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Verlag Laaggaffe 21

„£«gMat*l>*u£“.

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Donnerstag» 28. Juni 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 323. ♦ 65. Jahrgang.

Der deutsche slbendbericht.

W. T.-B. Berlin, 27. Juni, abends. (Amüich. Draht, bericht.) An allen Fronten ei» allgemein ruhi­ger Tag. Der Hafen von Dünkirchen wurde er­folgreich durch unsere Artillerie beschossen.

Rußland.

Zwei fortschrittliche Gesetzesvorschläge.

W. T.-B ; . Petersburg, 27. Juni. (DrahtSerlcht. PeterZ- burger TelegvaphoiragentM:.) Der Justizminlster Hai ein Ge­setz gwtgckheitzen, das die Frauen ermächtigt, vor Gericht die väterliche Gewalt ausznüben. Der vom Minister des Innern ausgearbeitete Gesetzesvorschlag über die Ge­wissensfreiheit gelangte zur Annahme. Der Glaubens- wschsel findet durch eine mündliche Erklärung vor dem be­treffenden GeisHichen oder deren Religionsgemeinschaft statt. Der Glaube der Unmündigen bis zu 9 Jahren wird vom Water bHtrmmt.

Vom allrusfifchen Arbeiter- und Soldaten- kongreß.

W. T.-B. Petersburg, 27. Juni. (Drähtbericht. Peters­burger Tel^vapheuagontur.) In der Sitzung des Kongresses > der Arbeiter- und Soldatenräte von ganz Rußland vom ,25. Juni wurde mit erdrückender Mehrheit eine Entschließung ÄDer dre >(§verHn.rsse des 22. und 23. Juni angenommen. Darin wird der Entschlich getadelt, in Petersburg eine K un d - gebu.ng zu verrnstalten, ohne Vorwissen des Arbeiter- und Soldatenrats und ohne Mcchmah- men zu treffen, daß die Kundgebung ohne Waffen vor sich ging und iwcht zu Zusammenstößen und Blutvergießen führte, die verhängnisvoll für die Revolution sind. Ferner wurden folgende Bestimmungen getroffen' 1. Die Parteigruppen, die zu den Arbeiter- und Soldatenräten gehören, haben nicht das Recht, Kundgebungen gegen den ausdrücklichen Willen dieser Arbeiter- und Soldatenräte ins Werk zu setzen. 2. Fried­riche Kundgebungen ohne Waffen können von diesen Gruppen uild Parteien ;t»rt Wissen der Arbeiter- und Soldatenräte veranstaltet werden. 3. We bewaffneten Kundgebungen, ein­schließlich Kundgebungen unter Teilnahme von Bewaffneten, können nur mit Zustimmung der Arbeiter- und Soldateriräte als einzigen Organen, die den Willen der revolutionären Demokratie verkörpern, veranstaltet werden. Die Arbeiter. .Soldaten und Bauern werden ausqesordert, sich diesen Ent­scheidungen zn untenwersen und auf keine sonstigen Aufforde­rungen einzugehen, von welcher Seite sie auch kommen mögen. .Alle Übertretungen dieser Entscheidungen drohen den Bürger­krieg heraufznbeschwöven.

W.l.-B. Petersburg, 27. Juni. (Drahtbevicht. Peters­burger Tckgraphen-Agentur.) Der Kongreß der Soldaten- und Arbeitervertretcr ganz Rußlands beschloß in der Sitzung vom 25. Jnni, am 1. Juli auf den Gräbern der O p f e r d e r Revolution Kränze niedcrzuleqen und aus diesen An­laß eine große Kundgebung zu oevrnstalten, zu der alle revolutionären Parteien und Organisationen, Berufs- Verbände der Genossenschaften, Fabriken- und Werkstätten- arbeiter sowie Mikitärabteilnn,pen unter Waffen ein,geladen weiden sollen. Ter Kongreß beschloß, daß am selben Tage entsprechende Kundgebungen in den wichtigsten Städten Ruß­lands, wie Moskau, Kiew, Charkow usw., veranstaltet wer­den sollen, die die Kraft. Einigkeit und Manneszucht der revolutionären aussischea Demokratie zeigen sollen.

