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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag» 28. Juni 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. S24. - bS. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom 28 . Juni.

W. T.-B. Großes Hauptauartier, 28. Juni.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Schwere Feruftuerbatterien beschossen gestern mit beobachteter Wirkung die englisch-französische Hafenfestung Dünkirchen. Mehrere Schiffe liefen eiligst aus. Als Erwiederung wnrde vom Feinde Ostende unter Feuer genommen; militärischer Schaden entstand nicht.

In den englischen Grüben und au der Küste verur­sachte die Beschießung durch unsere Artillerie und Minen- werser starke Rückwirkung.

Nach ruhigem Vormittag «ahm gegen Abend die Feuertätigkeit in einzelnen Abschnitten der Ar ras- und Artoissront in gleicher Heftigkeit zu.

Südöstlich von Newport wurde von unseren Stoß­trupps ei» belgischer Posten aufgehoben. Bei Hooge schlug ei« feindlicher Erknndungsvorstoß fehl.

Südlich der Straße Cambrai-Arras erlitten die Engländer bei Säuberung eines Grabens durch westfälische und rheinische Sturmtrupps erhebliche Verluste an Ge­fangenen und Toten. Im Vorfeld unserer Stellung nörd­lich von S t. Q u e n t i n entspannen sich mehrfach kleinere Gefechte unserer Posten mit englischen Abteilungen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Au einzelnen Stellen nördlich der Aisue, nördlich von Reims und in der West-Champagne kam es zu lebhaften Artilleriekämpft«.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Am Hartmannsweilerkopf machten Erkunder eines Württemberger Regiments durch Einbruch in die französischen Gräben eine Anzahl Gefangene.

östlicher Kriegsschauplatz.

Au der Ostgalizischen Front dauert die rege Feuer­tätigkeit an.

Mazedonische Front.

Keine besonderen Ereiguiffe.

Der Erste Generalquarticrmeister: Ludendorff.

weitere 21700 Tonnen!

W. T.-B. Berlin, 27. Juni. (Amtlich.) Neue Untersce- bootserfolge tm englischen Kanal» in der Biskaya und in der Nordsee: 5 Dampfer und 4 Segler mit 21700 Bruttoregistcrtonnen. Unter den verseilten Schiffer be­fanden sich die französischen Segler „Ernestine", mit Grubenholz nach England, und „Eugene Eugenie"; der portugiesische Dreimaftgafselschoner „Amphitrite", mit 3000 Tonnen Butter, Kakao und Wein nach Frankreich; ferner ein großer bewaffneter Tankdampfer von über 8000 Ton» en, ein bewaffneter Dampfer von etwa 3000 Tonnen und ein tief beladener großer Frachtdampfer, die beide aus Ge- leitzügei: herausgeschossen wurden. Zwei weitere versenkte Schiffe hatten Kohlen geladen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Versenkt.

W. T.-B. Kopenhagen, 27. Juni. „National-Tidende" meldet ans Christiania: Die norwogischen Dampfer

„Raggie" und „Pong Baskon" sind versenkt worden.

IV. T.-B. London, 28. Juni. (Drahtberrcht.) Die Admi- 'ralität meldet: 21 Schiffe über und 7 unter 1606 Tonnen sind in der letzten Woche versenk, worden.

W. T.-B. London, 27. Juni. (Reuter.) Der Dampfer „M o n g o l i a" (9505 Br.-R.-T.) der Peninsular

and Oriental Linie ist in der Nähe von Bombay aus eine Mine gelaufen und gesunken. Boote mit einer Anzahl von Fahrgästen und Leuten der Besatzung sind gelandet. Die Post ist verloren.

Die Akdensfrage im österreichischen Abgeordnetenhaus.

W. T.-B. Wie«, 27. Juni. Im Abgeordneten­haus wurde der vorläufige Haushaltsplan in dritter Lesung angenommen. Ferner nahm das Hans die Vorlage, betreffend die Mandatsverlängerung bis zum 31. Dezember 1918, an.

