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Samstag, 30. Iuni 1917.

klbend-klusgabe.

Nr. 328. . 63. Jahrgang.

weitere 53442 Lr.-R.-T.

W. T.-B. Berlin, 29. Juni. Neuerdings wurden von unseren U-Booten versenkt:

1. in den nördlichen Sperrgebieten 26400 Bruttoregistertounen. Unter den versenkten Schiffe« befanden sich u. a.: ein bewaffneter englischer Dampfer von etwa 5000 Bruttoregistertonne«, anscheinend von der P. u. O.-Linie, sowie er» großer unbekannter, durch Zerstörer gesicherter Dampfer. Ein anderer versenkter Dampfer hatte Levensmittel nach England geladen.

2. im M i t t e I m e e r 27 042 Bruttvr 'gistcrtonncn. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich der be­waffnete englische Dampfer „Cheltonren" und der be­waffnete italienische Dampfer „Monte Bcllo". Soweit bekannt, bestanden die versenkten Ladungen aus Kohle, Lebensmitteln und Holz.

Der Chef des Admiralstobs der Marine.

•

W. T.-B. Bern, 29. Juni. „Nouvelliste de Lyon" meldet aus Madrid, daß der Dampfer „Ortnon" (2371 Bruttoregistertonnen) aus Bilbao, einer spanischen Schiffahrtgesellschast gehörig, von einem U-Boot tor­pediert worden ist.

W. T.-B. Rotterdam, 29. Juni. „MaaSbode" teilt mit, daß die beiden norwegischen Schiffe „Bo leite" und „Maggie" gesunken sind.

»Die Tauchboote heute eine größere Gefahr als die . deutschen Armeen!"

W. T.-B. Bern, 29. Juni. Lowat Fraser schreibt in der „Daily Mail": Die Nation versteht noch nicht völlig die Tragweite der letzthin durch die deutschen Tauch­boote angerichteten Vernichtungen. Tie schweren Fol­gen der Unfähigkeit der Admiralität, wirksame Mittel gegen den Tauchbootskrieg zu finden, werden noch nicht allgemein übersehen. Bis zu einem gewissen Grade war die deutsche Rechnung richtig. Die Tauchboote sind heute eine größere Gefahr als die deutschen Armeen. Es muß jetzt klar anerkannt werden, daß die meisten unserer derzeitigen Schwierigkeiten aut dem Mangel an Schiffsraum beruhen, der hauptsächlich durch die Verheerungen der Tauchboote beroorgerufen wor­den ist. Weil es uns an Schiffsraum mangelt, tritt schnell ein Mangel an allen Lebensbedürf rissen, beson­ders an Brot ein. Jetzt wird die B a u m w o l I» industrie von Lancashire bedroht, hauptsächlich, weil nicht genügend Schiffe vorhanden sind, um Rohbaum­wolle zuzuführen und Fertigware nach der Übersee zu bringen. Der Druck des Tauchboolskeieges ließ im M a i etwas nach, aber er nimmt erneut zu und wird wahrscheinlich »weiter zu nehmen. Wenn die Schiffsverluste in dem jetzigen durchschnittlichen Maß zrmehmen, wird es nicht lange dauern, bis wir in eine Lage kommen, von der wir uns nicht zu er­holen vermögen. Die Abteilung der Admirali­tät zur Bekämpfung der Unterseeboote besteht aus über­arbeiteten Gehirnen. Das ist vielleicht der Grund, warum es uns nicht gelingt, mit der Tauchbootsgefahr fertig zu werden. Aber ein Mißlingen der Meiste­rung der Tauchboote bedeutet vielleicht den Zu- sammenbruch.

Die Ersaffnotwendigkeit der versenkten Schiffe.

Ei« Geständnis des Unterstaatssekretärs Keüany.

W. T.-B. Amsterdam, 29. Juni. Nach einer Meldung M „Wgemeen HarrdelSblad" ans London sagte Unterstaars­sekretär Kella-rch gestern in einer Rede in Birmingham, daß England in diesem I ahr« bis zum letzten Sonntag durch den U-Gootkriag 449 Schliffe von mehr als 1690 Tonnen und 71 kleinere Schiffe verloren habe. Ein Teil müsse durch neil« Schifte ersetzt werden, wenn 'England nicht durch Hunger zur Übergabe gezwungen werden solle.