W. T.-B. Berlin, 27. Jum. (Dcahrbericht.) Der „B. Z." wird aus Genf gemeldet: Wie der „Secolo" berichtet, findet die Hauptabstimmung des allrussischen Arbeiter- und Sol- datenkougreffes über die Frage, ob Krieg oder Frie­den, endgültig am 8. Juli statt.

Ein pessimistischer Bericht des russischen Lebensmittel, kontrolleurs.

W. T.-B. Bern, 27. Juni. (Dvahtbericht.) »Daily Mail" meldet aus Petersburg vom 20. Juni: Der Lebensmittel- kontrollenr Peschekhonoff erstattete aus dem panrujsischen Kongreß einen sehr pessimistischen Bericht über die Lebens­mittellage. Bon A u g u st an sei mit der Gefahr des Mangels in den Städten zu rechnen. Der Berichterstatter fügte hinzu: Wenn im August die Ernte beginnt, haben die Bauern keine Zeit, das Getreide zu den Bahnstationen zu drangen, und da Reservebestände kaum vorhanden sind, kann der Ernst des Augenblicks für di» Armee und die Großstäüte während der fraglichen Zeit nacht übertrieben werden. Im Herbst aber wird die Bauernschaft stark mit dev Verteilung der Lände r, nach dem sie hungert, beschäftigt sein. Biele Bauern, die kein Geld brauchen, werden es nacht eilig haben, das Getreide zu verschicken. _

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 27. Juni. lDrahtbericht.) Amtlich verlautet vom 27. Juni, mittags:

Auf feinem Kriegsschauplatz Ereignisse von Be- deutuuL Der CLes des Gen eralstad s.

Die Ereignisse in Griechenland.

Die nächsten Folgen der Herrschaft des Venizelos.

Br. Genf, 27. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach Auffassung hiesiger griechischer Kreise stellt dre Rück­kehr des Venizelos zur Macht den Begrnn eures En­tenteprotektorats über Griechenland dar. __ Remzelos dürfte als Ministerpräsident auch die Partei eurue^ des Heeres und der Marine übernehmen. Generat Danglrs würde dann vermutlich zum Generalstabschef ernannt werden. Sobald die Venizelistenkamnrer 191b wieder versammelt ist, wird, so glaubt man hier, dre Mobili­sierung verfügt werden und die Kriegserklärung an Bulgarien unter Berufung aus das serbisch- griechische Bündnis erfolgen.

Rnchepläne von Venizelos.

W. T.-B. Amsterdam, 27. Juni. (Drahtbericht.) Die „Times" meldet aus Athen, daß I o n n a r t die Zustande auf dem Peloponnes für beunruhigend hält und an eine Blockade der Halbinsel denkt. Venizelos beschloß, gegen die schuldigen Personen mit großer Strenge vorz rgehen. Die Generale wurden nach Athen oeeufen, um, .venn sie sich nicht rechtieltigen können, wahrscheinlich als Rebellen be­handelt zu werden.

Jonnarts Generalvollmacht für die radikale Lösung.

W. T.-B. London, 26. Juni. Im Unterhaus lMt B a l - f o u r nach dem „Nienwe Rotterd. Couumt" mitgeteilt, eaß die französische und die englische Regierung Jonnart Gene­ralvollmacht erteilt hatte, die griechische Frage einer radi­kalen Lösung zuzuführen. Jonnart hatte keine ins ein­zelne gehende Weisung erhalten, da inan der Ansicht war, daß sie ihn nur behindern würde. Die britische Regierung sei über die genaue Form der Mitteilung, die an König Kcnstantin gerichtet war, nicht befragt worden, hätte aber die französische Regierung und Jonnart wissen lasten, daß ihres Erachtens die Thronentsagung und Entfernung des Königs unvermeidlich sei.