In der Verhandlung über die Anfragen der Abgeordneten DaSzynski, Dr. Stoj.m und Hruben an die Regierung über die Vorbereitungen für eventuelle FriedenS- de r h a n d I u n-gen wies der Ministerpräsident Ritter von 8 e i dl e r entschieden die während der Debatte gestern ge­fallenen Äußerungen zurück, die von deni Standpunkt der Hochhaltung des Bündnisses mit dem Deutschen Reich als tiefverletzend empfunden werden müßten, (Zustim- Mung und Beifall.) Ebenso «bedauerlich sei es, wenn non

einzelnen Abgeordneten etwaige Mißgriffe seitens unterge­ordneter militärischer Organe verallgemeinert und zu Au - würfen gegen Österreich-Ungarns geliebte und bewunderte und so glorreiche Wehrmacht benutzt würden. Bezüglich der zur Verhandlung stehenden Anfragen erklärte der Minister- präfident nach einer Rücksprache mit dem Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten: Die Annahme des Antrags DaS- zynski. als ob die österreichisch-ungarische Regierung das Selb st be stimmungsrecht der Nationen als die Grundlage für einen dauerhaften Frieden anerkannt hätte, ist irrtümlich. Die österreichisch-ungarische Regierung steht auf der Grundlage des Staatsgrundgesetzes, wonach es dem Kaiser Vorbehalten ist, Frieden zu schließen, somit dem Momrrchen die Wahrung der Interessen und Bedürfnisse der Völker Österreichs in jenen entscheidenden Augenblicken an- vertraut erscheint. Unter dieser ausdrücklichen Verwahrung der Hoheitsrechte der Krone ist die österreichisch-ungarische Regierung jederzeit bereit, im Einvernehmen mit den Bundesgenossen auf der Basis eines ehrenvollen Friedens mit dem Feind in Verhandlungen, zu treten. Sie lehnt jedoch enffchieden jede andere Grundlage für die Friedensverhandlungen ab. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten brachte unsere Bereitwilligkeit zu einem ebrenvollen Friedensfchluß welcher die Garantien einer freien und gesicherten Entwicklung der Monarchie enthält, offen zum Ausdruck. Hieriiber kann auch bei unseren Feinden k e i n Z w e i f e l herrschen. So lange unsere Feinde diesen Standpunkt der österreichisch-ungarischen Regierung und unserer Verbündeten nicht annehmen, werden wir weiterkämpsenin dem feisten Vertrauen, daß die helden­mütigen Leistungen unserer Armeen, verbunden mit der auf­opferungsvollen Tätigkeit des Hinterlandes, den Tag bringen werden, an welchem den Völkern der Monarchie der Lohn ihres A u s h a r r e n s durch einen ehrenvollen Frieden ge­sichert wird. (Beifall.) Die von wahrer Menschlich­keit getragenen Absichten, welche aus den vorliegenden An­fragen sprechen, und die die volle Würdigung der österreichi­schen und der ungarischen Regierung erfahren, dürfen wohl ols ein Beweis dafür angesehen werden, daß die auf die Her­beiführung eines ehrenvollen Friedens gerichtete Politik der Mittelmächte in der Auffassung des Hauses und in dem Willen der österreichischen Völker eine kraftvolle Stütze findet. (Beifall.)

Hierauf wurde die Debatte über die Anfragen eröffnet. Stoelzl (Deutscher Nationalverbaud) sprach im Sinne eines ebrentcllen Friedens. Wir kämpien für die Integrität, Unabhängigkeit und Freiheit unseres Reiches, für die Ent- wicklui.gsr öglitbkeiten in unserem Staate und in den Staaten unserer Bundesgenoffen. In Übereinstimmung mit den Parteigenossen und wohl auch mit allen Völkern des Reiches weist der Redner mit Entrüstung alles zurück, was gegen die Arn ee gesprochen wurde. (Lebhafter Beifallh Man wolle einen Frieden, der die Gewähr bietet, daß die unendlichen Opfer nicht rimsonst gebracht worden sind, mit dem Recht eigener freier Entwicklung im Verein und im Einverständ­nis mit den treuen Bundesgenossen. (Lebbafter Beifall, Händeklatschen und Heilrufe bei een Deutschnationalen.) „Vergessen Sie nicht", fährt der Redner fort, „daß Deutsch­land das klinkende Schwert für uns gezückt und daß wer als Gegenwehr das Shwert über Deuffchland gehalten haben, als es angegriffen wnrde. Wrr Österreicher und Ungarn können stolz sein aus die Ruhmestaten der verbün­deten Armeen und insbesondere unserer treuen deut­schen Verbündeten, und senden aus dem österreichischen Par­lament der treuen deutschen Armee unseren wärmsten und innigsten Gruß. (Lebhafter Beifall, Härrdeklatschen und Heil­rufe bei den Deutschen.) Fortsetzung morgen.

ver Zoll Hoffmann - Grimm vor dem schweizerischen Nationalität.