Der französische Kreuzer „Kleber" auf eine Mine gelaufen und gefunken.

W. T.-B. Paris, 30. Juni (Drahtbericht. Agence Halms.) Der Stetiger „Kleber", der auf der Fahrt von Dakar nach Brest war, um außer Dienst gestellt zu werde«, geriet am 27. Juni, vormittags, auf der Höhe der Landspitze von St. Mathieu auf eine Mine und ging unter. 38 Wann wer» den vermißt, darunter 3 Offiziere. („Kleber" ist ein älterer Kreuzer von 7700 Tonnen.)

Der neue englische Mißerfolg an der slrras-Zront.

W.T.-B. Berlin, 29. Juni. Ein neuer großer englischer Argriff an der Arras-Front, den schweres Zerstörungs- feiler und zahlreiche Patrouillenvorstöße in den letzten Tagen angekündigt haben, hat in der Nacht vom 28. zum 29. Juni eingesetzt. Am 28. Juni, 6 Uhr abends, begannen die Eng- länder mit allen Kalibern auf die deutsche Front von Hulluch bis Gatwelle zu trommeln. Um 8 Uhr abends ballte sich das ft pyr auf die Strecken HulluchMeriousS und Fresnny.

Guvrells zufommen Eine viertel bis eine -halbe Stunde später griffen die Engländer an. DaS Ziel des englischen Angriffs war augenscheinlich eine Umfassung und Ab­schnürung desLensbogcns rm größten Matzstabc. Mährend zwei starke Angciffswellen den Lensbogeu zu nm- fcssen versuchten, die erste östlich und südöstlich von LooS, die zweite zwischen Fresnoy und Gavrelle, griff eine dritte im Zentrum und an beiden Seiten des Souchez- baches an.

Seit der deutschen Frontberichtigung zu Beginn des ArraSaugriffes hat der deutsche Lensbogen allen wüten­den englischen Angriffen standgehalten. Die hier massierten deutschen Batterien hoben immer wieder durch verheerendes Flankei.fener den gegen die deutsche Linie Mericourt-Gavrell: anstürn enten Massen schwerste Verluste zugesügt. Die ehe­mals blühei'de Bergwerksstadt ist heute ein T r ümmer- Haufen. Zwischen den Schlackenhalden sind in den zer­störten Albeiterkclonien und Vorstädten neue Schuttberge gewachsen Das Wahrzeichen des Landes, die Schachttürme, sind zerschossen, die Fördermaschinen vernichtet, die Schächte ersoffen. Millionenwerte französischen Nationalvermögens sind von den Engländern zerstört. Da auch die deutschen Stellungen entsprechend gelitten hatten, war die Hauptver­teidigungslinie hier seit längerer Zeit zurückge­nommen. So wurde der englische Angriff gegen Lens am Morgen des 28. Juni zum Lu ft stoß, und auch am Abeird kamen die Engländer nicht weiter als bis an die vorher ge­wählte Linie. Schwache Po stier ungen hatten die ganze Zeit über verstanden, die Engländer zu täuschen und ihnen überdies noch schwer« Verluste zuzufügen.

Auch nördlich von LenL scheiterte der Angriff unter schweren blutigen Verlusten. An einer Stelle gelang es den Engländern, in den vordersten Graben einzudringen. Sie wurden aber in erbitterten Nahkämpfen wieder hinausge- toorfen.