Die Abberufung des englischen Gesandten in Atlren.

Br. Genf, 27. Juni. (Eig. Doihtbericht. zb.) Der schwei­zerische Pressedienst meldet aus London: Im Unterhaus teilte Balfour mit, daß der bisherige englische Gesandte in Athen, Elliot, abberufen wurde, weil sein Bleiben neben dem französischen Oberkommistar Jonnart unmöglich erscheint. Damit bringt die englische Regierung zum Ausdruck, daß Griechenland völkerrechtlich als selbständiger Staat zu bestehen aufgehört hat und nur noch als verwaltete Provinz gilt.

Verhaftung des Abgeordneten Schliemann.

Vc'. 7.-B. Bern, 27. Juni. lDrahtbericht.) In Larissa wurde der thcssalische Abgeordnete Schliemann, bekannt als Gegner Venizelos' und der Entente, verhaftet.

Italienische Vorwürfe gegen die venizelistische Regierung.

W. T.-B. Bern, 27. Juni. (Drahtbericht.) Anläßlich der Rückkehr Venizelos' erklärt „Giornile d'Jtalia": In der letz­ten Erklärung der vorläufigen Neuerung von Saloniki führt Venizelos eine Sprache, die nicht daraus hindeutet, daß sich die Beziehungen zwischen dem griechischen Volk und Italien bessern könnten. Die Gründe, die zur Besetzung Jan'nas geführt haben, sind im Grunde die gleichen, di« die Schudmächte zu den jüngsten Maßnahmen gegen Grie­chenland bestimmt haben. Italien würde sich freuen, werin unter der neuen Regierung dies« Gründe hinfällig würde-.i. Man kann aber nicht glauben, daß eine verletzende Sprache die geeignetste ist, um in Italien das Vertrauen zu Griechenland zu heben. Es wäre wünschenswert, daß Venizelos gewisse Heißsporne unter seinen Freunden b^ schwicktigt. Der einzige Weg zur Verständigung isß Italien zn verstehen zu geben, daß das neue Griechenland in Einklang mit Italien leben will.

Oer Krieg gegen England.

Dre Untersuchung des Feldzuges in 1 Mesopotamien.

W. T.-B. London, 27. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Dre Untei'i.chungskommistion über die Führung des Feldzuges in Mesopotamien hat ihren Bericht vecöfftntlicht. Es beißt darin, doß so lange die Expedition unter Leitung der Regie­rung von Indien stand, die Bewaffnung, Ausrüstung und Verproviantierung und ärztliche Versorgung in hohem Mutze unzureichend waren.

Die englischen Verluste.

— Amsterdam, 27. Juni. Die englischen ^Verluste am 18. und 19. Juni betragen nach englischen Blätter- angaben 750 Offiziere (156 gefallen) und 18080

Wann.

Arbeiterstreiks in englischen Hafenstädten.

Mangel an Kartoffeln und Gemüse.

W. T.-B. Kopenhagen, 27. Juni. (Drahtbericht.) Kürz­lich aus England eingetroffeue Reisende berichten, daß :n Liverpool und Manchester auf den Wersten und in den Fabriken Streiks an der Tagesordnung sind. Der Schiffs­verkehr in den englischen Häfen habe in der letzten Zeit merk­lich abgenommen. In Edinbourgh und L e i t h verlang­ten neueistich die streikenden Arbeiter ernstlich Frieden oder Auslaufen der Flotte.

Holländisches Gemüse ist in England außerordentlich teuer. Für Kopffalrt bezahlt der Großhandel bei Eintreffen der Schiffe 36 Pf. Trotzdem herrscht in vielen englischen Städten größter Mangel an Kartoffeln und Gemüse.

Zwei englische Schiffe gestrandet.