W. T.-B. Bern, 28. Juni. (Drahtbericht. Schweizerische Depefchenagentur.) Vor überfüllten Tribünen begann heuie der Nationalrat die Verhandlung über den 6. und 7. Neu­tralitätsbericht des Bundesrats, unter welchem Anlaß der Fall Grimm-Hoffmann zur Sprache kam. Der Präsident des Nationalr rts Bühl er eröffnete die Ver­handlung mit einer Ansprache, in der er feststellte, daß die Angelegenheit Hoffmann in denkbar kürzester Frist von der Schweiz erledigt wnrde, daß frei von fremdem Druck alles geschehen sei, was die Neutralitätspflicht tum der Schweiz fordere, und daß niemand das Recht haoe, mehr von ihr zu verlangen. Er mahnte zu ruhiger Be­sonnenheit bei den Verhandlungen im vaterländischen Geist. (Beifall.)

Der Präsident des Nationalausschusses Stahn (Schaff- Hausen) erstattete Bericht über die politischen Angelegenheiten. Vorerst über Behandlungen mit Deuffchland und mit den Vevblndsmächten über die Versorgung der Schweiz mit R o h st o f f e n und Lebensmitteln. Er erklärte im Namen des Ausschusses, daß Deutschland nach Maßgabe seiner Kräfte die Schweiz mit Kohlen und Eisen versorgt habe. In dem neuen Abkornmen habe Deuffchland es abgelehnt, einen bestimmten Pflichtteil zu Lieferungen zu übernehmen, um sich nicht, wie bei dem ersten Abkommen, einem unberechtigten Vorwurf, es halte mcht seine Verpflichtungen ein, ansza- setzen, Der Redner sprach sodann über das Verhältnis

Amerikas zur Schweiz und stellte fest, daß Amerika über den Lebensmittelverkehr der Schweiz mit Deuffchland die nötige Anfilärung erhalten hat, so daß jetzt und in Zu­kunft eine Verständigung mit Amerika und damit die Sicher st ellung des Landes mit den nöffgen Lebens­mitteln erzielt werden könnte.