8,35 Uhr abends setzten die Jnfanterieangriffe auf der Front FreSnoy-Gavrelle ein. Seit Mitte April steht hier der englische Angriff auf dem alten Fleck. Der wüstzer- schcssene Park von Oppy and die Windmühle von Gavrelle, die beute nichts mehr ist als eiri flacher Steinhaufen, sind Wahrzeichen deuffchen Heldentums; denn jeder englische An­griff, der hier hatte Raum gewinnen können, war stets in elastischem Gegenstoß wieder zurückgeworfen worden. Seit 12 Tagen wurden hier die Gräben unter schwerem Feuer gehalten. Trotz oller Verluste führten die Engländer immer neue Reserven heran. Allein die deutschen Bereitschaften fingen jeden Stoß auf. Lediglich zwischen dem Westranbe des- Parkes von Oppy und der Windmühle von Gavrelle ge­lang es dem Angreifer, in etwa 1000 Meter Breite das beim Ansturm genommene Gelände zu halten. Die verlustreiche Taktik des Generals Haig hat einen neuen schweren Mißerfolg zu buchen.

Haig bestätigt die militärische Notwendigkeit unserer Zerstörungen.

IV. T.-B. Berlin, 29. Juni. Marschall Haig gibt in der letzten Operationsübersicht des englischen Heeres ein offenes, wenn auch vielleicht unbeabsichtigtes Eingeständnis von der Berechtigung und der Notwendigkeit der deuffchen Zer- st ö r u n g e n im geräumten Gebiete im Westen. Der eng­lische Marschall schreibt, daß die militärischen Unternehmun­gen der Engländer während der letzten Operationsperiode durch die von den Deuffchen auf ihrem Rückzug plan- mäßig ousgeführten Verwüstungen des Landes in starkem Maße gestört und beeinträchtigt worden sind. Marschall Haig straft damit selbst die französische Presse Lügen, welche die militärische Notwendigkeit der Zerstörungen leugnet und sie als Ausflüsse unnützer Zerstörungswut der deuffchen Sol­daten hinzustellen versucht hat.

venizelos am 3iel.

Bruch Griechenlands mit den Mittelmächten

W. T.-B. Paris, 30. Juni. (Dcahtbericht.) Wi­der „Temps" meldet, hat die griechische Regierung ihren Gesandten in der Schweiz zur Weitergabe an die Ge­sandtschaften in Berlin, Wien, Sofia und Koustanti- nopel eine Weisung übermittelt, durch welche der Abbruch der Beziehungen zwischen Griechenland, Deutschland, Üsterreich-Uugarn, Bulgarien und der Türkei mitgeteilt wird.

TV. T.-B. Paris, 30. Juni. (Dcahtbericht. Agence Havas.) Eine Depesche aus Athen vom 28. Juni b e- stätigt, daß die Regierung ihre diplomatischen Der- treter bei den Mittelmächten zurückberufen hat. (Anmerkung des W. T.-B.: Eine Bestätigung dieser Meldung liegt an Berliner zuständiger Seite nicht vor.)

Kriegserklärung Griechenlands an Bulgarien?

— Berlin, 30. Juni, (zb.) Die „Wiener Allg. Ztg." meldet aus Budapest: Der „Az Est" berichtet aus Lugano: Di« Kriegserklärung Griechenlands gegen Bulgarien steht aus Grund des zwischen Griechenland und Serbien geschlossenen Vertrages uwm-ülttzlbar lleoo-r.

„Der wahre Platz Griechenlands.

U. Rotterdam, 30. Juni, (zb.) „Daily Chronicle" meldet aus Athen. Vernzelos erklärte, der wahre Platz Griechenlands sei der neben den Ententereihen. Weiter sprach Kr sich für eine demokratische Monarchie aus. „„

Venizelos beim König Alexander.

U. Rotterdam, 30. Juni, (zb ) „Daily Telegraph" meldet aus Athen: Venizelos wurde begeistert im Piräus von seinen Anhängern empfangen. Der Bürgermeister bewill- kommnete ihn als Retter des Vaterlandes. Venizelos und sein Gefolge gingen nach dem Palast in Athen. An dem Wege entlang standen Truppen der Alliierten. Sobald er im Palast eintraf, besetzten Offiziere des griechischen Heeres aus Saloniki den Eingang, den Vorhof und die Gänge zum Schloß, um zu verhindern, daß Venizelos durch unversöhn­liche Anhänger des Königs ermordet werde. Venizelos wurde mit den übrigen Ministern zum König zu ge lassen, de: nur einen Adjutanten bei sich hatte. Der König gab unter großer Erregung jedem Minister die Hand und sprach nor den ichlichen Gruß. Hierauf wurde der vorgeschrieben« Eid in AnN-esenheit Zaimis' geleistet, der dann sofort das Schloß verließ König Alexander sprach nur 8 Minuten mit den neuen Ministern. Er erklärte, das Programm VemzefoS' anzonehmen.