W.T.-B. Rotterdam, 27. Juni. (Drahtbericht.) „Maasbode" meldet aus Madrid vom 24. Juni, daß die englischen Schiffe „Baymanter" (Bapramaute ?) uiü) „W i l l i a m s" bei Malaga und Alicante strandeten.

ft

Zunahme der antibritische» Afrikander­bewegung?

— Amsterdam, 27. Juni, (zb.) Nach allem, was man aus Südafrika hört, beginnt die antibrstische Bewegung und der Widerstand der Burenbevölkering gegen die grotzk-apitalisti- sthen Ideen Großbrrtauniens immer mehr um sich zu greifen. B o t h a sucht mit allen Kräft-en zu vermitteln, aber sein Einfluß schwindet zusehends und er ist nicht euunel seiner eigenen Partei mehr sicher.

Der llrietzSMskmtz mit Merika.

Die amerikanischen Hilfstruppen fiir die Entente.

Br. Amsterdam, 27. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie der Gewährsmamr der „Boss. Ztg." aus London berichtet, sind in den englischen Häsen bereits einige tausend amerikanische Truppen angekommen, die Vor­arbeiten für die F-ormaüonen treffen. Sackper­ständige äußern, daß die Amerikaner an der Westfront er st im nächsten Winter Bedeutung erlangen dürsten.

*

Die lateinisch-amerikanische Konferenz.

W. T.-B. Bern, 26. Juni. Der „Temps" gibt eine Mek- dirrg der „Agencia Aermicana" aus Buenos Aires wieder, nach der die Konferenz der neutralen Länder, die im Juli in Buenos Aires stattftnden sollte, auf August verschoben worden Kt. Um die Beteiligung derjenigm ameeikanffchen Länder, die sich im Kriege befinden oder die Beziehungen zu Deutschland abgebrochen haben, zn erleichtern, ändert die - argentinische Regierung den obigen Namen der Konferenz in lateinisch-amectkanische Konferenz ab. Die Konferenz soll die Mittel erörtern, um künftig alle Verletzungen der inter­nationalen Vereinbarungen und Rageln zu verhindern. Chile, Peru und U r u g u ach werten an der Konferenz teilncbmen unter der Bedingung, baß Fragen ausschließlich nationalen Charakters nicht erörtert werden. In Rro V Janeiro verlautet, daß trotz der Namensänderuwg die brasi­lianische Regierr-ng beschlösse n habe, an der Konferenz nicht teilzimehmen. _

Der Krieg gegen Italien.

Die italienische Kammer.

W. T.-B. Bern, 27. Juni. (Drahtbericht.) Wie „Popolo d'Jtalia" mitteilt, beabsichtigt die i t a l i e n i s che Kammer, hei te vormittag eine öffentliche Sitzung abzuhalten, um den vcrläusigen Staatshaushalt zunächst für einen Monat zu genehmigen. Alsdann soll die geheime Tagung wieder ausgenommen werden.

Oie Lage im westen.

Minister Malvy in üblem Licht.

Br. Genf, 27. Juni. (Eig. Deahtbemcht. zb.) Wegen Duldung gefährlicher Einslußnohme auf den Gefft der Truppen durch den Pazifisten C a i l l a u x und Ge­nossen ist nach den Auslassungen einiger Pariser Blätter der Minister des Innern Maloy persönlich zur Ver- anttvortung gezogen worden. Unter den Verbrettern der schweren Anschuldigung befinden sich das „Echo" und „La Victoire", die bemerken, es sei höchste Zeit, einschneidende Maßnahmen mit unerbittlicher Strenge zu treffen.

Nene Steuern in Frankreich.

# Bern, 27. Juni. In den neuen ftanzösischen Steuern iijt eine Erhöhung von 50 bis 80 Prozent gepiant. Der letztere Satz soll auf die K r r e g s g e w i n n e von über 1 Million in Anwendung kommen. In 7 bis 8 Monoton hofft man hier­durch 200 bis 300 Millionen einzunehmen. Bon der Beste««.