und Sicherheit erhielten. In den letzten Wochen hat sich in Deutschland mancher Kleinmut geäußert; so wollen wir uns um so ver­trauensvoller an den Geist halten, in welchem Hin- denburg und Ludendorff die ihnen gestellte ungeheure Aufgabe erfüllen. Nicht bloß durchhalten, sondern siegen, das bleibt, wir erfahren es aus der ein­gangs besprochenen Kundgebung, wieder einmal das unverrückbar festgehaltene Ziel der Heeresleitung, und wenn solche Männer uns solches verkünden, so gibt chre Zuversicht zugleich dem deuffchen Volke das Recht zu gleichen Hoffnungen. Auch Hindert- bürg und Ludendorff arbeiten auf den Frieden hin, aber aus einen, bei der wir als die Stärkeren die Trümpfe in die Hand bekommen sollen. Bis dahin, wo die erforderlichen Sicherungen erreicht sein werden, braucht es gewiß nichts zu schaden wenn die Welt immer wieder erfährt, daß wir und unsere Verbünde­ten den Frieden erstreben; Nutzen aber wird damit gerade auch nicht gestiftet, solange die Feinde glauben, uns militärisch niederringen zn können, und solaxge sie aus der deutschen Friedensbereiffchaft nur den verstärk­ten Anlaß entnehmen, um so mehr uns als angeb­lich ausgepumpt und ruhesehnsüchtig hinstellen zu können. Freilich muß man nicht alles, was die Regie­rungen in London und Paris durch rhre Zeitungen sagen lassen, zugleich als die wirkliche Meinung der Regierungen selber ansehen. Die Staatslenker Eng­lands und Frankreichs wie ihre militärischen Berater wissen zweifellos über die eigenen Schwächen, über den furchtbaren Schaden, den ihre Sache durch die russische Umwälzung erfahren bat und über die ungebrochene deutsche Kraft sehr gut Be­scheid, sic wären ja Toren, wenn sie diese ihre Wissen­schaft vor aller Welt ausbreiteten, und so benutzen sie alle Möglichkeiten der Stimmungsmache, um die Lücken ihrer militärisch-volitisch-m'.rtschaftspolffi- schen Rüstung zn verdecken. . Ein ungemein interessan­tes Beispiel dafür, nrit welchem Mißtrauen die Feinde solche Äußerungen, die ihnen als Entgegeukonunen von

deutscher Seite gefallen sollten, in Wahrheit betrachten, bietet sich jetzt in den merkwürdigen publizistischen Schicksalen einerHavas"-Meldung dar. Der vor­malige Geschäftsträger von H a i t r in Berlin harte einem Berichterstatter in Genf erzählt, er habe in lei­tenden Berliner Finanzkreisen die Bereitwilligkeit zu einer Verständigung mit Frankreich über die elsaß- lothringische Frage beobachtet, diese Leute seien geneigt, die Regierung zu veranlassen, Frankreich einen Terl Lothringens anzubieten, unter der Voraussetzung natürlich, daß Frankreich koloniale Entschädi­gungen gewähre. Die leise Komik des Umstandes, daß solche Erleuchtung gerade durch den früheren Ber­liner Vertreter der Negerrepublik Haiti kommt, braucht uns hier nichts anzugehen, dagegen kümmert es uns um so mehr, daß dieAgence Havas" in ihrem Bericht über die Genfer Unterredung nur die Worte wieder­gibt:In deuffchen amtlichen Kreisen weist man ver­ächtlich alle Anspielungen auf Abtretung hon Elsaß- Lothringen zurück", daß sie dagegen die weiteren Mit­teilungen des Geschäftsträgers den Zeitungen ebenso unterschlagen hat wie den Schlußsatz des Herrn aus Haiti, der da lautet:Es mag für die Entente­vorstellungen lächerlich klingen, aber ich habe Grund zur Annahme, daß in der FormelKeine Annexionen, keine Entschädigungen" wirklich die deutsche amtliche Idee des Friedens zusammengefaßt ist." Warum nun diese Unterschlagung? Offenbar geschah sie aus Furchst davor, daß das französische Volk durch die Kunde von der bloßen Möglichkeit einer Verständigung auf halbem Wege in seiner Kriegsmüdigkeit bestärkt werden könnte. In Paris scheut man die Möglich­keit von Friedensverhandlungen zu einem Zeitpunkt, wo unsere Überlegenheit unerschütterlich dasteht wie ein rotglühendes Eisen. Darum wird jede Andeutung, als könne eine Verständigung über Effaß-Lothringen viel­leicht doch erfolgen, mit einem Mißtrauen, betrachtet, von dem wir zugeben müssen, daß es in diesem Fälle ja gewiß berechtigt ist.

ver Tauchbootkrieg.

24200 Vr.-R.-Tonnen tm nördlichen Eismeer.

W. T.-B. Berlin, 1. Juli. (Amtlich.) Durchbie Tätig­keit unserer U-Boote wurden im nördlichen Eismeer ' und ffn den Sperrgebieten um England wiederum 241200 Brutto- registertannen versenkt. Unter den versenkten Schiffen be­fanden sich di« bewaffneten englischen Dampfer Mafrianeth" (3185 Br.-R.-T.) mit KobIen nach Rußland, Perla" (5265 Br.-R.-T.) mit einer großen Anzahl Auto­mobilen und Kohlen nach Rußland, der bewaff­nete russische DampferAlgol" (2223 Br.-R.-T.) mit Kohlen und großen Maschinen nach Rußland, ein un­bekannter tiesbelrdener bewaffneter Dampf.w. Zwei weitere Dampfer wurden zusammen aus einem Geleitzuy heraus» geschossen. Zwei der versenkten Segler hatten Holz geladen. Ein Geschütz wurde erbeutet.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Unterqegangen.

W. T.-B. Paris, 1. Juli. Der DaulpserHimalaja" (6620 Br.-R.-T.) ist am 12. Juni bei Tagesanbruch infolge einer Explosion untergegangen. Er hatte 204 Peffonen an Bord, von denen 176 gerettet wurdeik.

*

Spaniens korrektes Vorgehen gegen ein deutsches U-Voot.

W. T.-B. Madrid, 1. Juli. (Havas.) Eine nach einem Minrsterrat teröftentlichte amtliche Note gibt bekannt, daß das deutsche Unterseeboot, das in Cadix Zuflucht gesucht hatte, Heute morgen :» aller Frühe den Hasen ver.affen har, bis zur G r e n z e der H o h e i t s g e w ä s s e r von zwei spani­schen Torpedobooten geleitet.

In Zukunft doch Internierung!

IV. T.-B. Madrid» 1. Juli. (Reuier.) Der König hat -ein Dekret unterzeichnet, das den U-Booten der kriegführenden Mächte die Fahrt in die 'panischen Gewäffer und das An­laufen spanischer Häfen verbieten wird. Solche U-Boote weichen für die Dauer des Krieges interniert werden.

Hollands völlige Abschnürung vom Seeverkehr.

IV. T-B. Berlin, 2. Juli. Die erneute Ausdehnung der Gefahrenzone in der Nordsee durch England, welche die ganze holländischer Küste und den größten Te»l der Westküste Jütlands sperrt, nimmt den Holländern fortan jeden ungefährdeten Zugang ins freie Meer sowohl für die eigenen Schisse wie für die der belgischen Reliestemmission. Ebenso ist den holländischen Fischern durch die rücksi-ltslose Maßregel Englands der Weg in das für chren Erwerb vom deutschen Admiralstab ftrei.ga- ge-bene^-Stück -Meer verlegt. Es ist. eine üsy^üfz