Widerstand in Attika«

Berlin, 30. Juni. Dem „B. T." zufolge herrschen in Attika revolutionäre Zustände. Überall seien „P u tschei" veranstaltet, die von oen srrmzöstichen und rrffstsshen Truppen niedevgeworfön würden. In Attika feien jetzt 40 000 Man« Sntentetruopen versammlest. Die verbannten könitT^» treuen Griechen sollen innerhalb Frankreich an allem Orte» mit Ausnahme von Paris Wohnung nehmen dürftm.

Bei der Audienz des Königs für Venizelos und seine Kollegen sei die eisige Haltung des jungen Körrigs ausge- fallen.

Italiens Sonderinteressen gegen Griechen» land.

W. T.-B. Lugano, 80. Juni. Senator Fr a nchew, deck sich derzeit in Saloniki aufhäst, erklärte dem Berichterstatter de§ „Eorriere della Sera", es sei Italiens größt« Interesse, durch fern Vorgehen im Epirus scharf die zukünftigen Ambitionen Griechenlands zu beschränken. Dies sei ein Gebot der Notwendigkeit, hinter dem die Frage zurückstchen müsse, ob Italiens Vorgehen mit voransgegawgp- n-er oder nachträglicher Zustimmung der Alliierten erfolgte. Diese könnten ihre Zustimmung nicht verweßrern, djme dem Grundgedanke» des Bündnisses selbst zu verletzen.

Rußland.

Die ersehnte russische Offensive.

— Berlin, 30. Juni. Während dem „Djen" znfoM 5fie von England verlangte rusfische Offensive bis zum Herb st verschoben worden sein soll, wird von angeblich best informier­ter Seite ans Paris gemeldet, die russische Heeresleitung de» abstchtigte in der nächsten Zeit die Ordnung wiBdecher» zustellen.

Die Entschließung des Kosakenkongresses.

W. T.-B. Petersburg, 30. Juni. (Drahtbericht. Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Der Kosakenkongreß hat eine Entschließung angenommen, in der er sein volles Ver­trau«n in die Regierung und die Überzeugung ausbrückt, die Regierung werde im engen Bunde mit den Alliierten Rußland zu innerer politischer Freiheit führen. Alle Kosoken unterstützen entschieden di« Negierung in ihren Bemühungen, der Anarchie ein Ende zu machen. Sie ersttcken jeden Versuch einer Gegenrevolution.

Die Duma will nicht abdanken!

TV. T.-B. Petersburg, 29. Juni. , (Reuter.) In einer privaten Versammlung der Mitglieder der Duma wurde die Entschließunss des allrussischen Kongresses der Arbeiter- lind Soldatenräte besprochen, in der die Auflösung des Parlaments verlangt wurde. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Enffchließung an: Die Duma, die zur Abdankung des Zaren Nikolaus und zur Errichtung der provisori­schen russischen Negierung, toie von dem ganzen Lande sofort anerkannt wurde, kräftig beigetragen hat, und auf diese Weise als revolutionäre Einrichtung handelte, ist der Ansicht, daß - sie n i ch t a u f h o r e n kann, als nationaler Vertretungskörper weiter zn be­stehen. Sie wird auch in Zukunft es als ihre Pflicht betrachten, ihre Stimme zu erheben, wenn es gilt, das Vaterland vor Gefahren, die ihm drohen, zu bewahren.

Marineminister Lebrdew. '

S. Stockholm, 30. Juni, (zb.) Die Ernemmng des Leut­nants Lebedew zum Marineminister wurde durch die Kronstadter und Sewastopoler Ereignisse hervoryerufen, denen Kerenskr nicht mehr Herr zu werden vermochte. Unter­richtete russische Kreise sehen in dem Wechsel im Marrne- uuniMPvsteu den Beginn der gänzlichen AuSjchnbtnng