Der Redner kam sodann auf die Angelegenheit H o f s m a n n zu sprechen, die im Parlament mit aller Offen­heit behandelt werden soll. Redner gab eine Darstellung des bekannten Depeschenwechsels zwischen Grimm und Hoffmann. Die Kommission stelle mit Genugtuung und Freude fest, datz der Zwischenfall ohne jede Einmischung des Auslands erledigt und bis zur Stunde nicht der leiseste Veffuch einer Einmischung gemacht worden sei. Durch die sofortige Demission Hoffmanns und durch die Erklärung des Bundes­rats betrachtete offenbar auch das offizielle Ausland die An­gelegenheit als erledigt. Auch die ausländische Presse stellt sich größtenteils auf diesen Boden. Eine nachträgliche Einmischung müsse die Schweiz höflich aber bestimmt sich ver­bitten. (Beifall.) Der Redner erörterte den .Inhalt der Depesche Hoffmanns, die angeblich eine unfreundliche Hand­lung gegen die Entente bedeuten soll. Eine solche unfreund­liche Handlung wäre nur dann vorhanden, wenn der Versuch gemacht werden wäre, einen Sonderfrieden zwischen Deuffchland und Rußland zu vermitteln, und damit die A b - sprengung Zeines der Verbündeten zu bewirken. Daß vom Hinwirken auf einen Sonderfrieden nicht die Rede sein kann, geht auch aus dem Wortlaut des Telegramms Grimm her­vor, auf das die bekannte Antwort Hoffmanns folgte. Ans dem Telegramm Grimms mußte Hoffmann. so fuhr Redner fort, die Überzeugung schöpfen, daß in Petersburg Mischen der Entente und Rußland Behandlungen schweben über d:e Möglichkeit eines allgemeinen Friedens. An einen Sonderfrieden zwischen Rußland und Deuffchland konnte Hoffmann affo gar nicht denken. In keiner Antwort hat Hoffmann auch ausdrücklich gesagt: Ich bin überzeugt, daß Deutschland und seine Verbündeten aus den Wunsch Ruß­lands und seiner Verbündeten in Frredensvee- handlungen eintreten würde. AnS dem bekannten Wortlaut der Depesche Hoffmanns geht denn auch mit aller Deutlichkeit hervor, daß er gar nicht an einen Sonderfrieden, sondern mrr an einen allgenaeinen Frieden dachte, für den er den psycholo­gischen Augenblick wohl auf Grund des Telegramms von Grimm als gekommen erachtet. Sein einziger Wunsch war, zu einem allgemeinen Frieden so viel als möglich beizutrogen. Eine unfreundliche Handlung gegen die Entente ftegt auf keinen Fall vor, und Hoffmann hat nicht rat entferntesten daran gedacht, daß sein Schritt als eine solch unfreundliche Handlung anfgefatzt werden könnte. Dagegen muh anerkannt werden, daß die Möglichkeit vor­handen war, daß der Schritt als eme unfreundliche Hnudlung ausgelegt werden könnte. Dies übersehen zu haben, bildet den Fehler Hoffmanns. da es auf die Wirkung enkam. Festzustellen ist, daß die Absicht Hofi- manns rein war, und mit Entrüstung müssen wir den Vor­wurf zurückweisen, Hoffmann habe als deutscher Agent gehandelt. «Beifall.) Hoffmann war einzig geleitet von der bangen Sorge um die Zukunft des Vaterlandes, dem er ein gewisses trübes Schicksal, das bei einer längeren Dauer des Krieges seiner harrt, ersparen wollte. Darum müssen wir alle Schweizer auffordern, sich vor übertriebenen und falschen Schliffsen zu hüten. Es mutz im Interesse des Landes Ruhe und Besonnenheit eintreten. Der Bundesrat hat mir Zustimmung des Parlaments alle nötigen Vorkehrungen getroffen, um volles Licht in die Angelegenheit zu bringen, was Herr Hoffmann nicht im geringsten zu fürchten hat. Hcfftnnnn hat durch seinen Rücktritt den Fehler gebüßt, daß einmal sein Herz über seinen Kopf Meister wurde. Ter Redner mahnte zum Schluffe nochmals ent­schieden zur Ruhe unter Berufung auf den Spruch SenecaS: „klon est loquerdvm sed gubernandiun." (Lebh. Beifall.)

W. T.-B. Bern, 28. Juni. (Drahtbericht.) Nachmfttags- sitzung deS Nationalrats. Die Debatte über die Angelegen- hcii Heffmann-Grimm wird fortgesetzt. Hartmann-Solothurn (kath.-kons.) gibt namens seiner Parteifreunde seinem tiefen Bedauern über den Fall Ausdruck, mahnt aber zur Mäßigung. -

Dar griedenrrezept der allrussischen Arbeiter- und Loldateukongresier.

W. T.-B. Petersburg, 26. Juni. (Petersburger Tele­graphenagentur.) Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands hat sich mit überwältigen­der Mehrheit für folgende von den revolutionären Sozialisten und den minimalistischen Sozialisten vorgeschlagene Ent­schließung über den Krieg entschieden:

Ter gegenwärtige Krieg ist infolge der imperialisti­schen Ziele entstanden, die in den leitenden Kreisen aller Länder herrschen, die darnach strsben, sich neue Märkte anqn- eignen und kleine rückständige Länder ihrem wirtschaftlichen und politischen Einfluß zu unterwerfen. Dieter Krieg führt zur v ö l l i g e n E r i ch ö p f u n g aller Länder und Völker und bringt di? russische Revolution an den Rand des Abgrunds. Er kostet Millionen von Opfern und verschlingt Milliarden der Hilfsquellen deS Volkes rnid ovM